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Blase, Expansion,Crash, Kontraktion – was bei Rohstofffirmen passiert

Von Markus Fugmann

Die Märkte sind derzeit nervös – und das liegt vor allem an den Rohstoffpreisen und dem damit verbundenen Schicksal von großen Rohstoffkonzernen. Aktuell geht es vor allem um Anglo American, den in London an der Börse notierten Konzern, dessen Aktienkurs heute auf ein Allzeittief gefallen ist und alleine in diesem Jahr 77% verloren hat:

Anglo American

Dabei ist Anglo American das Muster dafür, was sich an den Finanzmärkten immer wieder aufs Neue wiederholt: es bildet sich eine Blase aufgrund überzogener Zukunftserwartungen, daraufhin wird stark expandiert, es kommt zum Crash der überzogenen Erwartungen, weil die Realität nicht mehr mitspielt – und daraufhin kommt es zu einer massiven Schrumpfung. Und genau so läuft es derzeit bei Anglo American.

Noch in den frühen 1990er-Jahren war Anglo American ein Konglomerat, das so ziemlich alles umfaßte: Brauereien, Verlage, Gold-Minen. Ein typischer Mischkonzern, dessen Sinn irgendwann fragwürdig wurde. Also fokussierte man sich auf den Rohstoff-Bereich und stieß dazu nicht passende Unternehmensbereiche ab. Die Zukunft der Rohstoffe, das schien damals klar, wird großartig sein, weil die Welt wächst, und die wachsende Welt braucht mehr und mehr Rohstoffe.

Aber es kommt dann häufig anders, als der Mainstream meint. Nun spitzt sich mit dem Verfall der Rohstoffpreise eine Krise zu, die sich schon lange angedeutet hat – und Anglo American reagiert. So kündigte gestern der CEO der Firma, Mark Cutifani, an, große Teile des Unternehmens abzustoßen, darunter auch das größte Desaster der Firma, die brasilianische Eisenerzmine Minas Rio in Brasilien – ein 14-Milliarden-Dollar-Flopp. Die Preise für Eisenerz sind bekanntlich im freien Fall, unter der 40 Dollar-Marke. Nun sollen alle Minen, die sich rechnen, verkauft oder einfach stillgelegt werden, so Mark Cutifani. Und es wird Massenentlassungen geben: derzeit arbeiten 135.000 Menschen für Anglo American, es dürften absehbar nur noch 50.000 sein. Sprich ca. 85.000 Menschen könnten entlassen werden. Von derzeit 55 Firmenteilen dürften am Ende wohl nur noch 25 pbrig bleiben, so Cutifani weiter. Ein radikaler Abbau also, eine massive Schrumpfung, die totale Kontraktion.

Keine Dividende mehr, knapp drei Milliarden Dollar Verlust nur in diesem Jahr – so klingt derzeit die traurige Realität bei Anglo American. Es ist, losgelöst von Anglo American, das ewig selbe Muster an den Märkten, wie wir es vor dem Platzen der New Economy bei Tech-Firmen oder vor der Finanzkrise bei Banken und Immobilien gesehen haben. Immer wieder und wieder wiederholt sich dieses Muster. Der Mensch, das zeigt Anglo American nun einmal mehr, ist nur sehr begrenzt lernfähig. Und an den Finanzmärkten, so könnte man ergänzen, noch begrenzter!



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