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Stromimporte +63 % Stromproduktion 2023: Weniger Kohle, mehr Gas, Netto-Stromimporte

Die offiziellen Details zur Stromproduktion in 2023 liegen vor. Weniger Kohle, mehr Gas! Erneuerbare legen zu, und wir sind Netto-Importeur.

Strommasten
Strommasten. Foto: Wirestock - Freepik.com

Warum Deutschland trotz AKW-Abschaltung und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien bislang doch ein stabiles Stromnetz hinbekommt? Man bedenke, dass die Stromnachfrage deutlich gesunken ist (Thema Abschaltung und Abwanderung stromintensiver Industrie). Und man kauft jetzt netto Strom im Ausland ein! Aber gehen wir in die Details: Im Jahr 2023 war der Stromverbrauch um 5,4 Prozent und die Gesamterzeugung um 9,1 Prozent geringer als im Jahr zuvor. Der Anteil Erneuerbarer Energie an der gesamten Stromproduktion in Deutschland stieg von 48,4 % im Jahr 2022 auf 55 % im letzten Jahr, so meldet es aktuell die Bundesnetzagentur. Das klingt nach einem großen Erfolg für die Energiewende. Und warum nicht, das kann man so sehen! Aber dabei müsste man ausblenden, dass wohl auch dank der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke Deutschland vom Netto-Exporteur zum Netto-Importeur von Strom geworden ist. Denn es ist, wie es ist: Sonne und Wind produzieren nehmen Nachts und bei bedecktem Himmel nicht teil an der Stromproduktion! Und bei insgesamt weniger Stromnachfrage ist es auch leichter ohne Kernkraftwerke auszukommen.

Stromproduktion für Deutschland jetzt auch Netto im Ausland

Wie die Daten zeigen, importierte Deutschland insgesamt 54,1 TWh Strom aus dem Ausland (2022: 33,2 TWh) und exportierte 42,4 TWh (2022: 56,3 TWh). Im Vergleich zum Vorjahr sind die Importe um rund 63,0 Prozent gestiegen und die Exporte um 24,7 Prozent gesunken. Somit wurde 2022 noch netto Strom exportiert, und 2022 netto Strom importiert im Umfang von 11,7 TWh. In 2022 war es noch ein Netto-Export von 23,1 TWh. Also kann man sagen, dass die deutsche Stromproduktion jetzt auch im Ausland stattfindet, aber ohne grüne Energiewende. Hätte man nicht deutlich mehr Strom importiert, hätte es womöglich eine Stromlücke gegeben, die man durch mehr fossile Energieträger hätte auffangen müssen? Offiziell kann man dank Importen darauf verweisen, dass man auch ohne Atomstrom und mit weniger Kohleverfeuerung auskommt. Aber ja, woher kommt denn der Strom aus Frankreich, Polen, Tschechien? Kohle und Atom.

Switch von Kohle auf Gas

Insgesamt fiel die Stromproduktion aus Steinkohle 2023 um 36,8 Prozent und die durch Braunkohle um 24,8 Prozent niedriger aus als 2022. Im Vergleich zum Vorjahr war die Stromproduktion durch Erdgas um 31,3 Prozent höher. Die Bundesnetzagentur dazu: „Dass trotz des Krieges in der Ukraine und der Bemühungen, Gas zu sparen weiterhin Erdgas zur Stromerzeugung genutzt wurde, hatte mehrere Gründe.“ In einer detaillierten Analyse der Bundesnetzagentur von gestern heißt es zur Erläuterung (auch zum Thema Versorgungssicherheit): „Nachdem die Gaspreise Ende 2022 hohe Werte verzeichneten, sanken sie danach wieder, wodurch sich auch die Wirtschaftlichkeit von Gaskraftwerken am Strommarkt verbessert hat. So fand im Sommer 2023 ein partieller Fuel Switch (Wechsel des Brennstoffes) zwischen Steinkohle und Gas statt. Bei gleichzeitig hohen CO2-Preisen haben sich Gaskraftwerke mit hohem Wirkungsgrad in der Einsatzreihenfolge (Merit-Order) vor Steinkohlekraftwerke geschoben, da sie geringere marginale Kosten aufwiesen. Ein weiterer Grund für den Einsatz von Gaskraftwerken ist deren Flexibilität. Sie herunter- und wieder hochzufahren ist im Vergleich zu Kohlekraftwerken in einer deutlich kürzeren Zeit möglich.“

