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Aktienmärkte: Die Vorsicht des Warren Buffett!

Die Aktienmärkte in den USA handeln auf Allzeithoch – wie aber positioniert sich der „Börsen-Guru“ Warren Buffett?

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Die Aktienmärkte in den USA handeln auf Allzeithoch – wie aber positioniert sich der „Börsen-Guru“ Warren Buffett?

Am Samstag kamen die Quartalszahlen von Berkshire Hathaway, der Firma von Warren Buffett. Sie fielen gut aus, wenn da nicht der Cash-Bestand von 128 Milliarden Dollar wäre, höher als der von der Cash-Cow Apple. Viele kritisieren die fast renditelose Bargeldhaltung – aber könnte man daraus nicht vielleicht andere Schlüsse ableiten?

 

Das aktuelle Zahlenwerk

Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat im dritten Quartal 2019 mit 7,9 Milliarden Dollar eine Milliarde mehr als im Vorjahr verdient.

Jedoch schlugen sich Kursschwankungen wie bei Kraft Heinz im Nettoergebnis nieder, weil die Holding auch nicht realisierte Investmentgewinne und -verluste ausweisen muss. Deshalb sank der Nettoüberschuss im Quartal auch um elf Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar. Buffett sprach aber davon, dieser Zahl keine große Beachtung zu schenken: Durch den Ausweis unrealisierter Investmentgewinne schwanke sie stark und habe wenig Aussagekraft hinsichtlich des eigentlichen Geschäftsverlaufs. Das Investment in den Lebensmittelkonzern Kraft Heinz hat dem Großinvestor viel Kritik eingebracht.

Aber die Aktie, die von ihrem Hoch 60 Prozent eingebüßt hatte, legte nach Bekanntgabe ihrer Quartalszahlen letzte Woche um 13 Prozent zu (seit August schon 25 Prozent) und bescherte der Gesellschaft einen Buchgewinn von 1,2 Milliarden Dollar.

Viele fragen sich, ob der Investor seinen Riecher für gute Geschäfte verloren hat, denn bereits seit vier Jahren hat er keine große Übernahme mehr getätigt – die Angebote waren ihm schlichtweg zu teuer. Seit Jahresanfang hinkt die Aktie mit 6 Prozent plus dem S&P 500 deutlich hinterher. Auch auf Fünf-Jahressicht ergibt sich keine der üblichen Outperformance gegenüber Dow Jones und S&P 500.

Dazu hat sich ein Cashbestand von sagenhaften 128 Milliarden Dollar angehäuft, im Vergleich dazu lag der Wert der Barreserven zu Beginn dieses zehnjährigen Aufschwungs bei 23 Milliarden Dollar. Seit einigen Jahren bezeichnet der 89-Jährige den Markt als zu teuer, jedoch hatte er selbst einmal angemerkt, er könne nicht vier Jahre lang auf einem Geldberg von 150 Milliarden sitzen. Mittlerweile ist er von dieser Summe nicht mehr allzu weit entfernt.

Die Kritiken werden lauter, dass Buffett im Umfeld dieses 10-jährigen Bullenmarktes vielleicht zu passiv war, aber vielleicht wird diese Zurückhaltung des Investors wieder zu einer weiteren Erfolgsstory.

Jede Hausse der Aktienmärkte findet ein Ende – und der jetzige sendet seit Längerem Anzeichen für Schwäche, auch wenn die Notenbanken sein Ende noch hinauszögern und ihm nochmal zu einem „Sugar Rush“ verhelfen.

Andererseits bietet die Zeit nach einem Crash der Aktienmärkte den besten Zeitpunkt für Zukäufe, wenn man genügend Cash besitzt. Diese Strategie hatte Buffett einmal mehr nach der Finanzkrise 2008 bewiesen und stark verdient. Geduld ist die wohl stärkste Charaktereigenschaft dieses Investors und er spekuliert wieder auf ein ähnliches Szenario. Wie meisterhaft er dies schon öfters umgesetzt hat, entgegen der vielen Ratschläge von Experten, beweist ein Blick auf seine Vita.

 

Sein Lebenswerk

Geboren 1930 und damit aufgewachsen in der großen Depression in den USA und in Zeiten des Zweiten Weltkriegs, hat er als Investor anschließend bereits sieben Rezessionen miterlebt. Deshalb hat er sich schon mal gegenüber Journalisten und Analysten lustig gemacht, die den Teufel an die Wand gemalt haben, aufgrund seiner Erfahrungen in heftigsten Kurszeiten.

 

Seine unübertroffen Performance

Als Warren Buffet im Jahre 1965 die Textilfirma Berkshire Hathaway übernahm, waren die Papiere des kaum rentablen Werks gerade mal um die 18 Dollar wert. Er entwickelte das Unternehmen zu einer Beteiligungsgesellschaft, zu dem derzeit 90 Unternehmen gehören. Ein großer Schwerpunkt ist die Finanzbranche, zusätzlich hält sie große Aktienpakete von Apple, Coca-Cola und seit 2019 auch Amazon.

Die A-Aktie von Berkshire Hathaway wurde nie gesplittet und ist mit einem Kurs von derzeit 329.000 US-Dollar die teuerste Aktie der Welt. Die gesamte Marktkapitalisierung des Unternehmens beträgt derzeit um die 486 Milliarden Dollar, aber noch drastischer erkennt man die Entwicklung dieser Holding an der Aktienperformance.

