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Widersprüchliche Wirtschaftspolitik China lockert Geldpolitik – gleichzeitig immer mehr Millionenstädte im Lockdown

Seltsamer Spagat zwischen Corona und Wirtschaft

Die Führung in Peking lockert die Geldpolitik, um die Kreditvergabe der Banken zu stimulieren und so die Abschwächung der Wirtschaft zu bremsen – gleichzeitig sind immer mehr wichtige Städte in China von einem Lockdown betroffen, der die Wirtschaft weiter schwächt. Wie paßt das zusammen?

China und seine widersprüchliche Wirtschafts-Politik

Lediglich 1600 Neuinfektionen mit Corona bei einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden Einwohnern in China – und dennoch sind nun Städte wie Wuhan oder auch die jeweils ca. 20 Millionen Einwohner zählende Städte wie Chengdu und Shenzhen wieder im Lockdown. Insgesamt sind derzeit Regionen in einer Art Lockdown, die laut Goldman Sachs 35% des BIPs in China erwirtschaften.  Hinzu kommen in China Stromabschaltungen, da das Land aufgrund der Hitze erhöhten Strombedarf hat und gleichzeitig die derzeitige Dürre zu einer geringeren Stromproduktion führt.

Es sieht also nicht gut aus für die Wirtschaft im Reich der Mitte. Einerseits versuchen die Machthaber in Peking die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen und schicken dabei Millionen Menschen in den Lockdown – andererseits will man die durch Lockdowns geschwächte Wirtschaft dann wieder stimulieren. Diese Politik scheint widersprüchlich, zumal das eher schlechte Gesundheitssystem Chinas derzeit durch Corona nicht wirklich stark belastet ist. Nun hat die Zentralbank des Landes, die People´s Bank of China, die Anforderungen für Banken bei der Kredittvergabe gesenkt, um den schwächelnden Yuan zu stützen und die Kreditvergabe zu erleichtern, wie Bloomberg berichtet.

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China hat zum zweiten Mal in diesem Jahr die Höhe der Deviseneinlagen, die Banken als Reserven halten müssen, gesenkt, um den Yuan zu stärken, nachdem die Währung ein neues Zweijahrestief erreicht hatte.

Finanzinstitute müssen ab dem 15. September 6 % ihrer Fremdwährungseinlagen als Reserven halten, teilte die People’s Bank of China am Montag in einer Erklärung mit – 2% weniger als die derzeitigen 8 %. Es wird erwartet, dass dieser Schritt das Angebot an Fremdwährungen erhöht und damit den Kauf des Yuan für Händler attraktiver macht.

Der Yuan war zuletzt immer weiter abgerutscht, da Sorgenüber eine straffere Geldpolitik in den USA und eine sich verschärfende Energiekrise in Europa den Dollar gestärkt hatte. Obwohl die Reihe der stärker als erwartet ausgefallenen PBOC-Fixings die Talfahrt des Yuan verlangsamt hat, rechnen Banken wie Goldman Sachs immer noch mit einem Rückgang auf 7 pro Dollar, da die Wirtschaft durch die Sorgen über die Schließung von Covid-Großstädten und einen schleppenden Immobiliensektor belastet wird.

„Chinas Notenbank People´s Bank of China (PBOC) hat ein starkes Signal zur Verteidigung des Yuan-Wechselkurses gesendet“, sagte Zhiwei Zhang, Chefökonom bei Pinpoint Asset Management Ltd. „Diese Maßnahme zeigt, dass die PBOC nicht bereit ist, eine starke Abwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar zu tolerieren“, sagte er.

China Yuan Geldpolitik Lockdown

Chinas Notenbank greift ein, nachdem der Yuan weiter auf ein Zweijahrestief gefallen ist

Kurz vor der Senkung der Deviseneinlagenquote erklärte der stellvertretende Gouverneur der PBOC, Liu Guoqiang, gegenüber Reportern in Peking, dass China in der Lage sei, den Yuan auf einem stabilen Niveau zu halten, und fügte hinzu, dass es „kurzfristig die Norm“ sei, dass sich die chinesische Währung in zwei Richtungen bewege.

