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Optionshandel: Der Einfluss auf die Aktienmärkte – über Gier und Risiken

Der Optionshandel wird immer wichtiger für die Aktienmärkte

Wer geglaubt hat, dass exzessive Kursteigerungen wie bei GameStop und AMC nach dem Reopening der US-Wirtschaft der Vergangenheit angehören, dürfte sich derzeit etwas wundern: Viele der jungen Trader sitzen zwar wieder an ihrem Arbeitsplatz, aber sie haben ein neues Objekt der Begierde entdeckt: den Optionshandel. Im Fokus ist derzeit ausgerechnet die Aktie ihres Brokers RobinHood – und man arbeitet mit denselben Methoden, wie in der jüngsten Vergangenheit. Die Nutzung von Internetforen und des gefährlichen Mittels der Hebelung durch den Optionshandel sind geradezu ein Breitensport geworden: man handelt Optionen, meist weit aus dem Geld liegend. Viele laufen am heutigen kleinen Verfallstag an der Börse aus.

Optionshandeel: Gamma-Squeeze, die nächste?

Was ist mit diesem Fachbegriff aus dem Optionshandel gemeint? Es hat mit den technischen Zusammenhängen zu tun, denn wenn ein Optionshändler eine Call-Option verkauft (und um die Kaufoptionen handelt es sich in der Mehrzahl bei den Robinhoodern), muss er die zugrundeliegende Aktie kaufen, um sich abzusichern. Mit dann teilweise absurd anmutenden Kurssteigerungen. Delta-Hedging lautet das Verfahren für den Broker, um sich marktneutral aufzustellen. Nicht schon wieder Delta, werden sich einige denken, dieser griechische Buchstabe läuft schon den ganzen Tag in den Nachrichten im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Aber wenn dies viele Anleger gleichzeitig tun, so wird eine fundamental wenig werthaltige Aktie in gewaltige Höhen getrieben, wie es bei GameStop und AMC im Frühjahr der Fall gewesen ist, sehr zum Schaden der Leerverkäufer, auf die es die jungen Wilden in den Redditforen anfänglich abgesehen hatten.

Nach dem Börsengang des Brokers RobinHood wiederholte sich das Spiel im Optionshandel von Neuem. Nach einem mäßigen Börsengang schoss das Papier ein paar Tage später um über 140 Prozent nach oben, um danach wiederum abzufallen.

Laut der US-Clearingstelle Options Clearing Corporation (OCC) wurden in der letzten Woche über 1,2 Millionen Optionen auf RobinHood gehandelt. Ein Vielfaches gegenüber den großen Werten im S&P 500.

Optionshandel zieht Neulinge an

Denn darin liegt die Besonderheit bei den Optionen: Man kann mit einem kleinen Budget eine große Wirkung erzielen, aber mit zunehmendem Risiko. Je höher der Ausübungspreis und je kürzer die Laufzeit ist, desto günstiger sind die Optionen und umso größer wird aber die Wahrscheinlichkeit des wertlosen Verfalls der Option.

Das Coronajahr hat dem Optionshandel einen großen Schub verliehen. Ausgestattet mit Stimulusschecks und viel Zeit haben gerade die Unerfahrensten diesen Handel mit Kontrakten genutzt. Untersuchungen ergaben, dass besonders die Neu-Trader mit weniger als einem Jahr Börsenerfahrung mit den Hebelpapieren zocken. Nach einer Auswertung der Deutschen Bank jeder Zweite, schon im zweiten Jahr verringert sich dieses Verhältnis auf ein Drittel, mit weiter sinkender Tendenz. Anscheinend muss irgendwann den Verlusten Tribut gezollt werden.

Jedenfalls ist das Volumen an Kontrakten von Januar 2020 mit 515 Millionen bis über 900 Millionen gestiegen, im Vormonat waren es immer noch 790 Millionen.

Der kleine Verfall am heutigen Freitag

Heute wird wieder abgerechnet, auch bei den Optionen auf den Börsenneuling. Gestern gab es noch 14.000 Call-Optionen, bei denen Anleger die Wette abschlossen und darauf wetteten, dass die RobinHood-Aktie bis zum heutigen Verfallstag auf 70 Dollar steigt.

Sogar 1600 Call-Kontrakte haben einen Ausübungspreis von 130 Dollar, auch für diese ist an diesem Freitag Verfall. Da müsste sich schon Gewaltiges ereignen, damit dies nicht zu einer Nullnummer wird.

