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US-Wahlen und die Reaktion Chinas: Will Peking Trump?

In den chinesischen Medien waren die US-Wahlen am Dienstag kein großes Thema. Hat Peking Interesse an einer Fortführung der Präsidentschaft von Trump?

Wolfgang Müller

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Die ganze Welt blickt derzeit auf die Entscheidung bei den US-Wahlen und auf Donald Trump, schließlich ist das Land in punkto Wirtschaft, Technologie und Militär die führende Macht und allein schon wegen der Dominanz des US-Dollars ein wichtiger Mit- oder Gegenspieler. Natürlich ist es von großem Interesse, mit wem man es die nächsten vier Jahre an der Spitze dieses Landes zu tun hat – insbesondere für China, der Großmacht, die am Thron der Wirtschaftsmacht Nummer eins rüttelt.

Chinas mediales Desinteresse an den US-Wahlen

In den chinesischen Medien waren die US-Wahlen am Dienstag kein großes Thema, es wurde wenig über das Duell berichtet, sondern es wurden Bilder im Fernsehen über chaotische Zustände bei den US-Wahlen gezeigt. Mit dem dezenten Hinweis, dass die Großmacht nicht einmal in der Lage ist, eine solche Staatsaufgabe problemlos zu organisieren. China hat bei einer über viermal so großen Bevölkerung auch andere Dimensionen zu bewältigen. Die Führung des Landes vermied es für einen der beiden Kandidaten Stellung zu beziehen. Dabei hatte der durch Donald Trump stets eskalierte Handelskrieg zu großen Zerwürfnissen geführt. Zwei Jahre ständig sich aufschaukelnde Maßnahmen und Gegenmaßnahmen, zuletzt etwas auf Eis gelegt, durch einen völlig unbedeutenden Landwirtschaftsdeal. Dennoch ist der Konflikt nicht tot, wie die Sanktionen der USA gegenüber Huawei oder Tiktok beweisen.

China nutzt die Coronapause, um im aktuellen Fünfjahresplan die chinesische Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren – Doppelter Haushaltskreislauf, lautet das neue Schlagwort: Stärkung des heimischen Konsums und Produktion wichtiger Technologien wie Computerchips im eigenen Lande, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren.

China wäre Trump als Präsident wahrscheinlich lieber

Was auf den ersten Moment seltsam klingt – wenn man Chinas Expansionsstrategie mit einbezieht, aber nicht. Projekt Seidenstraße (One Bealt, One Road), Expansion nach Afrika mit seinen Rohstoffen, Investition in europäische Infrastruktur u.w., alles Zeichen für die globalen Ansprüche des Reichs der Mitte. Es gibt auch deutliche Hinweise, dass Peking durchaus Interesse an einer Fortführung der Präsidentschaft von Trump haben könnte. Denn der US-Präsident hat durch seine internationale Politik die derzeitige Weltordnung teilweise bereits destabilisiert und durch sein Vor-den-Kopf-Stoßen von einst Verbündeten dafür gesorgt, dass die Führungsrolle der USA Schaden genommen hat. Eine Zusammenarbeit der USA mit der EU in Sachen unlauterer Wettbewerb würde China viel stärker in die Schranken weisen können. Mit Trump wird es aber keine westliche Allianz gegen Peking geben. Ein kleiner Nebeneffekt einer wochenlangen Auseinandersetzung um den Sieg bei den US-Wahlen ist auch: China kann es innenpolitisch ausschlachten, mit der scheinbaren Beweisführung, dass das staatskapitalistische Einparteiensystem dem morbiden System der USA überlegen ist.

Fazit

Auch wenn es jetzt um die spannende Frage geht, wer nach den US-Wahlen der Präsident der Vereinigten Staaten nun sein wird: Die Auseinandersetzung zwischen den USA um den Führungsstatus auf wirtschaftlichen, technologischen und militärischen Gebieten, wird schon in Kürze weitergehen.

Eine grundsätzliche Richtungsänderung ist auch unter einem Präsidenten Joe Biden nicht zu erwarten. Es dürfte sich zwar der Stil und der diplomatische Umgang mit den Verbündeten und den Herausforderern Amerikas wesentlich ändern, aber die kritische Haltung gegenüber China wird sich auch unter Biden nicht groß ändern und damit auch die Handelspolitik. Das Thema für 2021 und folgende Jahre, China hat in jedem Fall Zeit gewonnen, durch Corona und (eventuell) auch durch einen längeren Wahl-Hickhack in den USA.

Will China bei den US-Wahlen Trump siegen sehen?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Ranzentier

    6. November 2020 12:22 at 12:22

    …was Trump durch sein Aufrütteln und Aufbohren bestehender Verhältnisse erreicht hat, ist auf jeden Fall, dass jede Nation und jede Vereinigung (z.B. die EU), jetzt viel mehr Themen selbst machen möchte und damit Monopolstellungen wie die der großen Techanbieter aus den USA ggf. angegriffen werden, eine europäische Cloud, europäischer Datenschutz, China macht Betriebssysteme für Handys selbst und auch die Chips (ggf. wird Europa da auch noch nachziehen)…all das ist gut für die Wirtschaft, da Wettbewerb preisbereinigend wirkt, aber auch Innovationen fördert…jetzt braucht es in Deutschland zum Beispiel ein gutes System, welches neue innovative Unternehmen unterstützt und auch schützt vor den großen Platzhirschen in aller Welt..es ist nicht alles schlecht..

