Folgen Sie uns

Allgemein

Bedingungsloses Grundeinkommen: Bald 800 Euro für jeden erwachsenen Finnen?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Das Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ nimmt in Finnland wieder Fahrt auf. Angeblich soll JEDEM Erwachsenen in Finnland pro Monat 800 Euro ausgezahlt werden. Das wirft Fragen auf – auch die Argumentation der Befürworter in Finnland ist sehr interessant.

BedingungslosesGrundeinkommen Demo
Demonstration für das bedingungslose Grundeinkommen im Jahr 2010 in Berlin. / Gemeinfrei

Die staatliche finnische Sozial-Agentur KELA hat im November eine Studie gestartet, die wohl ab Ende 2016/Anfang 2017 in ein reales Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) für Finnland münden soll. Jetzt ist man noch am Sondieren und Forschen – dies tut man zusammen mit der Universität von Helsinki, dem Sitra Innovation Fund, dem Think Tank „Tänk“, dem VATT Institute for Economic Research und der Federation of Finnish Entrepreneurs. Jeder erwachsene Finne, also knapp 5 Mio Menschen, soll zukünftig 800 Euro pro Monat erhalten, egal ob er arbeitet oder nicht – diese Zahl kursiert aktuell in diversen Medien und geht auf einen Bericht von Ende Oktober zurück. Drei Wochen später veröffentlichte die KELA einen Bericht, wonach 70% der Finnen für das BGE sind. Von der KELA befragte Personen finden 1.000 Euro als BGE angemessen, so der Stand vom 19.11. Also darf man davon ausgehen, dass die Vorstellungen in Finnland irgendwo um die 800-1.000 Euro monatliches BGE kreisen.

Was ist die Intention für Finnland ein Bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen? Man würde jede Menge Bürokratie und somit auch Verwaltungskosten einsparen, weil man alle sonstigen Sozialleistungen ersatzlos streichen könnte. Auch war in Finnland in den letzten Jahren die Grundstimmung bei Volk und Politik schon pro BGE eingestellt. Und der entscheidende aktuelle Punkt ist ein Volkswirtschaftlicher. Finnland gehört wie die anderen skandinavischen Länder auch zu den Ländern mit den weltweit teuersten Arbeitskosten.

In Finnland geht man allgemein davon aus, dass ein bisheriger Arbeitsloser zukünftig bereit ist schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen, wozu er bisher keine Motivation aufbringen konnte. Denn bisher wurden in Finnland Arbeitslosen geringe oder schlecht bezahlte Zusatzverdienste auf ihre Sozialleistungen angerechnet – also entfällt automatisch der finanzielle Anreiz. Beim BGE würde es aber zukünftig so sein, dass jeder Finne 800 Euro (oder mehr?) erhält, egal ob er arbeitet oder nicht. Somit könnte ein Arbeitsloser eine geringfügige oder extrem schlecht bezahlte Arbeit annehmen und damit seine monatliche finanzielle Lage aufbessern, ohne dass das Gehalt mit der Sozialhilfe verrechnet wird. Andererseits kann ein Arbeitgeber so niedrige Gehälter zahlen und ist ganz am Ende dieser Denkweise auf dem Weltmarkt mit seinen Produkten konkurrenzfähiger, weil er seine Produkte billiger anbieten kann.

Durch die Annahme schlecht bezahlter Arbeit oder Minijobs soll die Arbeitslosigkeit, die in Finnland mit derzeit 9,5% auf höchstem Stand seit 15 Jahren liegt, gesenkt werden. Von der Grundidee her klingt das ökonomisch richtig und vernünftig. Denn so könnten Arbeitgeber niedrige Löhne zahlen, und Arbeitnehmer könnten finanziell trotzdem gut dastehen, da sie ja zusätzlich zum Lohn das BGE beziehen.

