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Schock für die Märkte Aktien: Bärenmarkt-Risiko steigt – Inflation höher als BIP

Chancen für einen längerfristigen Bärenmarkt bei Aktien stiegen

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Die höher als erwartet ausgefallenen Daten zur Inflation in den USA im August sorgten für einen herben Abverkauf bei Aktien – so fiel der Nasdaq 100 mit -5,5% so stark wie seit dem Corona-Crash im März 2020 nicht mehr – ist das der Auftakt für einen langen Bärenmarkt?

Selten erlitten die Aktienmärkte einen derartigen Schock wie gestern durch die Daten zur Inflation, die vor allem in der Kernrate (ohne Nahrung und Energie) mit +0,6% zum Vormonat so stark von der Erwartung abgewichen war, wie zuletzt nur viermal seit dem Jahr 1998. Im Jahr 2022 hat der Nasdaq damit bereits sieben Hadelstage mit einem Verlust von -7% aufzuweisen – in den Jahren 2012 bis 2019 war das insgesamt lediglich dreimal passiert.

Inflation: Chancen auf längerfristigen Bärenmarkt bei Aktien steigen

Die Chancen für einen längerfristigen Bärenmarkt bei Aktien stiegen am Dienstag, als der Verbraucherpreisindex für August höher als erwartet ausfiel und zeigte, dass die Inflation weiterhin das US-Wirtschaftswachstum übertrifft, wie Bloomberg berichtet.

Die Anleger wurden durch die Daten verunsichert, so dass der S&P 500 Index um mehr als 4% sank – so stark wie seit Juni 2020 nicht mehr. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn die hohe Inflation wird die US-Notenbank wahrscheinlich dazu veranlassen, die Zinsen zum dritten Mal in Folge um 75 Basispunkte oder sogar 100 Basispunkte anzuheben (die Fed Fund Futures preisen dafür eine Wahrscheinlichkeit von 31% ein) und damit möglicherweise den Weg für eine aggressivere Straffung zu ebnen.

Historisch gesehen sind die Bullenmärkte an den US-Aktienmärkten durch Phasen gekennzeichnet, in denen die Realwirtschaft schneller wächst als die Inflation, was derzeit nicht der Fall ist. Nach übereinstimmenden Schätzungen von Bloomberg Intelligence werden die Verbraucherpreise in den USA zumindest in der ersten Hälfte des Jahres 2023 wahrscheinlich stärker steigen als das Bruttoinlandsprodukt. Dies weckt die Befürchtung, dass die Börsengewinne des Sommers nur eine Gegenbewegung sein könnten.

„Die großen Baisse-Märkte des letzten halben Jahrhunderts waren von einer Inflation begleitet, die das Wachstum übertraf, wie z. B. der rasche Preisanstieg in den 1970er Jahren und eine Periode geringer Expansion und stetiger Disinflation in den frühen 2000er Jahren“, schreiben die BI-Aktienstrategen Gina Martin Adams und Michael Casper in einer Research-Note.

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Bullenmärkte für US-Aktien sind durch Phasen gekennzeichnet, in denen das BIP die Inflation übersteigt

Obwohl die Inflation in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre an Fahrt gewann, übertraf sie das Wachstum erst gegen Ende des Jahrzehnts, was dem Höchststand der Aktienkurse im Jahr 1968 entsprach, so Martin Adams und Casper.

Dennoch gibt es erste Anzeichen für einen Inflationshöhepunkt. So sind beispielsweise die Benzinpreise in den USA 13 Wochen in Folge gesunken, und Corporate America sieht trotz der Rezessionsängste der Anleger relativ stabile Wirtschafts- und Inflationsaussichten.

Nun könnten die Fundamentaldaten den Anlegern etwas Erleichterung verschaffen. Das Wachstum der Unternehmensgewinne leidet in der Regel während wirtschaftlicher Rezessionen in den USA, aber das Ausmaß der Rückgänge ist sehr unterschiedlich und hängt in gewissem Maße vom Ausmaß der BIP-Schwäche ab, wie BI-Daten zeigen. Größere Konjunkturabschwünge in den Jahren 1975, 1980 und 1981 fielen mit relativ geringen Gewinneinbußen zusammen, während der starke Wachstumsrückgang im Jahr 2009 mit dem schlimmsten Gewinnrückgang seit dem Zweiten Weltkrieg einherging.

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Trotz des jüngsten Verbraucherpreisindexes könnten weitere Anzeichen für eine nachlassende Inflation dazu beitragen, die Prognosen für die Gewinnspannen der Unternehmen zu stabilisieren und die Preise im Zaum zu halten, was ein „langfristiger Schlüssel für eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends“ sein wird, fügten Martin Adams und Casper hinzu.

„Ein schnellerer Anstieg der Zinssätze könnte zu einer Verlangsamung der Inflation führen, was die Gewinnwachstumsaussichten stärker unterstützt, als allgemein angenommen wird, da die Margen die Ursache für die Schwäche des Gewinns pro Aktie waren und dieser Druck auf die Rentabilität eine direkte Folge der höheren Preise ist“, so Gillian Wolff, Senior Associate Analyst von BI.

FMW/Bloomberg

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