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Anleihen

China: schlimmer als in den USA kurz vor Ausbruch der Subprime-Katastrophe

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

In China bahnt sich eine Katastrophe an: die Schulden-Bombe wird immer größer und explosiver! Stand Dezember 2015 liegt das Volumen problematischer Kredite mit 4,2 Billionen Yuan (645 Milliarden US-Dollar) höher als auf dem Hochpunkt des Subprime-Wahns in den USA (dort im Jahr 2006: 600 Milliarden Dollar). Das aber ist nur die Spitze des Eisbergs, weil genaue Zahlen über Schattenbanken nicht existieren – dort dürften ca. 20% aller Kredite problematisch sein nach Schätzungen. Und dazu kommt noch die im Westen kaum bekannte Blase am Markt für Chinas Unternehmensanleihen: dort lag das Gesamtvolumen der aufgenommenen Kredite zum Ende des 3.Quartals 2015 bei 6,7 Billionen (!) Dollar, das Volumen hatte sich in nur einem Quartal fast verdoppelt (siehe dazu „China: wo die wirklich gefährliche Blase ist!“). Nun hat sich dieses Wachstum deutlich verlangsamt. Der Grund ist einfach: es gibt mehr Schulden als potentielle Käufer dieser Schulden. Und genau deshalb steigen die Risikoprämien für chinesische Unternehmensanleihen markant an.

Nach offiziellen chinesischen Angaben liegt das Volumen fauler Kredite bei offiziellen, staatlichen Banken Chinas bei 1,27 Billionen Yuan – das ist eine Quote von 1,67% aller von diesen Banken vergebenen Kredite. Nicht viel, möchte man meinen. Aber die Steigerungsraten sind immens: so stieg die Quote fauler Kredite im Vergleich zum Vorjahr um 51%. Die sogenannte „bad-loan coverage ratio“, ein Maßstab für die Fähigkeit der Banken, Verluste aufzufangen, fiel von 200% vor einem Jahr auf nun 181%.

Und da staatliche Banken in China meist nur Kredite an staatliche Unternehmen vergeben, kann man sich vorstellen, was im Privatsektor los ist, der auf Kredite von Schattenbanken angewiesen ist! Denn die Kredite sind bei diesen Schattenbanken deutlich teurer, durch die viel höheren Zinsen steigt die Ausfallquote dieser Kredite erheblich.

Und wie reagiert Peking darauf? Indem man Standards der Kreditvergabe, die bereits eingeführt waren, aufweicht oder ganz abschafft! So hat Peking die Mindestreserven, die staatliche Banken für Kredite vorhalten müssen, gesenkt (auf derzeit 150% der verliehenen Summe). Und daher sind die extremen Zahlen der Januar-Kreditvergabe, die mit 3,4 Billionen Yuan deutlich über der Erwartung von 2,2 Billionenen Yuan lagen, nicht verwunderlich.

Die Machthaber haben den Banken im Reich der Mitte klar signalisiert: vergebt mehr Kredite – und schaut weniger genau hin, wie gut die Bonität der Gläubiger ist! Dazu kommt: die Regularien erlauben es den staatlichen Banken, einen erheblichen Teil der faulen Kredite bilanziell zu verstecken, weil Peking kein Interesse daran hat, dass die offizielle Quote fauler Kredite zu hoch und damit zu häßlich ist. Das Zauberwort lautet hier „special-mention loans“, eine neue Kategorie, die Banken einrichten durften, um die Quote der „nonperforming loans“ nicht zu stark steigen zu lassen.

Aber wie gesagt: der Bereich der staatlichen Banken ist nur die Spitze des Eisbergs! China aber hat sich entschlossen, das Spiel auf die Spitze zu treiben – nur so erhofft man sich, die Wirtschaft irgendwie wieder ankurbeln zu können. Nach offiziellen Zahlen stieg die Neuverschuldung im Reich der Mitte zum Vorjahr um 15% – und damit mehr als doppelt so viel wie das offizielle, wenig glaubwürdige BIP-Wachstum von 6,9%.

Dass diese Bombe platzen wird, platzen muß, steht ausser Frage. Denn auch ein autoritäres Regime kann nicht verhindern, dass elementare Prinzipien greifen. Irgendwann nämlich wollen die chinesischen Kreditgeber ihre verliehenen Gelder wieder haben – und wenn sie sie nicht mehr bekommen, weil die Gläubiger nicht zahlen können, dann fällt das Kartenhaus endgültig in sich zusammen. Die Folge wird ein Tsunami sein, der auch uns hinwegspülen kann – obwohl die Schulden Chinas überwiegend von Chinesen gehalten werden!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jupp

    17. Februar 2016 12:41 at 12:41

    Wer sind eigentlich diese „Schattenbanken“? Privatpersonen? Welche Konsequenzen entstehen, wenn eine Schattenbank pleitegeht?