Erneuerbare Energieträger legen weiter zu

Der Anteil des aus erneuerbaren Energien an der Stromproduktion in Deutschland lag im Jahr 2023 bei 55,0 Prozent (2022: 48,42 Prozent). Den größten Beitrag dazu leisteten laut Aussage der Bundesnetzagentur Windkraftanlagen – vor allem an Land. On- und Offshore-Anlagen kamen gemeinsam auf einen Anteil von 31,1 Prozent. Photovoltaik deckte 12,1 Prozent und Biomasse 8,4 Prozent. Die übrigen 3,4 Prozent entfielen auf Wasserkraft und sonstige Erneuerbare. Insgesamt lag in 2023 die Erzeugung aus erneuerbaren Energien mit 251,2 TWh rund 7,5 Prozent über dem Vorjahreswert von 233,7 TWh.

Kommentar

Auf der einen Seite steht der Erfolg, dass Erneuerbare Energieträger binnen zwölf Monaten ihren Anteil an der deutschen Stromproduktion von 48,4 % auf 55 % ausgebaut haben. Auf der anderen Seite hat Gas deutlich zugelegt als Quelle für die Stromerzeugung, obwohl Russland als Lieferant ausgefallen ist. Man braucht nun mal Energieträger, die verlässlich genau dann Strom liefern, wenn er gebraucht wird. Die Illusion, dass Erneuerbare irgendwann 100 % der Stromproduktion übernehmen können, müsste eigentlich irgendwann mal der Realität weichen bei der Gesamtbetrachtung des Themas. Auch die Tatsache, dass wir nun per saldo Strom importieren, zeigt, dass offenbar die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke fehlt, die dann liefern, wenn Unternehmen und Verbraucher den Strom benötigen.

Grafik zeigt anteilig die Energieträger für die Stromproduktion in Deutschland Grafik: Bundesnetzagentur – Lizenz: CC BY 4.0 DEED



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13 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe bei ihren Berichten zur Stromerzeugung immer ein bisschen das Gefühl das sie doch gerne nur auf die eine Seite der Medaille (der Wechsel zu erneuerbarer Energie kann nicht gelingen) reflektieren.
    Das hier als Ziel das Jahr 2045 für CO2 Neutralität im Raum steht und nicht jetzt wird hier ausgeblendet. Auch das Thema Dunkelflaute ist wohl auch allen Experten zum Thema erneuerbare Energie ein Begriff. Es scheint mir doch ein wenig anmaßend allen die an der Energiewende arbeiten und diese auch für realisierbar halten, als realitätsfern zu bezeichnen.

    Zur Sache:
    Strom wird nicht in der Masse aus Tschechien und Frankreich importiert, sondern auch zu großen Teilen aus Norwegen, Dänemark und Österreich. Dort wird aber die Masse des Stroms schon mit erneuerbaren (geologisch bedingt) produziert.
    Auch werden Stromimporte als Problem dargestellt. Ich frage mich warum? Wir kaufen fast all unsere Energie (Öl, Gas, Kohle) im Ausland. Eigentlich ist nur die erneuerbare Energie und Braunkohle aus Deutschland, alles andere ist importiert und wird hier verstromt.
    Aktuell setzt man in vielen Fällen auf Auslandsstrom, weil dieser in der CO2-Bilanz wesentlich besser ist als unser Kohlestrom. Es wäre kein Problem in Deutschland mehr Strom mit Kohle zu produzieren. Dies ist aktuell vermutlich einfach nicht wirtschaftlicher und aus meiner Sicht auch nicht sinnvoll.

    Über den Atomstrom will ich mich jetzt gar nicht auslassen. Tatsache ist, dass wir kein Atomkraftwerk mehr haben. Hier ständig hinterher zu weinen macht auch nichts besser. Wo waren all die Skeptiker als der Ausstieg beschlossen wurde?
    Ich persönlich sehe kein Problem Atomstrom aus Frankreich zu kaufen. Der wird ja eh produziert. Viele Länder gehen bei Atom einen anderen Weg. Wer am Ende recht hatte, zeigt sich vielleicht in 20 Jahren. Vielleicht sind wir ja dann heilfroh, dass unsere Atomkraftwerke nicht mehr laufen.

