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Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Die ersten Auswirkungen bei Immobilienkrediten

Seit März gilt die sogenannte „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“, die von der EU vorgegeben und nun vom deutschen Gesetzgeber in deutsches Recht umgesetzt wurde. Das Ziel: Die Zügel anziehen, strengere…

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FMW-Redaktion

Seit März gilt die sogenannte „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“, die von der EU vorgegeben und nun vom deutschen Gesetzgeber in deutsches Recht umgesetzt wurde. Das Ziel: Die Zügel anziehen, strengere Auflagen! Vor allem sollen die Kredite sich nicht mehr so stark am Wert der Immobilien orientieren, sondern am Leistungsvermögen der Kreditnehmer (kann er sich die Raten überhaupt leisten?). Jetzt nachdem die Richtlinie seit 4 Monaten besteht, meldet sich der Chef des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg zu Wort. Im Ländle werden verdammt viele schöne Häuser gebaut, das ist klar. Daher schlägt der Verbandschef Peter Schneider jetzt Alarm.

Wie er gestern Journalisten sagte, sei die Kreditvergabe an Häuslebauer im 2. Quartal um 20% eingebrochen gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,58 Milliarden Euro. In den nächsten Monaten werde der Rückgang moderater ausfallen, aber die alten Zahlen werde man wohl nicht mehr erreichen. Er wisse gar nicht wo für Deutschland der Regelungsgrund sein solle, so Schneider. Er sitze fassungslos vor den Resultaten. Und in der Tat: Wenn es ein Land in der EU gibt, wo Immobilienfinanzierungen eh schon hoch reguliert waren, dann ist das Deutschland. Deutsche Banken und Sparkassen achten von jeher darauf, ob der Kreditnehmer sich die Raten wirklich dauerhaft leisten kann (ja, das ist wirklich so). Jetzt aber kommen noch jede Menge Zusatzregularien hinzu, die auch dazu führen können, dass die Bank bei späteren Zahlungsausfällen evtl. in Regress genommen werden kann. So scheint es, dass die Banken und Sparkassen aus Vorsicht ihre Hürden noch höher legen.

Wir verweisen an dieser Stelle auch noch mal auf unseren ausführlichen Artikel vom 7. März zu diesem Thema.

So wird manch Kreditnehmer wohl trotz normalem Einkommen und extrem günstigen Zinsen plötzlich nicht mehr an eine Immobilienfinanzierung kommen, und wundert sich warum. Eigentlich macht diese EU-Richtlinie mehr Sinn für Länder, in denen die Immobilienblase 2007 und 2008 voll zugeschlagen hatte, siehe Irland, UK, Spanien. Schneider sagte gestern auch mit dieser EU-Richtlinie sei in Deutschland ein Bereich mit neuen Regeln „überzogen“ worden, bei dem es hierzulande bisher gar keine Probleme gab. Und da hat er recht. Auch wenn es hierzulande auch Zahlungsausfälle durch Arbeitslosigkeit etc gibt, so ist der Bereich als Ganzes hier bei uns gesund. Dennoch gibt es natürlich auch in Deutschland eine enorme Preissteigerung bei Immobilien, die aber durch hohe reale Nachfrage nach Wohnraum getrieben ist – anders war es z.B. in Spanien und Irland, wo ganze Wohnanlagen schon mal auf Vorrat gebaut wurden, ohne reale Nachfrage von echten Menschen.

Schneider sagte auch der Bundestag habe bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht unnötig draufgesattelt, also die Vorschrift stärker ausgelegt als notwendig. Der Wert der gekauften Immobilie dürfe nun nicht mehr so stark berücksichtig werden wie vorher. Aufgrund dem verstärkten Augenmerk auf die Bonität des Schuldners hätten nun vor allem älter Leute Probleme mit Finanzierungen. Auch würden rechtliche Unklarheiten der neuen Wohnimmobilienkreditrichtlinie dafür sorgen, dass über den Banken und Sparkassen das Damoklesschwert der fehlerhaften Beratung schwebe (Regressansprüche).

Der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) warnte letzte Woche auch schon vor den desaströsen Folgen der Wohnimmobilienkreditrichtlinie. Diese führe zu einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Krediten. Der Gesetzgeber zwinge die Banken zu einer deutlich restriktiveren Kreditvergabe, so die GVB. In der Praxis führe das dazu, dass die Banken manchen Kunden, die bis zum 20. März kreditwürdig waren, seit dem 21. März keinen Kredit mehr geben dürften. Der Witz dabei ist noch zusätzlich: Wo die EU mit dieser neuen Regularie die Vergabe gerade großer Kredite abwürgt, die normalerweise große Folgeinvestitionen mit sich bringen (Baumaterial, Gehälter für Bauarbeiter, Transport), fehlt der konjunkturelle Schub, den die EZB ja gerade mit dem Heraufschrauben der Kreditvergabe erreichen will. Denn die EZB tut ja nun wirklich alles, aber auch wirklich alles dafür, damit europäische Banken derzeit auf Teufel komm raus mehr Kredite an Kunden herausreichen – Hauptsache mehr Konsum, mehr wirtschaftliche Tätigkeit, mehr Aktivität, steigende Preise. Tja, wo die eine EU-Institution bremst, wird die andere EU-Institution wohl in den Keller gehen und sich darüber aufregen (verdammt freundlich formuliert).

