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Ölpreis: Warum Öl 2020 so billig ist – eine Erklärung

Der Ölpreis ist 2020 ins Minus gestürzt. Was ist die Erklärung dafür? Wie ist die weitere Prognose und was sind die Folgen für uns? Eine Erklärung

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Der Ölpreis ist 2020 ins Minus gestürzt. Was ist die Erklärung dafür? Wie ist die weitere Prognose und was sind die Folgen für uns?

Stellt euch vor, ihr handelt mit Öl – einer Ware, die normalerweise heiß begehrt ist. Dann aber will plötzlich niemand mehr euer Öl haben. Stattdessen müsst ihr den Käufern sogar noch Geld bieten, damit sie euch das Zeug abnehmen. Am Montag, 20. April ist etwas passiert, das es so noch nie gab: Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI stürzte in den negativen Bereich. Das heißt: Wer ein Fass verkaufen wollte, bekam dafür kein Geld – sondern musste stattdessen dem Käufer etwas bezahlen.

Das klingt doch erst mal völlig verrückt oder? Ich meine: Öl – das schwarze Gold, der Motor der Weltwirtschaft! Wie kann so ein wichtiges Produkt einen negativen Preis haben? In meinem Youtube-Video zeige ich euch, was da passiert ist, welche Folgen das für uns in Deutschland hat – und warum vor allem die Amerikaner darunter leiden. Beginnen wir mit der wichtigsten Frage:

Ölpreis 2020: Was ist passiert? Eine Erklärung

Bevor wir starten ist eine Sache wichtig zu verstehen: Öl ist ein Rohstoff, also ein physisches Produkt – ähnlich wie Getreide. Solche Waren werden in riesigen Mengen gekauft – nicht von Privatleuten, sondern von Firmen. Es geht also niemand hin und sagt: „Guten Tag, ich möchte gerne heute ein Fass Rohöl kaufen.“

Stattdessen bestellen zum Beispiel Raffinierien zigtausend Fässer Rohöl, um daraus Treibstoff herzustellen. Um besser planen zu können, zahlen sie schon im Voraus einen festgelegten Preis für ihre Ware, die dann erst in einem bestimmten zukünftigen Monat geliefert wird. Passenderweise nennt man diese Art von Termingeschäft auf Englisch Future.
Auf der Webseite der amerikanischen Terminbörse Nymex kann man sich genau anschauen, was solche Futures für WTI Öl kosten. Am 24. April zum Beispiel hätte ich für ein Fass, das im Juni geliefert wird, knapp 18 Dollar zahlen müssen.

Der Ölpreis bei der CME

Was bedeuten negative Preise beim Öl?

Der ist entstanden, weil noch eine zweite Gruppe an solchen Öl Futures interessiert ist. Das besondere bei denen ist: Sie investieren zwar ihr Geld, wollen das eigentliche Produkt aber gar nicht haben. Stattdessen wetten sie darauf, dass der Preis steigen wird. Dann verkaufen sie ihr Öl Future weiter, bevor die Lieferung fällig wird – und machen damit Gewinn.
Diese Gruppe – nennen wir sie die Spekulanten – ist in den vergangenen Wochen immer größer geworden. Denn weil der Ölpreis wegen Corona so stark gefallen ist, haben sich immer mehr Investoren gedacht: Das ist meine Chance! Tiefer kann es nicht mehr gehen, ich steige jetzt in die Wette ein.

Am 20. April haben die ganzen Spekulanten dann hektisch versucht, ihre Öl Futures loszuwerden. Warum dieser Tag? Nur 24 Stunden später wäre ihr Termingeschäft ausgelaufen, und dann hätten sie das amerikanische WTI Öl tatsächlich im Mai in Empfang nehmen müssen – und zwar an der Lagerstätte im Bundesstaat Oklahoma. Bisher war es immer ganz einfach, in der Zeit kurz vor dem Stichtag die Öl Futures loszuwerden. Jetzt war das Problem aber: Niemand wollte sie kaufen, nicht einmal zu diesem bereits stark gefallenen Preis.

Normalerweise kaufen zum Beispiel Raffinerien oder Chemiefabriken solche Futures kurz vor dem Stichtag, um noch schnell Öl für den nächsten Monat zu besorgen. Aktuell brauchen sie aber gar keins. Und das Öl billig kaufen, um es dann zu bunkern, ist auch schwierig, weil die Lagerplätze für Öl immer knapper und damit teurer werden. Daher mussten am Ende die Verkäufer den Käufern sogar noch Geld dafür zahlen, dass sie ihnen das Öl für Mai endlich abnehmen. Und das ist bisher einmalig in der Geschichte. Die knapp 40 Dollar Negativpreis kann man also quasi als Kosten für die Lagerung interpretieren.