Was aber ist mit einer grundlegenden Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich, wenn alle erwachsenen Finnen 800 Euro pauschal erhalten? Der/die Arbeitslose, der bisher schon um die 800 Euro Sozialleistungen erhielt, bekommt diese zukünftig auch – nur heißt es dann eben „Bedingungsloses Grundeinkommen“. Der Millionär oder Besserverdiener, der darauf gar nicht angewiesen ist, bekommt die 800 Euro auch.

Und zweitens kommt noch etwas viel Gravierenderes hinzu: Wenn jeder erwachsene Finne sagen wir mal 1.000 Euro Bedingungsloses Grundeinkommen erhält, wären das ganz grob gesagt bei knapp 5 Mio Erwachsenen in Finnland 5 Milliarden Euro pro Monat, also 60 Milliarden Euro im Jahr. Diese Summe liegt deutlich über den jährlichen Staatseinnahmen Finnlands (47 Milliarden Euro in 2014). Wie soll man da noch sonstige Kosten bezahlen? Zusätzlich zum BGE müssen noch die vollen Gehälter für Lehrer, Polizisten, Armee, Verwaltung und sonst alles was ein Staat bezahlt, abgedeckt werden. Die Folge wären wohl drastische Steuererhöhungen oder mehr Staatsschulden.

Natürlich entsteht bei einem BGE + Arbeitslohn gerade bei den finanziell Schwächsten ein deutlich höherer Konsum, der die Volkswirtschaft als Ganzes ankurbelt. Dadurch steigen natürlich das Aufkommen bei den Verbrauchssteuern und sonstige indirekte Effekte kurbeln die Binnennachfrage weiter an, aber noch niemand konnte nachweisen, dass sämtliche direkte und indirekte Effekte durch das BGE die Kosten des BGE für den Staat wieder reinholen können. Denn die 800 Euro, die jeder bisher arbeitende Finne erhalten würde, muss er rein rechnerisch als Steuerzahler erst einmal zusätzlich erwirtschaften. Man darf mehr als gespannt sein, zu welchem Ergebnis die KELA-Forschungsgruppe in Finnland kommt und was in der Realität passiert, wenn ein kompletter Staat dieses System einführt. Drastische Steuererhöhungen in allen Bereichen? Stark ansteigende Staatsverschuldung? Oder mehr soziale Gerechtigkeit? Mehr Konsum, mehr Staatseinnahmen und am Ende finanzielle Vorteile für alle?

Befürworter des BGE sagen es gäbe bereits viele gute Pilotprojekte. Und in der Tat, es gab weltweit in einzelnen Städten ansehnliche Erfolge mit zeitweisen Versuchen. Aber eine ganze Volkswirtschaft wurde noch nie konsequent diesem Versuch ausgesetzt. In Namibia z.B. konnte ein kleiner Ort einen BGE-Versuch nur eine gewisse Zeit durchhalten, weil das Projekt mit Spenden subventioniert wurde. In Industrienationen musste der gesamte Steuerhaushalt diese Experimente einzelner Kommunen bisher subventionieren. Wenn die Realität zeigt, dass eine entwickelte Industrienation wie Finnland sagen wir mal über einen Zeitraum von 5 Jahren flächendeckend das BGE durchzieht, und dabei die Staatsverschuldung nicht weiter steigt, die Arbeitslosigkeit nicht weiter steigt, und die Unternehmen nicht durch Mehrkosten erstickt werden, könnten die Kritiker umschwenken und eingestehen, dass das Modell funktioniert. Aber Zweifel am volkswirtschaftlichen Funktionieren des BGE sind mehr als angebracht. Denn bei den explodierenden Kosten für den Staat müsste dieser seine Steuern drastisch erhöhen, auf Einkommen, Kapitalerträge und Unternehmensgewinne. Denn irgendwo her muss letztlich das ganze Geld kommen.


