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Europa

Volkswirtschaft ignoriert Industrie-Rezession – Boom bei Bau und Dienstleistungen in Zahlen!

Claudio Kummerfeld

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am

Deutschland Flagge

Die Faustformel lautet eigentlich: Steckt die Industrie in einer Rezession, werden auch alle anderen Branchen früher oder später mit nach unten gezogen, und ein Boom ist eigentlich nicht möglich. Gerade für ein Industrieland wie Deutschland gilt das. Denn ein Arbeiter im Maschinenbau oder bei einem Autozulieferer, der gerade auf Kurzarbeit ist oder seinen Job ganz verloren hat, wird erst einmal wohl kaum ins Kino gehen, groß Weihnachtsgeschenke einkaufen, und wohl auch keine neuen Häuser bauen etc. Und ein in der Krise steckender Autozulieferer wird weniger Aufträge an Werbeagenturen vergeben, Ausgaben für Kongresse und Dienstreisen streichen etc. So würden normalerweise Bau und Dienstleistungen auch unter einer Rezession der Industrie leiden.

Dienstleistungen legen gut zu

Aber derzeit ist dem überhaupt nicht so. Bei Bau und Dienstleistungen läuft der Boom auf Hochtouren weiter, obwohl gerade erst im Oktober die deutsche Industrieproduktion im Jahresvergleich übelst eingebrochen ist mit -5,3%. Heute hat das Statistische Bundesamt Daten für das 3. Quartal veröffentlicht im Vergleich zum 3. Quartal 2018. Die Dienstleistungsindustrie ist kalender- und saisonbereinigt um 2,7% gewachsen! Das ist der höchste Stand seit Beginn der Erfassung dieser Daten im Jahr 2003. Die saisonbereinigte Beschäftigtenzahl bei Dienstleistungen nahm im Vergleich zum 3. Quartal 2018 um 0,5 % zu. Alle Detailbereiche legen beim Umsatz zu. Hier einige Detailaussagen der Statistiker:

Einen deutlichen Umsatzanstieg im 3. Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnete – kalender- und saisonbereinigt – der Wirtschaftsbereich Film, TV-Programme, Kinos, Tonstudios, Musikverlag mit +21,7 %. Die bereinigten Umsätze des diesem Wirtschaftsbereich übergeordneten Bereichs Information und Kommunikation sind gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,2 % gestiegen. Einen Umsatzrückgang gab es dagegen bei den Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstaltern: Dort hat sich der bereinigte Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 14,7 % vermindert.

Dienstleistungen Detaildaten

Boom beim Bau weiter volle Fahrt voraus!

Auch gibt es heute offizielle Daten zum deutschen Handwerk. Im 3. Quartal wächst der Umsatz im Jahresvergleich um 5,2%. Das Handwerk im Bauhauptgewerbe legt beim Umsatz um 5,5% zu, das Ausbaugewerbe um 4,6%. Auch alle anderen Detailbereiche im Handwerk liegen deutlich im Plus. Der Boom geht also weiter. Die Industrie scheint das Handwerk einfach nicht runterziehen zu können. Das liegt natürlich auch auch Bauboom und am gigantischen Investitionsstau, der immer noch abgearbeitet werden muss, und wo immer noch immenser Nachholbedarf herrscht. Die Branche ist voll ausgelastet, und ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein. Das kann man auch daran erkennen, dass sich der sogenannte „Bauüberhang“ dramatisch ausgeweitet hat. Dabei geht es um Aufträge im Wohnungsbau, die zwar erteilt sind, aber noch nicht ausgeführt werden konnten. Zwischen 2008 und 2018 hat sich der Bauüberhang bundesweit von rund 320.000 auf 693.000 genehmigte und noch nicht fertiggestellte Wohnungen mehr als verdoppelt, so die amtlichen Statistiker erst letzte Woche. Also, der Boom geht erst einmal weiter, und Bau + Dienstleistungen retten die Volkswirtschaft weiterhin davor, von der Industrie-Rezession ganz runtergezogen zu werden?

Boom im Handwerk geht weiter

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Europa

Exporte: Die Stimmung ist prächtig! Alles eitel Sonnenschein?

Claudio Kummerfeld

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Viele deutsche Exporte laufen über den Hamburger Hafen

Die deutschen Exporte sind ein Hort der Glückseligkeit, zumindest wenn man nach den aktuellen Exporterwartungen der deutschen Industrie geht. Heute ganz frisch für den Monat September veröffentlichte Umfragedaten vom ifo-Institut (2.300 befragte Unternehmen) zeigen, dass der Index der Exporterwartungen aktuell bei einem Wert von +10,4 liegt, nach +5,5 im August. Im absoluten Tief der Coronakrise im April war es ein Wert von -49,6. Der Chart, der bis 2014 zurückreicht, zeigt den Verlauf der Erwartungen an die Exporte sehr gut. Das Tal ist in V-Form durchschritten, und die Erwartungen steigen weiter an. Die Stimmung ist so gut wie seit Oktober 2018 nicht mehr. Der Aufschwung der Industrieproduktion in vielen wichtigen Abnehmerländern kommt der deutschen Exportwirtschaft dabei zu Gute, so das ifo-Institut.