Ok, kurzes Zwischenfazit: Der Preis für das amerikanische Öl ist abgestürzt, weil die Nachfrage wegen Corona eingebrochen ist, gleichzeitig aber immer noch so viel produziert wird, dass die Lager immer voller werden. Und in den Minusbereich ging es an diesem einen Tag nur deshalb, weil die Termingeschäfte ausgelaufen sind – und damit plötzlich die Kosten für die Lagerung den Wert des Öls überstiegen haben. Kommen wir nun zur nächsten Frage.

Was bedeuten Ölpreise für Benzinpreise?

Bisher haben wir nur über das amerikanische Öl gesprochen. Dessen Preis spielt aber an deutschen Tankstellen gar keine Rolle. Unser Sprit ist aus einer anderen Ölsorte gemacht, nämlich Brent. Dieses Öl kommt im Gegensatz zum amerikanischen WTI nicht aus dem Boden in Texas, sondern aus der Nordsee.

In dieser historischen Aprilwoche ist der Preis für Brent nicht ins Minus gefallen, weil man dieses Öl direkt von der Bohrinsel auf Schiffe verladen kann, um es da zu lagern. Die Menge der Öltanker lässt sich noch erhöhen, während das amerikanische WTI Öl fast nur am Empfangsort in Oklahoma gelagert wird– und da sind die Kapazitäten fast erschöpft. Doch trotzdem gab es einen Preisschock.

Das ist die Entwicklung der Brent Futures mit Ausliegerung im Juni. Zum ersten Mal seit 18 Jahren fiel der Preis am 21. April unter die 20 Dollar-Marke. Auch hier zeigt sich also, dass die Nachfrage deutlich kleiner ist als das Angebot. Für uns an der Zapfsäule bedeutet das:

Tanken wird immer billiger! Der Preis für einen Liter Sprit ist so niedrig wie zuletzt im Jahr 2009.

Der Ölpreis fällt - auch die Preise an der Tankstelle

Diese Grafik vom ADAC zeigt sehr schön, wie es seit Ausbruch der Corona-Pandemie immer weiter runter ging. Bevor ihr jetzt aber jubelt und denkt, dass ihr bald Geld fürs Tanken bekommt – nein, einen negativen Spritpreis wird es niemals geben. Das liegt daran, dass ihr an der Zapfsäule nicht nur die Ölfirmen bezahlt, sondern auch den Staat. Mehr als die Hälfte eurer Tankrechnung besteht aus Steuern. Die Energiesteuer pro Liter ist vom Staat festgelegt, die müsst ihr also in jedem Fall bezahlen.

Nach dem Absturz beim Ölpreis - so setzen sich die Benzinpreise zusammen

Etwas billiger könnte der Spritpreis in den kommenden Wochen aber noch werden. Der Grund dafür: Obwohl die Nachfrage nach Öl wegen Corona schon seit Monaten weltweit einbricht, ist das Angebot fast gleich geblieben. Warum ist das so – und was bedeutet das für den Ölpreis in der Zukunft? Damit kommen wir zu Frage 3.

Ölpreis 2020: Wie ist die Prognose?

Beginnen wir auch hier wieder in Amerika: Seit zwei Jahren sind die USA das größte Ölförderland der Welt – vor Saudi-Arabien und Russland. Das Geheimnis hinter dem Erfolg heißt Fracking – und funktioniert so: Ölunternehmen bohren kilometertief liegende Gesteinsschichten an und pressen unter hohem Druck Wasser, Sand und Chemikalien in die Bohrlöcher. Dadurch bricht das Gestein auf und gibt das im Boden befindliche Erdöl frei.

Diese Technologie ist noch relativ jung und die Firmen haben Milliarden investiert, um Anlagen und Pipelines zu bauen. Häufig ist das im wahrsten Sinne des Wortes auf Pump finanziert – also mit Krediten. Die müssen die Fracking Firmen ja weiterhin abbezahlen. Also fördern sie weiter das Öl und verkaufen es zur Not zu Dumpingpreisen – Hauptsache, es kommt Geld rein. Außerdem lässt sich die Produktion nicht einfach von heute auf morgen herunterfahren. Ist die Quelle einmal angebohrt, sprudelt das Öl – und so wird das schwarze Gold zur Ramschware.

Schauen wir jetzt auf die anderen beiden großen Ölstaaten: Russland und Saudi-Arabien. Das Land am Persischen Golf st Anführer der Opec, einer Organisation erdölexportierender Länder. US-Präsident Donald Trump persönlich hat sich vor Kurzem mit der Opec und Russland darauf geeingt, dass sie ihre Fördermenge senken. Wie immer hat sich Trump dafür tierisch abgefeiert. Great deal for all!

