Anleihen

China: schlimmer als in den USA kurz vor Ausbruch der Subprime-Katastrophe

Von Markus Fugmann

In China bahnt sich eine Katastrophe an: die Schulden-Bombe wird immer größer und explosiver! Stand Dezember 2015 liegt das Volumen problematischer Kredite mit 4,2 Billionen Yuan (645 Milliarden US-Dollar) höher als auf dem Hochpunkt des Subprime-Wahns in den USA (dort im Jahr 2006: 600 Milliarden Dollar). Das aber ist nur die Spitze des Eisbergs, weil genaue Zahlen über Schattenbanken nicht existieren – dort dürften ca. 20% aller Kredite problematisch sein nach Schätzungen. Und dazu kommt noch die im Westen kaum bekannte Blase am Markt für Chinas Unternehmensanleihen: dort lag das Gesamtvolumen der aufgenommenen Kredite zum Ende des 3.Quartals 2015 bei 6,7 Billionen (!) Dollar, das Volumen hatte sich in nur einem Quartal fast verdoppelt (siehe dazu „China: wo die wirklich gefährliche Blase ist!“). Nun hat sich dieses Wachstum deutlich verlangsamt. Der Grund ist einfach: es gibt mehr Schulden als potentielle Käufer dieser Schulden. Und genau deshalb steigen die Risikoprämien für chinesische Unternehmensanleihen markant an.

Nach offiziellen chinesischen Angaben liegt das Volumen fauler Kredite bei offiziellen, staatlichen Banken Chinas bei 1,27 Billionen Yuan – das ist eine Quote von 1,67% aller von diesen Banken vergebenen Kredite. Nicht viel, möchte man meinen. Aber die Steigerungsraten sind immens: so stieg die Quote fauler Kredite im Vergleich zum Vorjahr um 51%. Die sogenannte „bad-loan coverage ratio“, ein Maßstab für die Fähigkeit der Banken, Verluste aufzufangen, fiel von 200% vor einem Jahr auf nun 181%.

Und da staatliche Banken in China meist nur Kredite an staatliche Unternehmen vergeben, kann man sich vorstellen, was im Privatsektor los ist, der auf Kredite von Schattenbanken angewiesen ist! Denn die Kredite sind bei diesen Schattenbanken deutlich teurer, durch die viel höheren Zinsen steigt die Ausfallquote dieser Kredite erheblich.

Und wie reagiert Peking darauf? Indem man Standards der Kreditvergabe, die bereits eingeführt waren, aufweicht oder ganz abschafft! So hat Peking die Mindestreserven, die staatliche Banken für Kredite vorhalten müssen, gesenkt (auf derzeit 150% der verliehenen Summe). Und daher sind die extremen Zahlen der Januar-Kreditvergabe, die mit 3,4 Billionen Yuan deutlich über der Erwartung von 2,2 Billionenen Yuan lagen, nicht verwunderlich.

Die Machthaber haben den Banken im Reich der Mitte klar signalisiert: vergebt mehr Kredite – und schaut weniger genau hin, wie gut die Bonität der Gläubiger ist! Dazu kommt: die Regularien erlauben es den staatlichen Banken, einen erheblichen Teil der faulen Kredite bilanziell zu verstecken, weil Peking kein Interesse daran hat, dass die offizielle Quote fauler Kredite zu hoch und damit zu häßlich ist. Das Zauberwort lautet hier „special-mention loans“, eine neue Kategorie, die Banken einrichten durften, um die Quote der „nonperforming loans“ nicht zu stark steigen zu lassen.

Aber wie gesagt: der Bereich der staatlichen Banken ist nur die Spitze des Eisbergs! China aber hat sich entschlossen, das Spiel auf die Spitze zu treiben – nur so erhofft man sich, die Wirtschaft irgendwie wieder ankurbeln zu können. Nach offiziellen Zahlen stieg die Neuverschuldung im Reich der Mitte zum Vorjahr um 15% – und damit mehr als doppelt so viel wie das offizielle, wenig glaubwürdige BIP-Wachstum von 6,9%.