    Da es wohl kaum derart enge Verzahnungen zwischen Schattenbanken und anderen Akteuren gibt wie wir es in den USA und der EU von den „normalen“ Banken her kennen, sind wohl auch die Folgewirkungen überschaubar. Dennoch bleibt (wie im Text angesprochen) das Problem der chinesischen Staatsbanken.

    • Avatar

      Otto

      17. Februar 2016 17:24 at 17:24

      Der größte Teil dieser Schattenbanken sind Versicherungsunternehmen und Investment-Gesellschaften, die sich im Besitz von Banken befinden. Auch in Deutschland haben nahezu alle Banken eigene Investmentgesellschaften, deren Produkte sie den Kunden verkaufen. In China befinden sich die größten Schattenbanken also in Staatsbesitz und es sind eben auch gerade diese Investmentgesellschaften der großen chinesischen Banken, die fleißig riskante Kredite vergeben, also die, die sie selbst nicht in ihren Bilanzen wollen, das entscheidende, ist aber, dass sie damit auch höhere Zinsen verlangen dürfen, da der Zinssatz zu dem Banken Kredite vergeben dürfen sehr niedrig ist (ein Risikoausgleich für riskante Kredite ist damit eben nicht möglich, und damit ist diese Vorgehensweise auch prinzipiell sinnvoll). Es gibt darüber hinaus auch noch sehr viele kleinere und Mini-Schattenbanken, es gibt zum Beispiel auch lokale Dorfschattenbanken, die Kredite für einen neuen Traktor vergeben und so. Private Investmentgesellschaften, die Milliarden einsammeln gibt es natürlich auch noch, aber der Großteil (nach verwaltetem Geld) der Schattenbanken dürfte sich in Staatsbesitz befinden. Per Definition ist eine Schattenbank ein Unternehmen, das bankenähnliche Geschäfte betreibt, ohne eine Banklizenz zu besitzen. Da die Kunden dieser Staatsschattenbanken die Auffassung haben, dass diese Banken für diese Produkte haften hat der Staat in der Vergangen heit die Banken gezwungen für diese Verluste zu haften und die Anleger auszuzahlen. Hierdurch könnte es in Falle größerer Pleiten zu größeren und gewalttätigen Massendemonstrationen kommen. Hierzu braucht es auch keine Organisatoren, da dies bereits Tradition hat. Damit wäre über einen Längeren Zeitraum mit massiven Einschränkungen durch Proteste zu rechnen, es sei denn, dass die Regierung entweder sämtliche Verluste verstaatlicht, was zu einer erheblichen Rezession führen würde und damit zu neuen Protesten, oder die Regierung setzt das Militär gegen Die Demonstranten ein. (Der chinesische Staat ist schon jetzt durchaus erheblich verschuldet; nur da in China nur die Schulden der Zentralregierung in die Schuldenquote eingerechnet werden, und die Schulden der Lokalregierungen und der Bundesministerien nicht berücksichtigt werden, ist die prozentuale Staatsverschuldung scheinbar niedriger als in Deutschland)
      Diese Schwierigkeiten würden uns auch direkt betreffen, da eine entsprechende Kettenreaktion in China zu vielen Insolvenzen führen würde.
      1) Da es in der Industrie üblich ist, dass Lieferungen erst nach Monaten bezahlt werden würden besonders Firmen die viel nach China exportieren leiden.
      2)Besonders Firmen, die Maschinen für die Produktion produzieren könnten Schwierigkeiten bekommen, da Firmen in China in einer derartigen Situation vermutlich kaum in eine Erweiterung der Produktionsanlagen investieren werden (sie haben ja kein Geld dafür)
      3) Es ist durchaus nicht selten, das Maschinen von deutschen Herstellern geleast werden und dies läuft dann üblicherweise über westliche Banken. Die Sicherheiten zurückzuholen dürfte oft unmöglich sein u.a. auch weil es streng verboten ist in China einen Privatdetektiv auf Chinesen oder chinesische Firmen anzusetzen, auch wenn diese Person einem Geld schuldet und sich abgesetzt hat (Datenschutz, bzw. Spionage).
      4) Viele chinesische Firmen haben sich Geld bei westlichen Banken geliehen, zum Teil auch über Umwege, wie z.B. über Tochtergesellschaften im Ausland, die das Geld dann an den Mutterkonzern verliehen haben.
      5)Durch Insolvenzen in China könnten auch Lieferketten unterbrochen werden, was verheerend sein könnte, wir können nur hoffen, dass es hierdurch nicht zu größeren Problemen kommt.
      6) Insbesondere Überdrittländer könnte das westliche Finanzsystem durchaus in Mitleidenschaft gezogen werden. Sollte die chinesische Bauwirtschaft einbrechen würden Länder, die Eisenerz, Kupfer oder Kohle exportieren darunter leiden, dazu gehört auch Australien, das sehr eng in das westliche Finanzsystem eingebunden ist. Auch Länder die wie Japan und Südkorea wirtschaftlich sehr eng mit China verflochten sind könnten sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, insbesondere wenn man sich die extreme Staatsverschuldung Japans ansieht.

