Folgen Sie uns

Indizes

Aktienmärkte: Die Chancen für eine Weihnachtsrally steigen, wenn…

Die US-Wahl steht an – was aber wird das für die Aktienmärkte in Sachen Jahresendrally bedeuten? Sind die Risiken bereits eingepreist oder abgesichert?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Nun ist es so weit: die US-Wahl steht an – was aber wird das für die Aktienmärkte in Sachen Jahresendrally bedeuten? Ausgerechnet vor dem wichtigen US-Wahltag solche Gedanken anzustellen – Überlegungen für eine Jahresendrally? Gerade deshalb, weil sich viele große Sorgen um die nahe Zukunft machen. Bei einem Wahlausgang, der zu einer wochenlangen Zitterpartie führen kann, mit juristischem Nachspiel oder sogar großen Unruhen auf den amerikanischen Straßen. Außerdem macht Covid-19 auch nicht halt vor den USA und könnte Teile der Wirtschaft wieder ernsthaft beeinträchtigen. Aber ist eine Wall of Worry nicht Grundvoraussetzung für Kursanstiege? Richtig, nur dürfen die Sorgen nicht zur Realität werden.

Aktienmärkte: Der Vorwahltag, eine kleine Indikation

Am gestrigen Handelstag gab es zunächst einmal eine richtige Rally der Aktienmärkte. Verursacht am Morgen durch gute chinesische Wirtschaftsdaten und vor allem durch den Montagseffekt. Dieser entsteht aus meiner Sicht nicht durch Impfstoff- oder Stimulushoffnungen (die Kurse machen die Nachrichten), sondern durch die Erleichterung, dass sich am Wochenende nichts Gravierendes zugetragen hat. In den Zeiten von Corona oder auch von Trump-Tweets mit seinen unkalkulierbaren Aktionen gehen Investoren vor dem Wochenende ein wenig auf Nummer sicher, da man nicht reagieren kann. Wie an diesem Wochenende, wo man sich angesichts der Kursverluste (Charttechnik) schon verstärkt mit Put-Optionen eingedeckt hat. Und am Montag festgestellt hat, die Welt ist doch nicht untergegangen.

Jedenfalls dürfte eine kleine Short Squeeze für den Kursanstieg der Aktienmärkte gesorgt haben, dann um 15:45 Uhr unserer Zeit, kamen auch noch gute amerikanische Konjunkturdaten, dazu gleich mehr. Im Verlauf des Nachmittags an der Wall Street gab es zwar Gewinnmitnahmen, aber am Ende schloss der S&P 500 mit einem Plus von 1,23 Prozent (Dow +1,60%, Nasdaq +0,42%).

Was sind die Voraussetzungen für einen versöhnlichen Jahresausklang?

Zunächst einmal ein klarer Wahlausgang, ohne all die Widrigkeiten, über die mittlerweile jedes Wirtschaftsmedium geschrieben hat. Aber genau das ist schon einmal eine Voraussetzung, dass es nicht allzu schlimm kommen wird. 2016 kam Trumps Sieg völlig überraschend, 2020 kann die Wall Street dagegen mit beiden Kandidaten auf dem Präsidentenstuhl leben. Aber was wird ein knappes Ergebnis für mögliche Konsequenzen haben – welcher Investor hat diese Unsicherheit nicht in seine Strategie eingebaut? Selbst die Staatsfonds aus Norwegen, China, Abu Dhabi u.w. dürften dieses Risikomomentum registriert haben.

Deshalb dürfte selbst eine Hängepartie die Aktienmärkte nicht zu sehr in die Knie treiben – wenn selbst die Bank of America mit einem Kurseinbruch von 20 Prozent rechnet, sollte dieses Szenario Wirklichkeit werden. Aber wann hat eine Großbank einen solchen Einbruch richtig vorhergesagt und wenn, dann hätte man sich dafür abgesichert, mit der entsprechenden Gegenreaktion bei der Eindeckung der Puts. Kurzum, was die Märkte überrascht, ist das Unbekannte, „das auf dem falschen Fuß erwischt“ werden.

Wie ist die Stimmung bei Börsenschluss des gestrigen Tages zu bewerten?

Der Volatlititätsindex VIX an der US-Terminbörse ist um 2,3 Prozent auf 37 Punkte gesunken, blieb aber auf hohem Absicherungsniveau. Die Marktteilnehmer bleiben also besorgt hinsichtlich möglicher Verluste für die Aktienmärkte. Auch das deutsche Pendant, der VDAX-New, ist mit seinen 37 Punkten auch nur wenig von seinen hohen Ständen der Vorwoche zurückgekommen. Auch das Angstbarometer, der Fear & Greed-Index, ist weiter in Richtung extremer Angst unterwegs, von großer Zuversicht keine Spur.