    Ich denke, dem Thema täte, wie bei vielen anderen, eine Versachlichung gut.

  2. @Kummerfeld:
    -Meine Meinung: Hauptsache Klicks und Kommentare, es wird immer wieder die gleiche Sau durch Dorf getrieben.
    -„Stromnachfrage deutlich gesunken ist (Thema Abschaltung und Abwanderung stromintensiver Industrie)“ Hier könnten auch Effiziens (z.B LEDs) oder der milde Winter (Wärmepumpen) die Gründe sein!
    -„dank der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke Deutschland vom Netto-Exporteur zum Netto-Importeur“ Kleines 1×1: Kernenergie betrug 2022 6 Prozent vs. 6% „Erneuerbarer Energie an der gesamten Stromproduktion in Deutschland stieg von 48,4 % im Jahr 2022 auf 55 % im letzten Jahr“
    -„Wind produzieren nehmen Nachts und bei bedecktem Himmel nicht teil an der Stromproduktion“ Ja bei mir ist es nachts im Bett auch immer Windstill *hust*.
    -„Stromproduktion jetzt auch im Ausland stattfindet, aber ohne grüne Energiewende“ Das würde ich mal zu den Märchen abtun. Der Strom hauptsächlich aus Dänemark (Wind) und Norwegen (Wasser).
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/180862/umfrage/stromaustauschsaldo-deutschlands-nach-partnerlaendern/
    https://www.focus.de/earth/analyse/deutschlands-verblueffende-strombilanz-fuer-2023_id_259541738.html
    -„Aber ja, woher kommt denn der Strom aus Frankreich, Polen, Tschechien? Kohle und Atom.“ Eben nicht, siehe oben!
    -„Ein weiterer Grund für den Einsatz von Gaskraftwerken ist deren Flexibilität. Sie herunter- und wieder hochzufahren ist im Vergleich zu Kohlekraftwerken in einer deutlich kürzeren Zeit möglich.“ Das stimmt Ausnahmsweise mal, das haben sie aber leider nur zitiert.
    -Jetzt wird es langweilig…“Anteil des aus erneuerbaren Energien … lag im Jahr 2023 bei 55,0“ …die 55% schreiben sie 3x in ihrem Artikel. Chat GTP?
    -„dass wir nun per saldo Strom importieren, zeigt, dass offenbar die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke fehlt“ Jetzt wird es lachhaft, weil:
    a) Frankreich gar keine Probleme in der Vergangenheit hatte?
    b) https://www.zeit.de/news/2024-01/03/unangekuendigte-notfalluebung-im-tschechischen-akw-temelin
    c) @Helmut: Sie müssen jetzt tapfer sein und ab 2027 ein neues Domiziel suchen… https://www.iwr.de/news/spanien-steigt-aus-der-atomenergie-aus-news38521
    d) Keine mehr fertig werden? https://www.fr.de/wirtschaft/atomkraft-in-grossbritannien-teurer-rueckzieher-bei-akw-hinkley-point-92733370.html
    e) …

    Es ist aus meiner Sicht einfach nur peinlich!

    1. @Zopo, das geht doch am Thema der Grundlastfähigkeit total vorbei! Wir werden aufgrund der Elektrifizierung immer mehr Strom brauchen, da sind grundlastfähige Energie-Quellen eben essentiell! Dazu gehört die CO2-freie Atomkraft..

      1. @Fugmann: Ich denke sie sind ein guter Finanzanalyst und Medientreibender, aber bei Thema Stromversorgung sollten sie sich m.M.n. noch etwas belesen. Mal unabhängig von den von mir bereits erwähnten Punkten a)… passt die Kernenergie (im Gegensatz zum Bsp. „Ein weiterer Grund für den Einsatz von Gaskraftwerken ist deren Flexibilität“) nicht zu der Veränderung unserer Energieversorgung, die nun mal aus verschiedenen Gründen notwendig ist. Auch wenn sie laut ihrer Meinung CO2-frei ist, was natürlich nicht stimmt. https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/ist-atomstrom-wirklich-co2-frei

        1. @Zopo, jedenfalls deutlich weniger CO2-intensiv wie Kohle und vor allem LNG!