      Übrigens haben auch vor der Finanzkrise viele Experten behauptet, dass diese Verluste keine Auswirkung auf die realwirtschaft haben würden (Das diese Blase existierte und dass sie groß war, war unter Volkswirten allgemein bekannt und es wurde fleißig gewarnt; erst hinterher wurde dauernd behauptet, dass es nur ein paar Außenseiter bemerkt hätten und dass diese es lieber geheim gehalten hätten um davon zu profitieren; es war nur nicht bekannt wann genau die Blase platzen würde). Die Finanzkriese wurde ja auch nicht wegen der Verluste zum Problem, sondern weil niemand dem anderen mehr getraut hat. Wir können nur hoffen, dass Die Banken den Schockwellen stand halten, da die Eigenkapitalvorschriften deutlich verschärft wurden könnte eine Krise in China durchaus glimpflich ausgehen (einige Firmen die viel nach China exportieren müssten aber dennoch Leute entlassen und die Wirtschaftslage würde sich vorübergehend auch deutlich verschlechtern).
      Die größte Gefahr bestünde also in indirekten Effekten (z.B. Japan), außerdem würde der Verlauf einer Krise in China vor allem von den Entscheidungen der chinesischen Regierung abhängen.

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        17. Februar 2016 17:26 at 17:26

        @Otto, erstklassiger Beitrag, haben Sie vielen Dank dafür!

        Viele Grüsse!

      • Avatar

        Jupp

        17. Februar 2016 18:54 at 18:54

        @Otto: Möchte mich auch bedanken! Vielen Dank für die Erläuterungen.

      • Avatar

        R. Blancke

        17. Februar 2016 19:21 at 19:21

        Danke für diesen umfangreichen Bericht.
        Ihre Erläuterungen habe ich sogleich ausgedruckt.
        Chapeau !

  2. Avatar

    Schoeller

    17. Februar 2016 14:14 at 14:14

    Auch die POC wird wohl ihre Staatsbank hinreichend munitionieren um einen Gläubigersturm abzufangen oder ihm vorzubeugen. Japan zeigt wie lange das funktionieren kann – wenn auch mit stetig zunehmenden Wohlstands- und Wachstumsverlusten.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Anleihen

Coronakrise und die Schulden: Kommen ewige Anleihen?

Wolfgang Müller

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Die Coronakrise, ein gutes Jahrzehnt nach der Finanzkrise, hat zu einem weltweiten Anstieg der Verschuldung geführt, wie es sie außerhalb von Kriegszeiten noch nie gegeben hat. Aus den Schulden herauswachsen, mittels Wachstum? Ist noch nie in großem Umfang gelungen. Mittels Inflation und finanzieller Repression? Hat schon einmal für wenige Länder geklappt. Oder die Schulden auf sehr, sehr lange Zeiten umstellen, in Zeiten von Niedrigstzinsen? Ein Vorschlag des legendären Hedgefondsmanagers George Soros, der nicht neu ist, schon praktiziert wird und bereits eine lange Historie aufweist.

Coronakrise und Schulden: Die Ideen des ungarischen Starinvestors

Der Gründer des legendären Quantumfonds George Soros, der auf eine sehr lange Zeit als Investor zurückblicken kann – so hatte er bereits vor 70 Jahren unter dem Philosophen Karl Popper studiert -, macht sich Sorgen um die Zeit nach der Coronakrise. Man könne zwar auf eine unglaubliche medizinische Entwicklung zur Bekämpfung der Pandemie blicken, die bald unter Kontrolle sein dürfte, was aber bleiben wird, sind die Schulden zur Abmilderung derselben. Die wirtschaftlichen Folgen seien schlimmer als bei der Finanzkrise, deshalb müsse man jetzt bei der Bewältigung der Cornakrise umdenken, die Maßnahmen der EU hätten aufgrund der politischen Konstellationen zu wenig gebracht. Eine Lösung seien ganz lange oder ewige Anleihen.

