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„Überschuss in der Rentenkasse“ – so wird die Öffentlichkeit getäuscht

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Die BILD-Zeitung ist aktuell schon darauf angesprungen. So titelt sie zum Thema Rente „MILLIARDEN-ÜBERSCHUSS – Es klingelt in der Rentenkasse“. Und weiter schreibt man Zitat „für 2018 zeichnet sich ein Überschuss von vier Milliarden Euro ab!“. Natürlich erwähnt man in seinem Artikel auch die steigenden Einnahmen, und erwähnt auch steigende Kosten durch das neue Rentenpaket usw. Denn all das steht aktuell genau so in der offiziellen Presseveröffentlichung der Deutschen Rentenversicherung. Also kann man der BILD keinen Vorwurf machen?

Alles bestens in der Rentenkasse?

So schreibt die staatliche Rentenkasse gleich zum Beginn ihrer aktuellen Mitteilung, Zitat:

„Aller Voraussicht nach werden die Einnahmen der Rentenversicherung in diesem Jahr die Ausgaben deutlich übertreffen. Wir erwarten für das Jahr 2018 einen Überschuss in Höhe von rund vier Milliarden Euro“. Insgesamt werde für das laufende Jahr mit Einnahmen in Höhe von 306,3 Milliarden Euro und Ausgaben in Höhe von 302,3 Milliarden Euro gerechnet.

Da bleiben doch keine Fragen mehr offen, oder? Denn die Beitragseinnahmen steigen um 4,6%, so schreibt man es weiter. In weiteren Absätzen geht die Rentenversicherung auf Mehrkosten des neuen Rentenpakts und die Haltelinie des Beitragssatzes ein. Alles technische Details. Entscheidend ist aber: Der unbedarfte Bürger, der die Presseveröffentlichungen oder Artikel in Zeitungen liest, denkt sich dabei: Hey, super. Die Einnahmen steigen um 4,6%, und durch Beitragseinnahmen hat die Rentenkasse 306,3 Milliarden Euro Einnahmen, bei Ausgaben von 302,3 Milliarden Euro. Dann ist doch alles bestens, das Rentensystem ist gesund und solide aufgestellt. Richtig? Falsch!

Wir haben schon mehrmals in den letzten Jahren und Monaten auf diese große Rentenlüge hingewiesen. Aber kaum wurde sie deutlicher offenbart wie in dieser Veröffentlichung. Denn die Rentenkasse nimmt dieses Jahr keine 306,3 Milliarden Euro durch Beiträge ein. Alleine 2017 hat der deutsche Steuerhaushalt 67,8 Milliarden Euro an die Rentenkasse überwiesen, als Subvention, damit die Rentenkasse nicht sofort pleite ist. So geht das jedes Jahr, und jedes Jahr wird diese Subvention höher um das stetig größer werdende Loch (viel zu wenig Einnahmen um die Ausgaben bezahlen zu können) zu stopfen.

Gigantische Subvention

Wenn die Steuerlast langfristig immer höher wird, dann haben wir längst ständig steigende Rentenbeiträge – die werden dann lediglich als Steuern getarnt, und das Geld wird intern beim Staat umgebucht. Laut Rentenversicherung soll der Transfer aus dem Steuerhaushalt in die Rentenkasse im Jahr 2022 bei über 80 Milliarden Euro pro Jahr liegen – das ist ein netter Anstieg nach 67,8 Milliarden Euro in 2017. Also wird die Rentenkasse dieses Jahr wohl ca 70 Milliarden Euro Zuschuss erhalten? Also nichts da mit „Voller Rentenkasse“ oder 306,3 Milliarden Euro Einnahmen! Wenn man 70 Milliarden Euro Transfer aus dem Steuerhaushalt auch als „Einnahme“ verbucht und sie mit dazu packt in die gesamte Einnahmensumme von 306,3 Milliarden Euro, dann ist das einfach nur eine große Täuschung der Öffentlichkeit. Nach dem Motto „schaut her, wir haben das Rentensystem doch im Griff, läuft“.

