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China will den Schattenbanken an den Kragen gehen

FMW-Redaktion

Chinas Banken-Aufsicht will den Schattenbanken des Landes offenkundig nun ernsthaft an den Kragen gehen. Weil diese Schattenbanken aber auch für Chinas Führung schwer zu greifen sind, setzt sie bei den offiziellen Banken an.

Wie Insider berichten, hat die Bankenaufsicht in der letzten Woche gegenüber den offiziellen Banken eine Direktive ausgegeben, die auf Produkte zielt, mit denen diese offiziellen Banken bestimmte Kredite – darunter auch faule Kredite – verstecken können. Faktisch stammen diese Produkte von Schattenbanken, werden aber dann zwischen den offiziellen Banken gehandelt. Es handelt sich um eine Art Genußrechte für Kredite, die von Schattenbanken angeboten werden und dann durch die Aufnahme in den regulären Banken-Handel gewissermaßen legitimiert wurden. Chinas Banken hatten diese Produkte dann im Rahmen ihrer Vermögensverwaltung den Kunden angeboten.

Die Bankenaufsicht CBRC hatte 2013 und 2014 den offiziellen Banken verboten, direkt in die sogenannten Trusts zu investieren – es handelte sich bei diesen Trusts faktisch um Kreditpakete, die von Schattenbanken ausgegeben worden waren. Mittels dieser Genußrechte für Kredite hatten die regulären Banken diese Verbote der direkten Investments in Trusts umgangen.

Dabei zeigten sich die Banken sehr kreativ: mittels dieser Genußrechte konnte sich der Käufer Auszahlungen eines Produkts sichern, das sie gar nicht besaßen. Meist handelte es sich aber faktisch um Zinsen für Kredite an Unternehmen, die von Schattenbanken an diese Firmen ausgegeben worden waren – im Grunde hatten also die offiziellen Banken ein Derivat auf ein Schattenbanken-Produkt gestrickt, und diese dann wiederum im Interbanken-Handel gehandelt. Das wiederum öffnete Tür und Tor um etwa faule Kredite in der Bilanz nicht aufscheinen zu lassen.

Mit der neuen Direktive durch die Bankenaufsicht soll nun sicher gestellt werden, dass die Käufer auch Inhaber des jeweiligen Produkts sein müssen – das unterscheidet den Ansatz von vorherigen Versuchen, diese Praktiken zu unterbinden. Nach Schätzungen von Analysten dürften etwa 15% aller vergebenen Kredite in derartigen Genußrechten verpackt worden sein, ein gute Teil davon wohl faule Kredite.

Nach einer gestern veröffentlichten Analyse der Brokerfirma CSLA in Hongkong dürfte der Anteil an Krediten in China, die faul sind (Non Performing Loans), zwischen 15% und 19% aller Kredite liegen – die offiziellen Zahlen weisen eine Quote von lediglich 1,67% aus, was aber niemand ernsthaft glaubt. Demnach dürften sich die zu erwartenden Verluste für Schattenbanken oder offizielle Banken, die Genußrechte zum Verstecken fauler Kredite genutzt hatten, auf 1,1 bis 1,5 Billionen(!) belaufen.

Sollten die Behörden mit ihren Maßnahmen Erfolg haben, ist damit zu rechnen, dass die offizielle Quote fauler Kredite bald steil nach oben schießen wird..



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