13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Roland Eichholzer

    7. Dezember 2015 14:56 at 14:56

    Das Geld kann ruhig von der EZB kommen :-) die sind ja interessiert Staatsanleihen zu kaufen auf Teufel komm raus…Ich denke es spielt bei der gegenwärtigen Situation in der EU und EZB keine Rolle ob der Staatshaushalt in Ordnung ist. Griechenland lässt grüssen. Warum soll ein Staat im Umfeld der EZB-Politik einen Anreiz haben Schulden abzubauen wo doch der Anreiz Schulden zu machen sehr gross ist, ohne dass es Konsequenzen nach sich zieht? Man kann dann offiziell immer noch behaupten alles für einen Schuldenabbau zu tun und doch das Gegenteil machen. Was Griechenland kann, kann Finnland noch lange :-)

  2. Avatar

    winni

    7. Dezember 2015 15:21 at 15:21

    Zunächst ist mir schleierhaft, warum dieser Betrag nur an Erwachsene gehen soll. Wenn, dann sollte jeder Staatsbürger, also auch jedes Kind (Baby) diesen Betrag erhalten. Dies würde evt. einen demographischen Wandel herbei führen können.

    Weiterhin sollte bzgl. der Höhe des Betrages die Relation beachtet werden. Ich glaube, daß in Finnland die Lebenshaltungskosten wesentlich geringer sind, als hier zu Lande. Hier wäre zumindest das gesetzliche Existenzminimum zugrunde zu lagen. Also so um die 1000,- Euro.

    Ansonsten ist es eine reine Umverteilung von Reich nach Arm. Dieses Modell würde eine Zeit gut gehen und wenn es keine „Reichen“ mehr gibt, wäre es tot. So wie der Plan B, der im Internet als Lösungsansatz vorgeschlagen wird.

    Letztlich wird immer der Faktor „Mensch“ allen diesen Ideen entgegen stehen. Zumindest würde ich nicht mehr arbeiten gehen und keine Steuern mehr zahlen müssen und natürlich schwarz arbeiten.

    • Avatar

      Eis Zeit

      7. Dezember 2015 18:46 at 18:46

      „Zunächst ist mir schleierhaft, warum dieser Betrag nur an Erwachsene gehen soll. “

      So schliesst man „Kinderzeugen“ als Einkommensquelle aus. Jeder müsste sich vorher überlegen, wie viele Kinder er sich leisten kann und will.

      „Dies würde evt. einen demographischen Wandel herbei führen können.“

      Wozu, wenn Menschen immer noch durch Kriege zwangsreduziert werden und der techn. Fortschritt Millionen Arbeiter überflüssig macht?

      „Ansonsten ist es eine reine Umverteilung von Reich nach Arm.“

      Würde sie diese Umverteilung persönlich betreffen?
      Ich meine müssten sie was abgeben oder würden sie was dazu kriegen und denken sie wirklich, das ein „Reicher“ mit Millarden nicht auch mit Millionen gut leben könnte?

      „Letztlich wird immer der Faktor „Mensch“ allen diesen Ideen entgegen stehen.“

      Ja Menschen wie sie, die denken, dass wenn sie einmal reich würden, anderen was abgeben müssten.
      Dabei teilen sie, von dem was sie haben, schon zwangsverordnet, ihr Einkommen x Steuern, Jahr für Jahr mit dem Staat (für Bankenrettungen).

  3. Avatar

    joah

    7. Dezember 2015 15:58 at 15:58

    »…bei knapp 5 Mio Erwachsenen in Finnland 5 Milliarden Euro pro Monat, also 60 Milliarden Euro im Jahr. Diese Summe liegt deutlich über den jährlichen Staatseinnahmen Finnlands (47 Milliarden Euro in 2014).«

    Hier kommt ein Grundproblem zum Tragen: der Staat hat kein Geld (hier eher: Währung), sondern er nutzt nur selbiges der Bürger oder deren Wirtschaftskraft. Woher kommt es also? Direkt aus der rechten Tasche des Bürgers und wird wieder in die Linke geschaufelt – auf diesen Prozess fallen dann noch einmal zwangsläufig Zinsen und Zinseszinsen an (Staatsanleihen): die Staatsverschuldung wird richtig übel ansteigen, die Produktpreisinflation gleich mit („Geld“ geht direkt in Realgüter). Jetzt darf der Bürger gleich mal noch heftiger im Hamsterrad laufen, um das obendrein wieder herein holen zu können. Das wird er aber nicht schaffen – sehr übel und nicht durchdacht. Jetzt kann man die Hyperinflation diesmal direkt auf das Volk schieben, denn sie haben es ja so gewollt. Finnland wird bald irrsinnige Probleme haben: Augen aufhalten und nachverfolgen. Die aktuell deflatorische Entwicklung wird den Zersetzungsprozess allerdings etwas verlangsamen, bis er real durchbricht, dann geht es schnell. Sehr schnell.