Rentenkasse Rentenversicherung
Foto: Deutsche Rentenversicherung

9 Kommentare

9 Comments

  1. foxxly

    7. Dezember 2018 11:31 at 11:31

    …….. die versicherungsfremde Leistungen sind höher, als der Rentenzuschuss!

    • Heidi

      7. Dezember 2018 16:26 at 16:26

      Richtig!
      Das sagt uns aber keiner und daher wissen es nur diejenigen, die sich profund mit der Rentenkasse auskennen. Die anderen – auch Journalisten – stochern im Nebel. Das ist der wahre Klimawandel der letzten Jahrzehnte: Im Nebel dümpeln und dann im Regen stehen gelassen oder in die Traufe gescheucht werden.

  2. Tom

    7. Dezember 2018 12:22 at 12:22

    …und richtig spannend wird es wenn die geburtenstarken Jahrgänge als Einzahler wegfallen. In den nächsten paar Jahren wird das nicht zu vermeiden sein. Die Generation welche das Ausgleichen sollte, ist zahlenmäßig zu gering und die erhöhte Anzahl an Zuwanderern sind nicht oder noch nicht qualifiziert genug um „das Loch zu stopfen“. …mhhmmm….irgendwie redet man da wenig darüber. Was tun?…qualifizierte Migranten aquirieren?…das Rentenalter erhöhen (das muss aber dann flott beschlossen werden) ?…Einheitsrente (das wird ein Spass, es den Einzahlern zu erklären, welche höheren Anspruch haben und das sind eben die geburtenstarken Jahrgänge)…..oder irgendeine WasWeissIch- Steuer getarnt und fertig zur Umschichtung….Bin gespannt ob das sich eine Partei traut ins nächste Wahlprogramm mit aufzunehmen.

    • Petkov

      7. Dezember 2018 13:57 at 13:57

      Die qualifizierten Migranten wird man aber nicht mehr so leicht aquirieren können, weil sie ihre Köpfe nicht für den merkelschen Zuwanderungsschiffbruch hinhalten wollen. Was die Deutschen nicht verstehen ist, dass die Migrationskatastrophe in ihrem Land kein reines finanzielles Fiasko ist. Wenn dem so wäre, sähe ich kaum unüberwindbare Schwierigkeiten. „Geld kann man ja schaffen, gell, Mafio Droghi?“ 😉

      Aber es geht vielmehr darum, dass die Millionen Migranten aus Afrika und Arabien durch ihre weitaus höheren Geburtenraten (bei gleichzeitig im Durchschnitt mickriger wirtschaftlicher Leistung) unausweichlich auch die Gesellschaft verändern werden und zwar in einer Art und Weise, die sie unattraktiv für gebildete potentielle Zuwanderer macht. Dies ist heute schon statistisch belegbar. Deutschland ist nach wie vor das „Traumziel Nummer 1“ für Geringqualifizierte oder Analphabeten aus Aufghanistan, Somalia etc.. In der Gunst von Hochqualifizierten verliert das Land dagegen zunehmend an Boden.

      Schließlich kann jeder Gebildete 1+1 zusammenzählen und feststellen, dass man in Deutschland zukünftig immer mehr Steuern zahlen muss für immer weniger soziale Sicherheit. In Deutschland wurde ein Neokommunismus aufgebaut: alle sind gleich, alle sollen die gleichen Leistungen bekommen, aber immer weniger laufen vor und ziehen den Karren, denn die „Neuen“ sehen nur zu, dass sie ein gemütliches Sitzplätzchen ergattern. Sieht man an den 70% Ausbildungsabbrüchen.