10 Kommentare

10 Comments

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    Frank

    27. Juli 2016 17:41 at 17:41

    Wunderbar, Herrlich, Fabelhaft, Weiter so! Reguliert, Reguliert und Reguliert! Bis alles kurz und klein reguliert ist, die KMUs den KONZERNEN überhaupt nicht mehr gewachsen sind. Aber bitte keine sinnvollen, sondern nur sinnlose Sachen!
    Macht die kleinen und mittelständischen Firmen platt, dann haben wenigstens die JOBCENTER Konjunktur!!! DIE EU ist wirklich SUUUUPERRR !!!

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      Frank

      27. Juli 2016 17:56 at 17:56

      Das haben die Briten anscheinend auch schon erkannt und sich vielleicht deshalb entschieden, dass sie sooo viel tolle EU Regulierung dann doch lieber nicht haben wollen. Aber irgendwann, in 300 Jahren vielleicht, werden das hier auch einige erkennen und sich mal fragen ob das alles so klug war…. ;-) ich bin gespannt….

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    m.d

    27. Juli 2016 19:31 at 19:31

    Diese Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist sowas von überflüssig. Es ist unerklärlich wie man auf so eine Idee kommen kann.
    Oder wenn die Baufinanzierungszinsen wieder bei 3 – 4 Prozent sind wird diese Wohnimmobilienkreditrichtlinie wieder aufgehoben. Also will man vielleicht damit den Banken einen gefallen tun.
    Bei diesem niedrigen Zinsumfeld nimmt man mit dieser Maßnahme den Familien mit Kindern jegliche Hoffnung auf ein Eigenheim.

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    Ed

    28. Juli 2016 11:17 at 11:17

    Alles nur für den Verbraucher – Hauptsache „Wir (die EU-Regulatoren) haben unsere Daseinsberechtigung“.

    Sorry, ich kann nicht mehr ernst genug bleiben.

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    Fred Bunt

    7. Oktober 2016 17:02 at 17:02

    Die neue Richtlinie diskriminiert ältere Menschen und junge Menschen. Ältere Menschen wird es teilweise nicht mehr möglich sein Erbauseinandersetzungen (Immobilienübernahme aus Erbengemeinschaft) vernünftig zu regeln. Junge Menschen mit „Normal-Einkommen“ werden kein Beton-Gold für die Rente (wird vom Staat doch gewünscht) erwerben können, da Renditeobjekte bei der Einkommensbetrachtung meist völlig unberücksichtigt bleiben. Die mittleren Altersgruppen, die evtl. keine sehr hohe Rente erwarten, sind aufgrund der Rentenvorschau ebenfalls schnell außen vor.
    Wie stellt sich unsere liebe Regierung dies bitte vor? Immobilien nur noch für Reiche? Kein Wunder, wenn unsere Gesellschaft immer mehr zerbricht und die EU als besonderes Übel ausmacht. Hier ist dringender Änderungsbedarf vorhanden.

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    Klaus

    8. Oktober 2016 06:10 at 06:10

    Die Richtlinie diskriminiert alle Bürger dieser Republik die einen Kredit für eine Wohnimmobilie wollen. Wieso ist unsere Regierung nicht mehr daran interessiert, dass ihre Bürger Wohneigentum erwerben? Die EU un die Bundesregierung bestrafen die Bürger dieser Republik für die Sünden der amerikanischen Banken die Häuser nicht nur zu 100 % sondern auch darüber hinaus finanziert haben. Es gab und gibt in den USA festverzinsliche Kredite für die gesamte Laufzeit. Eine Zinserhöhung hat also abgeschlossene Verträge nicht tangiert. Es ist aber eine Unsitte in den USA Belastungen nur für ein halbes Jahr zu berechnen wobei mancher bildungsferne Darlehensnehmer dann glaubt dies Belastung sei für ein ganzes Jahr gerechnet.
    Hinzu kommt die jährliche Grundsteuer die einen Prozentsatz des aktuellen Werts der Immobile beträgt. Diese sich jährlich ändernde Grundsteuer, die je nach Finanzbedarf der Kommunen, der Landkreise, der Colleges und der Schulbehörde durch Änderung des Prozentsatzes zusätzlich verändert werden kann, ist eine zusätzliche unkalkulierbare Belastung. Die Erhöhung darf 10% gegenüber dem Vorjahr nicht übersteigen, toll denkt man, aber für wertvolle Häuser sind diese 10% früher erreicht als für billige Häuser. Das bedeutet, dass für wertvolle Häuser nach Jahren ohne Eigentümerwechsel nur noch ein Rinnsal an Grundsteuer fällig wird. Und so weiter.
    Die Finanzierung einer Wohnimmobilie in den USA kann man nicht im entferntesten mit der Finanzierung einer Wohnimmobilie in Deutschland vergleichen. Der Bundestag, die Bundesregierung, der Bundespräsident sind hier falsch informiert und verwehren völlig zu Unrecht dem deutschen Bürger den Erwerb von Wohneigentum.