          1. @Markus Fugmann

            Immer wieder taucht das Argument auf, Wind und Sonne seien nicht grundlastfähig. Das mag zwar mit Abstrichen und je nach Definition korrekt sein, ist aber eigentlich ebenso irrelevant und spielt prinzipiell nur eine sehr untergeordnete Rolle.
            Aus energiewirtschaftlicher Sicht spiegelt eine derartige Betrachtungsweise mit Fokus auf die Grundlast ein Verharren im Energiesystem der 90er Jahre wider. Entscheidend ist jedoch etwas völlig anderes: Nämlich die Versorgungssicherheit, ob der Verbrauch flexibel und anpassbar zu jeder Zeit gesichert werden kann, ob die Netze dem standhalten, ob es gelingt, ein modernes und zukunftstaugliches, hochflexibles Energiesystem zu etablieren – und nicht, ob einzelne Energiequellen Tag und Nacht unflexibel Strom produzieren.

            Erst einmal vorab: Technisch funktioniert das in Deutschland wunderbar. Seit dem Jahr 2000 sind die Stromausfälle in Deutschland rückläufig – trotz starken Ausbaus erneuerbarer Energien. Die Daten des VDE zeigen, dass Deutschland bei der Zuverlässigkeit der Stromversorgung international eine Spitzenposition belegt. Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern mit der größten Stromnetzstabilität und nimmt einen der besten Plätze beim SAIDI-Wert ein (System Average Interruption Duration Index). Eines der wenigen noch stabileren Länder: Dänemark – ein Land mit fast 80% Wind- und Solarstrom.

            Zurück zur Grundlast:
            Aus dem Grund sollten wir uns erst einmal mit den Begriffsdefinitionen befassen. Was genau bedeutet Grundlast, Grundlastkraftwerk und grundlastfähiges Kraftwerk?

            Die Grundlast ist die konstant benötigte elektrische Leistung in einem Versorgungsgebiet. Sie stellt somit die niedrigste Tagesbelastung des Stromnetzes dar, die nie unterschritten wird. Das ist in der Regel nachts zwischen 2 und 4 Uhr der Fall.
            Der vorhersehbare Mehrbedarf an Strom, der tagsüber zusätzlich zur Grundlast anfällt, ist die Mittellast. Der darüber hinausgehende, sehr kurzfristige und oft volatile Höchstverbrauch wird als Spitzenlast bezeichnet und tritt meistens mittags und nochmal kurz gegen 18 Uhr auf.
            Die Grundlast ist also keine fixe Größe, sondern schwankt von Jahr zu Jahr, je nach Jahreszeit und tagtäglich aufs Neue. Es ist völlig uninteressant und irrelevant, wie hoch diese Last ist und welche Kraftwerke diese Mindestleistung decken. Die Deckung der Mittel- und Spitzenlast muss ebenso zu jeder Zeit gewährleistet sein; wobei die beiden letzteren vielleicht etwas flexibler von Nachfrageseite zu steuern sind.

            Ein grundlastfähiges Kraftwerk ist nicht gleich einem Grundlastkraftwerk. Der Begriff Grundlastkraftwerk setzt niedrige variable Kosten und somit eine relativ hohe Rentabilität im laufenden Betrieb voraus. Diese Anlagen zeichnen sich durch hohe Investitons- und niedrige Betriebskosten aus und müssen mit einer hohen Auslastung betrieben werden, um wirtschaftlich zu sein – mit anderen Worten niedrige Grenzkosten und hohe Gestehungskosten.
            Der Archetypus eines Grundlastkraftwerks schlechthin sind also Kernkraftwerke und mit einigen größeren Abstrichen noch Offshore-Windkraftanlagen, wobei deren Gestehungskosten vergleichsweise gering ausfallen.

            In den 1990er Jahren, aber auch noch bis mindestens 2006 diktierten viele unflexible und teure Kernkraftwerke die Grundlast nach obiger Definition sogar soweit, dass zugunsten der schieren Rentabilität deutlich mehr Energie verbraucht werden musste, als nötig gewesen wäre. In den Amplituden-Minima zwischen 1 und 5 Uhr morgens wurde soviel nutzloser Strom produziert, dass eine flexible Nachfrage oder Energiesparmaßnahmen wie Verzicht auf sinnlosen Standby-Betrieb oder Energiesparlampen zu einer Überlastung des Stromnetzes geführt hätten. Daher gab es zu der Zeit noch immer viele Nachtspeicheröfen und auch Elektroradiatoren mit speziellen Stromtarifen – aus energieeffizienter Sicht ein haarsträubendes Greuel, das in Frankreich leider auch heute noch an der Tagesordnung steht!