      Und dann gibt es auch noch diese deutsche Unart, alle Ausländer über einen Kamm zu scheren, so dass die Kinder von osteuropäischen Promovierten in einen Topf mit islamistisch-patriarchalisch aufwachsenden Kindern schmeißt und sagt: Jaaa, für all die brauch’n wa extensive Integrationsbemühungen, aber „wir schaffen es“. Auch die Regionalentwicklungspläne schlagen in die gleiche Kerbe. Wir wollen ja mehr sozialen Wohnungsbau, neue Baugebiete sollen ja viele Sozialwohnungen zur Verfügung stellen. Es sollen die afghanischen Polygamisten Tür an Tür mit den ukrainischen Ärzten oder Ingenieren wohnen. Des klappt scho‘! Kann ja auch klappen, aber nur, wenn die Exekutive und Judikative nicht auf politisches Geheiß selektiv vorgehen müssen. Die Legislative kann man ohnehin in die Tone treten aktuell.

      Zum Schluss sei erwähnt, dass Deutschland bei der Industrie 4.0 alles andere als eine Pole-Position einnimmt. Die Talente, die für diesen disruptiven industriellen Wandel gebraucht werden, gehören nicht gerade zu den typischen Stärken der Deutschen. Das ist nicht despektierlich gemeint, im Gegenteil: die deutschen haben sehr viele Stärken, aber einige von denen verlieren aktuell an Bedeutung als Erfolgsfaktoren in der modernen Arbeitswelt.

  3. asisi1

    7. Dezember 2018 12:52 at 12:52

    Was für ein Schwachsinn. Diese Meldung ist für die gehirnamputierten deutsche Dumm-Döddel!
    Die Renten sind bis heute auf ca. 50% runter gefahren. Demnächst gibt es aller Wahrscheinlichkeit nicht einmal mehr als 40%. Hinzu zu den Abschlägen kommt noch die Krankenversicherung, Pflegeversicherung und für alle auch noch die Steuer obenauf. Das alles gab es früher nicht und es hat auch gereicht. Bis diese Vollpfosten Politiker die Rentenkassen für alles und jeden geplündert haben. Willy Brandt war der größte Haderlump. Er Hat eoin Rentenkassenvermögen von 400 Milliarden DM durch gebracht um immer wieder gewählt zu werden.

  4. Pingback: Aktuelle Meldungen vom 7. Dezember 2018 | das-bewegt-die-welt.de

  5. Hesterberg

    7. Dezember 2018 16:50 at 16:50

    Ich wünsche mir, dass all die, die solche Täuschungen und Lügen verbreiten, dorthin gebracht werden wo sie hingehören. Ins Gefängnis!

  6. Neumann

    7. Dezember 2018 19:32 at 19:32

    Bei der Betrachtung des Zuschusses aus dem jährlichen Haushalt muss berücksichtigt werden: Während meiner Zeit als Beitragszahler (>40 Berufsjahre) wurde die Rentenkasse mindestens 3 mal geplündert, um irgendwelche Löcher im Budget zu stopfen. Diese Plünderungen sollten durch Zuschüsse aus den Haushalten ausgeglichen werden. Wenn das also als Ausgabeposten im Bundeshaushalt erscheint, ist das nur eine Rückgabe des „geliehenen“ Geldes der Beitragszahler und keine milde Gabe für die ach so teuren Rentner.

    • Paul

      7. Dezember 2018 20:34 at 20:34

      Nicht zu vergessen,was die Wiedervereinigung uns Westlern an Rentenpunkte gekostet hat!
      Deshalb kann die Mehrheit und in Zukunft die geburtsstarken Jahrgaenge nicht davon zehren!

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Aktuell: China-Delegation bricht Reise in USA vorzeitig ab, Märkte unter Druck

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Soeben hat das The Montana Farm Bureau mitgeteilt, dass die Reise einer chinesischen Delegation in den Mittleren Westen vorzeitig abgebrochen wurde – diese Reise galt als Voraussetzung für den Kauf von US-Landwirtschaftsprodukten durch die Chinesen als Zeichen des guten Willens bzw. als Vorbereitung eines Interim-Deals (zu den Hintergründen dazu siehe den Artikel „China – Trump „ahnungslos“, Interim-Deal möglich“).

Trump hatte noch vor wenigen Minuten gesagt, dass man mit China große Fortschritte mache – die Märkte jedenfalls sehen die vorzeitige Abreise der chinesischen Delegation als schlechtes Zeichen.

