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Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Die ersten Auswirkungen bei Immobilienkrediten

Seit März gilt die sogenannte „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“, die von der EU vorgegeben und nun vom deutschen Gesetzgeber in deutsches Recht umgesetzt wurde. Das Ziel: Die Zügel anziehen, strengere…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Seit März gilt die sogenannte „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“, die von der EU vorgegeben und nun vom deutschen Gesetzgeber in deutsches Recht umgesetzt wurde. Das Ziel: Die Zügel anziehen, strengere Auflagen! Vor allem sollen die Kredite sich nicht mehr so stark am Wert der Immobilien orientieren, sondern am Leistungsvermögen der Kreditnehmer (kann er sich die Raten überhaupt leisten?). Jetzt nachdem die Richtlinie seit 4 Monaten besteht, meldet sich der Chef des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg zu Wort. Im Ländle werden verdammt viele schöne Häuser gebaut, das ist klar. Daher schlägt der Verbandschef Peter Schneider jetzt Alarm.

Wie er gestern Journalisten sagte, sei die Kreditvergabe an Häuslebauer im 2. Quartal um 20% eingebrochen gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,58 Milliarden Euro. In den nächsten Monaten werde der Rückgang moderater ausfallen, aber die alten Zahlen werde man wohl nicht mehr erreichen. Er wisse gar nicht wo für Deutschland der Regelungsgrund sein solle, so Schneider. Er sitze fassungslos vor den Resultaten. Und in der Tat: Wenn es ein Land in der EU gibt, wo Immobilienfinanzierungen eh schon hoch reguliert waren, dann ist das Deutschland. Deutsche Banken und Sparkassen achten von jeher darauf, ob der Kreditnehmer sich die Raten wirklich dauerhaft leisten kann (ja, das ist wirklich so). Jetzt aber kommen noch jede Menge Zusatzregularien hinzu, die auch dazu führen können, dass die Bank bei späteren Zahlungsausfällen evtl. in Regress genommen werden kann. So scheint es, dass die Banken und Sparkassen aus Vorsicht ihre Hürden noch höher legen.

Wir verweisen an dieser Stelle auch noch mal auf unseren ausführlichen Artikel vom 7. März zu diesem Thema.

So wird manch Kreditnehmer wohl trotz normalem Einkommen und extrem günstigen Zinsen plötzlich nicht mehr an eine Immobilienfinanzierung kommen, und wundert sich warum. Eigentlich macht diese EU-Richtlinie mehr Sinn für Länder, in denen die Immobilienblase 2007 und 2008 voll zugeschlagen hatte, siehe Irland, UK, Spanien. Schneider sagte gestern auch mit dieser EU-Richtlinie sei in Deutschland ein Bereich mit neuen Regeln „überzogen“ worden, bei dem es hierzulande bisher gar keine Probleme gab. Und da hat er recht. Auch wenn es hierzulande auch Zahlungsausfälle durch Arbeitslosigkeit etc gibt, so ist der Bereich als Ganzes hier bei uns gesund. Dennoch gibt es natürlich auch in Deutschland eine enorme Preissteigerung bei Immobilien, die aber durch hohe reale Nachfrage nach Wohnraum getrieben ist – anders war es z.B. in Spanien und Irland, wo ganze Wohnanlagen schon mal auf Vorrat gebaut wurden, ohne reale Nachfrage von echten Menschen.

Schneider sagte auch der Bundestag habe bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht unnötig draufgesattelt, also die Vorschrift stärker ausgelegt als notwendig. Der Wert der gekauften Immobilie dürfe nun nicht mehr so stark berücksichtig werden wie vorher. Aufgrund dem verstärkten Augenmerk auf die Bonität des Schuldners hätten nun vor allem älter Leute Probleme mit Finanzierungen. Auch würden rechtliche Unklarheiten der neuen Wohnimmobilienkreditrichtlinie dafür sorgen, dass über den Banken und Sparkassen das Damoklesschwert der fehlerhaften Beratung schwebe (Regressansprüche).

Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) warnte letzte Woche auch schon vor den desaströsen Folgen der Wohnimmobilienkreditrichtlinie. Diese führe zu einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Krediten. Der Gesetzgeber zwinge die Banken zu einer deutlich restriktiveren Kreditvergabe, so die GVB. In der Praxis führe das dazu, dass die Banken manchen Kunden, die bis zum 20. März kreditwürdig waren, seit dem 21. März keinen Kredit mehr geben dürften. Der Witz dabei ist noch zusätzlich: Wo die EU mit dieser neuen Regularie die Vergabe gerade großer Kredite abwürgt, die normalerweise große Folgeinvestitionen mit sich bringen (Baumaterial, Gehälter für Bauarbeiter, Transport), fehlt der konjunkturelle Schub, den die EZB ja gerade mit dem Heraufschrauben der Kreditvergabe erreichen will. Denn die EZB tut ja nun wirklich alles, aber auch wirklich alles dafür, damit europäische Banken derzeit auf Teufel komm raus mehr Kredite an Kunden herausreichen – Hauptsache mehr Konsum, mehr wirtschaftliche Tätigkeit, mehr Aktivität, steigende Preise. Tja, wo die eine EU-Institution bremst, wird die andere EU-Institution wohl in den Keller gehen und sich darüber aufregen (verdammt freundlich formuliert).

10 Kommentare

10 Comments

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    Frank

    27. Juli 2016 17:41 at 17:41

    Wunderbar, Herrlich, Fabelhaft, Weiter so! Reguliert, Reguliert und Reguliert! Bis alles kurz und klein reguliert ist, die KMUs den KONZERNEN überhaupt nicht mehr gewachsen sind. Aber bitte keine sinnvollen, sondern nur sinnlose Sachen!
    Macht die kleinen und mittelständischen Firmen platt, dann haben wenigstens die JOBCENTER Konjunktur!!! DIE EU ist wirklich SUUUUPERRR !!!

    • Avatar

      Frank

      27. Juli 2016 17:56 at 17:56

      Das haben die Briten anscheinend auch schon erkannt und sich vielleicht deshalb entschieden, dass sie sooo viel tolle EU Regulierung dann doch lieber nicht haben wollen. Aber irgendwann, in 300 Jahren vielleicht, werden das hier auch einige erkennen und sich mal fragen ob das alles so klug war…. ;-) ich bin gespannt….

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    m.d

    27. Juli 2016 19:31 at 19:31

    Diese Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist sowas von überflüssig. Es ist unerklärlich wie man auf so eine Idee kommen kann.
    Oder wenn die Baufinanzierungszinsen wieder bei 3 – 4 Prozent sind wird diese Wohnimmobilienkreditrichtlinie wieder aufgehoben. Also will man vielleicht damit den Banken einen gefallen tun.
    Bei diesem niedrigen Zinsumfeld nimmt man mit dieser Maßnahme den Familien mit Kindern jegliche Hoffnung auf ein Eigenheim.

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    Ed

    28. Juli 2016 11:17 at 11:17

    Alles nur für den Verbraucher – Hauptsache „Wir (die EU-Regulatoren) haben unsere Daseinsberechtigung“.

    Sorry, ich kann nicht mehr ernst genug bleiben.

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    Fred Bunt

    7. Oktober 2016 17:02 at 17:02

    Die neue Richtlinie diskriminiert ältere Menschen und junge Menschen. Ältere Menschen wird es teilweise nicht mehr möglich sein Erbauseinandersetzungen (Immobilienübernahme aus Erbengemeinschaft) vernünftig zu regeln. Junge Menschen mit „Normal-Einkommen“ werden kein Beton-Gold für die Rente (wird vom Staat doch gewünscht) erwerben können, da Renditeobjekte bei der Einkommensbetrachtung meist völlig unberücksichtigt bleiben. Die mittleren Altersgruppen, die evtl. keine sehr hohe Rente erwarten, sind aufgrund der Rentenvorschau ebenfalls schnell außen vor.
    Wie stellt sich unsere liebe Regierung dies bitte vor? Immobilien nur noch für Reiche? Kein Wunder, wenn unsere Gesellschaft immer mehr zerbricht und die EU als besonderes Übel ausmacht. Hier ist dringender Änderungsbedarf vorhanden.

