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Autoproduktion in Deutschland -16,5% in drei Jahren: Der versteckte Absturz

Schaut man sich die Autoproduktion deutscher Hersteller an, sieht auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick alles total super aus. Im Jahr 2016 lag die weltweite Autoproduktion deutscher Hersteller noch bei 15,8 Millionen Stück, danach bei 16,47 und letztes Jahr 16,4. In 2019 solle die Produktion „stabil“ bleiben, so der deutsche Autoverband „VDA“ aktuell. Die aktuellen Aussagen des VDA stellen vor allem die wachsende Auslandsproduktion in den Vordergrund. Zitat:

„Auch in diesem Jahr wird die Auslandsproduktion stärker zunehmen als die gesamte Pkw-Produktion unserer Konzernmarken“, so Mattes. Während die Welt-Pkw-Produktion der deutschen Hersteller aller Voraussicht nach 2019 stabil bleiben wird (ca. 16,4 Mio. Einheiten), wird die Auslandsproduktion um 3 Prozent auf 11,6 Mio. zulegen. „Für die Inlandsproduktion rechnen wir mit einer Seitwärtsbewegung und rund 5 Mio. Neuwagen“, sagte Mattes.

Doch wer genau rechnet, der merkt: Die Autoproduktion in Deutschland wird nicht bei „rund“ 5 Millionen Neuwagen liegen, wie beschrieben. Wer einfach die erwartete Gesamtzahl von der erwarteten Auslandsproduktion abzieht, kommt für die Inlandsproduktion in 2019 auf 4,8 Millionen Fahrzeuge. 2018 waren es laut VDA noch 5,05 Millionen, 2017 noch 5,65 Millionen, und 2016 noch 5,75 Millionen Stück. Somit sinkt die inländische Autoproduktion in Deutschland von Ende 2016 bis Ende 2019 laut VDA wohl um 0,95 Millionen Stück oder satte 16,5%. Durch die Nicht-Erwähnung der inländischen Produktionszahl fällt zunächst gar nicht auf, dass sie bei gleichbleibender Gesamtmenge abnimmt.

Es ist offensichtlich. Vor allem die USA und Mexiko profitieren wohl davon, dass die deutschen Hersteller Angst vor Donald Trumps Protektionismus haben, und daher vermehrt dort produzieren, wo sie zollfrei in den USA verkaufen können (dazu zählt ja auch Mexiko). Am Ende bleibt ein dramatischer Einbruch in Deutschland! Aber der VDA sagt aktuell auch, dass die Beschäftigung in der deutschen Automobilbranche gegenüber 2018 stabil bleiben soll. Selbst wenn… bei der noch bevorstehenden Umstellung auf die E-Auto-Produktion sollten in den kommenden Jahren wohl doch zahlreiche Jobs wegfallen, da E-Autos mit deutlich weniger Personal hergestellt werden können. Zitat VDA:

Die Zahl der Beschäftigten im Inland erhöhte sich 2018 (Jahresdurchschnitt) um 14.400 auf 834.400 direkte Mitarbeiter. Mattes: „Das ist der höchste Beschäftigungsstand seit der Wiedervereinigung.“ Im laufenden Jahr erwartet der VDA-Präsident eine stabile Beschäftigung am Automobilstandort Deutschland.

Die deutsche Automobilindustrie nehme die Transformation der Branche offensiv an, so Mattes: „Wir investieren in die Elektromobilität in den nächsten drei Jahren über 40 Mrd. Euro, hinzu kommen weitere 18 Mrd. Euro in die Digitalisierung, das vernetzte und automatisierte Fahren.“ Das Modellangebot deutscher Hersteller werde sich bis dahin auf rund 100 E-Modelle verdreifachen.

Insgesamt zeigt sich der VDA zufrieden in seinen aktuellen Aussagen. Tja, nur die Musik, die spielt bei den deutschen Herstellern immer mehr im Ausland. In Europa ist man eh schon kräftig engagiert in Ländern wie Ungarn, Tschechien und Slowakei.

BMW Autoproduktion Dingolfing
Autoproduktion in Deutschland. BMW-Werk in Dingolfing. Foto: BMW Werk Dingolfing Öffentlichkeitsarbeit CC BY-SA 4.0



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