Hintergrund könnte sein, dass Trump zuvor bei einer Pressekonferenz einen solchen Interims-Deal abgelehnt hatte mit den Worten: „I am not looking for a partial deal. I am looking for a complete deal“.

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US-Wirtschaft: Das 8 Billionen Dollar Geheimnis

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Die immer wieder betonte relative Stärke der US-Wirtschaft in einer Welt des Abschwungs ist keine besondere Leistung, wenn man sich vergegenwärtigt, mit welcher Dosis Schuldensteroiden diese Stärke erkauft wurde. Doch wie nachhaltig ist dieses Wachstumsmodell, das uns immer wieder als Vorbild verkauft wird?

USA Statue of Liberty
Foto: pixabay / Ronile

US-Wirtschaft – die Relationen stimmen nicht mehr

Nach Schätzungen der Fed soll die US-Wirtschaft in diesem Jahr real, also nach Abzug der Inflation, um 2,4 Prozent wachsen. Nicht schlecht in einem Umfeld des globalen Abschwungs. Aber bei genauem Hinschauen wir klar, woher das Wachstum kommt und wie teuer es erkauft wird.

Die Gesamtverschuldung der USA, also die öffentliche plus die private Verschuldung, hat in diesem Jahr die Schallmauer von 70 Billionen Dollar durchbrochen. Aktuell sind es bereits 74,3 Billionen US-Dollar. Das entspricht einer Neuverschuldung von knapp 8 Billionen US-Dollar auf Jahresbasis, davon allein 3,5 Billionen US-Dollar resultierend aus Zinszahlungen. Die Gesamtverschuldung der US-Bundesregierung beträgt aktuell 22,5 Billionen US-Dollar, ein Plus von 1,1 Billionen US-Dollar im laufenden Fiskaljahr.

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Auf der anderen Seite wird die US-Wirtschaft, wenn die optimistischen Prognosen der Fed zutreffen, in diesem Jahr ohne Inflationsbereinigung um 4 Prozent oder 820 Milliarden US-Dollar wachsen, ausgehend von 20,5 Billionen US-Dollar BIP in 2018. Setzt man das Schuldenwachstum (hier der Gesamtschuldenstand) zum Wirtschaftswachstum ins Verhältnis, dann kommt man auf ein Verhältnis von 10:1 (8 Billionen zu 820 Mrd. US$). Selbst wenn man den fiskalischen Stimulus, also die staatliche Neuverschuldung, isoliert betrachtet, liegt dieser in US-Dollar 25 Prozent über dem nicht inflationsbereinigten Wachstum der gesamten US-Wirtschaft.

Dieses Missverhältnis zwischen Schulden- und BIP-Wachstum wird durch das ökonomische Defizit ausgedrückt, dass in diesem Jahr einen neuen Rekordstand erreichen wird (Schaubild endet Ultimo 2014).

US-Wirtschaft - Ökonomisches Defizit

Ohne Steroide geht es nicht mehr

Eines der größten Probleme dieser Schuldenkaskade sind die Kreditkosten. Der Anteil der Neuverschuldung, der ausschließlich für den Schuldendienst aufgewendet werden muss, steigt im Zeitverlauf exponentiell an. Die US-Regierung muss aktuell 600 Mrd. Dollar jährlicher Zinsen schultern.

US-Regierung Zinskosten

Der Zinseszinseffekt gilt eben auch für die Schuldnerseite. Schon aus diesem Grund werden die Gesamtverbindlichkeiten exponentiell weiter steigen. Im Gegenzug müssen die Zinsen auf null und tiefer fallen, sofern man diese Art des gedopten Wirtschaftsmodells noch einige Zeit am Leben erhalten möchte.