Der Yuan verringerte seine Verluste nach diesem Schritt, blieb aber im Tagesverlauf niedriger. Der Onshore-Yuan fiel um 0,4 % auf 6,9311 je Dollar, während die Offshore-Einheit um 17:54 Uhr in Shanghai um 0,4 % auf 6,9400 fiel, nachdem sie auf den niedrigsten Stand seit 2020 gefallen war.

„Die Senkung zeigt den Willen der PBOC, die Abwertung des Yuan zu verlangsamen, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie den Kurs umkehrt“, sagte Ken Cheung, Devisenstratege bei der Mizuho Bank Ltd. Die Maßnahme wurde teilweise nach einer Reihe von stärkeren Yuan-Fixierungen erwartet, und die Auswirkungen sollten sich als mild erweisen“, fügte er hinzu.

Die PBOC senkte den Reservesatz für Deviseneinlagen zuletzt im April, als der Yuan als Reaktion auf eine stadtweite Abriegelung in Shanghai um mehr als 4 % fiel. Der Onshore-Yuan fiel im vergangenen Monat um 2,2 % und ist auf dem besten Weg, den siebten Monat in Folge zu verlieren.

Chinas Finanzinstitute hielten im Juli Fremdwährungseinlagen in Höhe von 953,6 Mrd. $, ein Rückgang gegenüber dem Rekordwert von 1,1 Billionen $ im Februar. Der Vorrat diente als Puffer für den Yuan in Zeiten des Gegenwinds. Dem CFETS-RMB-Index zufolge befindet sich die chinesische Währung handelsgewichtet immer noch auf dem Niveau vom Dezember.

Die Entscheidung der PBOC, die Devisenreserven der Banken zu kürzen, wird wahrscheinlich 20 Milliarden Dollar an Fremdwährungen auf den Markt bringen, keine große Zahl, sagt Zhaopeng Xing, ein leitender Stratege der Australia & New Zealand Banking Group. Der Spielraum für eine weitere Senkung wird gering sein, fügte er hinzu.

FMW/Bloomberg

Die People’s Bank of China (PBOC) in Peking. Foto: Andrea Verdelli/Bloomberg


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2 Kommentare

  1. Wegen des Corona-Hoax wird da gar nichts gelockdownd. Wurde auch nie. Hier geht es darum insbesondere den jüngeren Jahrgängen (so bis 35) die Flausen wieder auszutreiben die sich bei diesen mit der Liberalisierung des Landes festgesetzt haben (wer häufiger mit Chinesen unterschiedlichen Alters zu tun hat, kommt nicht umhin zu bemerken das da ein extrem krasser Generationenkonflikt rollt, dagegen war „68“ nix). Da muss der maoistische Geist wieder reingeprügelt werden.

    Dummerweise kollabiert dabei die Wirtschaft und damit auch die Großmachtambitionen der chinesischen Führung. Aber diesen Zusammenhang haben die Maoisten, wie alle von der linken Front, eh nie kapiert.

    Also entweder kriegt die Regierung den Geist zurück in die Flasche, dann ist China in absehbarer Zeit wieder da wo es in den 70ern gestartet ist, oder das gelingt nicht, dann kann sich die jetzige Führung auf Dauer nicht halten.

    Halt ein perfekter Dead Lock, wie der Informatiker sagt. Es bleibt spannend.

    1. *selbst-Denker* – der Nic spricht mir aus der Seele.

      Nun, was bedeutet dieser „dead lock“ für uns?
      Wenn ich bedenke, dass die VWs und BMWs usw. ca. 50 % ihres Umsatzes in China machen, dann wird es für uns auch spannend – oder?

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