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Bayer-Aktie: Hände weg? Der große Abstieg

Die Bayer-Aktie ist seit der Monsanto-Übernahme 66 % gefallen, der Dax 51 % gestiegen. Hier auch ein Blick auf die Finanzdaten.

Wer seit Jahren Aktionär von Bayer ist, erlebt ein großes Desaster. Oft denkt man ja (siehe Telekom-Aktionäre in den 90ern): „Das ist nur eine vorübergehende Schwäche, das sitze ich aus und warte, bis die Kurse wieder steigen“. Aber was, wenn der Absturz immer weiter läuft, Jahr für Jahr? Man denke zurück an die desaströseste Entscheidung der Leverkusener überhaupt: Bayer kaufte im September 2016 den US-Saatguthersteller Monsanto, bei dem schon die Anwälte mit den Hufen scharrten, die Klagewellen wegen dem angeblich krebserzeugenden Wirkstoff Glyphosat rollte an.

Bayer-Aktie brutal abgestürzt

Man blicke mal zurück: 55 Milliarden Euro kostete Bayer die Übernahme von Monsanto in 2016. Heute ist Bayer an der Börse nur noch 31,55 Milliarden Euro wert. Was für eine Relation! Seit September 2016 bis heute hat die Aktie 65,6 % an Wert verloren, im Vergleich dazu stieg der Dax seitdem kräftig um 51,3 %. Was für ein gruseliges Geschäft für Anleger, die den Wachstumsaussichten glaubten, die mit dieser Übernahme verknüpft wurden. Die Kritiker, die die Klagewelle ansprachen, behielten recht. Und nach jüngst verlorenen Prozessen in den USA werben derzeit Anwälte in TV-Werbespots massiv um neue Mandanten, um gegen Bayer klagen zu können in Sachen Krebsfolgen durch Glyphosat.

Performance der Bayer-Aktie im Vergleich zum Dax seit dem Jahr 2016

Blick auf Umsätze und Gewinne

Blicken wir auf das, was bei Bayer seit 2016 geschehen ist und was erwartet wird.

Umsätze in Milliarden Euro
2016: 34,9
2017: 35,0
2018: 36,7
2019: 43,5
2020: 41,4
2021: 44,1
2022: 50,7
2023 erwartet: 47,8
2024 erwartet: 48,6
2025 erwartet: 50,0

Operativer Gewinn in Milliarden Euro
2016: 5,7
2017: 5,9
2018: 3,5
2019: 4,2
2020: -16,2
2021: 3,4
2022: 7,0
2023 erwartet: 7,2
2024 erwartet: 7,2
2025 erwartet: 7,7

Risiko zukünftiger Klagen

Der Umsatz soll also grob gesagt bis 2025 stagnieren, und der Gewinn nur minimal ansteigen. Aber da bleiben die enormen Rechtsrisiken. Die Klagewelle gegen Bayer in den USA rollt weiter, die Folgekosten für den Konzern sind kaum absehbar? Gewiss, wer jetzt kauft und an zukünftig kräftige Gewinne und Dividendenausschüttungen bei Bayer glaubt, kann jetzt 7 % Dividendenrendite und KGV-Werte von 5 in den Erwartungen für die nächsten Jahre ablesen. Aber hier sollte wirklich der Blick auf dem hohen Klagerisiko liegen. Und wie man heute sieht, gesteht der CEO von Bayer Defizite in der Forschung ein, aufgrund zu geringer Investitionen in den letzten Jahren.

Jüngste Neueinstufungen zur Bayer-Aktie

Und was sagen die Analysten? Zwar liegt das durchschnittliche 12-Monatskursziel für die Aktie mit 52,46 Euro erstaunliche 62,9 % über dem aktuellen Kurs von 32,23 Euro. Aber erst am Freitag hat Kepler sein Kursziel dramatisch abgesenkt von 65 auf 33 Euro. Ebenso dramatisch ist die heutige Absenkung durch Berenberg von 60 auf 36 Euro. Wer positiv für die Bayer-Aktie argumentieren möchte, könnte vereinfacht sagen: Irgendwann muss die Aktie mal „ausgebombt“ sein, irgendwann muss sie doch mal so stark gefallen sein, dass ein Boden erreicht wird. Als Käufer wird man nur mit reinem Zufall den Tiefpunkt finden. Und wie lange das noch dauert, ist unklar. Besonderen Optimismus kann man derzeit aber nicht verbreiten.

FMW mit Daten aus Bloomberg Terminal



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10 Kommentare

  1. joa da könnt doch ma kleine Positionen aufbauen….

  2. Bei Monsanto geht es nicht nur um ein paar Klagen von Landarbeitern und grünen Querulanten (damit wird die Klassenjustiz, pardon: der Rechtsstaat normalerweise spätestens in zweiter Instanz spielend fertig).

    Es ist einfach so, dass dieses Giftmüll-Gentech-Geschäft insgesamt nicht so profitabel und zukunftsträchtig ist wie einst gedacht. Deshalb haben es die Amerikaner ja auch ihren lieben deutschen Freunden verkauft.
    Von wegen „Kapitalvernichtung“ – aus US-Sicht eine gigantische Kapital-Rettung!

