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Konjunkturdaten

Konjunktur: Verwirrende Nachrichten aus der Chipbranche

Über widersprüchliche Signale für die Konjunktur aus der Chip-Branche

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Wie steht es wirklich um die Konjunktur? Da soll jemand schlau daraus werden: Während der deutsche Branchenverband der Chip-Industrie das Jahr 2019 als schlechtestes des letzten Jahrzehnts einschätzt, mit einem Rückgang der weltweiten Umsätze um 12 Prozent, steht der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) auf Rekordniveau.

Dabei sind Daten aus diesem Bereich doch sehr wegweisend für die Zukunft der Konjunktur, weil Chips in vielen Produkten verbaut werden, die künftig mehr denn je gebraucht werden, vom einfachsten Elektroartikel bis zum Elektromobil.

Konjunktur: Die verwirrenden Zahlen des Zentralverbandes der Elektrotechnik- und Elektroindustrie ZVEI

Die Zahlen, die der Vorsitzende des ZVEI-Gruppe Halbleiter, Stephan zur Verth, letzten Donnerstag präsentierte, nährten einmal mehr die Sorgen im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland und das in einer Zukunftsbranche.

Nach Schätzungen des ZVEI ist der Umsatz 2019 weltweit um zwölf Prozent auf 413 Milliarden Dollar (373 Milliarden Euro) eingebrochen, ein gleicher Rückgang sei auch für Deutschland zu erwarten. Dies nach einem Anstieg von 20 beziehungsweise 14 Prozent in den Jahren 2017 und 2018. Die Ursache hierfür ist sicherlich dem Handelsstreit geschuldet, der auch zu einer geringeren Nachfrage nach Tablets, PCs und Kfz geführt hat.

Eine weitere Sorge des Verbandes ist der geringe Anteil Europas und auch Deutschlands an der zukunftsträchtigen Chipindustrie. Sie betrage gerade neun bzw. drei Prozent am Weltmarkt, dabei stammen 95 Prozent der Innovationen im Kfz aus dem Chipbereich. Hier bestünde eine gewaltige Abhängigkeit Deutschlands vom Ausland, denn fast die Hälfte der benötigten Halbleiter kommen aus den USA (Intel, Qualcomm, Texas Instruments, Nvidia), eine weiteres Viertel aus Südkorea (Samsung, Hynix) und nur vier Prozent aus China.

Auch ein kleiner Hinweis, warum China im Handelsstreit mit den USA nicht so in die Vollen gehen kann. Die einzige heimische Firma mit Weltgeltung im Chipsektor ist Infineon, zu wenig für die Ansprüche einer Hightech-Nation.

Für das nächste Jahr zeichnet der Verband bereits wieder ein besseres Bild, denn dann sollen die Erlöse weltweit wieder um vier Prozent auf 429 Milliarden Dollar steigen. Gründe dafür sind der neue Mobilfunkstandard 5G und die Nachfrage nach Elektroautos, die in China schon fünf Prozent der Neuzulassungen ausmachen – und da wären wir schon bei den anderen Zahlen des Chipindex SOX.

Die Signale des Philadelphia Semiconductor Index SOX

Über 45 Prozent beträgt das Plus des Kursbarometers SOX 2019 bisher in den USA – der Index übertrifft damit die Performance des S&P 500 deutlich. Somit hat sich der SOX deutlich abgekoppelt von den Erwartungen der allgemeinen Industrie in diesem Jahr. Blickt der als Frühindikator geltende Index damit schon weiter in die Zukunft? Anscheinend sieht es für die Unternehmen in der Branche fundamental ganz gut aus. Analysten rechnen für die US-Börsenindizes Philadelphia Semiconductor und Bloomberg World Semiconductor mit einer Gewinnsteigerung von 12 Prozent für das kommende Jahr. Dabei sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis der darin enthaltenen Chipfirmen mit 16 trotz des Anstiegs sogar noch niedriger bewertet, als jenes im großen Index S&P. Irgendwie war so etwas bei den Q3-Zahlen von Intel und Nvidia (Grafikchips) schon zu erwarten: die Wachstumsstory im Cloudgeschäft beim Betrieb großer Rechenzentren für Alphabet, Amazon, Facebook und Co ist voll intakt.

Fazit

Wer hat nun recht: der ZVEI mit seiner schwachen Prognose oder der SOX, der auf einen weiteren Aufschwung hinweist? Damit entdeckt man einmal mehr den Widerspruch zwischen den aktuellen Daten der Konjunktur und der Indikation der Börsen, die allseits beschriebene Schere.

Aber in der Zukunftsbranche ChipIndustrie entsteht rasend schnell Neubedarf. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, in der das Prinzip der geplanten Obsoleszenz mehr Gültigkeit hat, denn je. Beispiel: Wie viele Jahre/Jahrzehnte hatte denn ein Röhrenfernseher im vergangenen Jahrhundert gehalten – und wie lange ist der Lebenszyklus bei einem LED-Gerät der Gegenwart, von Handys gar nicht erst zu reden? Will sagen: Desto tiefer ein Umsatzeinbruch in diesen Branchen ist, desto stärker baut sich Ersatzbedarf auf. Analysten schreiben Entwicklungen gerne linear in die Zukunft fort, im negativen wie im positiven. Und werden regelmäßig überrascht. Wie lange haben die sechs Rezessionen in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg im Schnitt gedauert?

Wenn sich die Elektrifizierung im Verkehrssektor wie geplant fortgesetzt, mit Autos voller Chips und dem Elektroantrieb, der Tausende von Ladestationen benötigt sowie der 5G Technik, die unzählig viele Geräte in den Fabriken in der Zukunft vernetzt. Wie kann man hier erwarten, dass es eine lange Baissephase in der Chipindustrie geben könnte?

Die Signale aus der Chip-Branche ergeben einen widersprüchlichen Mix für die Konjunktur

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ISM Index (Dienstleistung) leicht schwächer – Preise steigen

Markus Fugmann

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Der ISM Index (Dienstleistung; November) ist mit 55,9 leicht schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 56,0; Vormonat war 56,6 – das war der schwächste Wert seit Mai).

Die Komponenten:

– Beschäftigung 51,5 (Vormonat war 50,1)

– Auftragseingang 57,2 (Vormonat war 58,8)

– Preise 66,1 (Vormonat war 63,9)

Wie schon vorhin beim Markit PMI für die USA steigen die Preise also weiter..

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US-Erstanträge besser als erwartet

Markus Fugmann

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Die US-Erstanträge (jobless claims) auf Arbeitslosenhilfe (für die letzte Woche) steigen um 712.000 (offizielle Prognose war 775.000, Vorwoche war 778.000, nun auf 787.000 nach oben revidiert).

Die fortgesetzen Anträge (continuing claimes) liegen mit 5,520 Millionen unter der Erwartung (Prognose war 5,915 Millionen; Vorwoche war 6,071 Millionen, nun auf 6,089 Millionen nach oben revidiert).

Hinweis: zuletzt gab es Kritik an der Genaugikeit der Daten vom Labor Department, mehr dazu hier..

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Aktuell: Öl-Lagerbestände -0,7 Mio Barrels (jetzt 488,0 Mio)

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Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 488 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist im Vergleich zur Vorwoche ein Minus von 0,7 Mio Barrels, wobei die Erwartungen zur Vorwoche bei -2,3 lagen.

Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit +3,5 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche lagen bei +2,4 Millionen Barrels.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +4,1 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-2 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit +21 Cents auf 45,06 Dollar.


source: tradingeconomics.com

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