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Blick auf die Raffinerien Ölraffinerien: Warum die USA ein strukturelles Problem haben

Beim Blick auf die Ölraffinerien in den USA erkennt man ein strukturelles Problem. Mehr Rohöl auf den Markt zu werfen, bringt da nicht viel.

Öl-Raffinerie

Die USA pumpen doch viel Rohöl aus dem Boden. Die Ölproduktion steigt seit zwei Jahren stetig an (rote Linie im ersten Chart). Auch nachdem man wegen dem Ukraine-Krieg russische Ölimporte runtergefahren hat (blaue Linie) – eigentlich dürfte doch in den USA keine Knappheit an Öl, Benzin und Diesel herrschen ,wenn man aus inländischer Produktion so viel Öl auf den eigenen Markt bringt. Aber ein Blick auf die Ölraffinerien in den USA zeigt ein Problem, das nicht über Nacht gelöst werden kann.

US-Ölproduktion und Importe aus Russland

Grafiken können Problem anschaulicher machen, so auch hier. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der einsatzfähigen Ölraffinerien in den USA von 137 auf 125 reduziert. Aber das soll ja noch nicht so viel heißen. Eine größere Raffinerie könnte den Wegfall mehrerer kleinere wettmachen. Also schauen wir auf andere Daten. In der folgenden Grafik sehen wir im Verlauf der letzten fünf Jahre in orange, wie sich die Rohöl-Destillationskapazität der Ölraffinerien in den USA vom Hochpunkt bei 18,9 Millionen Barrels pro Tag in 2019 auf zuletzt 17,94 Millionen Barrels pro Tag verringert hat. Es kann also weniger Rohöl in Benzin oder Diesel umgewandelt werden.

Als blaue Linie sehen wir die prozentuale Auslastung der Ölraffinerien in den USA. Zum Ausbruch von Corona und in den Monaten danach, wo die Nachfrage nach Kraftstoffen wie Benzin und Diesel extrem gering war, musste nicht besonders viel Rohöl destilliert werden – dementsprechend war die Auslastung der Raffinerien sehr gering. Aber wie man sieht: Mit zunehmender Erholung der US-Wirtschaft und ihrem Heißlaufen in 2021 und 2022 stieg die Nachfrage nach Öl immer weiter an. Aber aufgrund der jahrelang reduzierten Kapazitäten bei Öl-Raffinerien stieß die Auslastung an ihre Grenzen. Zuletzt lag sie bei 94 Prozent – vor zwölf Monaten waren es noch 82 Prozent.

Mal eben über Nacht neue Raffinerien bauen und dann auch noch mal eben neues Personal dafür einstellen – das geht nicht so schnell, das dauert Jahre. Es wird also erst einmal dieses Problem bestehen bleiben. Läuft die Konjunktur in den USA zu sehr auf Hochtouren und ist die Nachfrage nach Benzin und Diesel zu groß, wird es Engpässe geben – vor allem wenn man diese destillierten Produkte nicht mehr aus Russland kaufen will. Diese Tatsache verschärft die Knappheit in den USA. Kühlt sich die Konjunktur wie derzeit in den USA ab, und die Nachfrage nach Benzin und Diesel wird etwas geringer, fällt dieses strukturelle Problem der fast vollständigen Auslastung der Destillationskapazitäten nicht so direkt auf. Aber es ist vorhanden.

Kapazität und Auslastung von Öl-Raffinerien in den USA

FMW / Bloomberg / EIA



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