Fazit

Wie würde das Wachstum der US-Ökonomie wohl aussehen, hätte es keine Billionen schwere schuldenfinanzierte Steuersause gegeben? Die USA befänden sich wie Deutschland bereits in der Rezession. Doch nach der Party kommt der Kater: Die Wachstumsdynamik schwächt sich im Jahr Zwei nach der „größten Steuerreform aller Zeiten“, so Donald Trump, in den USA schon wieder ab. Was bleibt, sind die Schulden und die Zinsen darauf, deren Anteil am US-Staatshaushalt durch die Decke schießt. Tja, wenn Wachstum so einfach wäre, dann hätte die Menschheit seit Christi-Geburt einfach nur neue Schulden produziert – zu null Zinsen versteht sich und finanziert durch Alchemisten. Genau dieses Wunder wollen uns die modernen Alchemisten der Zentralbanken weismachen. Doch wie heißt es so schön: Aus der Vergangenheit lernen heißt Zukunft gewinnen. Man sollte sich in seiner ganz privaten Anlagestrategie darauf einstellen, dass auch das aktuelle ungedeckte Schuldgeldsystem untergeht und mit ihm das amerikanische Wirtschaftswunder nebst der Welt-Leid-Währung US-Dollar.

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Fed druckt wieder Geld

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Getrieben von den Ereignissen musste die Fed in dieser Woche bereits dreimal Notfallliquidität in den Dollar-Geldmarkt pumpen. Die bescheidene Summe von 203 Mrd. US-Dollar floss dabei bislang an US-Banken, die im Gegenzug US-Staatsanleihen bei der Notenbank abluden.

Fed – so kann man sich irren

Wie schnell die Realität die Bürokraten im Elfenbeinturm der Fed einholen würde, hätten sich die Zentralbanker wohl selbst nicht träumen lassen. Man hat das Gefühl, dass die Damen und Herren „Währungshüter“ in Sachen QE zum Jagen getragen werden wollen. Wir haben ja schon verstanden, warum Geldpolitiker nicht die Wahrheit sagen dürfen, aber sie sollten die Wahrheit wenigstens nicht ignorieren. Das immer wieder vorgetragene Mantra von Fed-Chef Jerome Powell, der US-Wirtschaft gehe es gut und Risiken seien nur auf äußere Einflüsse zurückzuführen und es sich bei den letzten beiden Zinssenkungen lediglich um Versicherungsschritte handelte und im Übrigen keine Zinssenkungs-Serie anstehe, wirken immer grotesker. Ab wann ist eine Serie eigentlich eine Serie? Aber das nur am Rande.

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Ja, die Wachstumsdynamik der US-Wirtschaft ist noch okay – aber zu welchem Preis? Allein das Budgetdefizit der Bundesregierung wird für das Fiskaljahr 2018/19 mit aktuell ca. 1,1 Bio. US-Dollar erwartet. Das sind 240 Mrd. US-Dollar mehr als ursprünglich angesetzt. Im nächsten Fiskaljahr, das am 1. Oktober beginnt, sollen es gemäß Schätzungen des Congressional Budget Office 1,2 Bio. US-Dollar Defizit sein.

Aktuell liegt das Haushaltsdefizit der USA bei 4,7 Prozent des BIP, bei einer erwarteten annualisierten Wachstumsrate von aktuell lediglich 1,9 Prozent des BIP. Für einen Aufschwung ist dieses Verhältnis von Schuldendynamik zu Wachstum sehr schlecht und zeigt die Abhängigkeit der US-Konjunktur von rasanter Neuverschuldung. Generell zeigt das Verhältnis zwischen Gesamtschuldenwachstum und Wirtschaftswachstum in den USA eine erstaunliche Entwicklung: Mittlerweile werden für 1 US-Dollar Wirtschaftswachstum fast 10 US-Dollar Schuldenwachstum benötigt. Doch dazu in einem separaten Artikel in Kürze mehr.

Seitdem das regelmäßige Kasperletheater um das Anheben des Schuldenlimits (sog. Debt Ceiling) legislativ beerdigt wurde, stellt sich die aktuelle Schuldenexplosion der Bundesregierung in Washington folgendermaßen dar:

Fed QE - US-Schulden

Eine erstaunliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Präsident Trump im Wahlkampf die Reduzierung der Staatsverschuldung bis zum Jahr 2024 auf null versprach.

