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Baisse vs. Hausse oder Bärenmarkt vs. Bullenmarkt

Stefan Jäger

Veröffentlicht

am

Die Begriffe „Baisse (Rückgang) und Hausse (Anstieg)“ stammen aus dem französischen. Es handelt sich um zwei gängige Begriffe aus dem klassischen Börsenjargon. Dabei steht die Baisse für eine längere Phase fallender Kurse, entsprechend bedeutet Hausse einen länger andauernden Zeitraum steigender Kurse. Die beiden Phasen treten meist in Zyklen auf. Im angelsächsischen Raum spricht man häufig auch vom Bärenmarkt (Baisse) und Bullenmarkt (Hausse). Überwiegend finden die Begriffe Anwendung in Aktienmärkten, teilweise aber auch in Edelmetall- und Rohstoffmärkten.

Was ist eine Baisse?

Wie bereits erwähnt handelt es sich bei der Baisse (Bärenmarkt) um eine Phase des Abschwungs an den Börsen. Eine Mischung aus realwirtschaftlichen Daten und Börsenpsychologie können den Markt in eine Baisse führen. Negative Wirtschaftsdaten, Zinserhöhungen und geringe Gewinnaussichten der Unternehmen können die pessimistische Stimmung bekräftigen. Dies kann zu einem sich selbst verstärkenden Effekt führen und einen langen Zeitraum anhalten.

Was ist eine Hausse?

Die Hausse oder auch der Bullenmarkt ist eine Phase langanhaltender Aufwärtsbewegungen an den Börsen. Eine gute Konjunktur und positive wirtschaftliche Rahmenbedingen führen zu einer guten Stimmung und Optimismus bei den Anlegern. Das dadurch entstehende Kaufinteresse verstärkt die Hausse und lässt die Kurse weiter steigen. Dieser Effekt kann sich auch wie bei der Baisse selbst verstärken. Es gibt die schöne Börsenweisheit: „die Hausse nährt die Hausse“. Das kann so weit gehen bis die Börsen überhitzen wie es z.B. 2000 bei der Dotcom-Blase passiert ist, aber im Ansatz auch vor der Corona-Krise.

Das letzte Zyklushoch haben wir bereits im Jahr 2018 gesehen. Seitdem befand sich der Aktienmarkt zwar bis zur Corona-Krise weiterhin in einer Hausse, aber das Wirtschaftswachstum stagnierte seither bzw. war sogar rückläufig. Jetzt Fragen Sie sich vielleicht warum die Märkte weiter steigen, obwohl die realwirtschaftlichen Daten schlechter geworden sind. Das ist relativ einfach zu beantworten, Hauptgrund dafür dürften die Niedrigzinspolitik und die Bereitstellung von Liquidität seitens der Notenbanken weltweit sein. Jede Zinssenkung der letzten Jahre wurde von den Börsen gefeiert.  Durch diese Maßnahmen können Zyklen verlängert werden. Häufig kommt es zu einem Überschießen der Märkte, d.h. die Hausse kann länger andauern als es die Realwirtschaft hergibt.

Was sollte man als Anleger in den entsprechenden Phasen tun?

Grundsätzlich macht es Sinn in einer Hausse Long im Markt zu sein und entsprechend Short in einer Baisse. Das ist aber einfacher gesagt als getan. Entscheidend ist der Einstieg, ein spekulativer Anleger sollte zu einem frühen Zeitpunkt „billig“ kaufen, um dann am Höhepunkt gewinnbringend zu verkaufen. Es ist immer ärgerlich einer der letzten zu sein, der auf den Zug aufspringt, bevor es wieder gen Süden geht. Der Peak der Hausse ist meist daran zu erkennen, dass obwohl sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bereits verschlechtert haben, der Optimismus trotzdem noch so groß ist, um zu einer letzten Rallye anzusetzen.

Lange Zeit herrschte eine „Buy the Dip“ Mentalität bei den Anlegern. Das heißt zu kaufen, wenn die Märkte eine Korrektur vollziehen. Prinzipiell ist das eine gute Strategie, insbesondere in anhaltenden Bullenmärkten. In einer Krise oder beginnenden Rezession wird aber häufig zu früh gekauft, das nennt man dann „ins fallende Messer greifen“. Besser ist es einen Boden abzuwarten, um dann wieder in die nächste Hausse einzusteigen.

