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Warum der Oil Freeze am 30. November so oder so ein Desaster wird

Am 30. November findet das offizielle OPEC-Treffen in Wien statt, wo angeblich besprochen werden soll, welches Mitglied seine Förderung auf welchem Niveau...

Von Claudio Kummerfeld

Am 30. November findet das offizielle OPEC-Treffen in Wien statt, wo angeblich besprochen werden soll, welches Mitglied seine Förderung auf welchem Niveau einfriert, oder wohin es absenken soll. Heute gibt es schon eine Art Vorbereitungstreffen einiger Staaten der OPEC und von außerhalb. Passend dazu kam diese Woche schon die Info des Irak, dass man nicht an einer Einfrierung oder Kürzung teilnehmen werde, weil man die zusätzlichen Öl-Einnahmen für den Kampf gegen den IS benötige. Damit fallen der Irak, der Iran und vielleicht ein zwei afrikanische Förderer aus.

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Ein Fracking-Förderturm in den USA. Foto: Wikipedia / public domain

Eigentlich besteht der Oil Freeze im Kern nur noch aus Saudi-Arabien und den umgebenden Staaten wie VAE, Kuwait etc. Und Russland scheint ständig seine Meinung zu ändern. Da kann noch viel passieren in den nächsten vier Wochen. Von daher sollte man auf das, was heute eventuell als Vorbereitung auf den 30. November vereinbart wird, nicht all zu viel geben! Selbst wenn es zu einer Einigung kommt, und der Ölpreis sich bei 50 Doller stabilisiert, oder sogar deutlich darüber hinaus ansteigt: Dann kommen die Fracker in den USA aus ihren Löchern gekrochen!

Wir hatten schon diverse Male über dieses Szenario geschrieben. Mehr noch, es ist bereits eingetreten. Das zeigt die Zählung der aktiv betriebenen Öl-Bohrstellen in den USA von der Firma Baker Hughes ganz deutlich. Fiel die Zahl im großen Rahmen seit 2 Jahren deutlich zurück, ist sie nun seit 8 Wochen nacheinander wieder angestiegen – erst letzte Woche um weitere 11 auf 443. Von diversen Fracking-Buden ist zu hören, dass man deutlich optimistischer sei. Damit ist der Ölpreis gemeint, aber auch gleichzeitig die eigene Effizienzsteigerung, die den Break Even-Punkt immer weiter herabsenkt.

Je nach Fördergebiet, Größe der Firma, technischen Know How und Finanzierungskosten liegt die Profitschwelle mal unter oder über der 50 Dollar-Marke. Im Permian Basin, neben dem Bakken-Feld eines der großen Fördergebiete für Fracker in den USA, liegt die Zahl der aktiven Bohrlöcher aktuell sogar bereits auf einem 9 Monats-Hoch. Laut den Analysten von Sandford Bernstein werden die Mietpreise für Flächen, auf denen gebohrt wird, in Kürze wieder explodieren. Das zeigt an, dass die Landbesitzer schon riechen können, dass der Förderboom gerade wieder losgeht wie zuletzt bis 2014. Die Fracking-Firmen haben nicht nur ihre Effizienz massiv erhöht.

Sie haben auch ihre Schulden abgebaut (gut, Firmenpleiten und Fusionen taten ihr übriges). Durch höhere Risiko-Anforderungen der US-Banken, die wohl ein klein wenig aus der Finanzkrise gelernt haben, sind die Fracker gezwungen ihre gerade jetzt anziehende Fördermenge abzusichern. Dass dies geschieht, zeigen offzielle Daten der US-Energiebehörde „Energy Information Administration“ (EIA) sowie der Terminmarktaufsicht CFTC. Die Short-Positionen im WTI-Future, gehalten durch Öl-Produzenten und Öl-Handelsfirmen, betrug zuletzt 540.000 Kontrakte – der höchste Wert seit dem Jahr 2007!

Die EIA geht von einem kräftigen Anziehen der US-Fördermenge ab Mitte 2017 aus. Aber die Daten zeigen schon jetzt, dass das Hochfahren begonnen hat. Das heißt: Preise um die 50 und selbst tiefer dürften die Fracker vom Hochfahren ihrer Kapazitäten nicht abhalten. denn auch bei fallenden Preisen sind sie ja nun vermehrt abgesichert. Fällt der Preis, verlieren sie bei den Einnahmen, was aber die Gewinne in den Futures wieder ausgleichen. Die Zeche zahlen also bei einem Oil Freeze-Flop auch die OPEC-Staaten. Bleibt der Preis dann bei 50 oder fällt er etwas, werden die Fracker wohl kaum Ruhe geben.



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