Anleihen

Kampf gegen die Inflation Verwerfungen an den Anleihemärkten – QT-Pläne der Fed in Gefahr?

Verwerfungen an den Anleihemärkten - QT-Pläne der Fed in Gefahr?

Im Kampf gegen die Inflation setzt die Fed nicht nur auf Zinserhöhungen, sondern treibt auch die Bilanzreduzierung voran. Die Anleihemärkte reagieren jedoch verschnupft auf die aggressiven Maßnehmen der US-Notenbank. Das Beispiel Großbritannien hat jüngst gezeigt, wie fragil die Anleihemärke sind. Um den ausufernden Anstieg der Renditen zu bremsen und die Finanzstabilität zu gewährleisten, muss die Bank of England wieder Anleihen kaufen. Da fast alle westlichen Notenbanken zuletzt die Zügel angezogen haben und auf Anleihekäufe verzichten, herrscht ein Liquiditätsproblem am Anleihemarkt.

Am 1. Juni hat die US-Notenbank die nächste Phase ihrer Zinswende begonnen, nämlich ihre auf knapp 9 Billionen Dollar aufgeblasene Bilanz zu verringern. Indem sie fällige Staatsanleihen in ihrem Portfolio auslaufen lässt und auf den Kauf weiterer Anleihen vezichtet, soll die Bilanzreduzierung vorangetrieben werden. Große Sprünge sind ihr zwar noch nicht gelungen, eine Schrumpfung der Bilanz ist aber deutlich zu erkennen. Im April erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt bei 8.965.487 Billion Dollar, mittlerweile ist die Summe auf 8.759.053 Billion Dollar geschrumpft (Stand 4. Oktober). Die Bilanzreduzierung hat zuletzt an Fahrt aufgenommen, doch wie lange sie noch andauern könnte, hängt davon ab, ob die globalen Anleihemärkte weiterhin ohne Zwischenfälle funktionieren können.

Könnten die Turbulenzen an den globalen Anleihemärkten zunehmen?

Laut Bloomberg sind die Strategen von Goldman Sachs der Meinung, dass jeder Volatilitätsschock zu einer weiteren Verschlechterung der Marktliquidität führen wird, was die globalen Zentralbanken wahrscheinlich nicht tolerieren werden. Die Liquiditätsversorgung an den Anleihemärkten sei schlecht, so die Strategen, und die Markttiefe an einigen Stellen so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr.

An den Anleihemärkten zeigen sich bereits erste Anzeichen massiver Verwerfungen, da der Handel mit US-Staatsanleihen einige der stärksten Schwankungen seit den Anfängen der Pandemie erlebt hat. Die jüngsten Turbulenzen im Vereinigten Königreich zwangen die Bank of England, Anleihen zu kaufen und andere Maßnahmen zu ergreifen, um das Funktionieren des Marktes zu gewährleisten. Dies hat Befürchtungen geweckt, dass die Fed den fast 24 Billionen Dollar schweren Markt für Staatsanleihen eventuell stützen muss.

„Sowohl die groß angelegten Käufe der Fed im März/April 2020 als auch die jüngste Intervention der BoE dienten in erster Linie der Wiederherstellung des ordnungsgemäßen Funktionierens und verdeutlichen das Potenzial von Mikrostrukturproblemen, die die QT-Pläne (Quantitive Tightening) einer Notenbank durchkreuzen können“, schreiben die Strategen von Goldman Sachs unter der Leitung von Praveen Korapaty. „Kurzfristig erwarten wir keine Probleme mit dem aktuellen QT-Plan der Fed, allerdings nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Zwischenfalls zu, je tiefer die Fed in den QT-Prozess einsteigt.“

Wer ersetzt die Fed als Käufer von Anleihen?

Da die US-Notenbank nun als großer Käufer von Staatsanleihen an den Anleihemärkten wegfällt, ist unklar, wer die Fed als Käufer der letzten Instanz ersetzen wird. Laut Bloomberg haben ausländische Währungshüter in der Woche, die am 5. Oktober endete, 29 Mrd. USD an staatlichen Schuldtiteln abgestoßen, womit sich der vierwöchige Rückgang der Bestände auf 81 Mrd. USD beläuft, wie aus den Daten der Federal Reserve hervorgeht. Dies ist der stärkste Abfluss seit März 2020. Gleichzeitig verkleinern die großen Geschäftsbanken in den USA bereits ihre Wertpapierbestände, während sie im vergangenen Jahr noch als Käufer aufgetreten waren.

Die geldpolitischen Entscheidungsträger sind der Ansicht, dass die Anleihemärkte effektiv funktionieren, und verweisen dabei auf die zahlreichen Instrumente der Fed, die in Zeiten finanzieller Anspannungen als Liquiditätsreserve dienen könnten, wie beispielsweise die Liquiditäts-Swap-Lines und die Rückkaufsvereinbarungen (Repo). Die Strategen von Goldman haben jedoch festgestellt, dass die Repo-Geschäfte der Fed zwar alternative Mittel zur Finanzintermeditation und Liquiditätsbeschaffung bieten, aber „kein optimaler Ersatz für Risikotransferkapazitäten sind“.

FMW/Bloomberg

Sorgt die Bilanzreduzierung der Fed für Verwerfungen?
An eagle sculpture stands on the facade of the Marriner S. Eccles Federal Reserve building in Washington, D.C., U.S. Photographer: Andrew Harrer/Bloomberg


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2 Kommentare

  1. Verwerfungen, Turbulenzen, verschnupfte Bondmärkte, … Im Ergebnis geht es doch um die Überschuldung der Staaten, „Gelddrucken“ und Geldentwertung. Entweder man läßt Staaten insolvent werden und mit ihnen einige ihrer Gläubiger oder man läßt die Inflation laufen, „rettet“ die Staaten und enteignet die Staatsgläubiger dadurch langsam.

    1. Es gibt noch eine weitere Möglichkeit. Der Staat macht sich schlanker und fängt zu sparen an. In Talkshows wird diese Möglichkeit meist mit unnatürlicher Heiterkeit aufgenommen. Die da sitzen würde es dann auch treffen.

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