Baisse vs Hausse - Bullenmarkt vs Bärenmarkt

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Marko

    1. Mai 2020 12:21 at 12:21

    Hallo Herr Jäger,

    „Seitdem befand sich der Aktienmarkt zwar bis zur Corona-Krise weiterhin in einer Hausse, aber das Wirtschaftswachstum stagnierte seither bzw. war sogar rückläufig. Jetzt Fragen Sie sich vielleicht warum die Märkte weiter steigen, obwohl die realwirtschaftlichen Daten schlechter geworden sind. Das ist relativ einfach zu beantworten, Hauptgrund dafür dürften die Niedrigzinspolitik und die Bereitstellung von Liquidität seitens der Notenbanken weltweit sein. Jede Zinssenkung der letzten Jahre wurde von den Börsen gefeiert. Durch diese Maßnahmen können Zyklen verlängert werden. Häufig kommt es zu einem Überschießen der Märkte, d.h. die Hausse kann länger andauern als es die Realwirtschaft hergibt.

    „Grundsätzlich macht es Sinn in einer Hausse Long im Markt zu sein und entsprechend Short in einer Baisse.“

    „Grundsätzlich“, genau grundsätzlich, was ist derzeit „grundsätzlich“ ? :D

    „Hauptgrund dafür dürften die Niedrigzinspolitik und die Bereitstellung von Liquidität seitens der Notenbanken weltweit sein“

    Grundsätzlich müsst Ihr Short sein, das wäre „grundsätzlich“ ein Bärenfest, ohne jede Frage..

    Na dann… :D

    • Stefan Jäger

      Stefan Jäger

      1. Mai 2020 15:37 at 15:37

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Sie haben recht, „grundsätzlich“ ist derzeit gar nichts an den Börsen.

  2. Avatar

    Marko

    1. Mai 2020 12:29 at 12:29

    Und genau das macht den „grundsätzlichen“ Unterschied aus, die Notenbanken haben den Markt verzerrt.

    D.h. , der andere Aktien-Markt wurde nicht verzerrt..

  3. Avatar

    Prognosti

    1. Mai 2020 14:30 at 14:30

    Dieser Kommentar ist zwar nett aber eher für Einsteiger gedacht. Gut ,dass@ Marko die Weisheiten noch ein wenig präzisiert hat ! Trotzdem möchte ich etwas richtigstellen:
    Die Regel, DIE BAISSE VERSTÄRKT DIE BAISSE wurde seit mindestens 10 Jahren nie mehr zugelassen,
    denn jedesmal bei minus 20 oder 30% wurden alle Notenbankhebel in Bewegung gesetzt um den totalen Crash zu verhindern. Da es aber jedesmal X mal mehr Geld braucht ist es eine Frage der Zeit bis die Munition nicht mehr reicht. Wenn man bedenkt, dass die Rettungsgelder in 2020 x- mal höher sind als2008
    kann man sichvorstellen wieviel der NÄCHSTE SCHWARZE SCHWAN kosten könnte.

    • Stefan Jäger

      Stefan Jäger

      1. Mai 2020 15:38 at 15:38

      @Prognosti @Marko
      Erstmal vielen Dank für die Kommentare. Ich freue mich sehr über Ihre Beiträge und Anregungen.
      Ihre Einwände sind absolut nachvollziehbar. Gerade in der jetzigen Zeit werden einige Börsenweisheiten ausgehebelt und die Märkte verhalten sich nicht so wie sie es wahrscheinlich ohne die Maßnahmen der Notenbanken tun würden. Die Auswirkungen der Notenbankpolitik ist nicht absehbar und die Frage, ob die Notenbanken mit ihren Maßnahmen Erfolg haben werden oder nicht wird die Zukunft zeigen.

