Folgen Sie uns

Allgemein

Panama Papers: Österreichischer Bankvorstand tritt zurück!

Avatar

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Etwas Merkwürdiges spielt sich heute in Österreich ab. Aufgrund der Veröffentlichungen der Panama Papers tritt heute der Vorstandsvorsitzende der Bank “Hypo Vorarlberg” zurück. Was daran merkwürdig ist? Dr. Michael Grahammer habe sich überhaupt nichts zu schulden kommen lassen, auch die Bank habe nichts falsch gemacht. Alles sei zu 100% in Ordnung. Details und Original-Statements hier…

Dr. Michael Grahammer
Dr. Michael Grahammer, Vorstandsvorsitzender der österreichischen Bank Hypo Vorarlberg, tritt zurück. Foto: Hypo Vorarlberg

Gleich vorweg: Wenn man als Bank und Bankchef nichts falsch gemacht hat, gegen keine Gesetze verstößt und auch nichts moralisch Verwerfliches gemacht hat, warum tritt man dann zurück? Das ist doch eine berechtigte Frage, oder? Genau das ist aber heute passiert. Der Chef der Hypo Vorarlberg Dr. Michael Grahammer hat heute seinen Rücktritt verkündet. Die Bank ist zu 76% im Besitz des gleichnamigen österreichischen Bundeslandes und ist mit 14 Milliarden Euro Bilanzsumme immerhin die größte Bank in dem Bundesland.

Grahammer sagte heute er sei zu 100% davon überzeugt, dass die Bank zu keiner Zeit Gesetze oder Sanktionen verletzt habe. Es handele sich bei diesem Rücktritt nicht um ein Schuldeingeständnis, sondern um eine sehr persönliche Entscheidung. Auch sieht sich Grahammer als Opfer der österreichischen Medien. Wir meinen: Wenn er nichts falsch gemacht hat, alles total 100% in Ordnung ist in Sachen Briefkästen, Panama etc, warum tritt er dann zurück? Dann kann er dann voll in die Offensive gehen und Kritiker auffordern Fakten zu liefern, die ihn belasten!

Aber angeblich sei sein heutiger Entschluss zum Rücktritt bereits in den vergangenen 15 Monaten gereift. Ahhh ja… Grahammer hatte sich kurzfristig mit dem Landeshauptmann von Vorarlberg (wie bei uns der Ministerpräsident) auf eine Sonderprüfung der Bank durch die Wirtschaftsprüfergesellschaft PWC geeinigt. Und dann so plötzlich der Rücktritt? Sicherlich zeitlich gesehen nur ein großer Zufall?

Wohl aufgeschreckt durch das Hypo Alpe Adria-Desaster ist man in Österreich bei sowas inzwischen extrem sensibel geworden. Die dortige Bankenaufsicht FMA (wie bei uns die BaFin) ist seit gestern dabei Dokumente der Panama Papers zu sichten. Bei einer anlassbezogenen Vorortprüfung gehe man direkt in das Institut und lasse sich alle Unterlagen vorlegen, sagte die FMA dazu. Auch die Raiffeisen Bank International (RBI) wird wg. den Panama Papers genauer geprüft.

Da kann man mal fragen: Wie sieht es denn in Deutschland aus? Während in Österreich und anderswo bereits fleißig in den Banken geprüft wird durch Finanzaufsichtsbehörden, schweigt unsere BaFin. Keine offizielle Mitteilung zu den Panama Papers. Der Spiegel erfuhr aus informierten Kreisen, dass die BaFin evtl. bei einzelnen Banken nachfragen wolle – was heißt das? Man verschickt irgendwann Briefe mit Fragen. Unser Justizminister Maas sagte dazu am Dienstag “Niemand wird sich dem nationalen Recht und auch den deutschen Fahndungsbehörden dauerhaft entziehen können.” Aber was passiert in der Realität? Wo andere jetzt schon prüfen, wird in Deutschland großspurig angekündigt oder gedroht. Passieren tut wenig oder gar nichts, so darf man es vermuten. Sonst hätte es durch die BaFin oder das übergeordnete Bundesfinanzministerium schon längst ein offizielles Statement hierzu gegeben. Aber zurück nach Österreich. Wie hört sich das alles denn mit den Original-Worten der Hypo Vorarlberg an? Hier die Statements zum heutigen Rücktritt und zu den Panama Papers:


Rücktritt

Der Vorstandsvorsitzende der Hypo Vorarlberg, Dr. Michael Grahammer, hat gestern Abend überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben. Diese Entscheidung sei durch diverse Ereignisse und Entwicklungen im vergangenen Jahr heran gereift. „Schlussendlich war die mediale Vorverurteilung der Hypo Vorarlberg und meiner Person, die in den letzten Tagen erfolgt ist, ausschlaggebend für mich, diesen Schritt zu setzen”, erklärte Grahammer. Seine Entscheidung habe in keinster Weise damit zu tun, dass die Mitarbeiter der Bank nicht korrekt gearbeitet hätten. Ganz im Gegenteil: „Ich bin nach wie vor zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Bank zu keiner Zeit Gesetze oder Sanktionen verletzt hat”, betont er. „Die Mitarbeiter der Bank haben nicht verdient, in den Medien so dargestellt zu werden”, so Grahammer abschließend.

Panama Papers

In der aktuellen Berichterstattung des ORF und zahlreichen weiteren Medien zum Thema „Panama Papers” wird auch die Hypo Vorarlberg mit Offshore-Gesellschaften in Verbindung gebracht. Angesichts der Medienberichte hält der Vorstand der Bank einige Sachverhalte fest. Generell sind die Auskunftsmöglichkeiten aufgrund des § 38 Bankwesengesetz (BWG) stark eingeschränkt.

Der Vorstand hält fest, dass die Hypo Vorarlberg in ihrer Geschäftspolitik eine rigorose Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verfolgt. “Wir haben deshalb zu keiner Zeit gegen europäische oder US-amerikanische Geldwäschebestimmungen bzw. Sanktionen verstoßen. Gesetzliche Bestimmungen werden von uns sehr ernst genommen und penibel eingehalten”, erklärt Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Grahammer. Dazu zählt u.a. die Identifizierung des wirtschaftlichen Eigentümers eines Kontos, die seit 2008 verpflichtend ist.

Über die gesetzlichen Vorgaben hinaus hat die Hypo Vorarlberg in vielen Bereichen interne Richtlinien erlassen. Obwohl z.B. die Überprüfung der US-amerikanischen OFAC-Liste keine direkte Anwendbarkeit in Österreich hat, wird diese Vorgabe berücksichtigt. Alle Geschäftsbeziehungen werden von der Compliance-Abteilung mit Hilfe eines elektronischen Überwachungsprogrammes überprüft, wodurch jede Kundenbeziehung sowie Auslandstransaktionen mit den relevanten EU-Sanktionslisten sowie mit internationalen Sanktionslisten wie der des Office of Foreign Asset Control (OFAC) abgeglichen werden.

Die Implementierung aller gesetzlichen Vorschriften in der Hypo Vorarlberg wird sowohl von der internen Revision als auch dem Bankprüfer überprüft und schriftlich festgehalten. Zudem wurde und wird die Bank im Bereich Geldwäsche von der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA sowie hinsichtlich der Einhaltung von Sanktionen von der Österreichischen Nationalbank (OeNB) geprüft und beaufsichtigt. Dazu gehören auch Geschäftsbeziehungen zu Offshore-Gesellschaften, die per se nicht illegal sind. Der Vollständigkeit halber hält der Vorstand fest, dass auch Liechtensteiner Unternehmen und Privatkunden als Offshore-Gesellschaften gelten, mit denen die Bank naturgemäß Geschäftsbeziehungen geführt hat bzw. führt. Dennoch wurde die Anzahl von Konten für nicht operativ tätige Übersee-Gesellschaften in den vergangenen Jahren bereits sukzessive abgebaut und wird auch in Zukunft noch weiter reduziert.

Aufgrund der aktuellen Berichterstattung hat der Vorstand bereits eine Spezialprüfung in Auftrag gegeben und wird in der Folge eine Zusammenfassung der Ergebnisse veröffentlichen, um die Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmungen zu untermauern. Entsprechend der Geschäftsphilosophie der Hypo Vorarlberg werden nur solche Geschäfte abgeschlossen, die der Vorstand auch in der Öffentlichkeit vertreten kann.


3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    jobi

    7. April 2016 18:08 at 18:08

    Die Abfindung wird wohl so groß sein das da keine Tränen fließen werden.Leider.