Das Problem ist aber: Diese Vereinbarung tritt erst ab Mai in Kraft. Und die vereinbarte Drosselung ist viel zu klein, es wird also trotzdem ein riesiges Überangebot bleiben – und damit den Preis unten halten. Die Rechnung ist einfach: Zusammen sollen die OPEC, Russland und US-Unternehmen ihre Öl-Produktion um rund zehn Millionen Fass pro Tag senken. Der globale Verbrauch aber ist drei Mal so stark eingebrochen! Der Deal ist also „too little too late“. Kommen wir nun zur vierten und letzten Frage.

Warum leiden vor allem die USA?

Das Fracking in den USA ist deutlich aufwendiger und damit teurer als die Ölförderung in Russland oder Saudi-Arabien. Dort lassen sich die billigen Ölpreise also länger durchhalten. Außerdem sind die Ölfirmen in staatlicher Hand und können damit schneller durch finanzielle Reserven unterstützt werden.

In den USA dagegen sind es private Unternehmer, die ins Ölgeschäft eingestiegen sind. Die brauchen aber einen deutlich höheren Ölpreis, um ihre Kosten decken zu können. Weil der Rohstoff aber an Wert verloren hat, machen immer mehr von ihnen Pleite. In den vergangenen 5 Jahren meldeten über 200 nordamerikanische Ölförderer Insolvenz an.

Der Absturz beim Ölpreis treibt Fracking-Unternehmen in die Pleite

Und allein im März gingen nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg mehr als 50.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren. Das könnte aber erst der Anfang sein – der Anfang eines Albtraums für Donald Trump. Denn mehrere Millionen Menschen sind in Amerikas Ölindustrie beschäftigt. Ihr Zusammenbruch würde ein Heer von Arbeitslosen hervorbringen, die sich bei der kommenden Präsidentschaftswahl im November gut überlegen werden, ob sie Trump wählen. Deshalb hat der US-Präsident jetzt reagiert:
Er werde die Industrie nicht hängen lassen, versprach er auf Twitter.

Aber was kann er tun, um die zwei größten Probleme zu lösen – die Überproduktion und den Lagerkollaps? Eine Möglichkeit wäre, hohe Gebühren für Ölimporte einzuführen – Strafzölle sind ja eine seiner Lieblingsmaßnahmen.

Außerdem überlegt die Regierung angeblich, Fracking-Firmen dafür zu bezahlen, das Öl im Boden zu lassen um so das Angebot zu senken und den Preis wieder steigen zu lassen.
Meine persönliche Meinung ist: Mag sein, dass solche Maßnahmen kurzfristig helfen, aber sie werden sehr teuer. Und die Nachfrage steigt damit ja trotzdem noch nicht, dafür müsste Trump die amerikanische Wirtschaft schnell wieder öffnen – und in Kauf nehmen, dass noch mehr Menschen an den Folgen des Coronavirus sterben. Der US-Präsident steckt also in einer Zwickmühle – und das könnte ihn am Ende sogar die Wiederwahl kosten.

Ich bin echt gespannt, wie es weitergeht, in jedem Fall wird uns das Thema Öl dieses Jahr noch viel beschäftigen. Wie ist denn eure Meinung zu der ganzen Sache? Welche Prognose habt ihr für den Ölpreis – und nutzt ihr jetzt vielleicht sogar die Chance, um auf steigende Preise zu spekulieren?

Auf jeden Fall schon mal vielen Dank fürs Zuschauen, ich hoffe, euch haben das Video und der Artikel gefallen! Wenn ihr meine Arbeit als unabhängiger Journalist unterstützen wollt, abonniert gerne meinen Kanal WasmitWirtschaft – und wir sehen uns beim nächsten Video wieder.

Euer Maximilian Nowroth.

Maximilian Nowroth ist Wirtschaftsjournalist und YouTuber. Der Düsseldorf hat mehr als 5 Jahre für das Handelsblatt gearbeitet, sein jüngstes Projekt war die Redaktionsleitung der jungen Marke Orange. Jetzt hat er sein eigenes Medium #WasmitWirtschaft gegründet, um wirtschaftliche Themen anschaulich und persönlich zu erklären. Ihr findet ihn auf YouTube und bei Instagram.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Marktbeobachter

    28. April 2020 17:50 at 17:50

    Ölpreisentwicklung, die Elfte!
    Oder frei nach Karl V.: Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Erinnerte auch stark an Schulunterricht.
    Dennoch sehr anschaulich.

