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Trendwende bei spekulativen Assetklassen Was aus Bitcoin und Meme Stocks unter der Fuchtel der Fed wurde

Bitcoin und Meme Stocks sind in diesem Jahr kräftig gefallen. US-Zinsen sind dagegen stark gestiegen, und die Geldmenge wächst nicht mehr. Ein Blick auf die Gemengelage.

Krypto-Trading

Wo jahrelang ein Umfeld er Null- und Negativzinsen herrschte, waren Zinsanlagen für Investoren uninteressant. Nicht nur „normale“ Aktien, sondern vor allem die hochspekulativen Kategorien wie Meme Stocks und Kryptowährungen waren gefragt auf der Jagd nach Rendite. Aber die Charts lügen nun mal nicht. Seitdem die Federal Reserve (Fed) die große Zinswende eingeläutet hat, ist die Party vorbei. Dazu schauen wir auf Gamestop, AMC und Bitcoin.

Im Chart sehen wir seit Jahresanfang, wie die Meme Stocks deutlich gefallen sind. Die beiden prominentesten „Vertreter“ Gamestop und AMC verloren 31 und 60 Prozent an Wert. Bitcoin als prominentester „Vertreter“ der Kryptowährungen verlor seitdem 59 Prozent. Im Vergleich dazu sehen wir als gelbe ansteigende Linie den Leitzins der Fed. Er stieg seit Januar von 0,25 Prozent bis jetzt auf 3,25 Prozent, und aller Voraussicht nach wird er weiter ansteigen.

Interessant ist beim genaueren Betrachten des Charts: Vor allem die letzte Zinsanhebung der Fed über 75 Basispunkte, die auch schon Tage vorher erwartet wurde, hat Bitcoin, Gamestop und AMC ab Mitte August nochmal einen längeren Abwärtsschub verpasst. Natürlich haben auch andere Ereignisse mit eine Rolle gespielt. Aber über allem schwebt die große Zinswende der Fed, die für eine Re-Allokation von großen Mengen an Geld gesorgt hat. Nach jahrelangen großen Zockereien litten die hochspekulativen Assets unter der Wende der Geldpolitik am Stärksten.

Entwicklung von Meme Stocks und Bitcoin im Vergleich zum Fed-Leitzins

„Das Abschalten des Fed-Gelddruckers lässt Bitcoiners im Regen stehen“

Eines der beliebtesten Krypto-Memes während der Covid-Pandemie handelte davon, wie die Federal Reserve eine endlose Menge an Dollars „druckt“ – „Gelddrucker go brrr“, im Twitter-Jargon – und wie dies den Wert von Bitcoin erhöht, der eine begrenzte Menge an Token aufweist. Jetzt ist der sprichwörtliche Drucker ausgeschaltet, die Fed hat die Zinsen erhöht und der Preis des größten digitalen Tokens ist in diesem Jahr um mehr als 50 % eingebrochen, so dass sich der durchschnittliche Anleger wenig Gedanken darüber macht, ob es eine endliche Menge an Bitcoin gibt – so hat es Bloomberg am Wochenende formuliert.

Der Grund für den Niedergang des „Memes“soll demnach ein steiler Rückgang der Geldmenge M2 sein, die ein Maß für die Geldmenge im US-Finanzsystem ist. „Die Logik wäre, dass bei einem Rückgang der Geldmenge oder M2 weniger Geld im Umlauf ist, das seinen Weg in Risikoanlagen finden könnte. Und Kryptowährungen haben sich im Laufe der letzten 12-18 Monate eindeutig als Risikoanlagen erwiesen“, sagt Art Hogan, Chefmarktstratege bei B. Riley, in einem Interview. „Man würde vermuten, dass dies für einige der risikoreicheren Bereiche des Anlageuniversums ein Nachteil sein würde.

So sollte es aber nicht sein. Bitcoin wurde inmitten der Finanzkrise 2008 als Reaktion auf das zügellose Gelddrucken geschaffen. Der Gedanke war, dass der Bitcoin aufgrund seines begrenzten Angebots – mit einer Obergrenze von 21 Millionen Münzen – seinen Wert viel besser halten würde, wenn Zentralbanken oder Regierungen eine lockere Geld- und Steuerpolitik betreiben. Die Münze würde in einem solchen Umfeld nicht abgewertet werden, so die Befürworter.

Aufgrund des begrenzten Angebots haben sich um den Bitcoin eine Reihe von Behauptungen gebildet, unter anderem, dass er ein Inflationsschutz und ein sicheres Wertaufbewahrungsmittel sei. Doch 2022 hat das Gegenteil bewiesen, so Hogan. „Das ist das eigentliche Problem“, sagte er. „Wenn man einen Teil der Geldmenge, die angeblich in risikoreichere Anlagen fließen könnte, entfernt, dann verlieren sie natürlich alle etwas an Unterstützung.

Gold und Kryptowährungen „abhängig von Entwicklung der Liquidität der Zentralbanken“

Lauren Goodwin, Ökonomin und Portfoliostrategin bei New York Life Investments, verweist auf den Goldmarkt als Parallele. Die Anleger hatten Gold auf ähnliche Weise wahrgenommen – als Absicherung für die Zentralbanken. Als die Zentralbanken zur quantitativen Lockerung griffen, schürte dies noch mehr die Besorgnis, dass ein Umfeld geschaffen wurde, in dem eine Inflation viel wahrscheinlicher ist. Und wenn das passiert, ziehen die Banken die Zügel an, und die Goldpreise entwickeln sich entsprechend dieser Dynamik.

„Diese Logik wurde in den letzten fünf oder zehn Jahren im Wesentlichen auf Kryptowährungen angewandt, aber die Realität ist nicht so sehr, dass Kryptowährungen eine Inflationsabsicherung sind, sondern dass sie sich, ähnlich wie Gold, mit der Liquidität der Zentralbanken entwickeln“, sagte sie am Telefon. „Die Umkehrung der überschüssigen Liquidität in der Wirtschaft durch die Fed und andere Zentralbanken hat meiner Meinung nach erheblich zu dem geringeren Appetit auf digitale Währungen beigetragen.“

Ilan Solot, ein Partner bei der Krypto-Investmentfirma Tagus Capital, sagt, dass die Korrelation zwischen M2 und Bitcoin durch mindestens zwei Faktoren erklärt werden kann. Der erste bezieht sich darauf, wo Bitcoin und Kryptowährungen auf dem Risikospektrum liegen. Solot stimmt zu, dass mehr Liquidität im Finanzsystem im Allgemeinen risikoreichere Vermögenswerte begünstigt. „Eine höhere Geldmenge bedeutet mechanisch, dass die Boote steigen, und Bitcoin ist eines dieser Boote“, so Solot.

Der zweite Punkt betrifft jedoch die Inflationserwartungen und die Geldpolitik. Als die Geldmenge im letzten Jahr anstieg, erwarteten die Käufer, dass die Preise bald folgen würden, was einige Krypto-Befürworter dazu veranlasste, den Token mit der Vorstellung zu kaufen, dass er eine Inflationsabsicherung darstellt.

Einige dieser Anleger, so Solot, wetteten darauf, dass die Fed die Zinsen nicht ausreichend anheben würde, um die Inflation zu bekämpfen, und dass sie stattdessen anderen Faktoren wie dem Wirtschaftswachstum den Vorrang geben würde. Dieses Narrativ hat sich nicht bewahrheitet. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell hat die Zinsen in diesem Jahr dreimal hintereinander um 75 Basispunkte angehoben. Er hat signalisiert, dass noch mehr kommen wird.

Ein Rückgang der Geldmenge machte dann einen Vermögenswert wie Bitcoin für Investoren weniger attraktiv – selbst für diejenigen, die ihn als Absicherung gegen Inflation betrachteten. „Sie wollen Ihre Versicherung nicht kaufen, wenn das Haus bereits abgebrannt ist“, sagt Solot.

FMW: Man schaue dazu mal auf den folgenden Chart, der bis 2017 zurückreicht. Die US-Geldmenge M2 (blaue Linie) ist jahrelang kräftig angestiegen im Zuge der expansiven Geldpolitik der Fed – und entsprechend konnte der Bitcoin (orange Linie) kräftig mit ansteigen? Seit Anfang des Jahres wurde das Geldmengenwachstum beendet, und sie schrumpft nun – wenn auch nur minimal. Glaubt man den von Bloomberg zitierten Experten, dann reichte quasi schon das Beenden der ständigen Geldmengenexpansion, um den Krypto-Traum zum Absturz zu bringen.

Geldmenge M2 gegen Bitcoin

FMW/Bloomberg/Chart: TradingView



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1 Kommentar

  1. Ähnliche Kurve beim Gold. Das edle, Tausende von Jahren alte Metall, total abhängig von einer banalen, hundsgemeinen Fed. Schon traurig.

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