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BIP pro Kopf-Vergleich China und seine Millionen-Städte: Peking auf Niveau von Bottrop

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Wenn Bottrop als Maßstab für China und seine Millionenstädte dient, offenbart sich eine überraschende Perspektive auf die Wirtschaftskraft. In einem Land, das für seine rasanten Entwicklungen bekannt ist, wirft der Vergleich mit einer deutschen Stadt ein neues Licht auf die tatsächliche wirtschaftliche Stärke Chinas. 26 Städten berichten für letztes Jahr ein BIP von über einer Billion Yuan, doch die Analyse der Zahlen und der Vergleich mit dem deutschen Wohlstandsniveau enthüllen eine andere Realität.

China und sein Wirtschaftsboom: 26 Städten mit über eine Billion Yuan BIP

Gestern veröffentlichte das chinesische Wirtschaftsportal Yicai Global einen aufschlussreichen Bericht, der die 26 chinesischen Städte auflistet, die im Jahr 2023 ein beeindruckendes Bruttoinlandsprodukt (BIP) von über einer Billion Yuan (etwa 128 Millionen Euro) erreicht haben. Doch während immer mehr Städte diese bemerkenswerte Wirtschaftsgrenze überschreiten, fällt auf, dass People’s Daily, das Sprachrohr der Kommunistischen Partei Chinas, in diesem Jahr keine Berichterstattung über diese Entwicklung bietet.

Yicai Global berichtete nicht nur über die Anzahl von Städten, die die Schwelle von einer Billion Yuan überschritten haben, sondern auch über die teilweise hohen Wachstumsraten des BIPs. Besonders hervorzuheben ist Zhengzhou, die Provinzhauptstadt von Henan, die trotz der relativen Armut der Provinz eine Spitzenposition mit 7,4% Wirtschaftswachstum einnimmt. Für das Jahr 2024 haben diese Städte sich ehrgeizige Ziele gesetzt, die teilweise etwas über, teilweise etwas unter den Ergebnissen von 2023 liegen. Neben Zhengzhou haben auch Xi’an und Changsha, die Hauptstädte der Provinzen Shaanxi bzw. Hunan, ehrgeizige Wachstumsziele für das Jahr 2023 gesetzt. Beide Städte zielen auf ein BIP-Wachstum von 7% ab, was sie zu den Spitzenreitern unter Chinas großen Städten macht. Wuhan, die Hauptstadt der Provinz Hubei, hat sich ein Ziel von 6,5% gesetzt, während andere bedeutende Städte wie Guangzhou, Shenzhen, Foshan und Dongguan in der wirtschaftsstarken Provinz Guangdong alle ein Wachstum von 6% anstreben.

Peking: Wirtschaft so stark wie Bottrop – der chinesische Scheinriese

Die 26 Städte mit einem BIP von über einer Billion Yuan machten fast 40 % des BIP des Landes im letzten Jahr aus. Dies mag im ersten Moment beeindruckend erscheinen und Deutschland, das letztes Jahr ein leicht rückläufiges Wirtschaftswachstum erzielt hat, könnte vor Neid erblassen. Allerdings steckt der Teufel im Detail. Die Frage ist, ob diese Steigerungsraten realistisch sind oder eher Wunschdenken darstellen. Zudem sind sie teuer erkauft. Laut einer Analyse der Daten der Chinesischen Zentralbank ist die Verschuldung, gemessen am Total Social Financing (TSF), in den letzten Jahren fast doppelt so schnell gewachsen wie die Wirtschaft. Im Jahr 2023 wuchs die Wirtschaft um 28%, während die Verschuldung um 50% anstieg.

Noch weniger imposant wirken all diese Zahlen, wenn man sie mit Deutschland vergleicht. Chinas Hauptstadt, die auch die Stadt mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von umgerechnet 24.700 Euro ist, erreicht gerade einmal die Wirtschaftskraft von Bottrop. Diese kreisfreie Industriestadt im Ruhrgebiet ist sicher „keine Weltstadt, auf deiner Königsallee finden keine Modenschauen auf der statt“, wie in Düsseldorf, das mit 87.513 Euro pro Kopf eine mehr als dreifach so hohe Wirtschaftskraft wie Peking hat. Deutschlands Tor zur Welt, Hamburg, mit einem BIP pro Kopf von 70.620 Euro, erwirtschaftet wiederum nur die Hälfte dessen, was Deutschlands Autobauerstädte Ingolstadt (130.509 Euro) oder Wolfsburg (158.749 Euro) zu leisten imstande sind.