  2. Avatar

    the real

    7. April 2016 23:24 at 23:24

    Dieses Hypo Kärnten Debakel, stößt mir sauer auf. Aus meiner Sicht müssen für solche Deals Köpfe rollen (im übertragenen Sinn). Passiert ist nicht viel, unser Bundesland Kärnten ist eigentlich Pleite. Es wird nur teilweise durch die Medien kommuniziert. Für meinen Geschmack gehört das Bundesland in die Pleite geschickt und daher auch die gläubiger der Hypo. Wo leben wir den, dass Banken Besitztümer, von Staaten(Bürgern) als Pfand leihen können. Die Einigungsverhandlungen laufen mies, Rückerstattungs-Beträge liegen bei 80% !!! und werden trotzdem nicht angenommen. Ich sehe keinen Grund wieso man die Bank nicht in den Konkurs schickt, ( ja natürlich das Vertrauen wäre geschädigt, andere Banken (Raiffeisen) könnten Probleme bekommen und und und.- langfristig Interessiert das keinen, es wird durch billiges Geld krampfhaft versucht den Schein der unendlichen Glückseligkeit aufrecht zu erhalten. Durch solche Geschichten wird dies eine traurige Wahrheit. Einer funktionierenden Wirtschaft muss gestattet sein sich selbst zu bereinigen um Gesund zu wachsen – dazu gehören Pleiten.
    Ich bin gespannt wenn größere Kartenhäuser anfangen zu wackeln, die Deutsche, indiziert seit Monaten Spannungen, wenn sich die Jungs “verzocken” dann brennt der Hut.

  3. Avatar

    joah

    7. April 2016 23:45 at 23:45

    1 + 1 ist nicht immer gleich zwei: eventuell besteht in der Kausalität wahrhaftig kein Zusammenhang. An Fakten ist der Artikel zumindest recht dünn besät.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Dr. Jens Ehrhardt: Dax 2021 bei 16.000 Punkten, Deflation statt Inflation

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Laut Dr. Jens Ehrhardt wird der Dax weiter kräftig ansteigen

Dr. Jens Ehrhardt (hier mehr zu seiner Person) ist ein anerkannter Börsianer. Aber auch seine Meinung ist nur eine von vielen. Er betont in einem ganz aktuellen Videobeitrag, dass er auch im Tief des Börsencrash im März diesen Jahres seine Prognose bestätigt hatte. Der Dax werde nächstes Jahr bei 16.000 Punkten notieren.

Dax 16.000 Punkte laut Dr. Jens Erhardt

Und heute erneuert er diese Prognose. 16.000 Punkte für das nächste Jahr, das sei für den Dax sogar eher eine bescheidene Prognose. Bei Börsenkursen gehe es nun mal nicht um wirtschaftliche Realitäten, sondern um Angebot und Nachfrage im Handel, so seine Aussage. Die Notenbanken würden immer weiter Liquidität in die Märkte pumpen. Und irgendwo hin müsse all dieses neue Geld fließen. Es treibe die Börsenkurse an. Auch bei seiner letztjährigen Gold-Prognose von 2.000 Dollar hätte ihn so mancher schief angeguckt. Und jetzt sei sie eingetreten. Und warum der Dax derzeit noch so gut aussehe? Die Börsianer würden nun mal in den Kursen die realwirtschaftliche Entwicklung ein halbes Jahr vorwegnehmen! Und wie Dr. Jens Erhardt schon richtig sagt im Video… so weit entfernt sind die 16.000 Punkte von heutiger Sicht aus gar nicht mehr. Nur noch ein klein wenig zusätzliche Euphorie… der Sprung von 12.500 Punkten rauf auf 16.000 ist ja nicht mehr so groß?

Inflation?

Wo viele andere Kommentatoren wie Markus Krall etc eine Hyperinflation oder zumindest eine deutlich spürbare Inflation anrollen sehen, da spricht Dr. Jens Ehrhardt heute eher von Deflation. Er nennt dafür auch konkrete Gründe. Ob er Recht hat oder doch eher die Krall-Fraktion? Wir werden das wohl erst in gut einem Jahr genauer wissen. Erhardt meint, dass Inflation für die nächsten 1-2 Jahre gar kein Thema sei.

weiterlesen

Allgemein

Künstliche Intelligenz: Die nächste Generation der Robo Advisor?

Avatar

Veröffentlicht

am

Künstliche Intelligenz pusht den Robo Advisor in der Geldanlage?