            Als Deutschland im weiteren Verlauf der Zeit mit scheinbar günstigem Russen-Gas überschwemmt wurde (scheinbar günstig deshalb, weil eine inakzeptable Abhängigkeit von einem instabilen, arglistigen und unzuverlässigen Schurkenstaat die fatale Folge war, die wir heute mehr denn büßen müssen) und eine fundamentale Umstellung im Wärmesektor erfolgte, wurden einige Kernkraftwerke obsolet, weil sie im Wärme- und auch im Stromsektor von Gas abgelöst wurden.

            Grundlastkraftwerke müssen also unabhängig vom Bedarf auf Teufel komm raus laufen, um irgendwann nach vielen Jahrzehnten innerhalb der Badewannenkurve vielleicht rentabel zu sein – nicht umsonst werden sie inzwischen schon Jahre vor Inbetriebnahme für 35 Jahre in die Zukunft mit horrenden Mindest-Fixpreisen zzgl. nach oben hin offenen Inflationszuschlägen subventioniert. Sie diktieren den Verbrauch, statt sich der Nachfrage anzupassen.
            Gleichzeitig haben diese Grundlastkraftwerke den kontinuierlichen, langsam, aber stetigen und damit finanziell problemlosen Aus- und Umbau, die Modernisierung, Flexibilisierung und Digitalisierung der Stromnetze komplett und viel zu lange verhindert, in die Zukunft (die heutige Gegenwart) verschoben und hier nun zu einem Klumpenrisiko verdichtet.

            Die Grundlastfähigkeit hingegen bezieht sich rein auf das technische Kriterium, mehr oder minder rund um die Uhr Strom erzeugen zu können.
            Gaskraftwerke etwa sind grundlastfähig, zählen jedoch nicht zu den Grundlastkraftwerken und werden wegen ihrer hohen variablen Kosten momentan eher im Bereich der Spitzenlast eingesetzt oder um kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen (Regelenergie).
            Kernkraft, Kohlekraft, Wasserkraft, Biomasse, Geothermie sind ebenfalls alle grundlastfähig.
            Offshore-Windkraftanlagen gelten aufgrund der hohen Anzahl an Volllaststunden pro Jahr als annähernd grundlastfähig.

            In der Debatte um die Grundlast und Grundlastkraftwerke stellt sich seit längerem die Frage, ob Kraftwerke, die konstant und unabhängig von Angebot und Nachfrage Strom produzieren und in das Netz einspeisen, nicht veraltet sind und der Energiewende wegen ihrer Inflexibilität nicht diametral gegenüber stehen. Problematisch ist dies immer dann, wenn EE-Anlagen trotz Einspeisevorrang abgeregelt werden müssen, weil die Nachfrage durch die schlecht regelbaren Grundlastkraftwerke bereits gedeckt ist. Leider ist das zunehmend öfters der Fall. Je mehr erneuerbare Energie im Netz ist, desto mehr verstopfen starre Großkraftwerke die Netze. Um die Netzstabilität zu gewährleisten, müssen Windkraftwerke abgeregelt oder der überschüssige Strom muss zu Billigstpreisen verschleudert werden.

            Die südlichen Bundesländer – speziell vor allem Bayern und BW – mit ihrem exzessiven Energiebedarf haben es über Jahrzehnte versäumt, EE auszubauen und die Stromnetze an neue Herausforderungen und Bedürfnisse der Zukunft anzupassen. Und das trotz besseren Wissens und herausragender Koryphäen in F+E, trotz jahrelang herausragender Schulabschlüsse und hervorragender Hochschulen. Heute dümpeln sie dank Starrköpfigkeit und konservativ-traditioneller Beharrlichkeit in allen Belangen im hinteren Drittel herum. Nicht zuletzt dank einer Dampfturbinen-Affinität und -Mentalität, die nur eine Antriebswelle von der Dampfmaschine des 19. Jahrhunderts entfernt ist.

      2. @Markus Fugmann
        Nein, wir brauchen keine Grundlast mehr. Wir brauchen Residuallastkraftwerke, also die schnell zum Einsatz kommen koennen und moeglichst dezentral aufgestellt sind.