      In den letzten Wochen, ausgelöst durch die Corona-Krise, ist das Interesse an der Börse merklich gestiegen und es sind viele neue Börseninteressierte dazugekommen. Meine Intention ist es die Börsenbegriffe in den Artikeln so neutral wie möglich zu erklären und dabei den Neueinsteigern zu helfen die Börse zu verstehen. Trotz der angestrebten Neutralität konnte ich mir eine leichte Kritik an dem Notenbanken-Experiment nicht verkneifen  – Stichwort: Zyklus-Verlängerung, Abkopplung von der Realwirtschaft.

      Daher finde ich Ihre Kommentare klasse und denke, dass wir alle, aber insbesondere auch Börsenanfänger davon profitieren können.

    • Avatar

      Lausi

      4. Mai 2020 07:42 at 07:42

      @Prognosti, was könnte wohl der nächste schwarze Schwan sein (auch wenn der Corona-Schwan noch lange nicht ausgestanden ist)? Vielleicht die Wiederwahl von Trump? Was Schlimmeres könnte ich mir kaum vorstellen…

  4. Avatar

    md

    1. Mai 2020 20:31 at 20:31

    hallo herr Jäger, herzlich willkommen auf der geilsten finanzseite die ich kenne. hoffe sie sind ein dickhäuter und können mit kritik umgehen. bei fmw streitet man, um sich zu versöhnen :)

    nun zu meiner frage. also vorab, meistens stelle ich meine fragen den zwei genie’s auf dieser seite ( sind alle genie’s aber die zwei mit einem i-tüpfelchen ) herrn Wolfgang Müller und Herrn Zipfel. aber diesmal müssen sie dran glauben :)

    wenn ich mir den letzten crash bedingt durch covid an den börsen ansehe, habe ich bemerkt das mit korona virus auslösung in china die börsen weltweit crash’ten und mit besserung der lage in china die börsen weltweit anfingen sich zu erholen, trotz, das covid-19 pandemie in ihren eigenen ländern noch steigende infiziertenzahlen veröffentlichte.

    ist die beobachtung von mir falsch bzw. kann weltweit ein crash nur durch china ausgelöst werden.

    danke vorab.

    desweiteren eine bitte an die redaktion. sonst hatten wir allgemeinnachrichten zb gez usw. bitte wann kommt ein artikel über die unverschämte erhöhung der bussgelder/ordnungswidrigkeiten.
    vg md

  5. Pingback: Bear market vs. Bull market or bear market vs. Bull market | En24 News

  6. Stefan Jäger

    Stefan Jäger

    3. Mai 2020 21:46 at 21:46

    Guten Tag,
    an Sie ein Dankeschön für das Willkommenheißen. Keine Sorge, ich bin auch ein Freund von konstruktiven Diskussionen :)
    Ihre Beobachtung hinsichtlich China geht in die richtige Richtung. Der Anteil Chinas an der weltweiten Wirtschaftsleistung macht mittlerweile 17% aus. Darüber hinaus wurden bedingt durch die Globalisierung zahlreiche Produktionsstätten nach China ausgelagert. Auf Grund dessen hat ein Lockdown Chinas einen globalen Einfluss. Insbesondere das Abreißen der Lieferketten hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die sich weltweit ausgewirkt hat. Aber erst als sich die Pandemie über die Grenzen Chinas ausgebreitet hatte, in Europa und anderen Teilen, kam es zu dem Crash an den Märkten.
    Beste Grüße

  7. Avatar

    Prognosti

    4. Mai 2020 10:01 at 10:01

    @ Lausi , das wäre dann also ein blonder Pfau, Hi,Hi,

    • Avatar

      Lausi

      4. Mai 2020 11:14 at 11:14

      Genau, und zwar mit dem blödesten Gesichtsausdruck, den man sich vorstellen kann – lol!

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Immobilien: Der Boom läuft immer weiter – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Einfamilienhauses

Es ist wirklich erstaunlich. Auch wir bei FMW hatten zu Ausbruch der Coronakrise und im brutalen wirtschaftlichen Absturz im Frühjahr erwartet, dass auch der Markt für Immobilien beeinträchtigt sein wird. Schließlich haben derzeit ja zahlreiche Menschen massive Existenzängste, leben dank Kurzarbeitergeld auf Kante, oder haben als Selbständige ihre Existenz gleich ganz verloren. Da müssten die Preise für Immobilien doch eigentlich einbrechen? Die Nachfrageseite für Häuser und Eigentumswohnungen müsste so schwach sein, dass man spürbare Rückgänge bei den Preisen sehen müsste?

