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BIP wächst – die trügerische Ruhe vor dem Sturm

Industrieanlagen

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland wächst also noch. Das ist eine Überraschung. Um 10 Uhr wurde ein 0,3 Prozent Wachstum vom 2. auf das 3. Quartal 2022 verkündet vom Statistischen Bundesamt, bei Erwartungen von -0,2 Prozent. Damit ist der Start der Rezession erst einmal ausgeblieben. Nun könnte man meinen, dass die Kritiker falsch lagen, und dass wir doch noch mit einem blauen Auge durch die Energiekrise kommen? Wohl eher nicht. Dieser BIP-Anstieg ist eher die trügerische Ruhe vor dem Sturm.

Ruhe vor dem Sturm beim BIP

Von der „Ruhe vor dem Sturm“ spricht in einer aktuellen Analyse zum BIP-Anstieg auch Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Dieser Anstieg liege vor allem an den privaten Konsumausgaben, so sagen es die Statistiker. Erstaunlich, so möchte man meinen – denn von Juli-September müsste doch den Verbrauchern die Konsumlaune vergangen sein bei der hohen Inflation und den explodierenden Heizkosten?

Dr. Jörg Krämer sagt aktuell zur „Ruhe vor dem Sturm“, dass die hohe Inflation die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen lasse. Wichtige Frühindikatoren wie das ifo-Geschäftsklima sind bereits auf Niveaus gefallen, bei denen es in der Vergangenheit zu einer Rezession gekommen war. Alles spreche für ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft im Winterhalbjahr. FMW: Demnach müssten wir seit Anfang Oktober bereits nach und nach in die Rezession rutschen.

Warum gerade der private Verbrauch das BIP von Juli-September gestärkt hat? Möglicherweise liegt das an der Wiedereröffnung von Dienstleistungen etwa im Gastgewerbe nach dem Abklingen von Corona, so Dr. Jörg Krämer. Belastbares lasse sich erst am 25. November sagen, wenn die Statistiker Zahlen zu den Nachfragekomponenten veröffentlichen.

Für das vierte Quartal zeichnet sich ein Minus ab

Der private Verbrauch, der das Wachstum im dritten Quartal getrieben hat, dürfte jedoch im vierten Quartal schrumpfen, so Dr. Jörg Krämer. Denn die Inflationsrate von zuletzt 10,0% lässt die Kaufkraft der Konsumenten kollabieren. Für ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal spreche außerdem, dass die Unternehmen auf die fallenden Gewinne und die steigende Unsicherheit mit einem Rückgang ihrer Investitionen reagieren dürften. Nicht ohne Grund befinde sich der Ifo-Geschäftsklima bereits in einem Bereich, bei dem es früher zu Rezessionen gekommen war. Wir erwarten für das vierte Quartal weiter ein Minus von rund 1% gegenüber dem dritten Quartal. Im ersten Quartal nächsten Jahres dürfte die deutsche Wirtschaft erneut schrumpfen. Für den Durchschnitt des kommenden Jahres rechnen wir weiter mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,5%, so Dr. Jörg Krämer.



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2 Kommentare

  1. Die Wirtschaft in Deutschland besteht nicht nur aus den DAX Unternehmen.Die Auftragslage in den Konzernen ist gut. Aber Mittelstand und Kleinunternehmen brechen ein. Vielleicht war der Konsum noch recht ungebrochen weil der Bürger noch nicht so sehr an eine Rezession glaubt, oder sind die Zahlen auf die inflationäre Währung zurückzuführen die dadurch automatisch steigen bei 10% Inflation, ich meine das BIP steigt dadurch.
    Und für die Zukunft meldet wallstreet online : „BASF will die Kosten in Europa und insbesondere in Deutschland möglichst schnell senken. Die Ludwigshafener stehen mit ihrem Chemiegeschäft zusehends unter Druck und verlassen Deutschland. Wegen gestiegener Preise und günstiger Wechselkurse konnte BASF beim Umsatz in den drei Monaten zwar im Jahresvergleich um 12 Prozent auf knapp 22 Mrd. Euro zulegen, das operative Ergebnis fiel um 28 Prozent auf 1,35 Mrd. Euro. Mehrkosten für Erdgas schlugen in den ersten 9 Monaten mit 2,2 Mrd. € zu Buche. BASF wird daher neue Fabriken nicht mehr in Deutschland bauen, sondern in China. Die Bedeutung Deutschlands und Europas nimmt immer stärker ab. Am Standort Ludwigshafen, wo BASF rund 39.000 seiner global ungefähr 111.000 Mitarbeiter beschäftigt, will der Vorstand über die Hälfte der Einsparungen umsetzen.“
    Das wäre ein harter Schlag für Ludwigshafen.

    Bereits vor Jahren hatte BASF ein neues Werk in für 750 Mill.€ wegen der niedrigen Energiekosten in Texas gebaut und nicht in Deutschland.

  2. Im Moment werden alle Löcher mit Helikopter und Kurzarbeitergeld zugeschüttet. Wohin das führt ist klar, früher oder später wird eine Währungsreform unumgänglich oder man lässt die Inflation laufen oder man geht all in im Ukraine Krieg…. Deutschland war 1939 auch pleite,der ganze Aufschwung nur auf Pump.

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