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Türkei: Moody´s senkt den Daumen

Es ist schon bitter: gestern konnte der Erzfreund Griechenland wieder an die Kapitalmärkte zurück kehren und eine 5-jährige (Ramsch-)Anleihe zu sagenhaften 4,95% emittieren, und heute senkt die Ratingagentur Moody´s den Daumen über die Türkei. Das ist schlimmer als die Tatsache, dass Griechenland zur WM fährt, und die Türkei eben nicht.

Moody´s senkte heute Nacht den Ausblick für die Türkei auf „negativ“ von „stabil“. Die Begründung allerdings muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „increased pressure on the country’s external
financing position driven by heightened political uncertainty and lower global liquidity“ (zitiert nach Bloomberg.com).

Eine global geringere Liquidität? Da ist uns vermutlich etwas entgangen, jedenfalls hat man gestern anhand der 8-fachen Überzeichnung der griechischen Anleihe nicht so wahnsinnig viel bemerkt von der geringeren Liquidität auf dem Globus.

Auch das zweite Argument von Moody´s hat ein Geschmäckle, wie man in Hamburg sagen würde: gerade hat Erdogan die Kommunalwahlen triumphal gewonnen, und die Ratingagentur spricht von gestiegener politischer Unsicherheit. Aber vielleicht ist man etwas verstimmt bei den Amerikanern über die Sperrung von YouTube und Facebook in der Türkei, das hat man im Land der ganz großen Freiheit USA nicht so gerne. Aber in den USA hat man die NSA, da braucht man dann die Medien gar nicht verbieten, die man sowieso lückenlos ausspäht..

Wie auch immer, Erdogan dürfte die Botschaft verstanden haben: Politik und Finanzen hängen eben auch bei Ratingagenturen offenkundig eng zusammen.

Für die Türkei aber könnte es langsam eng werden: das Land wird von Moody´s auf der niedrigsten Stufe des Investmentgrades geführt, auf Baa3. Würde Moody´s nun dem negativen Ausblick dann noch eine Abstufung folgen lassen, wäre die Türkei ein „non-investment-grade“, was so ziemlich allen Fonds und Profiinvestoren eine Investition in türkische Staatsanleihen unmöglich machen würde.

Die türkische Lira, die vor allem seit dem Wahlsieg Erdogans massiv zugelegt hatte und zudem von dem erneuten Kapitalfluss in die Schwellenländer profitierte, verzeichnete nach der Senkung des Ausblicks den größten Fall seit drei Wochen:

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