Nichts da. Offenbar bringt die große Gelddruck-Orgie der Notenbanken und die Alternativlosigkeit zu Aktien und Immobilien immer noch genug Anleger und Kaufwillige dazu, die Preise für Immobilien immer weiter klettern zu lassen. Und die Rettungsmaßnahmen der Bundesregierung sind wohl derart umfangreich, dass genug Menschen in prekären Situationen (Arbeiter in der Autoindustrie etc) noch nicht ihre Häuser verlieren, welche auf dem Markt folglich auch nicht für ein Überangebot an Häusern und Eigentumswohnungen sorgen können.

Preise für Immobilien weiter am Steigen

Aktuelle Zahlen der Anbieter F+B sowie Dr. Klein zeigen weiter steigende Preise für Immobilien. Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 3. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent. Wie gesagt, diese Steigerung von +5,6 Prozent kommt zustande, weil ich auch Mieten enthalten sind. Und die sind dank Corona doch tatsächlich leicht rückläufig mit -0,9 Prozent im Quartalsvergleich (und noch +0,1 Prozent im Jahresvergleich).

Mieten bremsen nur den Gesamtschnitt aus Immobilienpreisen + Mieten

Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen laut F+B endgültig der Vergangenheit an. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau lege eine ähnliche Interpretation für diesen Trend nahe. So seien im Vergleich zum Vorquartal in 28 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten bei der Neuvermietung gesunken (im Vergleich der Quartale Q2/2020 zu Q1/2020 betraf dies 18 Städte). Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019 gab es reale Mietpreisrückgänge in 10 der teuersten 50 Städte. Nach Beobachtungen von F+B hätten die Corona-bedingten wirtschaftlichen Verwerfungen als Nachwirkungen des ersten Lockdowns vom Frühjahr 2020 zu noch stärkeren Rückgängen bei den Mieten geführt, wenn es die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen nicht gegeben hätte. Wir möchten ergänzen: Hunderttausende Wohnungen in Berlin sind vom dortigen Mietendeckel betroffen, was die Mietpreisentwicklung bundesweit ebenfalls beeinflusst. F+B bespricht dieses Thema in seiner Veröffentlichung ebenfalls.

Nachfrageschub

Im Vergleich zum dritten Quartal 2019 liegen die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen laut F+B mit 5,5 Prozent weiterhin deutlich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 8,6 Prozent. Eigenheime dominieren damit endgültig die Gesamtperformance des Wohn-Index von F+B. Man sei der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat, so F+B. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2004 die Preisentwicklung verschiedener Arten von Immobilien seit dem Jahr 2004. Eigentumswohnungen liegen langfristig klar in Führung.

Entwicklung der Preise für Immobilien seit dem Jahr 2004

Preise in Nordrhein-Westfalen steigen weiter

Der Anbieter Dr. Klein berichtete erst vor wenigen Tagen, dass das Volumen pro Immobilienkredit neue Rekordhochs erreicht hat (hier die Details). Heute berichtet Dr. Klein über die neuesten Preisentwicklungen für Immobilien in Nordrhein-Westfahen. Der bis 2015 zurückreichende Chart zeigt auch jetzt keinen Abknick bei der Preisentwicklung. Im mondänen Düsseldorf dürfe es gerne ein bisschen mehr sein – auch bei den eigenen vier Wänden: Der Trend gehe hin zu mehr Exklusivität und Geräumigkeit. Köln und Dortmund vermelden indessen neue Rekorde bei den Immobilienpreisen. Die Details finden Sie beim Klick an dieser Stelle.

Preise für Immobilien in Nordrhein-Westfalen

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BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

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Warum für Deutschland im Winter eine technische Rezession ansteht

Claudio Kummerfeld

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Leere Restaurants im zweiten Lockdown befeuern die Rezession

Die Industrie liefert wieder, und China als Abnehmer deutscher Waren hilft kräftig mit bei der Erholung der Konjunktur. Aber es ist klar. Die Dienstleistungen vermasseln derzeit der deutschen Wirtschaft die tiefgreifende Erholung. Die Rezession steht bevor oder startet wohl gerade wieder, und das Bruttoinlandsprodukt könnte schrumpfen. Und das nicht nur, weil die Dienstleistungen wie Gastronomie wegen dem aktuellen „kleinen“ Corona-Lockdown zu großen Teilen gar nicht stattfinden. Nein, da ist noch ein Faktor, der auf den ersten Blick übersehen werden kann.

Bevorstehende Rezession befeuert durch höhere Mehrwertsteuer

Eine aktuell womöglich schon gestartete technische Rezession für diesen Winter dürfte ab Anfang Januar verschärft werden. Denn ab 1. Januar wird die seit Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht. Dann dürften die Verbraucherpreise wieder steigen. Wer schon lange Zeit vor hatte einen neuen Fernseher, Küche, Auto oder sonstige hochpreisige Einrichtungsgegenstände anzuschaffen, hat dies wohl schon in den letzten Monaten getan, und dabei nette Mehrwertsteuerbeträge gespart. Umso kräftige dürfte der Konsumrückgang ab Januar ausfallen. Oder darf man mutmaßen, dass die Politik in Berlin dem noch schnell entgegenwirkt, und die Mehrwertsteuer bis zum Sommer 2021 auf reduziertem Niveau belässt? Die Kurzarbeiter-Regelung hat man ja schließlich auch gerade erst bis Ende 2021 verlängert.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bringt es in einer aktuellen Kurzanalyse auf den Punkt. Warum er sich gerade jetzt äußert? Heute um 10 Uhr wurde mit dem ifo-Index das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer veröffentlicht (hier die Details). Er fiel von 92,5 auf 90,7 Punkte. Die Zahlen waren zwar leicht besser als gedacht, aber eben doch schlechter als im Vormonat. Wie der Chart (geht bis 2016 zurück) zeigt, geht es aktuell wieder leicht bergab mit dem Geschäftsklima in Deutschland.


source: tradingeconomics.com

Experte spricht von bevorstehender technischen Rezession

Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart. Das kann durch die robuste Entwicklung in der Industrie kaum verhindert werden. Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen, so Jörg Krämer. Ein Monat Lockdown koste fast ein Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. Krämer erwartet eine technische Rezession im Winterhalbjahr, auch wenn sich das verarbeitende Gewerbe super halte. Im folgenden Chart der Commerzbank sehen wir, wie die Industrie in gelb weiter ansteigt, während die Dienstleistungen wieder abschmieren.

Chart zeigt Tendenz der Rezession dank schwachen Dienstleistungen

Laut Jörg Krämer ist ein Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen noch nicht erkennbar. Die Bundesländer dürften den Lockdown nach seiner Meinung bis mindestens Weihnachten verlängern und die Kontaktbeschränkungen verschärfen. Sehe man von möglichen Lockerungen rund um Weihnachten ab, dürfte der Lockdown mindestens bis Ende Dezember gelten. Weil die kalte Jahreszeit die Infektionen begünstigt, erwarte man, dass Restaurants, Kneipen, Hotels, Fitness-Center etc auch während des ersten Quartals überwiegend geschlossen bleiben.

Basierend auf dem Anteil der betroffenen Branchen an der gesamten Wertschöpfung drücke ein Monat Lockdown das quartalsweise Bruttoinlandsprodukt wie gesagt um fast 1 Prozent. Entsprechend dürfte laut Jörg Krämer das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2 Prozent schwächer ausfallen als ohne Lockdown – es werde vermutlich schrumpfen. Das dürfte die robuste Entwicklung in der Industrie nicht verhindern. Auch im ersten Quartal, das ohnehin durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar belastet wird, sei kaum mit einem Plus zu rechnen. Deutschland drohe eine technische Rezession. Die Wirtschaft gehe durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen.

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