  2. Avatar

    Sebastian Köhler

    29. April 2020 14:25 at 14:25

    Danke für die sehr gute Erklärung. Persönlich glaube ich an eine Mittel- bis Langfristige Preissteigerung, hängt aber alles davon ab wann vor allem die USA wieder zur Normalität zurückkehren kann. Ich werde die Tage aber erst mal noch meinen Öltank füllen, persönlich bin ich also über die niedrigen Preise von Heizöl und Benzin weniger traurig. Vor allem wegen der beiden durstigen 8 Zylinder in der Garage.

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Aktienmärkte: Dänemark, der Börsenstar des Jahres

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Jeden Tag blicken wir gespannt auf die Aktienmärkte in den USA, um an der Wall Street die wundersame Rally der Hightechwerte zu verfolgen. Apple, Amazon und Co haben den Nasdaq zu einem Highflyer gemacht, dessen Performance aufgrund von nur sieben Titeln die Indizes der Welt in den Schatten gestellt hat.

Aber relativ unbemerkt gibt es in Europa einen der kleinsten Aktienmärkte, der sogar in Schlagweite zur Technologiebörse in den USA geblieben ist: der OMX in Dänemark.

Aktienmärkte: Der dänische Leitindex trotzt Corona

Dänemark ist nicht nur ein relativ kleines Land in Europa mit gerade einmal 5,8 Millionen Einwohnern, auch umfasst der Leitindex OMX Copenhagen nur 20 Aktien. Was ihn aber nicht davon abgehalten hat, sich im Coronajahr an die Performance-Spitze der größeren Aktienmärkte der Welt zu setzen. Zum Ende letzter Woche ergab sich dabei folgende Performance zum 1.1. 2020:

OMX Kopenhagen + 16,9 Prozent
CSI China + 11,6 Prozent
S&P 500 + 0,5 Prozent
Dax – 9,1 Prozent
Einzig der Nasdaq 100 lieferte mit plus 22 Prozent noch etwas mehr. Allerdings spielt auch der Wechselkurs noch eine Rolle und da hat die dänische Krone gegenüber dem Euro sogar noch etwas aufgewertet.

Gründe für das gute Abschneiden

Da ist zum einen die Entwicklung von COVID-19 in dem skandinavischen Land zu nennen. Aufgrund eines frühen Lockdowns litt das Land nicht so sehr unter den ökonomischen Folgen der Pandemie, das dänische Bruttoinlandsprodukt verlor im zweiten Quartal um 6,9 Prozent, weniger als der Durchschnitt in Europa (-12,1%), aber auch weniger als Deutschland oder den USA (-9,7%/9,5%). Hinzu kommen die weltweit üblichen Rettungspakete, die auch die dänische Regierung verabschiedet hat. Alles das wäre aber nicht in der Lage, den Index so zu „pushen“ – es ist vielmehr die Zusammensetzung des Leitindex in Dänemark.

Es sind eine Reihe von Pharma- und Biotechfirmen, die im Index sehr dominant vertreten sind und die von der Pandemie im Besonderen profitiert haben: Der weltgrößte Insulinhersteller Novo Nordisk, die Medizintechnikfirma Ambu, Coloplast, Genmab, CHR Hanssen und Novozymes, Firmennamen, die in unseren Breiten nicht allzu bekannt sind. Damit kommen die Gesundheitsfirmen auf die Hälfte der Marktkapitalisierung des Index in Höhe von 370 Millionen Euro. Dennoch ganz schon imposant im Vergleich zu unserem DAX, dem Leitindex in einem Land mit 83 Millionen Menschen, der gerade eine gute Billion Euro auf die Wage bringt.

Ein großer Nachteil eines Engagements ist damit schon erklärt, denn man fokussiert sich dann ziemlich stark auf eine Branche mit wenigen Titeln. Zumal die Unternehmensbewertung durch die Hausse deutlich nach oben gegangen ist. KGVs von 22 (Novo Nordisk) bis hin zu 60 (Genmab) oder 110 (Ambu) zeigen ein weiteres Gefahrenmoment auf. Aber die Wachstumsstory ist noch intakt und der dänische Index ist noch wenig auf dem Radar internationaler Fonds gesichtet – anders als etablierte Aktienmärkte dieser Welt. Natürlich gibt es zu Zeiten von Corona auch Verlierer im OMX, wie den Bürodienstleisters ISS, die Danskebank oder die Brauerei Carlsberg. Diese vermochten es aber nicht, die Performance des Index arg zu dezimieren.

Fazit

„We Are Red We Are White, We Are Danish Dynamite“, lautete einmal ein Song des fußballbegeisterten Dänemark, insbesondere beim Gewinn des Europameistertitels 1992 in Schweden. Ausgerechnet gegen den damals amtierenden Weltmeister Deutschland. Scheint so, als ob für die Börse des kleinen nordischen Landes in diesem Jahr auch wieder so ein kontinentaler Titel möglich ist.

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