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Vordergründig geht es um “Extremisten” Pakistan, Iran und Afghanistan: Raketen und Wasser

Westliche Öffentlichkeit von der Eskalation überrascht

Pakistan Iran Afghanistan

Vordergründig geht es um “Extremisten”, doch der Hintergrund ist der Kampf um das lebensspendete Nass, um das sich Pakistan, Iran und Afghanistan streiten. Die westliche Öffentlichkeit ist von dieser Eskalation überrascht.

Iran und Pakistan beschießen sich gegenseitig

Der Konflikt zwischen Pakistan und dem Iran hat sich in den letzten Tagen verschärft, nachdem beide Länder gegenseitig Ziele auf dem Territorium des anderen mit Raketen und Drohnen angegriffen haben. Der Auslöser war ein iranischer Luftangriff auf eine mutmaßliche terroristische Gruppe in Pakistan, die mit Israel in Verbindung stehen soll. Dabei wurden zwei Kinder getötet. Pakistan reagierte mit eigenen Luftangriffen auf militante Separatisten und Terroristen im Iran, die eine Unabhängigkeit der pakistanischen Provinz Baluchistan fordern. Bei den pakistanischen Angriffen kamen neun Menschen, darunter vier Kinder, im Iran ums Leben. Der Konflikt hat die Spannungen in der Region erhöht und das Risiko einer Eskalation birgt. Die beiden Länder werfen sich gegenseitig vor, Extremisten zu unterstützen, die Anschläge auf das andere Land verüben.

Wasser des Helmand-Flusses als Kern des Konflikts

Hinter diesem Konflikt verbirgt sich auch ein langjähriger Streit um die Nutzung und Verteilung des Wassers des Helmand-Flusses, einer lebenswichtigen Ressource für Iran, Afghanistan und Pakistan. Obwohl 1973 ein Wasserabkommen zwischen dem Iran und Afghanistan geschlossen wurde, werfen sich beide Seiten vor, diesen Vertrag zu verletzen. Die Situation verschärfte sich besonders nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im August 2021. Die Taliban eröffneten den Kamal-Khan-Staudamm an der Grenze zum Iran, was zu tödlichen Schusswechseln zwischen iranischen Grenzsoldaten und Taliban-Kämpfern führte. Die Taliban sollen angeblich mehr Wasser in den Iran fließen lassen, jedoch gibt es keine offizielle Bestätigung.

Pakistans Unterstützung für Afghanistan in diesem Konflikt basiert auf der Abhängigkeit von politischer Stabilität in Afghanistan für seine eigene innere Stabilität. Zugleich befürchtet Pakistan, dass Afghanistan den Zufluss für den Indus sperrt, was zu einer Reduzierung der Wasserressourcen führen könnte. Der Klimawandel verstärkt die Herausforderung durch geringere Regenfälle in der Region, was zu Wasserknappheit und einer Bedrohung für die Landwirtschaft und Lebensgrundlage von Millionen Menschen führt.

Etwa 70% von Pakistans Wasser stammt aus dem Indus-Flusssystem, das von den Himalaya-Gletschern gespeist wird. Während der Indus-Wasservertrag von 1960 die Wasseraufteilung zwischen Indien und Pakistan regelt, existiert kein formeller Vertrag zwischen Afghanistan und Pakistan über die gemeinsame Nutzung des Wassers, obwohl Afghanistan ein wichtiger Zufluss für den Indus ist. Afghanistan plant den Bau mehrerer Staudämme und Bewässerungsprojekte, was die Wassermenge für Pakistan verringern könnte.

Iran leidet unter schwerer Dürre

Der Iran teilt ähnliche Sorgen wie Pakistan, da er – wie Afganistan auch – unter einer schweren Dürre leidet, die die landwirtschaftliche Produktion und Energieversorgung beeinträchtigt. Der Iran hat mit Afghanistan Verträge über grenzüberschreitende Flüsse wie den Helmand, den Harirud und den Sistan, aber diese werden oft nicht eingehalten. Der Iran hat keine Vereinbarung über den Harirud-Fluss, der für Bewässerung und Stromerzeugung in der afghanischen Provinz Herat genutzt wird. Die Sorge des Irans besteht darin, dass Afghanistan seine Wasserentnahme aus dem Harirud erhöhen könnte, um den 2015 fertiggestellten Salma-Damm zu füllen. Der Sistan-Fluss, der in den Hamun-See mündet, ist fast ausgetrocknet, da Afghanistan das Wasser für eigene Zwecke nutzt.

Die gegenseitigen Vorwürfe, Extremisten zu unterstützen, verbergen letztlich den eigentlichen Konflikt um die Verteilung eines schon zu normalen Zeiten knappen Wassers. Missmanagement, nationale Interessen und nicht zuletzt der Klimawandel führen zu einer Verringerung der verfügbaren Wasserressourcen und entfachen Verteilungskämpfe.



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3 Kommentare

  1. Ein Thema für einen erneuten Gipfel zwischen der „Organisation für Islamische Zusammenarbeit“ und der „Arabische Liga“, weil es lt. des obigen Berichts ja u.a. auch um Israel geht.

    1. Schon mal an False Flag durch Israel gedacht?

  2. Vielleicht sollte man sich im Iran mehr mit Investitionen in eine bessere Wasserversorgung und resilientere Landwirtschaft befassen, als in die Produktion von eigenen Kernwaffen und Raketen oder Drohnen für Russland.

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