    »In Namibia z.B. konnte ein kleiner Ort einen BGE-Versuch nur eine gewisse Zeit durchhalten, weil das Projekt mit Spenden subventioniert wurde.«

    Das nennt man Systembetrug.

    • Avatar

      Balazs

      8. Dezember 2015 11:48 at 11:48

      Danke fürs vernünftige Kommentar, ich bin 100% einverstanden.

      Herr Kummerfeld versteht leider gar nicht, woher „Geld“ kommt. Es ist nämlich nur ein Tauschmittel, ein Bezugsrecht auf echte Waren und Dienstleistungen, sonst gar nichts. Damit der Staat 800Euro pro Monat verteilen kann, müssen andere Leute dafür gearbeitet und die Steuern bezahlt haben, das heisst diese „Gratiswaren“ und „Gratisleistungen“ zur Vergügung stellen. Wenn also jemand 800€ werte Leistunge vom Staat „bekommt“, muss jemand anders diese gratis erbringen, d.h. als Steuern einzahlen! Der Grund dafür ist, dass der Staat (fast) nichts von echtem Wert produziert, das ganze muss also von den Bürgern kommen. Dazu müssten die Steuern vermutlich sehr schnell angehoben werden, am Schluss werden diejenigen, die noch arbeiten, fast alles als Steuern abliefern müssen. Dann wird erst recht niemand mehr arbeiten wollen und die Arbeitslosigkeit wird massiv explodieren.

      Es ist eigentlich ganz einfach, die Leute machen das, wofür sie mit der wenigsten Aufwand das meiste herausholen. Unter BGE gibt es fürs Nichsttun einen recht hohen betrag und vermutlich werden die Steuern astronomisch ansteigen, daher wird jegliche Arbeit noch schlimmer bestraft, als bisher. Daher darf man die zükünftigen Steuereinnahmen auch nicht an den heutigen Einnahmen/Einkommen messen, weil viele Bürger die Arbeit reduzieren werden und daher die Steuern dahinschmelzen werden.

      Dann besteuern sie halt die Unternehmen, aber… Viele Unternehmen werden von Finnland abziehen, weil sie nicht als Milchkühe des Sozialstaats herhalten werden. Sie könnten wahrscheinlich gar nicht konkurrenzfähig bleiben, wenn sie das machten.

      BGE ist ein System zum Scheitern, es hat sogar das Potential, reiche (lese arbeitsorientierte) Nationen, wie Finnland, zu zerstören. Obwohl ich nichts gegen die Finnen habe, hoffe ich, dass sie dieses System ausprobieren und möglichst schnell merken, dass es nicht funktioniert. Dann erübrigt sich das für den Rest der Welt. (Obwohl solche sozialistischen Gedanken trotzdem immer wieder belebt werden, da die Leute immer eine andere Erklärungn fürs Scheitern finden, s. die Beispiele vom Autor selbst. Kein einziges hat funktioniert, ohne extern subventioniert zu werden.)

      Und zum Schluss noch: Was ist die vom Autor erwähnte soziale Gerechtigkeit überhaupt? Jeder, der darüber schreibt soll sich mal eine genaue Definition ausdenken. Wenn er das ehrlich macht, merkt er, dass das Konzept schon fehlerhaft ist. Ist es gerecht, dass jemand arbeitet und andere die Früchte seiner Arbeit konsummieren, ohne dafür zu bezahlen? Das ist bei den Raubkopien von Musikstücken nicht gerecht aber beim wegbesteuern von Einkommen und Verteilen an Nichtstuer angeblich schon, da verstehe ich etwas nicht???