        Dazu gehoert nicht die Atomkraft, denn die ist auesserst unflexibel.

        Nebenbeibemerkt: Ein neues Atomkraftwerk wird es rein praktisch gesehen innerhalb der naechsten 20 Jahre nicht geben koennen – und das ist angesichts deutscher Planungs-, Klage und Bauzeiten schon ziemlich optimistisch gerechnet.

        1. @Horst, und diese Residuallastkraftwerke werden absehbar nicht gebaut, weil das Geld fehlt und es so oder so dauert, bis die am Start wären..

          1. Den Aufschlag @Markus Fugmann retourniere ich locker mit einem harten Volley: Wenn schon kein Geld fuer Residualkraftwerke da ist, wo soll denn das Geld fuer noch viel teurere Atomkraftwerke herkommen?

            Aber es wuerde mir doch eigentlich genuegen, wenn das Learning von diesem kleinen Abtausch ist, dass Kernenergie in der gegenwaertigen Konszeption keinen Platz hat.

            Ansonsten plaediere ich fuer mehr Gelassenheit. Warum muss alles auf einmal geschehen? Die Bilanz der letzten zwei Jahre ist ja gar nicht mal so schlecht. Die pessimistischen Vorhersagen sind alle nicht eingetreten:
            – Es gab keine Blackouts
            – Die Kohle-Verstromung liegt beim niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten
            – Die CO2-Bilanz der Stromerzeugung liegt wesentlich niedriger als vor 2 Jahren

            Erst einmal liegt der Fokus auf zwei Dingen: weiterer Ausbau der EE und Ausbau der Stromtrassen. Gerade Bayern hat da ein gewaltiges Problem.

          2. @Horst, die verbliebenen drei AKWS wären leicht und mit geringen Kosten weiter zu betreiben gewesen..

          3. @Markus Fugmann
            Waren. Damals. Vergangenheit.

            Damals war aber auch genug Geld fuer den Bau von Residualkraftwerken da.

            Und es fuehrt wiedere zurueck zu Punkt I: Wir brauchen in der gegenwaertigen Konzeption der Stromversorgung keine Atomkraftwerke, zumal die alten AKW alles andere als Zuverlaessig waren und ca. 30% der Zeit keinen Strom produzierten.

            Die Vergangenheit koennen wir nun mal nicht mehr aendern. Wir koennen uns stundenlang ueber die Fehler der Vergangenheit aergern. Z.B. warum die CDU-gefuehrte Bundesregiung nicht frueh genug die EE mehr gefoerdert hat. Oder warum der Wirtschaftsmnister Markus Soeder zwar seinen Ruecktritt fuer den Fall ankuendigte, sollten die AKW nicht abgeschaltet werden, der Ministerpraesident Soeder aber nicht fuer die notwendigen Stromtrassen und WKW in Bayern sorgte.

  3. @Fugmann: „verbliebenen drei AKWS wären leicht und mit geringen Kosten weiter zu betreiben gewesen“
    Haben sie dafür eine Quelle oder ist das ihr kerntechnisches Wissen?

    1. Grundsätzlich hätte man erstmal lange vor der Abschaltung neue Brennelemente beschaffen müssen, den die drei waren zum Schluss im Streckbetrieb, das ist icht wie bei Kohle einfach mal um die Ecke (Russland, Niger/Mali sind gerade nicht gut auf uns zu sprechen) zu beschaffen.

    2. Uns fehlt das Personal, keiner mt Verstand hat die Ausbildung in den letzten Jahren begonnen, nachdem klar war das wir aussteigen.

    3. Wir müssten dann das Endlagerproblem neu auf machen, wäre bei Ihnen im Vorhof noch was frei?

    4. Und wahrschenlich der größte Knackpunkt wäre das bestehen der Sicherheitsüberprüfungen, welche mit wissen der Abschaltung nicht mehr aktuallisiert wurde (sie dürfen da gerne ihr Geld investieren, ich würde es nicht machen).

    5. Störfälle nehmen mit dem alter zu und damit die abnahme Versorgungssicherheit (siehe EDF), also was haben wir da gewonnen?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_St%C3%B6rf%C3%A4llen_in_europ%C3%A4ischen_kerntechnischen_Anlagen

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