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US-Wahlen und die Reaktion Chinas: Will Peking Trump?

In den chinesischen Medien waren die US-Wahlen am Dienstag kein großes Thema. Hat Peking Interesse an einer Fortführung der Präsidentschaft von Trump?

Die ganze Welt blickt derzeit auf die Entscheidung bei den US-Wahlen und auf Donald Trump, schließlich ist das Land in punkto Wirtschaft, Technologie und Militär die führende Macht und allein schon wegen der Dominanz des US-Dollars ein wichtiger Mit- oder Gegenspieler. Natürlich ist es von großem Interesse, mit wem man es die nächsten vier Jahre an der Spitze dieses Landes zu tun hat – insbesondere für China, der Großmacht, die am Thron der Wirtschaftsmacht Nummer eins rüttelt.

Chinas mediales Desinteresse an den US-Wahlen

In den chinesischen Medien waren die US-Wahlen am Dienstag kein großes Thema, es wurde wenig über das Duell berichtet, sondern es wurden Bilder im Fernsehen über chaotische Zustände bei den US-Wahlen gezeigt. Mit dem dezenten Hinweis, dass die Großmacht nicht einmal in der Lage ist, eine solche Staatsaufgabe problemlos zu organisieren. China hat bei einer über viermal so großen Bevölkerung auch andere Dimensionen zu bewältigen. Die Führung des Landes vermied es für einen der beiden Kandidaten Stellung zu beziehen. Dabei hatte der durch Donald Trump stets eskalierte Handelskrieg zu großen Zerwürfnissen geführt. Zwei Jahre ständig sich aufschaukelnde Maßnahmen und Gegenmaßnahmen, zuletzt etwas auf Eis gelegt, durch einen völlig unbedeutenden Landwirtschaftsdeal. Dennoch ist der Konflikt nicht tot, wie die Sanktionen der USA gegenüber Huawei oder Tiktok beweisen.

China nutzt die Coronapause, um im aktuellen Fünfjahresplan die chinesische Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren – Doppelter Haushaltskreislauf, lautet das neue Schlagwort: Stärkung des heimischen Konsums und Produktion wichtiger Technologien wie Computerchips im eigenen Lande, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren.

China wäre Trump als Präsident wahrscheinlich lieber

Was auf den ersten Moment seltsam klingt – wenn man Chinas Expansionsstrategie mit einbezieht, aber nicht. Projekt Seidenstraße (One Bealt, One Road), Expansion nach Afrika mit seinen Rohstoffen, Investition in europäische Infrastruktur u.w., alles Zeichen für die globalen Ansprüche des Reichs der Mitte. Es gibt auch deutliche Hinweise, dass Peking durchaus Interesse an einer Fortführung der Präsidentschaft von Trump haben könnte. Denn der US-Präsident hat durch seine internationale Politik die derzeitige Weltordnung teilweise bereits destabilisiert und durch sein Vor-den-Kopf-Stoßen von einst Verbündeten dafür gesorgt, dass die Führungsrolle der USA Schaden genommen hat. Eine Zusammenarbeit der USA mit der EU in Sachen unlauterer Wettbewerb würde China viel stärker in die Schranken weisen können. Mit Trump wird es aber keine westliche Allianz gegen Peking geben. Ein kleiner Nebeneffekt einer wochenlangen Auseinandersetzung um den Sieg bei den US-Wahlen ist auch: China kann es innenpolitisch ausschlachten, mit der scheinbaren Beweisführung, dass das staatskapitalistische Einparteiensystem dem morbiden System der USA überlegen ist.

Fazit

Auch wenn es jetzt um die spannende Frage geht, wer nach den US-Wahlen der Präsident der Vereinigten Staaten nun sein wird: Die Auseinandersetzung zwischen den USA um den Führungsstatus auf wirtschaftlichen, technologischen und militärischen Gebieten, wird schon in Kürze weitergehen.

Eine grundsätzliche Richtungsänderung ist auch unter einem Präsidenten Joe Biden nicht zu erwarten. Es dürfte sich zwar der Stil und der diplomatische Umgang mit den Verbündeten und den Herausforderern Amerikas wesentlich ändern, aber die kritische Haltung gegenüber China wird sich auch unter Biden nicht groß ändern und damit auch die Handelspolitik. Das Thema für 2021 und folgende Jahre, China hat in jedem Fall Zeit gewonnen, durch Corona und (eventuell) auch durch einen längeren Wahl-Hickhack in den USA.

Will China bei den US-Wahlen Trump siegen sehen?



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3 Kommentare

  1. …was Trump durch sein Aufrütteln und Aufbohren bestehender Verhältnisse erreicht hat, ist auf jeden Fall, dass jede Nation und jede Vereinigung (z.B. die EU), jetzt viel mehr Themen selbst machen möchte und damit Monopolstellungen wie die der großen Techanbieter aus den USA ggf. angegriffen werden, eine europäische Cloud, europäischer Datenschutz, China macht Betriebssysteme für Handys selbst und auch die Chips (ggf. wird Europa da auch noch nachziehen)…all das ist gut für die Wirtschaft, da Wettbewerb preisbereinigend wirkt, aber auch Innovationen fördert…jetzt braucht es in Deutschland zum Beispiel ein gutes System, welches neue innovative Unternehmen unterstützt und auch schützt vor den großen Platzhirschen in aller Welt..es ist nicht alles schlecht..

    1. „Fall, dass jede Nation und jede Vereinigung (z.B. die EU), jetzt viel mehr Themen selbst machen möchte“

      Gibt es in der EU, jenseits der Datenschutzrichtlinie, irgendwelche konkreten Vorhaben oder sind das Ideen/Projektionen, die vom Leitartikler zum Kommentator bei FMW durchgereicht werden?

      Ich erinnere mich daran, dass einst Frank Schirrmacher als Reaktion auf die Snowden-Leaks über eine europäische IT-Infrastruktur nachdachte, aber damals war noch der gute Obama unser aller Weltpräsident. Jetzt nach dem absehbaren Regierungswechsel im Weißen Haus, können sich die Europäer wieder Schlafen legen, oder?

      1. Das kann natürlich auch passieren. Man darf sich jetzt von sleepy joe nicht einlullen lassen…Go Europe and make the world Great again

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