Vor wenigen Jahren noch völlig unbekannt, ist die Geldanlage über einen Robo Advisor für viele deutsche Verbraucher heute zu einer echten Alternative geworden. Jeder dritte Deutsche (29 Prozent) weiß bereits was ein Robo Advisor ist. Von denjenigen, die mit dem Begriff vertraut sind, kann sich sogar jeder fünfte (20 Prozent) vorstellen, sein eigenes Geld über einen Robo Advisor verwalten zu lassen. (Info: Begriffserklärung Robo Advisor) Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die vom Marktforschungsinstitut Toluna durchgeführte Studie ,,Robo Advice in Deutschland – Status quo und Entwicklungsperspektiven 2020“, welche von der European Bank for Financial Services in Auftrag gegeben wurde.

370,10 Prozent Anstieg des Anlagevolumens bis 2024 erwartet

Belief sich das Anlagevolumen im Segment Robo Advisor im Jahr 2017 in Deutschland noch auf 756 Millionen Euro, wird für das Jahr 2024 ein satter Anstieg auf insgesamt 29,860 Milliarden Euro Anlagevolumen prognostiziert. Bereits in diesem Jahr (2020) wird mit einem Anlagevolumen von über 8 Milliarden Euro allein in Deutschland gerechnet. (Quelle: Statista.com) Kein Wunder also, dass Banken und Finanzdienstleister weiterhin massiv in Neuentwicklungen und Verbesserungen der Analysefähigkeiten der digitalen Berater investieren. Nachdem anfängliche Kinderkrankheiten nach und nach beseitigt wurden, sollen Robo Advisor in Zukunft deutlich cleverer werden als ihre ,,Vorfahren“.

Die nächste Generation kommt – mit ihr die Künstliche Intelligenz

War der Anlagevorschlag der „ersten Generation“ noch aufgrund einer einfachen Risikoabfrage und Auswahl an möglichen Anlageklassen relativ statisch und konnte sich bei kurzfristigen Marktveränderungen nur bedingt schnell anpassen, wird die nächste Generation schneller und individueller arbeiten.

Die laufenden Verbesserungen der Künstlichen Intelligenz bieten besonders im Segment Robo Advisor ein enormes Potenzial. Es ist bereits in naher Zukunft denkbar, dass Robo Advisor eine smarte Steuerung des Portfolios durch eine Echtzeit Risikosteuerung ermöglichen und besondere Anlegerwünsche wie ESG-Investing (Environment, Social and Governance – sprich: Ethisches Investieren) vermehrt berücksichtigen.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnte mittel- und langfristig ganzheitlichen Charakter erlangen, welcher ein solides Cashflow-Management, einen entscheidenden Teil der Altersvorsorge, die übergreifende Investitionsplanung, das Finanzrisikomanagement und individuelle Steuerplanungen des Anlegers begleitet.

Fazit: Wo führt das hin?

Dort wo Wachstum stattfindet, wird investiert. Dort wo investiert wird, entstehen neue Möglichkeiten. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Geschwindigkeit der Veränderung in Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz nie wieder so langsam sein wird wie heute. Von diesem Standpunkt aus betrachtet wird die Zukunft viele Chancen bieten, aber auch enorme Risiken in sich bergen, die heute noch kaum vorstellbar sind. Eine kritische Betrachtung möglicher Veränderungen ist daher durchaus gesund.

weiterlesen

Allgemein

TikTok: Opfer des US-Monopols? Trump und Microsoft in Aktion

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

TikTok App auf einem Smartphone

Achtung Verschwörungstheorie? Oder jede Menge heiße Luft? Nein, hier geht es um mehr als nur ein Geschmäckle. Offiziell zumindest geht es um Datenschutz. Es ist ja bekannt, dass der Social Media-Dienst TikTok mit Sitz in China auch im “Freien Westen” eine ernsthafte Gefahr für Instagram und YouTube geworden ist. Noch schlimmer. TikTok ist erfolgreicher und beliebter. Mit alleine 46 Millionen Downloads in den USA alleine im Jahr 2019 ist TikTok als Plattform für kurze Videos richtig angesagt. Die allermeisten Nutzer konsumieren nur Inhalte, wie auf anderen Plattformen auch.