Die Positivfaktoren

Es werden sowohl die Leitzinsen als die Kapitalmarktzinsen (noch) unten bleiben, weil die großen Notenbanken weiter Gas geben werden. Die EZB kauft weiter Anleihen (20 Milliarden Euro monatlich) am Markt und wird in Bälde ihr Notprogramm PEPP aufstocken – möglicherweise um gewaltige 500 Milliarden Euro.

Warum dagegen die FED in letzter Zeit so ruhig geblieben ist, hat einen historischen Grund: Wann hat die US-Notenbank bei den letzten Wahlen kurz vorher etwas an den Zinsen oder an der Strategie geändert? Ein ungeschriebenes Gesetz, welches zu Neutralität verpflichtet, bis die Wahlen vorbei sind. Bereits bei der Notenbanksitzung am 5. November könnte es neue Hinweise geben, weil die Federal Reserve nun schon X-mal bereits betont hat, dass sie die Wirtschaft so lange unterstützen wird, bis „Maximum Employment“ herrscht, also circa 4 Prozent Arbeitslosenrate (derzeit ist die Quote bekanntlich deutlich höher).

Der Stimulus muss kommen, unter wem und unter welchen Umständen auch immer. Über 10 Millionen Arbeitslose haben keine ausreichende finanzielle Unterstützung, 40 Prozent der Bevölkerung besitzen keine 400 Dollar als Reserve für Anschaffungen und ca. 50 Millionen Amerikaner sind Bezieher von Food Stamps (Lebensmittelmarken). Wenn sich Covid-19 nicht in Luft auflöst, was bleibt der Regierung dann anderes übrig als zu unterstützen, will man keine Unruhen im Lande riskieren?

Fondsmanager haben ihre Cash-Quote erhöht, in Erwartung von Kursrückgängen der Aktienmärkte, und die aktive Fondsbranche liegt so stark wie selten hinter der Benchmark zurück – die besten Voraussetzungen für ein Window Dressing zu Jahresende.

Auch die „Insider Transaction Ratio“, das Verhältnis von Verkäufen zu Käufen, berechnet von Thomson Reuters, ist auf unter 10 gefallen, einem Verhältnis, welches als bullish gewertet wird.

Die US-Berichtssaison läuft überraschend gut, im Schnitt mit 17 Prozent über den Erwartungen und trotz Corona wurden die 2021-er- Ausblicke nicht abgesenkt.

Rückhalt für die Anleger kommt auch von neuen Wirtschaftsdaten: Die US-Industrie ist mit dem höchsten Wachstumstempo seit fast zwei Jahren in das Herbst-Quartal gestartet. Der Einkaufsmanager-Index des Institute for Supply Management (ISM) legte von September auf Oktober von 55,4 auf 59,3 Punkte zu. Es ist der fünfte Anstieg in Folge und vor allem schossen die Neuaufträge nach oben – mit dem größten Anstieg seit 17 Jahren.
Dann wäre noch der für die Aktienmärkte sehr günstige saisonale Effekt zu Jahresende – aber das ist 2020 eher keine zuverlässige Größe.

Jetzt kann Präsident Trump sogar noch ein paar Pluspunkte für seine Regierungsarbeit aufzählen: Wurde denn letzten Donnerstag nicht ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal von 33,1 Prozent gemeldet (auf Quartalssicht 7,4 Prozent) und jetzt der gute ISM-Index? Ein bisschen spät, angesichts der Tatsache, dass bereits zwei Drittel der Wähler ihre Stimmen abgegeben haben.

Fazit

An den Märkten wird für einen Ein- oder Ausstieg nicht geläutet, so eine überaus zutreffende Bemerkung zum Geschehen der Aktienmärkte. Heute ist ein bedeutender Tag – was US-Wahlen eigentlich schon immer waren, aber 2020 mehr denn je. Aus gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Sicht, könnte es zu einem Richtungswechsel kommen.

