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Amazon erhöht US-Mindestlohn auf 15 Dollar – Auswirkung bis zur Federal Reserve?

Amazon als einer der größten Arbeitgeber in den USA hat heute verkündet für alle Arbeiter in den USA den Stundenlohn auf mindestens 15 Dollar anzuheben. Damit seien auch Zeitarbeiter gemeint, genau so wie über Agenturen vermittelte Leiharbeiter, und auch Saisonarbeiter für das Weihnachtsgeschäft. Das entspricht ungefähr 13 Euro Stundenlohn. Man habe seinen Kritikern zugehört, so Amazon dazu schriftlich.

Einerseits sind 15 Dollar eine tolle Sache, vor allem für zahlreiche einfache Arbeiter in den großen Versandzentren von Amazon. Aber: Es ist nicht offiziell bekannt, wie man die am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter bisher vergütet hatte. War es also nur eine Anhebung von 14,90 Dollar auf 15,00 Dollar? (Scherz).

Mehr als 250.000 Arbeiter bei Amazon würden von der Gehaltsanhebung profitieren, sowie 100.000 Saisonarbeiter zu Weihnachten, so die Firma heute. Auch in 2018 hatte der größte Einzelhändler der USA Walmart seinen firmeninternen Mindestlohn von 9 auf 11 Dollar angehoben. Mit 15 Dollar ist Amazon aber ein deutlich attraktiverer Arbeitgeber als Walmart in den USA. Dazu sagt man aktuell auch, dass man seinen Mitarbeitern dazu noch Gesundheitsleistungen biete etc.

Wichtig: Amazon erwähnt heute auch, dass man nun dafür sorgen wolle, dass andere Arbeitgeber in den USA auch höhere Löhne am unteren Ende zahlen. So wolle man auch dafür kämpfen, dass der landesweit geltende Mindestlohn von derzeit 7,25 Dollar, der zuletzt vor zehn Jahren angehoben wurde, eine Anhebung erfährt.

Frage: Kann Amazon als großer Arbeitgeber mit mehreren hunderttausenden Niedriglohn-Empfängern den landesweiten Schnitt der Stundenlöhne hochziehen, wenn die am schlechtesten bezahlten Arbeiter plötzlich vermeintlich mehrere Dollar mehr pro Stunde erhalten? Man schreibt ja selbst, dass 350.000 Menschen von der Gehaltsanhebung profitieren.

Kann das einen Effekt haben, der noch in diesem Jahr in der Statistik der US-Volkswirtschaft spürbar ist? Falls ja, könnte die aktuelle Ankündigung des Unternehmens sogar letztlich die Politik der Federal Reserve beeinflussen. Denn sie schaut bei ihren Zinsentscheidungen auf die Zahl neu geschaffener Stellen, aber noch viel mehr auf den Zuwachs bei den Stundenlöhnen. Sie sind ein guter Frühindikator für die Inflation. Ein stärkeres Wachstum der Stundenlöhne deutet auf steigende Preise, und so muss man vermeintlich noch stärker als eh schon gedacht die Zinsen anheben (nur mal theoretisch gesprochen).

Übrigens: Von höheren Löhnen außerhalb der USA hat Amazon heute nicht gesprochen. Außerhalb der USA scheint wohl der Druck aus Gesellschaft und Politik auf Amazon viel zu gering zu sein. Erstaunlich: Die Aktie verliert heute gar nicht an Wert, obwohl doch höhere Löhne für hunderttausende Mitarbeiter die Unternehmenskosten kräftig in die Höhe treiben.

Amazon
Logistikzentrum. Foto: Álvaro Ibáñez from Madrid, Spain – Amazon España por dentro CC BY 2.0



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1 Kommentar

  1. 160 mio pro Monat Mehrkosten.
    Bei +4Dollar(angenommen) *160h *250.000Leute.

    Also gute 2 mrd pA.

    Den Brocken in der nächsten Krise zurück zunehmen, wird schwer!

    Das jedes Jahr zu erwirtschaften auch.

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