  4. Avatar

    AntiPasti

    7. Dezember 2015 16:14 at 16:14

    Was? Nur 800,- Euro? Damit kann man doch nicht leben! Jeder Mensch hat ein Recht auf einen Daimler! 5.000,– Euro soviel muss drin sein, alles Andere ist Menschenverachtend!
    – „Sarkasmus off“ –
    Der Wahnsinn greift um sich!

    • Avatar

      Eis Zeit

      7. Dezember 2015 21:01 at 21:01

      800 sind das Grundeinkommen.
      Das kriegt jeder, auch der der weniger oder mehr als 5000,- verdient. Sie also auch!!!!
      Wenn sie weniger verdienen, wär es vllt. die Rate für ihren Traum—-> Daimler.
      Jeder nach seinem Können, Wollen, Willen oder Verstand.

  5. Avatar

    Gerd

    7. Dezember 2015 19:03 at 19:03

    Lieber Autor, Sie fragen: „Was aber ist mit einer grundlegenden Gerechtigkeit zwischen Arm und Reich, wenn alle erwachsenen Finnen 800 Euro pauschal erhalten? Der/die Arbeitslose, der bisher schon um die 800 Euro Sozialleistungen erhielt, bekommt diese zukünftig auch ….“(Aber eben nicht noch mehr). „Der Millionär oder Besserverdiener, der darauf gar nicht angewiesen ist, bekommt die 800 Euro (aber) auch.“
    (Und zwar zusätzlich zu seinem hohen Einkommen aus z.B. Unternehmertätigkeit oder Zins- und Mieteinnahmen.)

    Eine Mögliche Antwort geben Sie selbst: “ … bei den explodierenden Kosten für den Staat müsste dieser seine Steuern drastisch erhöhen, (z.B.) auf Einkommen, Kapitalerträge und Unternehmensgewinne.“

    Vielleicht ist damit die Gerechtigkeit wieder hergestellt und der Arme wird doch nicht benachteiligt.

    • Avatar

      joah

      7. Dezember 2015 19:41 at 19:41

      Im grundsätzlichen richtig, aber die Historie lehrt, daß das nicht passieren wird: die Unternehmen und „die Reichen“ werden auf ihre Gewinne nicht verzichten wollen und suchen sich Schlupflöcher (sodaß entsprechende Regelung für die nicht greifen) oder beeinflussen über Lobbyarbeit das Geschehen so, das sie nichts zu befürchten haben. Ist hierzulande nicht anders und wäre in Deutschland nicht anders zu erwarten – hier herrschen gewissermaßen auch die (Groß-)Konzerne.

      Nichtsdestotrotz wäre die Vorstellung in Ordnung und fair, aber wird wohl aber ein Traum bleiben. Letztendlich würde es sicherlich auf einer Umverteilung der Mittelschicht beruhen, welche damit vollständig eliminiert würde – direkt in den Sozialismus hineingesteuert. Dies wäre ein ordentlicher Schritt rückwärts von allen bisher gewonnenen Freiheiten. Es müssen, nach meiner Überzeugung, eben genau diese Exzesse vermieden werden, dann würde es gerechter.

    • Avatar

      seb

      7. Dezember 2015 20:58 at 20:58

      „Der Millionär oder Besserverdienende“ bekommt die 800 Euro doch heute schon in Form des Steuerfreibetrages. Dieser Steuerfreibetrag fällt dann ja weg. Das mit den Mehrkosten hält sich in sehr engen Grenzen – wenn man überhaupt von Mehrkosten sprechen kann.

    • Avatar

      Eis Zeit

      7. Dezember 2015 21:13 at 21:13

      Lassen sie doch bitte diesen (reichen) Unternehmern diese 800 Euro.
      Zum Schluss müssen diese Reichen, das „1%“ diese Pläne finanzieren oder denken sie in Ernst das man im Zeitalter der Computerisierung (weniger Arbeit, mehr Roboter) alles, den Profit, in deren Taschen fliessen lassen kann?
      Die Eliten haben längst begriffen, das sie sich ohne ein Grundeinkommen ihr eigenes Grab schaufeln.
      Ohne Absatz und Konsum, keine Gewinn.
      Arm produziert aber kauft nichts.
      Damit es denen da oben weiter gut geht müssen sie teilen.
      Herrsche und teile !!!!

