Europa

Volkswirtschaft ignoriert Industrie-Rezession – Boom bei Bau und Dienstleistungen in Zahlen!

Deutschland Flagge

Die Faustformel lautet eigentlich: Steckt die Industrie in einer Rezession, werden auch alle anderen Branchen früher oder später mit nach unten gezogen, und ein Boom ist eigentlich nicht möglich. Gerade für ein Industrieland wie Deutschland gilt das. Denn ein Arbeiter im Maschinenbau oder bei einem Autozulieferer, der gerade auf Kurzarbeit ist oder seinen Job ganz verloren hat, wird erst einmal wohl kaum ins Kino gehen, groß Weihnachtsgeschenke einkaufen, und wohl auch keine neuen Häuser bauen etc. Und ein in der Krise steckender Autozulieferer wird weniger Aufträge an Werbeagenturen vergeben, Ausgaben für Kongresse und Dienstreisen streichen etc. So würden normalerweise Bau und Dienstleistungen auch unter einer Rezession der Industrie leiden.

Dienstleistungen legen gut zu

Aber derzeit ist dem überhaupt nicht so. Bei Bau und Dienstleistungen läuft der Boom auf Hochtouren weiter, obwohl gerade erst im Oktober die deutsche Industrieproduktion im Jahresvergleich übelst eingebrochen ist mit -5,3%. Heute hat das Statistische Bundesamt Daten für das 3. Quartal veröffentlicht im Vergleich zum 3. Quartal 2018. Die Dienstleistungsindustrie ist kalender- und saisonbereinigt um 2,7% gewachsen! Das ist der höchste Stand seit Beginn der Erfassung dieser Daten im Jahr 2003. Die saisonbereinigte Beschäftigtenzahl bei Dienstleistungen nahm im Vergleich zum 3. Quartal 2018 um 0,5 % zu. Alle Detailbereiche legen beim Umsatz zu. Hier einige Detailaussagen der Statistiker:

Einen deutlichen Umsatzanstieg im 3. Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnete – kalender- und saisonbereinigt – der Wirtschaftsbereich Film, TV-Programme, Kinos, Tonstudios, Musikverlag mit +21,7 %. Die bereinigten Umsätze des diesem Wirtschaftsbereich übergeordneten Bereichs Information und Kommunikation sind gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,2 % gestiegen. Einen Umsatzrückgang gab es dagegen bei den Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstaltern: Dort hat sich der bereinigte Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 14,7 % vermindert.

Dienstleistungen Detaildaten

Boom beim Bau weiter volle Fahrt voraus!

Auch gibt es heute offizielle Daten zum deutschen Handwerk. Im 3. Quartal wächst der Umsatz im Jahresvergleich um 5,2%. Das Handwerk im Bauhauptgewerbe legt beim Umsatz um 5,5% zu, das Ausbaugewerbe um 4,6%. Auch alle anderen Detailbereiche im Handwerk liegen deutlich im Plus. Der Boom geht also weiter. Die Industrie scheint das Handwerk einfach nicht runterziehen zu können. Das liegt natürlich auch auch Bauboom und am gigantischen Investitionsstau, der immer noch abgearbeitet werden muss, und wo immer noch immenser Nachholbedarf herrscht. Die Branche ist voll ausgelastet, und ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein. Das kann man auch daran erkennen, dass sich der sogenannte „Bauüberhang“ dramatisch ausgeweitet hat. Dabei geht es um Aufträge im Wohnungsbau, die zwar erteilt sind, aber noch nicht ausgeführt werden konnten. Zwischen 2008 und 2018 hat sich der Bauüberhang bundesweit von rund 320.000 auf 693.000 genehmigte und noch nicht fertiggestellte Wohnungen mehr als verdoppelt, so die amtlichen Statistiker erst letzte Woche. Also, der Boom geht erst einmal weiter, und Bau + Dienstleistungen retten die Volkswirtschaft weiterhin davor, von der Industrie-Rezession ganz runtergezogen zu werden?

Boom im Handwerk geht weiter



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