Trotzdem: Es kann viel passieren in nächster Zeit in punkto Wahlfolgen, in Sachen Impfstoffentwicklung und bei der Ausbreitung von Covid-19. Nicht vorhersehbar. Was aber absehbar ist die Wirtschafts- und Zinspolitik, die Versorgung der Märkte mit Liquidität. All das ist mit Sicherheit schon zu einem großen Teil eingepreist. Dennoch gibt es die großen „Unknown Unknows“, die zur Vorsicht, zur Zurückhaltung und zur Absicherung mahnen. Sollten die Negativszenarien nicht eintreten, bin ich recht überzeugt, dass sich bei einem Zinssatz der 10-jährigen US-Treasury von 0,85 Prozent und weiteren Anleihekäufen der Federal Reserve zum Jahresende „noch“ einmal eines durchsetzen wird – die Geldflut oder der monetäre Faktor für die Aktienmärkte. Selten stand die aktive Fondsbranche so unter Druck und noch nie gab es so hohe Zuflüsse in die passiven Anlageprodukte (ETFs). Ende 2019 waren es schon 6,2 Billionen Dollar, die in diese gebührenarme Anlageform geflossen sind, nach 4,7 Billionen Dollar ((2018), Tendenz stark steigend. Und der Druck auf die aktiven Fondsmanager wächst.

Das muß passieren, damit die Aktienmärkte eine Weihnachtsrally feiern können

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    3. November 2020 09:58 at 09:58

    Jetzt haben die Prognostiker wieder Hochkonjunktur mit könnte, wird kaum aber vielleicht eben doch und mag ja sein etc. etc. Jetzt hat jeder wieder tonnenweise Hinweise zu verarbeiten, so dass man kaum mehr durchblickt und dann einen Kompass braucht um zu wissen was oben und was unten ist.

  2. Avatar

    Safety Car

    3. November 2020 12:57 at 12:57

    Ich hätte nicht gedacht ,dass ein Mann wie Herr Müller auf die BIP AnstiegsZauberei von plus 33,1 % hereinfällt. ( Basis = minus 31% = 69%) 69 mal 1,33 = 92% ( Kopfrechnung) Zudem läuft bei den Amis gerade die dritte Corona Welle. Die Weihnachtsrally mit verbarrikadierten Geschäften und schlechten Umsätzen könnte die Rally an den den Börsen eher vermiesen als versüssen.
    Auf die Statistik der Endjahresrally würde ich eher nicht zählen, oder wann hat es bei den letzten Rallys gerade eine noch ausbreitende Pandemie gegeben ? Und dies auf wahlkampftechnisch hochgetriebenen Aktienkursen. Das Jahresende 2020 wird diesbezüglich eher die Ausnahme der sowieso fragwürdigen Statistik bilden.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      3. November 2020 15:32 at 15:32

      @ Safety Car. Hallo. Habe ich nicht letztens geschrieben, dass nach einem Einbruch von 31,4 Prozent (auf Jahressicht) ein Anstieg von 45,7 Prozent zum Ausgleich hätte erfolgen müssen? Dass die USA auf Quartalsbasis in Q2 9,5 Prozent gefallen sind, um sich in Q3 um 7,4 Prozent zu erholen? Habe ich etwas von vollständiger Erholung geschrieben?
      Grüße

  3. Avatar

    Safety Car

    3. November 2020 19:24 at 19:24

    @ Wolfgang M. Ich war mir sicher, dass sie es richtig sahen,darum meine Enttäuschung.Leider wurde aber dieser 33,1 % Anstieg als positiv dargestellt, so wie es auch Donald der Börsenpusher gemacht hat.Damit will ich sie aber nicht auf das Niveau des neuen Ex- Präsidenten hinunterstufen.Man muss einfach bedenken ,dass das grosse Fuss- Börsenvolk inkl. vieler Profis solche Zahlen für wirklich bare Münzen nehmen.Das beste Beidpiel ist doch parallel dazu die viel diskutierte V-Erholung.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Wall Street: Experte Markus Koch über die Jahresendrally

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Wall Street ist in Party-Laune – gestern der Leitindex S&P 500 sowie der Nasdaq 100 mit neuem Allzeithoch. Kommt jetzt die große Jahresendrally – und das nach dem Rekord-Monat November mit zweistelligen Gewinnen bei den großen Indizes der Wall Street?

Wall Street: Comeback der Tech-Aktien zum Jahresende?