Dass diese Bombe platzen wird, platzen muß, steht ausser Frage. Denn auch ein autoritäres Regime kann nicht verhindern, dass elementare Prinzipien greifen. Irgendwann nämlich wollen die chinesischen Kreditgeber ihre verliehenen Gelder wieder haben – und wenn sie sie nicht mehr bekommen, weil die Gläubiger nicht zahlen können, dann fällt das Kartenhaus endgültig in sich zusammen. Die Folge wird ein Tsunami sein, der auch uns hinwegspülen kann – obwohl die Schulden Chinas überwiegend von Chinesen gehalten werden!



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6 Kommentare

  1. Wer sind eigentlich diese „Schattenbanken“? Privatpersonen? Welche Konsequenzen entstehen, wenn eine Schattenbank pleitegeht?

    Da es wohl kaum derart enge Verzahnungen zwischen Schattenbanken und anderen Akteuren gibt wie wir es in den USA und der EU von den „normalen“ Banken her kennen, sind wohl auch die Folgewirkungen überschaubar. Dennoch bleibt (wie im Text angesprochen) das Problem der chinesischen Staatsbanken.

    1. Der größte Teil dieser Schattenbanken sind Versicherungsunternehmen und Investment-Gesellschaften, die sich im Besitz von Banken befinden. Auch in Deutschland haben nahezu alle Banken eigene Investmentgesellschaften, deren Produkte sie den Kunden verkaufen. In China befinden sich die größten Schattenbanken also in Staatsbesitz und es sind eben auch gerade diese Investmentgesellschaften der großen chinesischen Banken, die fleißig riskante Kredite vergeben, also die, die sie selbst nicht in ihren Bilanzen wollen, das entscheidende, ist aber, dass sie damit auch höhere Zinsen verlangen dürfen, da der Zinssatz zu dem Banken Kredite vergeben dürfen sehr niedrig ist (ein Risikoausgleich für riskante Kredite ist damit eben nicht möglich, und damit ist diese Vorgehensweise auch prinzipiell sinnvoll). Es gibt darüber hinaus auch noch sehr viele kleinere und Mini-Schattenbanken, es gibt zum Beispiel auch lokale Dorfschattenbanken, die Kredite für einen neuen Traktor vergeben und so. Private Investmentgesellschaften, die Milliarden einsammeln gibt es natürlich auch noch, aber der Großteil (nach verwaltetem Geld) der Schattenbanken dürfte sich in Staatsbesitz befinden. Per Definition ist eine Schattenbank ein Unternehmen, das bankenähnliche Geschäfte betreibt, ohne eine Banklizenz zu besitzen. Da die Kunden dieser Staatsschattenbanken die Auffassung haben, dass diese Banken für diese Produkte haften hat der Staat in der Vergangen heit die Banken gezwungen für diese Verluste zu haften und die Anleger auszuzahlen. Hierdurch könnte es in Falle größerer Pleiten zu größeren und gewalttätigen Massendemonstrationen kommen. Hierzu braucht es auch keine Organisatoren, da dies bereits Tradition hat. Damit wäre über einen Längeren Zeitraum mit massiven Einschränkungen durch Proteste zu rechnen, es sei denn, dass die Regierung entweder sämtliche Verluste verstaatlicht, was zu einer erheblichen Rezession führen würde und damit zu neuen Protesten, oder die Regierung setzt das Militär gegen Die Demonstranten ein. (Der chinesische Staat ist schon jetzt durchaus erheblich verschuldet; nur da in China nur die Schulden der Zentralregierung in die Schuldenquote eingerechnet werden, und die Schulden der Lokalregierungen und der Bundesministerien nicht berücksichtigt werden, ist die prozentuale Staatsverschuldung scheinbar niedriger als in Deutschland)
      Diese Schwierigkeiten würden uns auch direkt betreffen, da eine entsprechende Kettenreaktion in China zu vielen Insolvenzen führen würde.
      1) Da es in der Industrie üblich ist, dass Lieferungen erst nach Monaten bezahlt werden würden besonders Firmen die viel nach China exportieren leiden.
      2)Besonders Firmen, die Maschinen für die Produktion produzieren könnten Schwierigkeiten bekommen, da Firmen in China in einer derartigen Situation vermutlich kaum in eine Erweiterung der Produktionsanlagen investieren werden (sie haben ja kein Geld dafür)
      3) Es ist durchaus nicht selten, das Maschinen von deutschen Herstellern geleast werden und dies läuft dann üblicherweise über westliche Banken. Die Sicherheiten zurückzuholen dürfte oft unmöglich sein u.a. auch weil es streng verboten ist in China einen Privatdetektiv auf Chinesen oder chinesische Firmen anzusetzen, auch wenn diese Person einem Geld schuldet und sich abgesetzt hat (Datenschutz, bzw. Spionage).
      4) Viele chinesische Firmen haben sich Geld bei westlichen Banken geliehen, zum Teil auch über Umwege, wie z.B. über Tochtergesellschaften im Ausland, die das Geld dann an den Mutterkonzern verliehen haben.
      5)Durch Insolvenzen in China könnten auch Lieferketten unterbrochen werden, was verheerend sein könnte, wir können nur hoffen, dass es hierdurch nicht zu größeren Problemen kommt.
      6) Insbesondere Überdrittländer könnte das westliche Finanzsystem durchaus in Mitleidenschaft gezogen werden. Sollte die chinesische Bauwirtschaft einbrechen würden Länder, die Eisenerz, Kupfer oder Kohle exportieren darunter leiden, dazu gehört auch Australien, das sehr eng in das westliche Finanzsystem eingebunden ist. Auch Länder die wie Japan und Südkorea wirtschaftlich sehr eng mit China verflochten sind könnten sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, insbesondere wenn man sich die extreme Staatsverschuldung Japans ansieht.

