Aktien

Bärenfalle par excellence

Von Claus-Peter Sesin

Zwei Drittel aller Analysten hatten erst für 2014 mit einem Fed-Entscheid für „Tapering“ gerechnet. Die US-Notenbank beschloss jedoch überraschend bereits heute abend, ihre monatlichen Anleihen-Aufkäufe auf 75 Millionen (von zuvor 85 Millionen) zu reduzieren.

Die zweite Überraschung bestand darin, dass die Märkte diese im Prinzip bärische – und seit langem „befürchtete“ – News ignorierten. US-Aktien legten in den letzten zwei Handelsstunden eine fulminante Rallye hin. Der DOW stieg um 1,84 % und der SP-500 um +1,67 %. Beide Indizes schlossen auf Allzeithochs. Der Nasdaq hingegen zeigte mit nur 1,15 % Plus relative Underperformance – eine tendenziell bärische Divergenz. Inwieweit sich dies im weiteren Handel auswirkt, bleibt zu beobachten.

Marktkommentatoren begründen die Anstiege teils damit, dass mit der Tapering-Entscheidung die Unsicherheit aus dem Markt genommen worden sei. Außerdem deute sie darauf hin, dass die US-Notenbank eine Straffung der Geldpolitik nun für wirtschaftlich verkraftbar hält.

Entscheidender aber dürfte der relativ „taubische“ Ausblick hinsichtlich der Leitzinsen gewesen sein. Bernanke wies darauf hin, dass die Fed ihre Nullzinspolitik auch nach Absinken der US-Arbeitslosenquote unter 6,5 %, die bislang als Schwelle galt, beibehalten will. Goldman-Analysten sehen die Schwelle nun bei 6 %. Im November war nach offiziellen Zahlen 7,0 % aller Amerikaner ohne Beschäftigung.

Außerdem betonte Bernanke, dass weitere QE-Reduzierungen nicht in Stein gemeißelt seien, sondern von der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung abhingen. Die Fed erwartet für 2014 weiterhin mäßiges Wachstum, senkte ihre BIP-Anstiegsprognose für Ende 2014 jedoch auf 2,3 % von zuvor 2,35 %. Die Inflationserwartungen blieben entsprechend gedämpft. Die Kernrate soll Ende 2014 bei 1,15 % liegen, zuvor wurden 1,25 % erwartet.

Sollten sich diese Prognosen erfüllen, würde das QE-Programm in der zweiten Jahreshälfte 2014 ausklingen. Das bedeutet aber nicht, dass dann auch schon die Leitzinsen steigen. Erst im 4. Quartal 2015 – also gut ein Jahr nach dem anvisierten QE-Ende – erwartet die Fed ein Absinken der US-Arbeitslosenquote auf unter 6 % – die Marke, die Goldman als neue Schwelle für Leitzinserhöhungen nannte.



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