Derzeit, so Markus Koch in einem Interview mit „Mission Money„, sei es schlicht schwer, die Bullenherde an der Wall Street aufzuhalten. Das Problem sei, dass die Investoren extrem optimistisch seien, das Sentiment sei euphorisch. Insgesamt aber bleit auch Markus Koch optimsitisch für die Entwicklung der Wall Street – auch im Jahr 2021:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Markus Koch über die Wall Street und die Jahresendrally

 

weiterlesen

Indizes

Aktienmärkte: Bringt der dreifache Hexensabbat eine Wende?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Das Geschäft mit Optionen wird für die Aktienmärkte immer bedeutsamer, speziell in den USA, wo in der jetzigen Euphoriephase die Umsätze bei Call-Optionen geradezu explodieren. Ungeachtet dessen blickt man stets gespannt auf den viermal in einem Jahr, jeweils am dritten Freitag im Montag stattfindenden großen Hexensabbat entgegen. Der Verfall von Terminkontrakte, wie Futures und Optionen sorgt oft im Vorfeld für große Kursschwankungen, weil Marktteilnehmer die Kurse durch Käufe und Verkäufe von Assets so zu bewegen versuchen, dass die Termimkontrakte Gewinne abwerfen. Was wird im Vorfeld zum 18. Dezember an den Märkten geschehen, zu Zeiten größter Call-Euphorie bei gleichzeitig geringen Depotabsicherungen?

Aktienmärkte: Die große Call-Spekulation

Der November des Jahres 2020 hatte es in sich. Der Ausgang der US-Wahlen, der nicht zu einem befürchteten Chaos geführt hat und die Impfstoffentwicklung, beginnend mit der BioNTech/Pfizer-Meldung am 9. November und dem darauffolgenden Wettlauf um den Termin einer Notzulassung.

Das alles führte zu einem Game Changer für die Aktienmärkte mit zahlreichen Konsequenzen: Verkaufoptionen und Leerverkäufe auf Corona-geschädigte Titel wurden in Windeseile eingedeckt (Stichwort Short Squeeze), Nebenwerte und Value-Titel hingegen in großem Umfang gekauft. Obwohl sich die Käufe nach der Monatsmitte wieder beruhigten (bis auf einige Titel wie Tesla oder Impfstofffirmen) schnellte eines gewaltig in die Höhe – der Optimismus der Anleger (FMW berichtete laufend über die heißgelaufenen Indikationen).

Ob ein Angstbarometer wie der Fear&Greed-Index, das ständig im Bereich extremer Gier um die 90 Punkte notiert, US-Aktienindizes weit oberhalb ihrer Aufwärtstrends, oder ein Dow Jones oberhalb der psychologischen Marke von 30.000 Punkten. Die Hausse nährt die Hausse, wieder einmal, und die Gier sorgt im Optionshandel für außergewöhnliche Konstellationen.

Wie Markus Fugmann in einem seiner letzten Videos festgestellt hat, wurden in der letzten Woche in den USA viermal so viele Calloptionen gekauft, wie es im Durchschnitt der Fall ist. 40 Prozent der Umsätze an der New York Stock Exchange waren Optionen. Hierunter aber kaum Put-Optionen, also sichert man sich nicht ab – im Bewusstsein von Rettungsschirmen durch die Notenbanken (Sitzungen am 10. und 16. November vor dem Hexensabbat) und den Stakkato-artig eintrudelnden Meldungen von der Impfstofffront: Wirksamkeitsstudien, Zulassungsanträge und Hinweise auf den Start der Impfungen. Eine selten positive Konstellation von „Good News“ – und dies in der guten saisonale Phase der Aktienmärkte zu Jahresende. Aber was passiert mit den vielen Call-Optionen (35 Millionen allein vor Thanksgiving) in den nächsten Tagen?

Die ungewöhnliche Anzahl an Calls hat die Market Maker gezwungen, über ihr Delta Hedging immer mehr die zugrunde liegenden Titel zu kaufen. Manchmal öffneten die Märkte mit einem Gap, so dass man ständig gezwungen war, Aktien am Markt nachzukaufen. Desto stärker die Hebelwirkung (größeres Delta) bei den Calls, desto größer das Hedging der Gegenseite.

Was passiert aber, wenn die Kurse einen Rücksetzer machen, oder viele Kontrakte am Verfallstag auslaufen? Die Market Maker werden die Werte verkaufen, die sie zum Zwecke der Absicherung gekauft haben und den Abwärtstrend verstärken. Ein Thema, welches noch bedeutsam werden könnte, denn Put-Optionen gibt es kaum, die beim Schließen der Position zum kursstabilisierenden Kauf des Basiswertes führen würden, der bekannten Short Squeeze.

Was werden die Inhaber der Call-Optionen in der letzten Woche vor dem großen Verfall tun? Die Kontrakte verlängern über das Jahresende und die sehr häufig positive Aktienphase hinaus, hinein in einen Monat Januar, der sehr häufig mit Rückschlägen endete?