Diese prima Stimmung bei den Erwartungen an die Exporte ist schon erstaunlich, so möchten wir anmerken, bei den aktuellen Massenentlassungen bei den Auto-Zulieferern (hier eine kleine Übersicht). Und auch die großen Autohersteller selbst bauen weiter ab, siehe aktuell MAN und Daimler. Hier weitere aktuelle Detailaussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

In der Chemischen Industrie erwarten deutlich mehr Unternehmen im vierten Quartal, dass ihre Exporte zunehmen. Gleiches gilt für die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen. Auch die Automobilbranche rechnet mit Umsatzzuwächsen beim Auslandsgeschäft. Der Maschinenbau hingegen erwartet vorerst keine größeren Sprünge, dort zeigen sich die Unternehmen eher zurückhaltend. Mit deutlichen Einbußen beim Export rechnen die Hersteller von Bekleidung, Lederwaren und Schuhen.

Chart zeigt Erwartungen an die deutschen Exporte

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Europa

ifo Index etwas schwächer als erwartet, aber fünfter Anstieg in Folge

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für September veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 93,4 (Prognose war 93,8; Voromonat August war 92,6)

– aktuelle Lage 89,2 (Prognose war 89,5; August war 87,9)

– Erwartungen: 97,7 (Prognose war 98,0; Voromonat war 97,5)

Fünfter Anstieg in Folge beim ifo Index

Dazu ifo in einer Pressemitteilung:

 

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich erneut verbessert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im September auf 93,4 Punkte gestiegen, nach 92,5 Punkten im August. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Situation abermals positiver als im Vormonat. Zudem erwarten sie eine weitere Erholung ihrer Geschäfte. Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich trotz steigender Infektionszahlen.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindikator merklich gestiegen. Deutlich weniger Unternehmen schätzten ihre aktuelle Geschäftslage schlecht ein. Zudem erwarteten mehr Industriefirmen, dass sich ihre wirtschaftliche Lage weiter verbessern wird. Insbesondere die Elektroindustrie ist optimistisch.

Im Dienstleistungssektor ging der Index hingegen zurück, nach zuletzt vier Anstiegen in Folge. Dies war auf weniger optimistische Erwartungen zurückzuführen. Die aktuelle Lage beurteilten die Unternehmen jedoch als minimal besser.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima deutlich aufgehellt. Die Händler waren merklich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Zusätzlich gehen viele von ihnen von einer weiteren Belebung in den kommenden Monaten aus.

Im Bauhauptgewerbe ist der Index erneut gestiegen. Der Indikator zur aktuellen Lage kletterte auf den höchsten Wert seit März dieses Jahres. Der Ausblick ist weiterhin pessimistisch, aber etwas weniger als im August.“

 

Der ifo Index ist das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanagerindex – Dienstleister schrumpfen, Gewerbe stark

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für September) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 53,7 (Prognose war 54,1; Vormonat war 54,4)

Verarbeitendes Gewerbe: 56,6 (Prognose war 52,5; Vormonat war 52,2)

Dienstleistung: 49,1 (Prognose war 53,0; Vormonat war 52,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 48,5 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 51,9)

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt:

 

„Während die aktuellen PMI-Daten zeigen, dass die deutsche Wirtschaft im September insgesamt auf Wachstumskurs geblieben ist, liefen die Trends auf Sektorenebene jedoch zunehmend auseinander. So vermeldete der Dienstleistungssektor erstmals seit drei Monaten wieder Geschäftseinbußen, was bedeuten könnte, dass die Erholung hier wegen der weiter geltenden Abstandsregeln, der starken Verunsicherung in der Wirtschaft und der Ungewissheit der Beschäftigten hinsichtlich der weiteren Jobentwicklung ihren Höhepunkt bereits überschritten haben dürfte. Im Gegensatz dazu erholte sich die Industrie – nicht zuletzt dank der wieder anziehenden Exportnachfrage – weiter im Eiltempo. Produktion und Auftragseingang wiesen hier abermals starke Zuwächse aus, was mit dazu beitrug, dass sich der Stellenabbau verlangsamte. Die steigenden Infektionszahlen decken sich mit der etwas weniger optimistischeren Stimmung im Servicesektor. Demgegenüber konnten die Industrieunternehmen scheinbar jegliche Sorgen hinsichtlich potenzieller Restriktionen im In- oder Ausland abschütteln, sodass die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist hier wieder so positiv ausfielen wie zuletzt vor über zweieinhalb Jahren.”

 

Die deutsche Wirtschaft mit mühsamer Erholung

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