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Kombination aus hohen Zinsen und einer Wirtschaftsabkühlung UK: Insolvenzen steigen deutlich – Die Schattenseite der Geldpolitik

UK: Insolvenzen steigen deutlich - die Schattenseite der Geldpolitik

Die Bank of England hat vor rund vier Wochen die Leitzinsen weiter erhöht. Statt einer Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte hat die BoE die Zinssätze überraschend kräftig um 0,5 Prozentpunkte angehoben. Aufgrund der anhaltend hohen Inflation war die Notenbank zu einem weiteren großen Zinsschritt gezwungen. Allerdings hat der Kampf gegen die Teuerung auch einige Schattenseiten und fordert ihren Tribut. So wächst die Angst vor einer Rezession, Millionen Hypothekenbesitzer geraten immer stärker unter Druck und die Insolvenzen der Unternehmen steigen massiv an.

Die Zahl der Insolvenzen britischer Unternehmen stieg im Juni stark an, sie war um 27 % höher als im Vorjahr, was auf die hohen Kreditkosten und das schleppende Wirtschaftswachstum zurückzuführen ist, so berichtet Bloomberg aktuell. Das Beispiel Großbritannien zeigt deutlich, wie sich die aggressive Geldpolitik auf die Wirtschaft, Menschen und Unternehmen auswirken kann.

Insolvenzen nehmen deutlich zu

Die Insolvenzbehörde teilte am Dienstag mit, dass im vergangenen Monat 2.163 Unternehmen in Konkurs gegangen sind. Damit wurde sowohl das Niveau vor der Corona-Krise als auch das der letzten Jahre deutlich übertroffen, als die Regierung Unternehmen bei der Bewältigung der Pandemie unterstützte.

„Die Kombination aus höheren Zinssätzen und einer sich verlangsamenden Wirtschaft fordert ihren Tribut“, sagte Nicholas Hyett, Investmentmanager bei Wealth Club, einem Broker. „Das einzige Mal, dass es so viele Insolvenzen gab und es so düster aussah, war während der Rezession Anfang der 90er Jahre“.

Es gab 260 Zwangsliquidationen, 77 % mehr als vor einem Jahr. Der Insolvenzdienst meldete, dass die Zahl der Liquidationsanträge laut HM Revenue & Customs, das britische Finanzamt und die Zollbehörde, sogar noch höher lag. Die Zahlen lassen vermuten, dass zum ersten Mal seit 2009 im Gefolge der Finanzkrise mehr als 6.000 Unternehmen in einem Quartal untergegangen sind. Offizielle Quartalszahlen, die um saisonale Schwankungen bereinigt sind, werden Ende des Monats erwartet.

Insolvenzen: Mehr als 2.000 Unternehmen melden jeden Monat Konkurs an

Laut David Kelly, Leiter der Insolvenzabteilung bei PwC, machen sich die höheren Zinssätze bemerkbar, da „eine große Anzahl von Unternehmen“ gezwungen ist, ihre Schulden umzustrukturieren, was zu mehr freiwilligen Insolvenzen führt.

Viele Branchen sind betroffen

Insolvenzen treten überall auf, doch Unternehmensdienstleistungen, Baugewerbe, Gastgewerbe und Freizeit sind die am stärksten betroffenen Sektoren. Die meisten Unternehmen, die schließen müssen, sind Kleinunternehmen. Doch auch größere Unternehmen beginnen, den Druck der höheren Zinsen und der Inflationskrise zu spüren.

„In dem Maße, wie sich die Auswirkungen der Insolvenzen auf die Lieferketten ausbreiten und die Kapitalkosten steigen, könnten immer mehr größere Unternehmen, die möglicherweise einen höheren Fremdkapitalanteil haben, unter finanziellen Druck geraten“, so David Hudson, Partner für Restrukturierungsberatung bei FRP. „Vor Ort sehen wir bereits erste Anzeichen für die Ansteckung bei Großunternehmen“.

Am Mittwoch erscheinen die Verbraucherpreise in Großbritannien, die Inflationszahlen werden wahrscheinlich den Druck auf die Bank of England aufrechterhalten, die Zinssätze erneut anzuheben.

FMW/Bloomberg



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