Übersicht: Keiner hat bald mehr Puts

Dire Aktienmärkte euphorisch, kaum Put-Absicherungen

Grafik: northmantrader.com

Fazit

Der Optimismus der Aktienmärkte ist übergroß und schreit nach einer Korrektur. Eine riesige Herde an Zockern, die mit Kaufoptionen schnell reich werden wollen und die Gegenseite, die Stillhalter, die in die Basiswerte getrieben werden.

Das wird zu Reaktionen führen müssen, Optionen haben ein Verfallsdatum und reagieren auf die implizite Volatilität.

Was mir aber nicht einleuchtet ist, dass die jetzige Situation immer wieder mit historischen Zyklen verglichen wird. Corona hat eine absolute Sondersituation geschaffen und ein Impfstoff in großer Verfügbarkeit ändert vieles in dem für die Aktienmärkte relevanten Zeitraum. Wie sagte der Chef einer französischen Großbank? Wir haben eine Gesundheitskrise, keine Wirtschaftskrise – sehr optimistisch, aber da ist etwas dran. Für die Aktienmärkte zählen nicht die nächsten vier Wochen oder das neue Quartal. Das Kommende wird immer dann interessant, wenn Fakten präsentiert werden, die die lange Sicht ändern – das Delta zwischen eingepreister und veränderter Erwartung.

Tourismus und Luftfahrt liegen stärker im Minus als in Kriegssituationen, die Maschinen, Hotels und Einrichtungen sind aber nicht zerstört und wenn es in einem halben Jahr eine Impfung der Bevölkerung geben hat, so werden manche Industrien wie Phoenix aus der Asche auftauchen. Die Messung eines aktuellen KGVs ist nicht so bedeutsam, wenn die Aktienmärkte mindestens sechs bis neun Monate in die Zukunft blicken.

Der zweite Fakt ist der monetäre: Wieso sieht man nicht die 35 Billionen Dollar an Anleihen, die real negativ verzinst sind oder die Durchschnittsrendite der 7 bis 10-jährigen Staasanleihen, die noch vor ein paar Wochen 0,18 Prozent Rendite abwarf? Das Dilemma für die Finanzbranche schlechthin. Wieso soll es angesichts weiterer zugesicherter Notenbankkäufe größere Umschichtungen von Aktien in Anleihen geben, auch bei leichten Zinsanstiegen?

Und wieso vergleicht man das KGV der Aktienmärkte von 2020 mit dem KGV von 2000, bei der Dotcom-Bubble? Damals lagen die Zinsen bei über 6 Prozent, das KGV der lang laufenden Anleihen bei 15 – und heute? Jeder spricht über die Euphorie infolge der Impfstoffentwicklung, die eine Pandemie in Monaten beenden kann, mit all den Folgewirkungen. Klar, die Call-Positionierung ist zu hoch und wird abgebaut werden. Wieso aber immer die Geschichte von den überteuren Aktienmärkten? Anleihen sind superteuer dagegen.

Natürlich kann sich die Konstellation Anleihen – Aktien ändern und sie wird sich auch, wenn das billionenschwere Stimulusprogramm der Demokraten in die Tat umgesetzt würde. Aber in der jetzigen Situation? In der „Endphase“ von Corona mit einem nochmaligen Anschwellen der Infektionszahlen und mit den großen Notenbankentscheidungen.

Ein Anspringen der Wirtschaft, ein Anstieg der Inflation und neue Schuldenpakete, das wäre der Stoff für eine Neubewertung der Aktienmärkte.

Bringt der Hexensabbat eine Wnede für die Aktienmärkte?

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: 1929, 1999, heute – Geschichte reimt sich! Videoausblick

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich – und so erinnert die derzeitige Euphorie der Aktienmärkte an die Stimmung von 1929 (Boom kurz vor der Weltwirtschaftskrise) und 1999 (Dotcom-Blase). Die Erwartungen an die Wirtschaft nach der Coronakrise sind immens, eine perfekte Welt ist eingepreist. Gestern aber kurz vor US-Handelsschluß dann ein deutlicherer Rücksetzer, nachdem Pfizer bekannt gab, nur die Hälfte des Impfstoff-Volumens im Dezember liefern zu können. Eigentlich ist das ziemlich unbedeutend – zeigt aber, wie empfindlich die Aktienmärkte reagieren, wenn die Impfstoff-macht-alles-wieder-gut-Euphorie hinterfragt wird. Unterdessen verschärft sich die Coronakrise in den USA weiter mit neuen Rekorden, es drohen immer breitflächigere Lockdowns..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage