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China blockiert Qualcomm – wofür man jetzt 20 Milliarden Dollar ausgibt

Ende 2016 gab der US-Gigant Qualcomm gekannt den niederländischen Chiphersteller NXP (ehemaliger Teil von Philips) für 44 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Bis gestern stand dieses Angebot. Da aber auch Geschäfte in China gemacht werden, musste Peking diesem Kauf zustimmen, wie es international bei solch großen Übernahmen üblich ist. Doch die Zustimmung Pekings blieb aus. Das ist ein klares Zeichen im Handelskrieg zwischen China und USA. Schaut her ihr Amerikaner, wir haben auch Druckmittel gegen euch, so die Botschaft hinter der nicht erteilten Genehmigung.

Tja, und was jetzt? Qualcomm hat heute Nacht die Übernahme daraufhin abgesagt. Was macht man jetzt mit dem Geld? Investiert man massiv in das hauseigene Wachstum, in neue Produkte? Sucht man sich andere Übernahmekandidaten, wo China nicht zustimmen muss? Nein, die Vorstände bei Qualcomm entscheiden sich dazu einen guten Teil der Summe zu verpulvern, ohne dass das Unternehmen davon strukturell etwas hat. Zitat Qualcomm von heute Nacht:

“We intend to terminate our purchase agreement to acquire NXP when the agreement expires at the end of the day today, pending any new material developments. In addition, as previously indicated, upon termination of the agreement, we intend to pursue a stock repurchase program of up to $30 billion to deliver significant value to our stockholders.”

Im Mai hatte Qualcomm bereits angekündigt für 10 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen zu wollen. Dieses Volumen erhöht man jetzt um weitere 20 auf insgesamt 30 Milliarden Dollar. Man wolle den Rückkauf eigener Aktien nun zügig umsetzen, um den Aktionären einen signifikanten Wert zukommen zu lassen. Damit ist gemeint, dass der Angebotsseite an der Börse dauerhaft und in großem Umfang Aktien entzogen werden. Damit sollte der Kurs tendenziell steigen. Gleichzeitig wird jede verbliebene Aktie werthaltiger, weil der Gewinn durch weniger frei verfügbare Aktien geteilt werden muss. So kann man also Aktienkurs und Dividende hochziehen.

Aber strukturell für das Tagesgeschäft des Unternehmens bringt das nichts. Das Geld fehlt für Investitionen, Käufe etc. Gestern wurden auch die Quartalszahlen von Qualcomm verkündet. Aber vor allem wegen dieser Ankündigung von einem gigantischen Berg an Aktienrückkäufen stieg die Aktie gestern Abend nachbörslich um 6,4%. Qualcomm gibt also gut die Hälfte des nicht ausgegebenen Geldes des NXP-Deals (20 von 44 Milliarden Dollar) für den Rückkauf eigener Aktien aus. Die Aktionäre freuen sich kurzzeitig, und das Geld ist der Firma entzogen. So absurd und kurzfristig denkend arbeiten einige große Konzerne…

Die Qualcomm-Zentrale in San Diego
Die Qualcomm-Zentrale in San Diego. Foto: Coolcaesar (CC BY-SA 4.0)



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