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    Klaus

    8. Oktober 2016 06:10 at 06:10

    Die Richtlinie diskriminiert alle Bürger dieser Republik die einen Kredit für eine Wohnimmobilie wollen. Wieso ist unsere Regierung nicht mehr daran interessiert, dass ihre Bürger Wohneigentum erwerben? Die EU un die Bundesregierung bestrafen die Bürger dieser Republik für die Sünden der amerikanischen Banken die Häuser nicht nur zu 100 % sondern auch darüber hinaus finanziert haben. Es gab und gibt in den USA festverzinsliche Kredite für die gesamte Laufzeit. Eine Zinserhöhung hat also abgeschlossene Verträge nicht tangiert. Es ist aber eine Unsitte in den USA Belastungen nur für ein halbes Jahr zu berechnen wobei mancher bildungsferne Darlehensnehmer dann glaubt dies Belastung sei für ein ganzes Jahr gerechnet.
    Hinzu kommt die jährliche Grundsteuer die einen Prozentsatz des aktuellen Werts der Immobile beträgt. Diese sich jährlich ändernde Grundsteuer, die je nach Finanzbedarf der Kommunen, der Landkreise, der Colleges und der Schulbehörde durch Änderung des Prozentsatzes zusätzlich verändert werden kann, ist eine zusätzliche unkalkulierbare Belastung. Die Erhöhung darf 10% gegenüber dem Vorjahr nicht übersteigen, toll denkt man, aber für wertvolle Häuser sind diese 10% früher erreicht als für billige Häuser. Das bedeutet, dass für wertvolle Häuser nach Jahren ohne Eigentümerwechsel nur noch ein Rinnsal an Grundsteuer fällig wird. Und so weiter.
    Die Finanzierung einer Wohnimmobilie in den USA kann man nicht im entferntesten mit der Finanzierung einer Wohnimmobilie in Deutschland vergleichen. Der Bundestag, die Bundesregierung, der Bundespräsident sind hier falsch informiert und verwehren völlig zu Unrecht dem deutschen Bürger den Erwerb von Wohneigentum.

  6. Avatar

    AT

    14. Dezember 2016 09:47 at 09:47

    Das darf ja wohl nicht wahr sein ! Bisher war ich immer ein entschiedener Befürworter der EU. Wenn das aber inzwischen dazu führt, dass man als älterer Mensch am Ende eines sehr harten Arbeitslebens seine gesamte Lebensleistung durch die Verweigerung einer Anschlussfinanzierung für seine bereits weitgehend abbezahlte Immobilie genommen bekommt und damit auch die Basis für seine Altersabsicherung, dann kann ich nicht nur verstehen, welche Gründe immer mehr Menschen haben, sich von der EU abzuwenden oder sogar populistische Parteien zu wählen, sondern überlege vielleicht selber, was man gegen die EU politisch oder juristisch unternehmen könnte, um derartig desaströse Gesetzesvorschriften zu verhindern.
    Wieso werden derart ruinierende und diskriminierende Vorschriften nicht wegen offensichtlichen Verstosses gegen das Eigentums- und Gleichheitsgrundrechtes nach Art.14 und Art.3 GG vom Bundesverfassungsgericht verhindert.
    Oder: brauchen auch wir jetzt dringend unseren Gexit ?

  7. Avatar

    Buch

    16. Dezember 2016 14:38 at 14:38

    Diese neue Kreditrichtlinie ist eine Gaunerei. Man hilft hier den Banken sich durch die Hintertür anderer Leute ihre Immobilie zu ergaunern. Letztes Jahr war ich trotz meines Alters von 74 Jahren noch kreditwürdig, heute nicht mehr. Obwohl ich genügend Sicherheit biete bekomme ich keinen Kredit mehr für eine Anschlußfinanzierung.So kann ich meine Immobilie an die Bank geben und alles aufbrauchen damit der Staat sich dann um mich kümmern wird müssen. Das ist ein großer Betrug. Diese EU parlamentarier werden meine Stimme nicht mehr bekommen.

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    Knut Kahnt

    26. September 2017 11:46 at 11:46

    Das Ziel dieser EU-RL ist nachvollziehbar – keine Immobilienfinanzierung zu Lasten der Verbraucher. Diese hat es nachweisbar gegeben. Nutznießer waren windige Immobilienverkäufer und auch deren Partnerbanken, die z.T. Schrottimmobilien der Verkäufer ungeprüft finanziert haben – alle die haben satt verdient; der Verbraucher blieb all zu oft auf einem finanziellen Scherbenhaufen sitzen. Jetzt die neue EU-RL – und wer ist der Dumme? Wieder der Verbraucher, der jetzt pauschal ab Alter 75 als nicht kreditwürdig eingestuft wird und dem damit die Teilnahme am Markt (Modernisierungskredite/ Anschlußfinanzierung etc.) verwehrt wird. Genau diese Verbraucher haben aber 2008 die Bankenrettung ungefragt mitfinanzieren müssen; jetzt schließen die geretteten Banken (bis auf ganz wenige Ausnahmen) ihnen die Tür vor der Nase zu.
    Hier hat der Gesetzgeber Bockmist produziert. Es muß hier schnellstens korrigiert werden, bevor Zwangsverkäufe von solventen Hauseigentümern deren Altersvorsorge vernichten.
    Fachmakler Knut Kahnt

  9. Avatar

    ex Bänker

    26. September 2017 12:55 at 12:55

    Während kreditfinanzierte Aktienkäufe auf Allzeithochs steigen, zieht man bei den sichersten Realwerten die Schraube immer mehr an.Immerhin können Immobilien nicht in wenigen Tagen um 20-30% fallen.Man redet jetzt täglich über die Krisenherde der Welt u.der Möglichkeit von grösseren Kriegen.Wenn unsere Politiker u.die Hochfinanz so weitermachen sehe ich eher die Möglichkeit von Bürgerkriegen.Viele sind doch einverstanden ,dass durch Nullzinsen u.Geldschwemme die Umverteilung von unten nach oben nie aufhören kann (darf )Die Spaltung der Gesellschaft geht weiter bis es knallt.Spätestens dann würde die nicht mehr möglich scheinende Korrektur ausgelöst.Wie lange wird man noch erzählen können dank der EU habe man schon lange keinen Krieg mehr ?

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Inflation, Bitcoin, Aktien: Beck gegen Marc Friedrich

Markus Fugmann

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Kommt bald die Inflation – und was wird mit Aktien oder Bitcoin passieren? Bedeutet Inflation gleichzeitig, dass Bitcoin und Aktien und auch Rohstoffe steigen werden?

Bitcoin, Aktien und Inflation – was wird passieren?

Derzeit gehen fast alle davon aus, dass die Inflation anziehen wird: mit dem Impfstoff werde sich das Corona-Problem erledigen, woraufhin die Nachfrae anziehen werde, was dann wiederum Inflation mit sich bringe (der Reflations-Trade). Diese Inflation zeigt sich bereits bei den Asset-Preisen vor allem bei Immobilien, mit gewissen Abstrichen auch bei Aktien (vor allem aus dem US-Tech-Sektor). Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Der Potzfolioverwalter Andreas Beck bringt die Dinge in einem Interview mit Marc Friedrich in Relation: er hält Immobilien für zu teuer (aufgrund des demografischen Wandels – der ab dem Jahr 2025 kippen wird), bei Aktien sei das „Glas halbvoll“ – während er Bitcoin für eine „Thema-Verfehlung“ hält („Bitcoin ist ein Anrecht für nichts auf niemanden“) und dabei auf eine russische Firma verweist, die dafür ein Muster gegeben hat (was für den Bitcoin-Gläubigen Marc Friedrich schwer zu ertragen ist!). Andreas Beck gegen Marc Friedrich – wer hier die besseren Argumente hat, könne Sie entscheiden. So sagt Andreas Beck zu Bitcoin: „Was nichts ist, kann nicht knapp sein“ – und demaskiert damit das Argument der Bitcoin-Jünger!

 

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Inflation, Aktien und Bitcoin - Marc Friedrich gegen Andreas Beck

 

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Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlen? EU-Urteil liegt vor – mit erstaunlicher Begründung

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Scheine Euro Bargeld

Darf der deutsche Michel darauf bestehen, dass er seinen Rundfunkbeitrag mit Bargeld bezahlt, und nicht per Banküberweisung oder Lastschrift? Deswegen war der Wirtschaftsexperte und Journalist Norbert Häring durch alle Instanzen gegangen, und landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Seine Klage basierte auf dem Bundesbankgesetz, welches Bargeld als uneingeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel ansieht – womit impliziert werden könnte, dass alle öffentlichen Einrichtungen gezwungen sind Zahlungen in bar zu akzeptieren.

Panische Angst vor Zahlung mit Bargeld?

Aber es ist klar. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten wehren sich mit allen Mitteln gegen die Bargeldzahlung. Man stelle sich vor hunderttausende unzufriedene Gebührenzahler würden von diesem Recht Gebrauch machen, und bei den Anstalten vor Ort mit 1 Cent Münzen zahlen, aus Protest. Der Verwaltungsaufwand wäre gigantisch. Und jetzt wird es spannend. Der Europäische Gerichtshof hat heute sein Urteil gefällt (hier im Wortlaut nachzulesen). Gleich die Headline zeigt die erstaunliche Argumentation der Richter. Sie argumentieren nämlich nicht mit Inhalten, sondern begründen ihr Urteil damit, ob die Auswirkungen für die betroffenen Einrichtungen (ARD und ZDF) verwaltungstechnisch umsetzbar sind. Zitat EuGH:

Ein Mitgliedstaat des Euro-Währungsgebiets kann seine Verwaltung zur Annahme von Barzahlungen verpflichten, aber er kann diese Zahlungsmöglichkeit auch aus Gründen des öffentlichen Interesses beschränken. Eine solche Beschränkung kann insbesondere gerechtfertigt sein, wenn die Barzahlung aufgrund der sehr großen Zahl der Zahlungspflichtigen zu unangemessenen Kosten für die Verwaltung führen kann.

Also: Das EU-Gericht verweist die letztliche Entscheidung zurück an den Bundesgerichtshof. Aber der erhält von den EU-Richtern de facto eine Vorlage für eine Entscheidung gegen die Zahlung mit Bargeld. Nämlich in dem man sagt: Bei potenziell hunderttausenden oder Millionen Barzahlern des Rundfunkbeitrags werden die Verwaltungskosten derart hoch sein, dass dies zu ernsthaften Problemen für die Rundfunkanstalten führt. Daher wäre es angemessen für Deutschland ein Barzahlungsverbot auszusprechen. So darf man den zweiten Satz aus der Headline-Aussage des Urteils interpretieren. Und man darf vermuten, dass die deutschen Richter diesen Hinweis auch genau so aufnehmen und in ihr Urteil einfließen lassen werden. Also wird es (vermutlich) keine wirklich inhaltliche Begründung für die bevorstehende Ablehnung der Bargeldzahlung in Deutschland geben, sondern nur eine verwaltungstechnische. Das ist ziemlich armselig, so möchte ich es ausdrücken!

Der Klageführer Norbert Häring hat dazu vor wenigen Minuten seinen eigenen Kommentar veröffentlicht (hier nachzulesen). Die Richtung der deutschen Richter dürfte klar sein. Reihenweise könnten Beitragszahler auf Barzahlung bestehen, also wäre der Verwaltungsaufwand für ARD und ZDF bei nur 17,50 Euro pro Beitragszahler nicht mehr verhältnismäßig. Man kann das endgültige Urteil der deutschen Richter schon Monate im Voraus am Horizont sehen, bevor es ausgesprochen wurde. Hier auszugsweise im Wortlaut aus dem heutigen EuGH-Urteil die wohl wichtigsten Aussagen:

In einem zweiten Schritt stellt der Gerichtshof fest, dass der Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Annahme dieser Banknoten und Münzen impliziert, diese Verpflichtung aber von den Mitgliedstaaten grundsätzlich aus Gründen des öffentlichen Interesses eingeschränkt werden kann, vorausgesetzt, dass diese
Einschränkungen im Hinblick auf das verfolgte Ziel von öffentlichem Interesse verhältnismäßig sind, was u. a. bedeutet, dass andere rechtliche Mittel für die Begleichung von Geldschulden verfügbar sein müssen.

Insoweit weist der Gerichtshof darauf hin, dass es im öffentlichen Interesse liegt, dass die Begleichung von Geldschulden gegenüber öffentlichen Stellen dergestalt erfolgen kann, dass diesen keine unangemessenen Kosten entstehen, die sie daran hindern würden, ihre Leistungen kostengünstiger zu erbringen. Daher kann der Grund des öffentlichen Interesses, der sich aus der Notwendigkeit ergibt, die Erfüllung einer hoheitlich auferlegten Geldleistungspflicht zu gewährleisten, eine Beschränkung der Barzahlungen rechtfertigen, insbesondere, wenn die Zahl der Beitragspflichtigen, bei denen die Forderungen einzutreiben sind, sehr hoch ist.

Es ist jedoch Sache des Bundesverwaltungsgerichts, zu prüfen, ob eine solche Beschränkung im Hinblick auf das Ziel des tatsächlichen Einzugs des Rundfunkbeitrags verhältnismäßig ist, insbesondere in Anbetracht dessen, dass die anderen rechtlichen Zahlungsmittel möglicherweise nicht allen beitragspflichtigen Personen leicht zugänglich sind.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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