TikTok als einzig ernsthafte Gefahr für das US-Monopol

Damit ist TikTok die erste wirklich ernsthafte Gefahr für das Social Media-Monopol der USA. Denn mal ehrlich. Es ist ein Monopol, wenn man danach geht, aus welchem Land die Anbieter kommen. YouTube, Google, Twitter, Instagram, Facebook, Whatsapp, LinkedIn. Was man in Europa und Nodamerika und in den meisten anderen Teilen des Planeten nutzt, kommt aus den USA. Und TikTok wird offenbar immer beliebter und erfolgreicher. In den App Stores wird die App häufiger geladen als die Apps von den großen US-Anbietern. Und das auch noch völlig ohne Zwang. Die Kids und jungen Erwachsenen in Europa und den USA finden etwas aus China viel besser als etwas aus den USA?

Das kommt noch hinzu zum Angriff auf das Monopol der USA. So was darf doch nicht sein, dass die Chinesen etwas anbieten, was die Leute im Westen besser finden? Und dann wie gesagt noch das schöne Monopol der USA, das bedroht ist. Dagegen musste etwas unternommen werden? Schon seit Wochen gab es Drohungen gegen TikTok vorzugehen, zum Beispiel seitens des US-Kongress oder durch US-Außenminister Pompeo. Als Grund führt man Datenschutzbedenken an. Nutzerdaten könnten bei der chinesischen Regierung landen. Ob es so ist? Man weiß es nicht. Aber dass gerade die US-Regierung nun mit dem Datenschutz kommt (Thema NSA-Skandale), ist schon witzig, oder eher traurig?

Trump droht, Microsoft will kaufen

Und jetzt ganz frisch droht Donald Trump damit TikTok als App in den USA komplett verbieten zu wollen. Und upsss, ohhhh Wunder. Exakt zur selben Zeit, nämlich am letzten Wochenende, wird bekannt, dass Microsoft mit dem chinesischen Betreiber von TikTok (der Firma ByteDance) in Verhandlungen stehe (hier die offizielle Mitteilung von Microsoft). Man wolle der Firma das TikTok-Geschäft für die USA, Kanada, Australien und Neuseeland abkaufen. Offenbar geht es um eine Kaufsumme in Höhe von 50 Milliarden Dollar. Bis zum 15. September wolle man eine Einigung erreichen. Warum bis dahin? Laut Berichten soll die Trump-Administration bis dahin Zeit gegeben haben. Schafft Microsoft bis dahin keine Einigung zur Übernahme, wolle man TikTok in den USA verbieten. Was für ein zeitlicher Zufall zwischen aktueller ganz konkreter Verbotsandrohung und der Microsoft-Verhandlung? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Denn was wäre ohne die Verbotsandrohung durch Donald Trump passiert? Welchen Grund hätte ByteDance haben sollen, nun womöglich zügig TikTok für die angelsächsischen Märkte verkaufen zu müssen? Gar keinen. Aber gibt es keinen Käufer und die USA verbieten TikTok im eigenen Markt einfach, dann ginge ByteDance ein gigantischer Milliardenbetrag durch die Lappen, beziehungsweise ein beträchtlicher Wertverlust für den chinesischen Anbieter als Gesamtunternehmen.

Nur eine dumpfe Verschwörungstheorie rund um TikTok?

Ist es ein abgesprochenes Spiel hinter den Kulissen? Ich (Trump) drohe mit Verbot, und damit wird TikTok genötigt sein Geschäft für die USA schnell und günstig zu verkaufen, und zwar an einen US-Konzern? Wenn nicht, drohe ich einfach weiter mit Verbot? Ja, das ist natürlich rein spekulativ und klingt schon stark nach Verschwörungstheorie. Aber der zeitliche Zusammenhang von ganz konkreter Androhung eines schnellen Verbots von TikTok, und der Kaufverhandlung durch Microsoft, das wirkt sehr, sehr, sehr stark wie Geschmäckle hoch 10!

Natürlich kann man auch argumentieren, dass die Trump-Administration derzeit ja eh grundsätzlich die Krallen ausfährt gegen China, siehe die Konsulats-Schließung, verschärfter Handelskrieg, Vorwürfe in Sachen Covid-19 usw. Da könnte TikTok nur ein weiterer Eskalations-Baustein sein. Aber ich denke mal: Man sollte das bisherige Social Media-Monopol der USA nicht außer Acht lassen, und dass TikTok derzeit in der Tat dem Monopol den Rang abläuft. Holt man TikTok in die USA und bringt die App in die Hände eines US-Konzerns, kann die Monopol-Party weitergehen, im Zugriffsbereich der NSA versteht sich. Aber, da darf man wenigstens beruhigt sein… dann gäbe es immerhin keine Datenschutzbedenken mehr, dass die chinesische Regierung Daten abgreift.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage