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Anleihen

China: schlimmer als in den USA kurz vor Ausbruch der Subprime-Katastrophe

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

In China bahnt sich eine Katastrophe an: die Schulden-Bombe wird immer größer und explosiver! Stand Dezember 2015 liegt das Volumen problematischer Kredite mit 4,2 Billionen Yuan (645 Milliarden US-Dollar) höher als auf dem Hochpunkt des Subprime-Wahns in den USA (dort im Jahr 2006: 600 Milliarden Dollar). Das aber ist nur die Spitze des Eisbergs, weil genaue Zahlen über Schattenbanken nicht existieren – dort dürften ca. 20% aller Kredite problematisch sein nach Schätzungen. Und dazu kommt noch die im Westen kaum bekannte Blase am Markt für Chinas Unternehmensanleihen: dort lag das Gesamtvolumen der aufgenommenen Kredite zum Ende des 3.Quartals 2015 bei 6,7 Billionen (!) Dollar, das Volumen hatte sich in nur einem Quartal fast verdoppelt (siehe dazu „China: wo die wirklich gefährliche Blase ist!“). Nun hat sich dieses Wachstum deutlich verlangsamt. Der Grund ist einfach: es gibt mehr Schulden als potentielle Käufer dieser Schulden. Und genau deshalb steigen die Risikoprämien für chinesische Unternehmensanleihen markant an.

Nach offiziellen chinesischen Angaben liegt das Volumen fauler Kredite bei offiziellen, staatlichen Banken Chinas bei 1,27 Billionen Yuan – das ist eine Quote von 1,67% aller von diesen Banken vergebenen Kredite. Nicht viel, möchte man meinen. Aber die Steigerungsraten sind immens: so stieg die Quote fauler Kredite im Vergleich zum Vorjahr um 51%. Die sogenannte „bad-loan coverage ratio“, ein Maßstab für die Fähigkeit der Banken, Verluste aufzufangen, fiel von 200% vor einem Jahr auf nun 181%.

Und da staatliche Banken in China meist nur Kredite an staatliche Unternehmen vergeben, kann man sich vorstellen, was im Privatsektor los ist, der auf Kredite von Schattenbanken angewiesen ist! Denn die Kredite sind bei diesen Schattenbanken deutlich teurer, durch die viel höheren Zinsen steigt die Ausfallquote dieser Kredite erheblich.

Und wie reagiert Peking darauf? Indem man Standards der Kreditvergabe, die bereits eingeführt waren, aufweicht oder ganz abschafft! So hat Peking die Mindestreserven, die staatliche Banken für Kredite vorhalten müssen, gesenkt (auf derzeit 150% der verliehenen Summe). Und daher sind die extremen Zahlen der Januar-Kreditvergabe, die mit 3,4 Billionen Yuan deutlich über der Erwartung von 2,2 Billionenen Yuan lagen, nicht verwunderlich.

Die Machthaber haben den Banken im Reich der Mitte klar signalisiert: vergebt mehr Kredite – und schaut weniger genau hin, wie gut die Bonität der Gläubiger ist! Dazu kommt: die Regularien erlauben es den staatlichen Banken, einen erheblichen Teil der faulen Kredite bilanziell zu verstecken, weil Peking kein Interesse daran hat, dass die offizielle Quote fauler Kredite zu hoch und damit zu häßlich ist. Das Zauberwort lautet hier „special-mention loans“, eine neue Kategorie, die Banken einrichten durften, um die Quote der „nonperforming loans“ nicht zu stark steigen zu lassen.

Aber wie gesagt: der Bereich der staatlichen Banken ist nur die Spitze des Eisbergs! China aber hat sich entschlossen, das Spiel auf die Spitze zu treiben – nur so erhofft man sich, die Wirtschaft irgendwie wieder ankurbeln zu können. Nach offiziellen Zahlen stieg die Neuverschuldung im Reich der Mitte zum Vorjahr um 15% – und damit mehr als doppelt so viel wie das offizielle, wenig glaubwürdige BIP-Wachstum von 6,9%.

Dass diese Bombe platzen wird, platzen muß, steht ausser Frage. Denn auch ein autoritäres Regime kann nicht verhindern, dass elementare Prinzipien greifen. Irgendwann nämlich wollen die chinesischen Kreditgeber ihre verliehenen Gelder wieder haben – und wenn sie sie nicht mehr bekommen, weil die Gläubiger nicht zahlen können, dann fällt das Kartenhaus endgültig in sich zusammen. Die Folge wird ein Tsunami sein, der auch uns hinwegspülen kann – obwohl die Schulden Chinas überwiegend von Chinesen gehalten werden!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Jupp

    17. Februar 2016 12:41 at 12:41

    Wer sind eigentlich diese „Schattenbanken“? Privatpersonen? Welche Konsequenzen entstehen, wenn eine Schattenbank pleitegeht?

    Da es wohl kaum derart enge Verzahnungen zwischen Schattenbanken und anderen Akteuren gibt wie wir es in den USA und der EU von den „normalen“ Banken her kennen, sind wohl auch die Folgewirkungen überschaubar. Dennoch bleibt (wie im Text angesprochen) das Problem der chinesischen Staatsbanken.

    • Avatar

      Otto

      17. Februar 2016 17:24 at 17:24

      Der größte Teil dieser Schattenbanken sind Versicherungsunternehmen und Investment-Gesellschaften, die sich im Besitz von Banken befinden. Auch in Deutschland haben nahezu alle Banken eigene Investmentgesellschaften, deren Produkte sie den Kunden verkaufen. In China befinden sich die größten Schattenbanken also in Staatsbesitz und es sind eben auch gerade diese Investmentgesellschaften der großen chinesischen Banken, die fleißig riskante Kredite vergeben, also die, die sie selbst nicht in ihren Bilanzen wollen, das entscheidende, ist aber, dass sie damit auch höhere Zinsen verlangen dürfen, da der Zinssatz zu dem Banken Kredite vergeben dürfen sehr niedrig ist (ein Risikoausgleich für riskante Kredite ist damit eben nicht möglich, und damit ist diese Vorgehensweise auch prinzipiell sinnvoll). Es gibt darüber hinaus auch noch sehr viele kleinere und Mini-Schattenbanken, es gibt zum Beispiel auch lokale Dorfschattenbanken, die Kredite für einen neuen Traktor vergeben und so. Private Investmentgesellschaften, die Milliarden einsammeln gibt es natürlich auch noch, aber der Großteil (nach verwaltetem Geld) der Schattenbanken dürfte sich in Staatsbesitz befinden. Per Definition ist eine Schattenbank ein Unternehmen, das bankenähnliche Geschäfte betreibt, ohne eine Banklizenz zu besitzen. Da die Kunden dieser Staatsschattenbanken die Auffassung haben, dass diese Banken für diese Produkte haften hat der Staat in der Vergangen heit die Banken gezwungen für diese Verluste zu haften und die Anleger auszuzahlen. Hierdurch könnte es in Falle größerer Pleiten zu größeren und gewalttätigen Massendemonstrationen kommen. Hierzu braucht es auch keine Organisatoren, da dies bereits Tradition hat. Damit wäre über einen Längeren Zeitraum mit massiven Einschränkungen durch Proteste zu rechnen, es sei denn, dass die Regierung entweder sämtliche Verluste verstaatlicht, was zu einer erheblichen Rezession führen würde und damit zu neuen Protesten, oder die Regierung setzt das Militär gegen Die Demonstranten ein. (Der chinesische Staat ist schon jetzt durchaus erheblich verschuldet; nur da in China nur die Schulden der Zentralregierung in die Schuldenquote eingerechnet werden, und die Schulden der Lokalregierungen und der Bundesministerien nicht berücksichtigt werden, ist die prozentuale Staatsverschuldung scheinbar niedriger als in Deutschland)
      Diese Schwierigkeiten würden uns auch direkt betreffen, da eine entsprechende Kettenreaktion in China zu vielen Insolvenzen führen würde.
      1) Da es in der Industrie üblich ist, dass Lieferungen erst nach Monaten bezahlt werden würden besonders Firmen die viel nach China exportieren leiden.
      2)Besonders Firmen, die Maschinen für die Produktion produzieren könnten Schwierigkeiten bekommen, da Firmen in China in einer derartigen Situation vermutlich kaum in eine Erweiterung der Produktionsanlagen investieren werden (sie haben ja kein Geld dafür)
      3) Es ist durchaus nicht selten, das Maschinen von deutschen Herstellern geleast werden und dies läuft dann üblicherweise über westliche Banken. Die Sicherheiten zurückzuholen dürfte oft unmöglich sein u.a. auch weil es streng verboten ist in China einen Privatdetektiv auf Chinesen oder chinesische Firmen anzusetzen, auch wenn diese Person einem Geld schuldet und sich abgesetzt hat (Datenschutz, bzw. Spionage).
      4) Viele chinesische Firmen haben sich Geld bei westlichen Banken geliehen, zum Teil auch über Umwege, wie z.B. über Tochtergesellschaften im Ausland, die das Geld dann an den Mutterkonzern verliehen haben.
      5)Durch Insolvenzen in China könnten auch Lieferketten unterbrochen werden, was verheerend sein könnte, wir können nur hoffen, dass es hierdurch nicht zu größeren Problemen kommt.
      6) Insbesondere Überdrittländer könnte das westliche Finanzsystem durchaus in Mitleidenschaft gezogen werden. Sollte die chinesische Bauwirtschaft einbrechen würden Länder, die Eisenerz, Kupfer oder Kohle exportieren darunter leiden, dazu gehört auch Australien, das sehr eng in das westliche Finanzsystem eingebunden ist. Auch Länder die wie Japan und Südkorea wirtschaftlich sehr eng mit China verflochten sind könnten sehr in Mitleidenschaft gezogen werden, insbesondere wenn man sich die extreme Staatsverschuldung Japans ansieht.

      Übrigens haben auch vor der Finanzkrise viele Experten behauptet, dass diese Verluste keine Auswirkung auf die realwirtschaft haben würden (Das diese Blase existierte und dass sie groß war, war unter Volkswirten allgemein bekannt und es wurde fleißig gewarnt; erst hinterher wurde dauernd behauptet, dass es nur ein paar Außenseiter bemerkt hätten und dass diese es lieber geheim gehalten hätten um davon zu profitieren; es war nur nicht bekannt wann genau die Blase platzen würde). Die Finanzkriese wurde ja auch nicht wegen der Verluste zum Problem, sondern weil niemand dem anderen mehr getraut hat. Wir können nur hoffen, dass Die Banken den Schockwellen stand halten, da die Eigenkapitalvorschriften deutlich verschärft wurden könnte eine Krise in China durchaus glimpflich ausgehen (einige Firmen die viel nach China exportieren müssten aber dennoch Leute entlassen und die Wirtschaftslage würde sich vorübergehend auch deutlich verschlechtern).
      Die größte Gefahr bestünde also in indirekten Effekten (z.B. Japan), außerdem würde der Verlauf einer Krise in China vor allem von den Entscheidungen der chinesischen Regierung abhängen.

      • Markus Fugmann

        Markus Fugmann

        17. Februar 2016 17:26 at 17:26

        @Otto, erstklassiger Beitrag, haben Sie vielen Dank dafür!

        Viele Grüsse!

      • Avatar

        Jupp

        17. Februar 2016 18:54 at 18:54

        @Otto: Möchte mich auch bedanken! Vielen Dank für die Erläuterungen.

      • Avatar

        R. Blancke

        17. Februar 2016 19:21 at 19:21

        Danke für diesen umfangreichen Bericht.
        Ihre Erläuterungen habe ich sogleich ausgedruckt.
        Chapeau !

  2. Avatar

    Schoeller

    17. Februar 2016 14:14 at 14:14

    Auch die POC wird wohl ihre Staatsbank hinreichend munitionieren um einen Gläubigersturm abzufangen oder ihm vorzubeugen. Japan zeigt wie lange das funktionieren kann – wenn auch mit stetig zunehmenden Wohlstands- und Wachstumsverlusten.

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Anleihen

Deutsche Neuverschuldung in Corona-Zeiten: Kein Problem, es ist sogar ein Profitgeschäft!

Claudio Kummerfeld

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Brandenburger Tor in Berlin

Der deutsche Staat nimmt wegen der Coronakrise und den explodierenden Rettungskosten viele neue Schulden auf. Erste frohe Kunde: Die Neuverschuldung stellt finanztechnisch schon mal gar kein Problem dar. Man sehe die folgende Grafik aus dem Hause Finanzagentur Deutschland GmbH, dem Institut, dass als Vehikel des Bundesfinanzministeriums Anleihen am Kapitalmarkt verkauft.

Neuverschuldung läuft ohne Probleme ab

Heute wurden für den deutschen Staat sieben Jahre laufende Bundesanleihen ausgegeben im Volumen von 4 Milliarden Euro. Die Nachfrage der institutionellen Investoren lag bei 7,26 Milliarden Euro. So war es auch bei den vorigen Emissionen, wie die Übersichtstafel gut zeigt. Die Nachfrage in den letzten Monaten reichte jedes Mal weit über das Angebotsvolumen hinaus, und erreichte manchmal fast das doppelte Volumen. Verkauft wurden heute übrigens nicht 4, sondern nur 3,28 Milliarden Euro Volumen. So läuft das jedes Mal. Ein Teil der Emission wird nicht tatsächlich verkauft, sondern wandert in die sogenannte „Marktpflegequote“, um den Börsenmarkt für diese Anleihe in den nächsten sieben Jahren liquide halten zu können.

Also, Deutschland kommt am Kapitalmarkt spielend leicht an frisches Geld. Und die Emissionsrendite zeigt: Der Bundesfinanzminister verdient mit dem Aufnehmen neuer Schulden jedes Mal sogar Geld. Die heutige Rendite liegt bei minus 0,62 Prozent. Bei den vorigen Emissionen waren es -0,60, -0,62, -0,62, -0,47 Prozent usw. Diese Negativrendite bei der deutschen Neuverschuldung kommt zustande, weil die Anleihen mit einem Kurs über dem Nennwert der Anleihen von 100,00 Prozent verkauft werden (Anleihekurse notieren in Prozentpunkten). Heute zum Beispiel lag der Verkaufspreis bei 104,52 Prozent.

Deutsche Staat macht Gewinn – und warum machen die Anleger freiwillig Verlust?

In sieben Jahren, wenn der deutsche Staat die Anleihe an deren Inhaber zurückzahlt, überweist er aber nur den vereinbarten Nennwert von glatt 100,00 Prozent zurück. Zinsen gab es für die Anleger auch keine mit 0,00 Prozent Zinskupon. Tja, der Staat erhält jetzt 104,52, und zahlt in sieben Jahren nur 100,00 zurück. So macht man Geld. Und wie so oft kann man sich fragen: Warum machen die Anleger das, wieso verschenken die Geld, wieso machen sie wissentlich und freiwillig Verlust?

Nun, da wäre natürlich das Argument, dass bei einer vermuteten weiter sinkenden Rendite die Kurse der Anleihen natürlich automatisch weiter steigen. Dann könnten die Investoren nach der Emission am freien Anleihemarkt höher verkaufen, und einen Gewinn einstreichen. Oder man weiß nur zu gut, dass die EZB immer mehr Anleihen aufkauft, und dass man auch dorthin (mit anständigem Gewinn?) weiterverkaufen kann. Denn die EZB, die will ja unbedingt aufkaufen. Und wer unbedingt kaufen will, zahlt am freien Markt höhere Preise als in der Erstauktion des Bundes?

Und dann wären da noch langfristig denkende, große institutionelle Investoren, die überlegen, wo sie ihre gigantischen Geldmengen unterbringen sollen. Will man nicht alles in Aktien packen, oder darf man es gar nicht, muss man sich nach „sicheren“ Anlagen umschauen. Banken reichen gerade bei größeren Kontoguthaben inzwischen eigentlich immer den Negativzins der EZB an die Kunden weiter. Also würden große Pensionskassen, Fonds, Versicherungen etc mit sehr großen Geldsummen wohl 0,5 Prozent Strafzins bei ihrer Hausbank zahlen. Also dann lieber das Geld in Anleihen investieren? Aber halt. Bei dieser deutschen Staatsanleihe liegt die Rendite ja sogar bei -0,62 Prozent. Also steht man nochmal 0,12 Prozentpunkte schlechter da als auf dem Bankkonto. Hier könnte nur noch das Argument ziehen, dass man deutsche Staatsanleihen (im großen Bild betrachtet) als deutlich besseren Parkplatz für große Geldsummen erachtet, als eine einzelne Bank, die immer pleite gehen kann.