Deutschlands Weltschmerz: Ein Luxusproblem

Die beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung Chinas kann leicht den Eindruck erwecken, dass das Land auf dem besten Weg ist, die westlichen Nationen einzuholen. Doch ein genauerer Blick offenbart, dass trotz aller Fortschritte die Kluft zum Wohlstandsniveau des Westens, insbesondere Deutschlands, noch beträchtlich ist. von dem jeden Tag in den sozialen Medien zu lesen ist, vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Potenz statt, von der China noch weit entfernt ist. Es ist ein Luxusproblem, das die Stärke und Robustheit der deutschen Wirtschaft widerspiegelt. In Zeiten globaler Unsicherheit und wirtschaftlicher Herausforderungen sollte dies eine Erinnerung daran sein, dass selbst ein vermeintlicher wirtschaftlicher Stillstand in Deutschland immer noch ein Zeichen von Stabilität und Wohlstand ist, der von vielen Nationen beneidet wird.



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10 Kommentare

  1. Ein einfacher Pi-mal-Daumen-Indikator für echte, vor Ort real existierende Wirtschaftskraft ist das Kulturleben (Museen, Kunstgalerien, Konzerte, Theater, Bibliotheken etc. – und die Zahl der Leute, die derartige Angebote wahrnehmen):
    In einem Schweizer 30.000-Einwohner-Kaff à la Aarau oder Zug ist gefühlt so viel los wie in einer deutschen „Großstadt“ oder wie in einer chinesischen „Metropole“.

    Dass die Lebensqualität von ausgerechnet Bottrop, Stuttgart oder Wolfsburg international „beneidet“ werden müsste, möchte ich stark bezweifeln. Es gibt auf unserer Welt trotz aller Hässlichkeiten auch immer noch viele schöne Orte…

  2. @Martin Ebner

    Die chinesischen Metropolen bieten mittlerweile ein reichhaltiges Angebot an Museen. In Shanghai und Beijing sind in den letzten Jahren viele, vor allem private Kunsthallen entstanden, die sich vor allem der Moderne, Postmoderne oder den Impressionisten widmen.

    Auch das Konzertangebot hat deutlich zugenommen, mit vielen neuen, sehr schönen Konzerthallen und Orchestern. Bei der Qualität gibt es zugegebenermaßen noch Defizite. Hier macht die zunehmende Zensur es immer schwerer. Früher konnte man ohne Probleme den ‘Messiah’ aufführen, dann musste er unter ‘weihnachtliche Musik nach Händel’ genannt werden. Mittlerweile kann er nur noch als ‘Seasonal Music’ angekündigt werden.

    Dazu kommt eine reichhaltige Galerie-Sammlung. Was stark gelitten hat, ist die Untergrund-Szene. Unter Hu war das alles viel freier und ungezwungener. Sowohl Shanghai, Beijing als auch Guangzhou brauchen sich vor keiner deutschen Stadt zu verstecken.”

    1. Als wohlhabender kulturell interessierter Tourist oder Abgestellter sollte man auch hinter die Fassade schauen.

      1. @Ben Beck
        Als Tourist dürfte das sehr schwierig sein. Selbst wenn man in China arbeitet, bekommt man auch eher die Oberfläche mit. Man muss schon sehr tief als Zuschauer in der Kulturszene drinne sein oder selber aktiv sein.

  3. Welcher Sinn hat denn der Pro-Kopf Vergleich? Natürlich bleibt weniger Wohlstand für einen Einzelnen übrig, wenn mehr Leute an der Verteilung beteiligt sind.

  4. Eine neue Erkenntnis ist es nicht was hier gesagt wird. China ist trotzdem mehr als Bottrop. Zum einen weil das über 1 Mrd Menschen sind und zum anderen weil dort sehr viele Menschen sind, denen es sehr gut geht. Nicht ohne Grund verkaufen deutsche Hersteller dort mehr Luxusautos als überall sonst.

    1. Übrigens, ich vermute das die Zahlen für Peking auch noch überhöht sind. Es gibt dort viele Wanderarbeiter, die zwar das BSP erhöhen, aber nicht als Einwohner mitgezählt werden. Das ist so wie bei zB Luxemburg.

  5. Die Frage ist, wie viel gibt ein deutscher Staatsbürger im Monat aus? Die Konsumausgaben der Pekinger sind sehr hoch. Chinesische Wanderarbeiter kommen aus ländlichen Gebieten. Sie besetzen Häuser und haben nicht viele Ausgaben. Beispielsweise sind die Kosten für Wasser, Strom und Internet sehr niedrig, insgesamt nur etwa 10 Euro pro Monat.

  6. Wenn man schon Herbert Grönemeyer Songtexte zitiert…

    Die Königsallee gibt es jedenfalls nur in Bochum und nicht in Bottrop.

    1. @Ueker123
      Über Ihren Kommentar habe ich mich sehr gefreut. Beim Schreiben des Artikels hatte ich mich gefragt, wie lange es dauern würde, bis jemand dies anmerkt. Es war mir durchaus bewusst, dass Grönemeyer von Bochum singt. Aber ich konnte der Verlockung nicht widerstehen, diese Textzeile als Überleitung nach Düsseldorf zu nehmen.

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