Schaut man sich die Explosion der Staatsverschuldung und die damit einhergehende Schwemme von Staatsanleihen an, dann sollte dieser Faktor ganz oben auf der Beobachtungsliste der Fed stehen. Doch diese zeigt sich völlig überrascht von dem Phänomen. Schon mehrfach bestritt Jerome Powell, dass die US-Staatsverschuldung irgendeinen Einfluss auf die Geldpolitik der Zentralbank habe.

QE erzwungen

Doch in dieser Woche hat die Realität die Notenbanker eingeholt. Wegen akuter Liquiditätsengpässe musste die Fed am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in drei Tranchen insgesamt 203 Mrd. US-Dollar an Liquidität über außerordentliche Offenmarktgeschäfte in das Bankensystem pumpen. Im Gegenzug wurden von den Banken US-Staatsanleihen als Sicherheiten bei er Fed hinterlegt. Interessant ist, dass offenbar der Erwerb genau dieser Staatsanleihen durch die Banken mit zur Dollarknappheit beitrug. Eine Rekordemission des US-Finanzministeriums an Schuldpapieren in dieser Woche war neben Sonderfaktoren ein wesentlicher Auslöser der Liquiditätskrise. Der Staat hatte über seine Schuldenaufnahme so viel Geld aus dem Finanzsektor abgesaugt, dass dieser ohne das Anwerfen der digitalen Notenpresse der Fed schlicht kollabiert wäre. Damit wurde de facto ein QE on demand erzwungen. Nur so konnte ein Dominoeffekt mit der Ansteckung anderer Märkte gerade noch verhindert werden.

Das Schweigen der Fed

Auf der jüngsten Pressekonferenz im Anschluss an die Offenmarktausschusssitzung der Fed am Mittwoch erwähnte Jerome Powell die Operation am offenen Herzen des US-Finanzsystems mit keiner Silbe und dass, obwohl die Fed am gleichen Tag weitere 75 Mrd. US-Dollar in den Markt pumpen musste. Am Donnerstag reichte dann selbst diese Summe nicht aus, da die Banken zusätzlich 84 Mrd. US-Dollar benötigten. Das Schweigen der Fed zu diesem Thema zeigt die Dramatik der Situation. Doch die Liquiditäts-Kuh ist nicht vom Eis: Bis zum Ende des Jahres werden allein von der US-Bundesregierung Anleihen im Volumen von über 600 Mrd. US-Dollar emittiert. US-Finanzexperten rechnen daher damit, dass spätestens im November dieses Jahres das QE on demand von einem regulären QE abgelöst wird. Alles andere wäre unverantwortlich, denn bei der jüngsten „special open market operation“ wäre der Patient fast wegen eines technischen Versagens der Notenbank-IT verstorben.

Fazit und Ausblick

Die Fed kann die Realität leugnen, wie sie will, aber am Ende muss auch sie sich dem Diktat der überbordenden Schuldenlast nebst Neuverschuldung beugen. Schlussendlich wird sie erneut zum Gläubiger der letzten Instanz mutieren, da nur sie die benötigten Mittel bereitstellen kann – via digitaler Notenpresse. Natürlich kann sie einen Teil dieses schmutzigen Geschäftes auslagern, z. B. an die Bank of Japan, die im Rahmen ihres QE-Programms seit Oktober letzten Jahres wieder massiv US-Treasuries kauft. Das amerikanische Bankensystem allein ist mit der Flut an neuen Schuldpapieren der Trump-Administration überfordert, wie die jüngsten Ereignisse verdeutlichen. Weiter sinkende Zinsen und Gelddruckprogramme á la Japan sind auch in den USA daher keine Frage von zyklischem Wachstum, Beschäftigungsentwicklung, Teuerungsraten oder äußeren ökonomischen Einflüssen, sondern hauptsächlich notwendig zur essenziellen Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit in den USA. Es bleibt dabei: It´s the debt, stupid!

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