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      Dreamtimer

      6. November 2020 18:03 at 18:03

      „Fall, dass jede Nation und jede Vereinigung (z.B. die EU), jetzt viel mehr Themen selbst machen möchte“

      Gibt es in der EU, jenseits der Datenschutzrichtlinie, irgendwelche konkreten Vorhaben oder sind das Ideen/Projektionen, die vom Leitartikler zum Kommentator bei FMW durchgereicht werden?

      Ich erinnere mich daran, dass einst Frank Schirrmacher als Reaktion auf die Snowden-Leaks über eine europäische IT-Infrastruktur nachdachte, aber damals war noch der gute Obama unser aller Weltpräsident. Jetzt nach dem absehbaren Regierungswechsel im Weißen Haus, können sich die Europäer wieder Schlafen legen, oder?

      • Avatar

        Ranzentier

        6. November 2020 22:26 at 22:26

        Das kann natürlich auch passieren. Man darf sich jetzt von sleepy joe nicht einlullen lassen…Go Europe and make the world Great again

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Umsätze der Wirtschaft genau so hoch wie im Februar? Ziemlich erstaunlich!

Claudio Kummerfeld

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Ein Arbeiter in der Metallverarbeitung

Die Umsätze in der gewerblichen Wirtschaft (Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen) lagen im Oktober nur noch 0,3 Prozent unter dem Niveau aus Februar, als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. So sagt es heute das Statistische Bundesamt. Der folgende Chart zeigt die Umsätze als Index. Es ist eine fast V-förmige Erholung. Von September auf Oktober stiegen die Umsätze um 1,5 Prozent. Gut, man darf annehmen, dass sie nun im November dank dem Lockdown für die Gastronomie wieder schrumpfen werden. Aber dass man bis Oktober die Delle quasi komplett aufgeholt hat, ist doch erstaunlich.

Die Statistiker sprechen bei ihrer heutigen Veröffentlichung von einem Frühindikator. Was wichtig sein könnte: Diese Betrachtung der Umsätze in der gewerblichen Wirtschaft wurde von den Statistikern aus den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen ermittelt. Dazu muss man wissen: Viele kleine Unternehmen melden nur quartalsweise an die Finanzämter. Und das gigantische Heer an Solo-Selbständigen reicht gar keine Umsatzsteureerklärungen (und somit auch keine Voranmeldungen) ein, weil die Einnahmen unter der Mindestschwelle liegen. Es ist also unklar, in wie weit die oft völlig erodierten Umsätze dieser Selbständigen in dieser Statistik mitgezählt oder geschätzt werden.

Man müsste doch eigentlich annehmen, dass diese dramatischen Umsatzausfälle von Millionen von Ein-Personen-Dienstleistern immer noch eine riesige Lücke gegenüber Februar reißen. Oder man darf in diesem Fall eher annehmen, dass die Statistiker nur jene Umsätze mit früheren Umsätzen vergleichen, die auch schon damals umsatzsteuerpflichtig waren. Dann allerdings hätte diese Statistik wenig Aussagekraft, weil sie das gesamte Bild der Umsatzentwicklung der deutschen Wirtschaft nicht vollständig darstellt.

Chart zeigt Umsätze der Wirtschaft in den letzten Jahren

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Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

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Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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Aussicht für deutsche Exporte verfinstern sich spürbar

Claudio Kummerfeld

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Über den Hamburger Hafen laufen viele Exporte Richtung Übersee

Die Stimmung der deutschen Industrie für ihre Exporte in den nächsten Monaten verfinstert sich gerade spürbar. Denn laut aktueller Veröffentlichung des ifo-Instituts hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren merklich verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im November von plus 7,0 auf minus 2,1 Punkte gefallen. Der Chart zeigt nach der Erholung aus dem „Corona-Tal“ den Absturz bei den Erwartungen an die Exporte. Erstmals seit Juni ist der Erwartungsindex wieder negativ.

Insbesondere die Heftigkeit der zweiten Corona-Welle in vielen europäischen Ländern belastet laut ifo-Institut die Exporte. Einen deutlichen Dämpfer beim künftigen Auslandsgeschäft musste die Automobilbranche verkraften. Der Optimismus der vergangenen Monate ist verflogen. Mit deutlichen Rückgängen beim Export rechnet die Nahrungsmittelindustrie. Der Maschinenbau geht eher von einer konstanten Entwicklung bei den Exportumsätzen aus. Gleiches gilt für die Metallbranche. Weitere Zuwächse erwarten hingegen die Chemische Industrie und die Elektrobranche.

Der Chart vom ifo-Institut zeigt Erwartungen für die deutschen Exporte

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