Irre, die Risikobereitschaft der jungen Wilden im Optionshandel. Laut der Clearingstelle OCC gab es Mitte der Woche 75.000 Call-Optionen, zu verschiedenen Ausübungspreisen, die über dem aktuellen Kurs lagen. Wiederum eine Anomalie, denn dieses Verhältnis ist bei Standardwerten weitaus geringer. RobinHood schloss am Donnerstag mit 48 Dollar, viele Wunschvorstellungen dürften heute platzen.

Wie lange wird diese Art des scheinbar „mühelosen“ Geldverdienens anhalten?

Natürlich wird es bei der ersten Korrektur, die ihren Namen in diesem Jahr verdient, zu einem Wash-Out kommen. Die riesigen Hebel wirken auch in der anderen Richtung und Totalverluste sind schon bei einstelligen Kursabschlägen für viele besonders Leichtsinnige garantiert. Denn es gilt zu bedenken, es gibt es kein (Gewinn-)System an der Börse, welches sich nicht durch Anpassung erledigt. Will in diesem Fall heißen: Die Profis mit ihren Informatikern und Mathematikern reagieren auf die Nachrichten in den sozialen Medien, Algos spüren Trends auf und die Hochgeschwindigkeitsrechner springen mit Zeitvorteil auf den Zug auf.

Die Erfahrenen warnen die Neulinge vor den Gefahren beim Optionshandel – es geht wohlgemerkt nicht um die Anlage in Aktien oder Zertifikate, sondern um „Massenvernichtungswaffen“, wie Warren Buffett Optionen schon einmal genannt hat.

Aber bei den 22 Millionen Nutzern von RobinHood, die laut SEC für über 38 Prozent des Umsatzes des Neobrokers zu Beginn des Jahres verantwortlich waren, dürfte dies zunächst auf taube Ohren stoßen.

Fazit

Auch wenn es erkennbar eine Pattsituation an den US-Börsen zwischen den verschiedensten Faktoren gibt und der Anlagenotstand infolge der rekordtiefen Negativrealrenditen keinen Ausweg lässt: Ständig steigende Kurse machen leichtsinnig, führen zur Gier nach mehr, nach Hebelung, nach Kreditaufnahmen zum Zwecke der Optimierung der Strategie – und zum Margin Call. Der Optiinshandel spielt eine immer größere Rolle für die Aktienmärkte.

Diese in periodischen Abständen immer wieder auftretenden Auswüchse, speziell bei Neulingen, die die Wirkung von Hebelkräften nach unten noch nicht erlebt haben, werden mehr und mehr zur Gefahr für die Aktienmärkte. Daher einer meiner Lieblingssprüche an der Börse: „Es liegt in der Natur des Kapitalismus, dass es in periodischen Abständen zum Ausbruch des Wahnsinns kommt.“

Vor allem, wenn ein schwankungsarmer Zyklus immer länger währt und immer mehr auf diesen Zug aufspringen, wie Hedgefonds, nur eben nicht in der plumpen Weise. Für mich ist die Diskussion über ein Tapering ab November oder Dezember nicht das Bedrohliche, jeder weiß, dass es kommen wird und das Bekannte richtet selten Schäden an der Börse an. Es sind die Überraschungen und die Gier, auch wenn diese am Fear&Greed-Index so gar nicht ablesbar ist.



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5 Kommentare

  1. Aber am heutigen Freitag (13.8.) ist doch kein Verfall. Der ist doch erst nächsten Freitag !

  2. @Mustermann Max. Wow, da ist mir aber ein Fehler unterlaufen. Sie haben Recht. Ich bitte um Entschuldigung.

    1. Kein Problem, kann ja mal passieren. Ich muss euch allen bei dieser Gelegenheit mal ein großes Lob aussprechen ! Eure Seite gehört zu einer meiner wichtigsten Informationsquellen. Ihr berichtet sehr objektiv und sachlich. Auch die täglichen Videos von meinem bayerischen Landsmann H. Fugmann sind spitze ! Vielen Dank dafür, macht bitte so weiter und die nächsten Tage ein schönes und sonniges Wochenende. :-)

      VG

  3. Einer ahnungsloser als der andere. Verfall gibts alle paar Tage

    1. Ich würde mich mit deinen herablassenden Aussagen ein wenig zurückhalten. Den großen und kleinen Verfallstag (nur DAVON war die Rede) gibt´s NICHT alle paar Tage, sondern nur immer am 3. Freitag eines Monats.

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