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China: wo die wirklich gefährliche Blase ist!

Von Markus Fugmann

Dass an Chinas Aktienmärkten eine Blase geplatzt ist, hat sich inzwischen ja schon herumgesprochen. Aber nun hat sich – auch als Folge des Crash am chinesischen Aktienmarkt – eine noch (!) intakte Blase am Markt für Unternehmensanleihen ausgebildet, deren Platzen wahrscheinlich ernstere Folgen haben dürfte als der Crash am Aktienmarkt.

Als die Blase an den Aktienmärkten in Shanghai und Shenzhen platzte und ca. fünf Billionen (!) Dollar vernichtete, flohen viele Investoren in den Markt für Unternehmensanleihen. Dieser Markt schien ein sicherer Hafen zu sein angesichts des Crashs am Aktienmarkt. Und weil Börsengänge für viele Firmen Chinas während des Crashs nicht mehr in Frage kamen, emitierten sie Unternehmensanleihen, um sich die nötigen Gelder zu beschaffen. Die Folge: der Markt wurde immer größer, immer mehr Gelder strömten in den Kauf dieser Anleihen – nun umfaßt der Markt für Unternehmensanleihen im Reich der Mitte bereits 6,7 Billionen Dollar. Alleine im letzten Quartal stieg die Anzahl der emitierten Unternehmensanleihen um sagenhafte 91%!

Anders als in westlichen Ländern, wo die Renditen (also die Risikoprämien) für Unternehmensanleihen zuletzt stark gestiegen sind (Glencore etc.), war in China das Gegenteil der Fall. Die Kurse der Anleihen stiegen, die Risikoprämien fielen. Das wiederum führte zu absurden Bewertungen zu einer Zeit, in der die Gewinne der chinesischen Unternehmen deutlich sinken im Gefolge des Abschwungs. Nun hat die Commerzbank in einer Analyse davor gewarnt, dass diese Blase bald platzen könnte – die Wahrscheinlichkeit, dass dies bis zum Ende des Jahres passiert, taxiert die Commerzbank immerhin auf 20%!

Und Peking steht jetzt, nach der Intervention am Aktienmarkt, vor dem nächsten Dilemma: tut man nichts, wird sich die Blase weiter aufblähen und damit immer gefährlicher. Tut sie etwas, riskiert sie, dass die Blase zeitnah platzt – auch daran haben Chinas Machthaber nach dem Crash am Aktienmarkt wenig Interesse. Zumal dann sich Chinas Firmen nicht mehr refinanzieren könnten – eine Pleitewelle wärer die Folge. Genau deshalb wäre das Platzen der Blase bei Unternehmensanleihen noch gefährlicher als der Crash am Aktienmarkt.

Paradoxerweise könnte es denn auch der Aktienmarkt sein, der das Kartenhaus zum Einsturz bringt: sollten Chinas Aktienmärkte wieder in den Rally-Modus schalten, würden viele Investoren versuchen, auf den fahrenden Zug aufzuspringen – mit Geldern, die sie aus dem Verkauf von gut gelaufenen Unternehmensanleihen erwirtschaftet haben. Von daher wäre es wohl das Beste für Peking, wenn die Aktienmärkte des Landes stabil bleiben..



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