      • Avatar

        joah

        8. Dezember 2015 10:12 at 10:12

        Ich denke (meine Meinung), daß sie das noch etwas zu milde auffassen: ohne die da unten, sind die da oben nicht nur „Nichts“, sondern „gar Nichts“ – genau daß ist das Problem. Die da oben haben mittlerweile ihre Berechtigung verloren.

        Entwickeln die die Technik? Nein, das macht der Ingenieur. Sind die die genialen Physikerköpfe, die die Grundlage dazu schaffen? Nein, sind sie definitiv nicht (viel zu blöd für). Sind die die kreativen Genialisten, welche die Lösung zur Gesamtfunktion bringen? Nein.

        Aber was sind die da oben dann? Es sind Okkupatoren und Usurpatoren, die sich fett obendrauf setzen und für und mit quasi Nichts das dickste Häppchen abbekommen. Und die wollen, daß das auch so bleibt, denn die bestimmen mittlerweile die Gesetze, denn aus deren Sicht werden diese erlassen – nicht aus der des kleinen Mannes/der kleinen Frau. Man muss die Leine kurz halten, aber nicht zu kurz, sonst wird das Vieh erdrosselt und zuckt nicht mehr. Das läuft auf mehreren Ebenen ab, sodaß man das eigene Abgleiten in die Unkenntnis und Dummheit nicht mehr merkt: Willkommen in der Sklaverei.

  6. Avatar

    Chris

    7. Dezember 2015 21:13 at 21:13

    Die Erfindung des wirtschaftlichen Perpetuum mobile!Ich konsumiere,also bin ich& deshalb auch wertvoll für die Volkswirtschaft!Das BGE ist die demokra(f)tische Vollkommenheit der zahllosen draghischen QE’s,bzw.die Einführung des bernankischen Helikoptergeldes!Angesichts dieser genialen Ideen der Jetztzeit,frage ich mich schon,wieso ich,trotz jahrzehntelanger Beschäftigung mit Wirtschaft,Börse&Co.nie darauf gekommen bin? Meine eigene Beschränktheit kotzt mich an?Wieso,habe ich trotzdem Bedenken?Wo,ist der Haken?Ich vermute,es gibt ihn,nur wo?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Weniger Konsum: So deutlich ändert sich das Verhalten bei Gering- und Normalverdienern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Brieftasche wird zusammengepresst

Grundsätzlich ist es kein Geheimnis. Durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste geht der Konsum bei vielen Menschen in der Coronakrise deutlich zurück. Und je weniger Konsum, desto schlechter geht es den Betrieben, die Konsumprodukte zur Verfügung stellen. Schaut man dieser Tage auf zahlreiche Aussagen von Politik und Ökonomen, dann läuft die Konjunkturerholung derzeit auf Hochtouren, und wir haben die Lücke zur Vor-Corona-Zeit fast schon wieder geschlossen. Aber wer sich die Innenstädte, Restaurants, Einzelhandel, Reisebüros, Fluggesellschaften uvm anschaut, kann an so eine glatte, wunderschöne Erholung nicht so recht glauben. Ganz abgesehen von dem Heer der Solo-Selbständigen, die quasi unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit in ein Desaster schlittern, und direkt bei Hartz4 landen, ohne Sonderhilfen.

Der Anbieter Creditreform (Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen und Lösungen zum Forderungsmanagement) hat heute eine repräsentative Umfrage veröffentlicht, die sich vor allem dem Konsum der Gering- und Normalverdiener in der Coronakrise widmet. Ende August mussten demnach hochgerechnet rund 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland auf einen Teil ihres Haushaltseinkommens verzichten. Auffällig sei, dass es besonders die Gering- und Normalverdiener betreffe, die ein dünneres Finanzpolster hätten als Gutverdiener. So fehlten laut der Umfrage rund drei Viertel der Befragten bis zu 30 Prozent ihres regulären Einkommens.