Die Kursentwicklung von 18 auf über 320.000 Dollar, von 1965 bis heute, bedeutet einen Kurszuwachs von über 1,6 Millionen Prozent und eine jährliche Rendite von mehr als 20 Prozent – der sonst unschlagbare S&P 500 kommt gerade mal auf 10 Prozent in dieser Periode.

Dazu ein Beispiel: Hätte man einem Neugeborenen damals 100 Aktien dieses Unternehmens als Start in das Leben geschenkt und das Konto gesperrt, wären aus der Altersvorsorge von 1800 Dollar bereits heute bei einem vorgezogenen Eintritt in den Ruhestand über 32 Millionen Dollar geworden. Welches Investment auf diesem Planeten konnte da mithalten?

Buffets Strategie war immer, sich von den Aktienmärkten fernzuhalten, wenn es teuer wird. Er kam dabei nach seinen eigenen Aussagen zumeist etwas zu früh, wie es auch jetzt zu beobachten ist. Schlussendlich bekam er immer recht und die Märkte korrigierten – für ihn kam dann die Zeit der Schnäppchenjagd, während der Konkurrenz die Mittel fehlten. Wie 2009, als er bei Goldman Sachs den Retter spielte, einstieg und sich über Jahre 10 Prozent an Dividenden per anno auszahlen ließ. Deshalb könnte sich der hohe Cashbestand der Beteiligungsgesellschaft wieder als ein sehr guter Frühindikator erweisen, auch wenn der Chef bereits 89 Jahre zählt.

 

Aktienmärkte: Auch andere Großinvestoren werden vorsichtig

Der sehr bekannte Analyst, Mohamed El-Erian, Chefberater des Versicherungskonzern Allianz, hatte jüngst bei einer Investmentkonferenz in Frankfurt keine guten Nachrichten.

Er habe „sich komplett aus öffentlich notierten Unternehmen zurückgezogen“ und seine Bluechip-Aktien verkauft. Stattdessen besäße er zu zwei Drittel seines Privatvermögens Bargeld, das letzte Drittel sei Risikokapital für Start-ups, direkte Beteiligungen an Firmenkrediten sowie Hedgefonds-Strategien.

Er befindet sich dabei in illustrer Gesellschaft, denn auch andere Großinvestoren wie der singapurische Staatsfonds Temasek mit einem Vermögen von rund 206 Milliarden Euro hätten auf die aktuelle Entwicklung reagiert, wie Fondsmanager Uwe Krüger auf dieser Konferenz in Frankfurt erklärte. Der Fonds habe seine Liquiditätsquote erhöht auf „über 50 Milliarden Dollar“, einer Cashquote von über 15 Prozent. Wie Warren Buffett hält es Krüger für an der Zeit, „nicht panisch, aber substanziell“ das Pulver trocken zu halten.

 

Fazit: Aktienmärkte auf Allzeithoch – was tun?

Auch wenn das große weltweite Gelddrucken der Notenbanken nochmal in einen Kursaufschwung mündet – Sichwort Jahresendrally – ist es vielleicht nicht verkehrt, die Strategie des Jahrhundertinvestors Warren Buffett nicht zu ignorieren und die Gelegenheit zu nutzen, in der jetzigen Stärke der Aktienmärkte die Aktienbestände sukzessive zu reduzieren und auch an das glänzende Edelmetall Gold zu denken. Auch wenn das Geduld und Nerven kostet und man zusätzlich medial durch euphorische Meldungen über die Rekordstände in die Risikoanlage gedrängt wird. Unabhängig vom langfristigen Sinn der Beteiligung an der Aktie als Sachkapital.

Aber der Zeitpunkt einer Hausse, die den S&P 500 von seinem Tiefpunkt von 666 Punkten am 3.März 2009 schon bis auf 3085 Punkte geführt hat, mahnt zur Vorsicht – wir nähern uns einer Verfünffachung des Kursniveaus. Wann hat es Derartiges in den vergangenen 100 Jahren schon gegeben? Warren Buffett hat etwa zwei Drittel dieses Zeitraums als Investor erlebt, ein Erfahrungsvorsprung, den man nicht geringschätzen sollte..

 

Warren Buffett hält sehr viel Cash - und meidet die Aktienmärkte

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Zimmermann

    6. November 2019 10:00 at 10:00

    Die Strategie von Buffett ist sehr gut nachvollziehbar. Wieso jetzt kaufen? Bei der Chance vielleicht von nochmals 10 Prozent bei einem Risiko von 20-30 Prozent. Da stimmt das CRV überhaupt nicht.

  2. Avatar

    Torsten

    6. November 2019 13:33 at 13:33

    Buffet stammt noch aus einer Zeit in der Notenbanken seriös Geschäfte tätigten.
    Er mag auch keine windigen Typen die Firmen nur Bruchteile von Sekunden halten und Firmen mit zweifelhaften Geschäftsfeldern.

    Warten wir wie Buffet und genießen den Herbst, die Weihnachtszeit, Winter, Frühling, Sommer ….

  3. Avatar

    Horst Ziegler

    9. November 2019 12:10 at 12:10

    Diese Haltung ist nur mit einer der Erfahrung geschuldeten Geduld zu Umschreiben.
    Danke für Ihre aufschlussreiche Veröffentlichung!

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