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    AT

    14. Dezember 2016 09:47 at 09:47

    Das darf ja wohl nicht wahr sein ! Bisher war ich immer ein entschiedener Befürworter der EU. Wenn das aber inzwischen dazu führt, dass man als älterer Mensch am Ende eines sehr harten Arbeitslebens seine gesamte Lebensleistung durch die Verweigerung einer Anschlussfinanzierung für seine bereits weitgehend abbezahlte Immobilie genommen bekommt und damit auch die Basis für seine Altersabsicherung, dann kann ich nicht nur verstehen, welche Gründe immer mehr Menschen haben, sich von der EU abzuwenden oder sogar populistische Parteien zu wählen, sondern überlege vielleicht selber, was man gegen die EU politisch oder juristisch unternehmen könnte, um derartig desaströse Gesetzesvorschriften zu verhindern.
    Wieso werden derart ruinierende und diskriminierende Vorschriften nicht wegen offensichtlichen Verstosses gegen das Eigentums- und Gleichheitsgrundrechtes nach Art.14 und Art.3 GG vom Bundesverfassungsgericht verhindert.
    Oder: brauchen auch wir jetzt dringend unseren Gexit ?

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    Buch

    16. Dezember 2016 14:38 at 14:38

    Diese neue Kreditrichtlinie ist eine Gaunerei. Man hilft hier den Banken sich durch die Hintertür anderer Leute ihre Immobilie zu ergaunern. Letztes Jahr war ich trotz meines Alters von 74 Jahren noch kreditwürdig, heute nicht mehr. Obwohl ich genügend Sicherheit biete bekomme ich keinen Kredit mehr für eine Anschlußfinanzierung.So kann ich meine Immobilie an die Bank geben und alles aufbrauchen damit der Staat sich dann um mich kümmern wird müssen. Das ist ein großer Betrug. Diese EU parlamentarier werden meine Stimme nicht mehr bekommen.

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    Knut Kahnt

    26. September 2017 11:46 at 11:46

    Das Ziel dieser EU-RL ist nachvollziehbar – keine Immobilienfinanzierung zu Lasten der Verbraucher. Diese hat es nachweisbar gegeben. Nutznießer waren windige Immobilienverkäufer und auch deren Partnerbanken, die z.T. Schrottimmobilien der Verkäufer ungeprüft finanziert haben – alle die haben satt verdient; der Verbraucher blieb all zu oft auf einem finanziellen Scherbenhaufen sitzen. Jetzt die neue EU-RL – und wer ist der Dumme? Wieder der Verbraucher, der jetzt pauschal ab Alter 75 als nicht kreditwürdig eingestuft wird und dem damit die Teilnahme am Markt (Modernisierungskredite/ Anschlußfinanzierung etc.) verwehrt wird. Genau diese Verbraucher haben aber 2008 die Bankenrettung ungefragt mitfinanzieren müssen; jetzt schließen die geretteten Banken (bis auf ganz wenige Ausnahmen) ihnen die Tür vor der Nase zu.
    Hier hat der Gesetzgeber Bockmist produziert. Es muß hier schnellstens korrigiert werden, bevor Zwangsverkäufe von solventen Hauseigentümern deren Altersvorsorge vernichten.
    Fachmakler Knut Kahnt

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    ex Bänker

    26. September 2017 12:55 at 12:55

    Während kreditfinanzierte Aktienkäufe auf Allzeithochs steigen, zieht man bei den sichersten Realwerten die Schraube immer mehr an.Immerhin können Immobilien nicht in wenigen Tagen um 20-30% fallen.Man redet jetzt täglich über die Krisenherde der Welt u.der Möglichkeit von grösseren Kriegen.Wenn unsere Politiker u.die Hochfinanz so weitermachen sehe ich eher die Möglichkeit von Bürgerkriegen.Viele sind doch einverstanden ,dass durch Nullzinsen u.Geldschwemme die Umverteilung von unten nach oben nie aufhören kann (darf )Die Spaltung der Gesellschaft geht weiter bis es knallt.Spätestens dann würde die nicht mehr möglich scheinende Korrektur ausgelöst.Wie lange wird man noch erzählen können dank der EU habe man schon lange keinen Krieg mehr ?

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Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

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Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

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Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

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Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

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Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

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Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

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