Ein unbekanntes Kapitel der Geschichte von Anleihen

Wenn man glaubt, dass die heutige Wirtschaft so viel unglaublich Neues produziert, um in Phasen der finanziellen Knappheit ein Schlupfloch zu entdecken, so beweist ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte manchmal etwas anderes. George Soros berichtet von Anleihen, die nie zurückgezahlt werden müssen, sondern nur die jährlichen Zinsen – schon vor Jahrhunderten.

Großbritannien hatte im Jahr 1752 unbefristete Anleihen, Kriegsanleihen zur Finanzierung der napoleonischen Kriege begeben, „Consols“, genannt. Die Vereinigten Staaten folgten mit der Emission von Consols in den 1870er-Jahren. Aber es war die Erfindung der Niederländer, die bereits 1648 unbefristete Anleihen zur Instandhaltung ihrer Deiche ausgegeben hatten. Das Skurrile daran: Diese Anleihen laufen noch heute, mit so niedrigen jährlichen Zinszahlungen, dass kaum jemand von ihrer Existenz weiß.

Die Aufforderung des Ungarn

Die Zeit der Coronakrise wäre günstig für die Einführung ewiger Anleihen, so Soros – weil die internationalen Zinssätze nicht weiter fallen könnten. Der Vorteil wäre für immer festgeschrieben und man könnte diese in Tranchen begeben.

Soros hatte solche Anleihen bereits der Europäischen Union vorgeschlagen, er sieht aber ein, dass dies unter den gegenwärtigen Umständen politisch nicht umsetzbar wäre. Es sollten dies einzelne Mitgliedsländer umsetzen, was auch in Ansätzen geschieht, dazu gleich mehr.

Soros weist darauf hin, dass die Europäische Zentralbank bereits das Instrument der unbefristeten Anleihen eingeführt hat. Durch den Aufkauf von Staatspapieren (Quantitative Easing), die sie nie mehr zurückgeben kann, ohne bestimmten Ländern schwer zu schaden.

Stattdessen ersetzt man bei Fälligkeit der Anleihen diese durch neue. Das Spiel ließe sich ewig fortsetzen, die Langläufer würden in unbefristete Schuldtitel umgewandelt.

Es gibt aber einen großen Unterschied zu den gleich von den Regierungen begebenen ewig langen Anleihen: Man schreibt die Zinsen für 100-jährige oder ewige Anleihen fest, während bei den ständig auslaufenden Titeln möglicherweise deutlich höhere Zinsen geboten werden müssten. Die Frage ist nur, ob man allen EU-Mitgliedsstaaten diese Eternal Bonds abkaufen würde.

Still und leise

Österreich hat es vorgemacht. In den Jahren 2017 und 2018 hatte die österreichische Republik 100-jährige Anleihen begeben, mit einem Zinskupon von damals noch niedrigen 2,1 Prozent. Das Papier war trotzdem 12-fach überzeichnet. Im Juni letzten Jahres legten die Österreicher mit einer weiteren 100-jährigen nach und es musste nur noch ein Kupon von 0.65 Prozent p.a. geboten werden. Inzwischen folgten Irland und Belgien mit eben solchen Langläufern, die von Versicherern begierig aufgenommen wurden.

Aber auch in Deutschland gibt es auf Landesebene bereits solche ultralangen Anleihen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Zeichen der Zeit erkannt und vor ein paar Tagen eine 100-Jährige emittiert mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro, die von Investoren mit mehr als 3,25 Milliarden Euro nachgefragt wurde. Die Emissionsrendite sollte 1,11 Prozentpunkte über dem Referenzzins für 50-jährige Zinstauschgeschäfte liegen, bei minus 0,14 Prozent betrug damit der Zinskupon 0,95. Für NRW ist dies bereits die dritte Anleihe in dieser Laufzeit, während es für den Bund immer noch bei 30 Jahren Höchstlaufzeit bleibt. Vielleicht denken die Herren in der Finanzagentur nur an ihre eigene Kalkulationszeit.

Fazit

Die Idee des legendären und bereits 90-jährigen Hedgefondsmanagers Soros könnte in der Coronakrise durchaus in größerem Stile umgesetzt werden, zusammen mit der finanziellen Repression. Die emittierenden Staaten werden dafür auch nicht mehr so lange Zeit haben, um diese Papiere an den Investor zu bringen, schließlich mehren sich die Anzeichen für eine steigende Inflation und steigende Kapitalmarktzinsen. Damit würden auch die Kupons deutlich höher ausfallen als zuletzt. Es verwundert schon ein wenig, warum man im Hause Scholz so zögerlich ist bei der dauerhaften Nutzung niedrigster Zinsen..

Kommen durch die Coronakrise Anleihen mit ewiger Laufzeit?

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