Grafik zeigt Neuverschuldung Deutschlands mit 7 Jahren Laufzeit

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Allgemein

Wirtschaft in Italien stürzt ab – warum das den Markt nicht interessiert

Claudio Kummerfeld

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am

Italien-Flagge in Rom

Die Wirtschaftsleistung in Italien ist im zweiten Quartal im Vergleich zum 1. Quartal um 12,8 Prozent abgestürzt, wie offizielle Daten zeigen, die heute veröffentlicht wurden. Vorläufige Daten von minus 12,4 Prozent wurden damit nach unten revidiert. Im Jahresvergleich zum zweiten Quartal 2019 ist es ein Absturz von 17,7 Prozent. Dies ist laut Trading Economics der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 60er-Jahren. Im folgenden Chart sehen wir die prozentuale Veränderung der Wirtschaftsleistung in Italien seit den 90er-Jahren. Man erkennt, dass der Absturz in der Finanzkrise 2008 mit -3 Prozent im Vergleich zu heute verschwindend klein war.


source: tradingeconomics.com

Und was macht der Kapitalmarkt? Die Rendite für Staatsanleihen ist hier immer das beste Barometer. Eigentlich gäbe es da noch die Währung eines Landes. Aber da Italien den Euro hat, kann man hier keinen Gradmesser für Italien mehr erkennen. Wenn ein Investor in Anleihen eines Landes investieren möchte, bei denen die Rückzahlungswahrscheinlichkeit der Anleihen wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gefährdet ist, dann erwartet dieser Anleger einen Risikoaufschlag – nämlich für sein Risiko, dass er sein Geld nicht wieder sieht. Daher sind Länder mit großen wirtschaftlichen Problemen automatisch bereit deutlich höhere Renditen für ihre verkauften Staatsanleihen zu bezahlen, um ausländisches Kapital anzulocken.

Warum die Renditen für Italien nicht steigen

Italien stand schon vor der Coronakrise sehr schlecht da. Hohe Schulden erstickten das Land, und eine Wirtschaft die sich nie von der Finanzkrise 2008 erholt hatte. Und dann kam die Coronakrise. Die wirtschaftliche Lage verschärft sich daher dramatisch. Der obige Chart zeigt dies eindrucksvoll. Und was macht die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen? Sie notiert aktuell mit 1,11 Prozent genau da, wo sie am letzten Freitag lag, vor der Veröffentlichung der heutigen BIP-Daten. Der folgende Chart zeigt den Rendite-Verlauf für Italien in den letzten zwölf Monaten. Man sieht, dass die Rendite kurz vor der Coronakrise genau ebenfalls da war, wo sie jetzt notiert. Zwar lag sie im März kurzzeitig bei 2,39 Prozent. Aber mit den umfangreichen Rettungsmaßnahmen von Staaten und EZB wurde schnell klar, dass alles „gerettet“ wird, und die Rendite sank schnell wieder in den Keller.

Also: Die Wirtschaftsleistung in Italien ist brutal abgestürzt. Die Risikoprämie für Anleger, die italienische Schulden kaufen wollen, hat sich per Saldo aber nicht erhöht. Was sagt uns das? Dem Markt ist klar, dass wohl kaum ein echtes Ausfallrisiko für Italien besteht. Denn das Land ist im Euro und als drittgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum schlicht und einfach „Too big to fail“. Die EZB hat schon jahrelang in gigantischem Ausmaß italienische Staatsanleihen aufgekauft und zuletzt neue gigantische Kaufprogramme aufgelegt, und würde wohl (das darf man vermuten) noch viel, viel mehr kaufen. Hauptsache Italien bleibt im Spiel.

Rendite für zehnjährige Staatsanleihen aus Italien

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Allgemein

Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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