Verhalten beim Konsum geändert

So haben die Menschen lauf Creditreform ihr Verhalten beim Konsum bereits geändert. So gaben 55 Prozent der Befragten Ende August an, krisenbedingt weniger Geld für den Konsum und die Lebenshaltung auszugeben. Das entspricht rund 22,7 Millionen Haushalten. Fast jeder Dritte sei sich unsicher, ob das Geld in den kommenden zwölf Monaten reicht, um alle finanziellen Verpflichtungen wie Miete und Nebenkosten, Kredite oder Versicherungsbeiträge bezahlen zu können. Gut jeder Zehnte gab sogar an, die Ratenzahlungen für Konsum-, Immobilien- oder Kfz-Kredite gestundet zu haben.

In Notzeiten schauen die Menschen laut aktueller Aussage von Creditreform strenger auf ihr Geld und verzichten eher auf unnötigen Konsum. Die Menschen würden den Rotstift demnach zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Bei Medikamenten, der Altersvorsorge oder ihren Haustieren seien sie hingegen kaum zu Abstrichen bereit. Diese Ausgabenvorsicht helfe derzeit noch, die finanzielle Situation der Haushalte zu stabilisieren. Aber sollten die Menschen langfristig auf Teile ihres Einkommens verzichten müssen, rechne man mit einem starken Anstieg der überschuldeten Verbraucher. Besonders brisant würden die kommenden Wochen, da die von der Bundesregierung beschlossene Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen im Oktober wieder aufgehoben sei. Die Folge wären nicht nur steigende Insolvenzzahlen bei den Unternehmen, sondern auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, so Creditreform.

Grafik zeigt Gründe für sinkende Einkommen

Grafik zeigt wo Verbraucher beim Konsum sparen

weiterlesen

Allgemein

Gewerbeumsatz im August rückläufig – warum es tatsächlich aber ein Anstieg ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Sprühender Funken bei Industrieproduktion

Den Gewerbeumsatz prognostizieren die Statistiker vom Statistischen Bundesamt aus den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen. Daher können sie heute für den Monat August vorläufig sagen, dass der Umsatz in der gewerblichen Wirtschaft (gemeint sind die Bereiche Industrie, Bau sowie Handel und Dienstleistungen) im Vergleich zu Juli um 1,3 Prozent gesunken ist. Der Wert für August liegt vor Revision um 4,7 Prozent niedriger als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Diesen Abwärtshaken beim Aufschwung erkennt man auch im Chart am Ende des Artikels, der den Indexverlauf seit Anfang 2015 anzeigt.

Dieser aktuelle Rückgang kann aber täuschen. Man achte zum Beispiel auf die aktuellen Worte von Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank. Die deutschen Unternehmen hätten zwar im August 1,3% weniger umgesetzt als im Juli gemacht. Aber der ohnehin starke Juli-Umsatz sei nach oben revidiert worden. Juli und August zusammen liegen jetzt 9,2 Prozent über dem 2. Quartal, und beim BIP zeichne sich ein starkes Plus von 9 Prozent ab, so seine Worte.

Und siehe da, schauen wir uns doch mal den Juli-Indexwert in der heute veröffentlichten Grafik der staatlichen Statistiker an. Er liegt bei 128,0 Indexpunkten. Schaut man auf die Original-Veröffentlichung der Statistiker für Juli vom 27. August, dann sieht man hier einen Juli-Indexwert von nur 125,9. Also, in der Tat. Der Juli-Wert wurde heute von 125,9 auf 128 kräftig nach oben revidiert. Von daher ist der heutige Rückfall auf 126,3 im August immer noch höher als in der Erst-Veröffentlichung für Juli aus dem Vormonat. Geht man also nach den jeweiligen Erstschätzungen, dann klettert der Gewerbeumsatz von Juli auf August weiter an.