      Übrigens haben auch vor der Finanzkrise viele Experten behauptet, dass diese Verluste keine Auswirkung auf die realwirtschaft haben würden (Das diese Blase existierte und dass sie groß war, war unter Volkswirten allgemein bekannt und es wurde fleißig gewarnt; erst hinterher wurde dauernd behauptet, dass es nur ein paar Außenseiter bemerkt hätten und dass diese es lieber geheim gehalten hätten um davon zu profitieren; es war nur nicht bekannt wann genau die Blase platzen würde). Die Finanzkriese wurde ja auch nicht wegen der Verluste zum Problem, sondern weil niemand dem anderen mehr getraut hat. Wir können nur hoffen, dass Die Banken den Schockwellen stand halten, da die Eigenkapitalvorschriften deutlich verschärft wurden könnte eine Krise in China durchaus glimpflich ausgehen (einige Firmen die viel nach China exportieren müssten aber dennoch Leute entlassen und die Wirtschaftslage würde sich vorübergehend auch deutlich verschlechtern).
      Die größte Gefahr bestünde also in indirekten Effekten (z.B. Japan), außerdem würde der Verlauf einer Krise in China vor allem von den Entscheidungen der chinesischen Regierung abhängen.

      1. @Otto, erstklassiger Beitrag, haben Sie vielen Dank dafür!

        Viele Grüsse!

      2. @Otto: Möchte mich auch bedanken! Vielen Dank für die Erläuterungen.

      3. Danke für diesen umfangreichen Bericht.
        Ihre Erläuterungen habe ich sogleich ausgedruckt.
        Chapeau !

  2. Auch die POC wird wohl ihre Staatsbank hinreichend munitionieren um einen Gläubigersturm abzufangen oder ihm vorzubeugen. Japan zeigt wie lange das funktionieren kann – wenn auch mit stetig zunehmenden Wohlstands- und Wachstumsverlusten.

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