    Jetzt muss man eigentlich bloß noch Deppen finden, die auch den Atommüll aufkaufen – dann wären ein paar der größten Entsorgungsprobleme geritzt. Vielleicht eine Mega-Fusion Siemens-Westinghouse-Orano oder so was in der Art?!? Und bevor die Kleinaktionäre einsteigen, auf allen Kanälen ganz laut tröten: „Ohne Kernkraft geht das Liiihiichiit aus! Kernfusion ist die Zuhuuukunft!“…

    LOLOLOLOL

    1. Was Giftmüll oder sonstwie böse ist, bestimmen die Gerichte hinterher und zwar je nach Opportunität. Für ausländische Firmen sind die USA, ebenso wie China und andere Vorzeigerechtsstaaten, jedenfalls ein sehr gefährliches Pflaster.
      Der Atommüll ist auch nur deshalb ein Problem, weil dem aufgescheuchten Publikum nachhaltig Angst eingejagt worden ist. Selbst manche Wasserkraftwerke, vor allem Speicherkraftwerke, die im Bergland mit hohem Uran- oder Thoriumgehalt gebaut werden, setzen über ihre Lebenszeit gerechnet mehr Radioaktivität in die Umwelt frei, als ordentlich betriebene Kernkraftwerke.

      1. Hat eigentlich schon jemand vorgeschlagen der Bayer AG den Friedensnobelpreis dafür zu verleihen, Monsanto runtergewürgt zu haben und daran fast zerplatzt zu sein?

    2. Du scheinst sehr viel Meinung und wenig Ahnung zu haben. Die Mehrheit der Shareholder sitzen schon seit Jahrzehnten mehrheitlich in Nordamerika und es ist daher hauptsächlich US Kapitel das vernichtet wurde.

      1. Na ja, Blackrock hält zwar 7% aber 82% sind freefloat:

        https://www.boerse.de/unternehmensprofil/Bayer-Aktie/DE000BAY0017

        Die Amis sind halt toughe Geschäftsleute und ihre Anwälte vielleicht die gerissensten von allen. Wir neigen hier dazu, den Rechtsstaat für eine Art heilige Kuh zu halten, er hat einen wichtigen Platz in unserer Zivilreligion, aber man kann ihn auch schöde, als Mittel der Profitgenerierung benutzen, wo um hohe Einsätze verhandelt wird. Man kann damit Übergewinne generieren, die niemand angreift, weil sie „gerecht“ sind. Im Grunde will ich mich nicht darüber lustig machen; es sind halt symbolische Maschinen, die mit den „Gefühlen von Betrfoffenen“ arbeiten und mit mystischen Wesenheiten, die dem Bereich von Moral und Ethik angehören, mit „unseren Werten“ oder mit „Gerechtigkeit“. Mir ist das alles zu hoch. Wer clever ist, extrahiert daraus Profit und schauspielert ein wenig dazu, wie Priester, die zwischen Menschen und Göttern vermitteln.

  3. Ich bin rein, weil die in ihrem Artikel genannten Zahlen von Bayer gut aussehen. Nur eine bevorstehende Pleite rechtfertigt diesen lächerlichen Kurs.

  4. Das war absehbar…die Übernahme von Monsanto mit all den bekannten Altlasten…totaler Wahnsinn, bzw wenn man Absicht unterstellt, perfide genug, um eine Topfirma zu ruinieren. America first…

  5. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Das Problem ist ,das die Underperformer im DAX in der Regel nicht wiederkommen. „They never come back “ sagte man dazu früher an der Börse…

    Viele glauben, nur weil eine Aktie stark gefallen ist wäre sie günstig…

    Die Commerzbank kommt von 476 Euro im März 2000 ( Mittwoch ,der 22.März 2000 um genau zu sein) Denn es gab ja 2013 im Zuge einer Kapitalerhöhung ,mit dem berühmten 10 : 1 Resplit…
    Im März 2000 kostete die Aktie also 47,60 Euro in der Spitze ( heute 476 Euro) und hatte ein KGV von 10 und eine Dividendenrendite von 3 Prozent….
    Fundamental also günstig, real ein Wertverlust von weit über 95 Prozent, selbst unter Einbeziehung der Dividenden und Bezugsrechte aus den vielen KEs und das sogar ohne Einrechnung der Inflation..
    Die Bayer Aktie kostete mal knapp 150 Euro( April 2015) . Mit der Übernahme ging’s bergab,…
    Die Kläger warteten nur darauf, Bayer zu verklagen, sobald die Übernahme vollzogen ist…
    Jeder wusste das, es gab unzählige Warnungen, auch im Fernsehen…
    Es gab auch genügend Beispiele aus der Vergangenheit…Nehmen wir die Hochzeit im Himmel 1998,den missglückten Börsengang der Siemens Aktie im September 2000,die Übernahme der Bankers Trust durch die Deutsche Bank wenig später, den gescheiterten Versuch der deutschen Landesbanken in Amerika Fuß zu fassen…
    German Stupid Money sagte man früher dazu…

    1. echt ,dann war Bayer die letzten 10-15 Jahre nicht im DAX?

      oder ähm ich kann mich noch an siemens für 42 € oder so erinnern….

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