Rückläufig ist der heutige August-Wert nur, weil man einen aktuellen Schätzwert in Relation zu einer revidierten Zahl setzt. Sinn macht es aber nur, wenn man entweder zwei Schätzwerte oder zwei revidierte Werte miteinander vergleicht. Man darf vermuten, dass der August-Wert, welcher Ende Oktober veröffentlicht wird, nach oben revidiert wird. Denn die Statistiker erwähnen heute auch, dass sich die Werte aufgrund von Nachmeldungen durch Revision noch erhöhen können. Der Anstieg im Gewerbeumsatz in Deutschland geht also vermutlich weiter, ohne unterbrechenden Abwärtshaken.

Chart zeigt Verlauf im Gewerbeumsatz seit 2015

weiterlesen

Allgemein

Meine Absage an Panikmache und Alarmismus – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die Zentralbanken fluten derzeit wieder den Markt mit frischem Geld. Zunächst senkte die US-Fed den Leitzins im März praktisch auf Null (0-0,25 %). Die US-Regierung erprobte daneben gleich einmal eine Art Helicopter-Geld und unterstützte Arbeitslose mit 600 USD pro Monat.

Dann feuerte die EZB in den Markt und stockte im Rahmen des sog. PEPP-Programms (Pandemic Emergency Purchase Programme) die turnusmäßigen Anleihenkäufe um 600 Milliarden Euro auf. Derweil wurde die PEPP-Maßnahme nochmals erweitert. Nunmehr lassen die Währungshüter um Christine Lagarde bis Juni 2021 insgesamt 1,35 Billionen Euro rollen, um die angeschlagene Konjunktur zu stabilisieren.

Nie zuvor haben Notenbanken und nationale Regierungen derartige Summen mobilisiert in solch kurzer Zeit in den Markt gegeben. Im Vergleich dazu mutet die Geldpolitik der vergangenen Jahre geradezu konservativ und zurückhaltend an.

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die nicht nur steigende Inflation prognostizieren, sondern zumindest für den Euro wieder die Existenzfrage aufwerfen. Die Sorgen vieler Marktteilnehmer spiegeln sich eindrücklich unter anderem in steigenden Preisen für Gold und Silber. In dieser Situation sucht man Substanz, und einer Papierwährung trauen diese Substanz üblicherweise nicht zu. Nichts als bedrucktes Papier, so der verbreitete Tenor.

Aber schauen wir uns die Fakten an. Ist es im digitalen Zeitalter überhaupt noch zulässig von einer Papierwährung zu sprechen? Tatsächlich laufen gegenwärtig in der Euro-Zone Geldscheine und Münzen im Wert von rund 1,4 Billionen Euro um. Das entspricht also grob der Bewertung der Apple-Aktie vor vier Wochen. Heute hat Papiergeld streng genommen kaum noch eine wirtschaftliche Funktion außerhalb des Dienstleistungssektors bzw. des Einzelhandels. Papiergeld brauchen wir um Semmeln beim Bäcker zu holen und um ein Eis auf die Hand beim Stadtbummel zu kaufen.

Alle modernen Währungen sind heute elektronisch. Die wahren Geldmassen lagern heutzutage auf Konten, in Depots oder sind in Immobilien gebunden. So wiegt etwa der private Immobilienmarkt allein in Deutschland rund 5 Billionen Euro. Der DAX, also nur die 30 größten Unternehmen hierzulande, wiegen derzeit rund 1 Billion Euro. Noch ein Beispiel: Der französische Leitindex CAC 40 ist noch schwerer. Seine Unternehmen sind gegenwärtig rund 1,5 Billionen Euro schwer.

Möglicherweise sind diese Marktwerte aufgebläht. Diese Aussage ist zulässig. Die Aussage, dass eine moderne Währung ungedeckt von Sachwerten wäre, hingegen ist Humbug. Ich halte ganz generell die Sorgen um den Kollaps des Euro bzw. einer anderen westlichen Währung für übertrieben. Die Sorge, dass eine…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen