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Konjunkturdaten

Chinas Kurzfrist-Zinsen laufen aus dem Ruder

Markus Fugmann

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am

Von Claus-Peter Sesin

Letzte Woche sind die kurzfristigen Zinsen in China zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten über die 10-Prozent-Marke geklettert, was neue Ängste vor einer Liquiditätskrise weckt.

In USA zeigten sich die ersten Vorzeichen für den 2008-Bankencrash bereits im Sommer 2007: Die kurzfristigen Zinsen zogen stark an, und der Markt für „commercial paper“ – Papiere, mit denen Firmen ihre langfristigen Verbindlichkeiten kurzfristig refinanzieren – trocknete ein. Banken begannen einander zu misstrauen, und die im ersten Halbjahr 2007 noch blühenden Private-Equity-Übernahmen kamen fast gänzlich zum Erliegen.

Unter diesen Prämissen könnte die seit Anfang 2013 zu beobachtende Liquiditätsaustrocknung in China ebenfalls Vorbote für ein noch kommendes böses Nachspiel sein. Chinesische Marktbeobachter gehen davon aus, dass in China drei Billionen Dollar Verluste aus faulen Krediten drohen.

Der Credit-Crash in China im Juli 2013 wurde von westlichen Investoren weitgehend ignoriert. Die chinesische Zentralbank (PBoC) hatte zur Beruhigung 55 Milliarden Dollar in den Markt gepumpt. Doch die jetzt erneut aufkommende Kreditklemme – Chinas kurzfristige Kreditzinsen schossen letzte Woche auf über zehn Prozent hoch – zeigt, dass im „Reich der Mitte“ mehr im Argen zu liegen scheint.

In einem Bloomberg-Artikel wertet der US-Vermögensverwalter Patrick Chovance, der von 2008 bis 2013 als Wirtschaftsprofessor an der Pekinger Tsinghua-Universität lehrte, die periodisch wiederkehrenden Liquiditätskrisen als Indiz, dass „die Grundlagen von Chinas Investment-getriebenem Wachstumsmodell zerbröseln…, mit weit reichenden Konsequenzen für die globale Wirtschaft“:

… loose monetary policy is the problem, not the solution. Two simple words — bad debt — are the key to understanding why China has too much money, yet not enough. In the years since the global financial crisis, China has racked up impressive growth in gross domestic product by engineering an investment boom, fueled by a surge in easy credit. Total debt has risen sharply, from 125 percent of GDP in 2008 to 215 percent in 2012. Credit has spiraled to $24 trillion from $9 trillion at the end of 2008. That’s an additional $15 trillion – – the size of the entire U.S. commercial banking sector — lent out in just five years…

Über die bedrohliche Tatsache, dass Chinas Zentralbank seit 2008 sieben Mal mal mehr „frisches Geld“ gedruckt hat (insgesamt 15 Billionen Dollar) als die US-Notenbank, hatte Finanzmarktwelt bereits im Dezember berichtet. Ein Großteil dieser Gelder floss in Projekte, die allein dazu dienten, die ökonomischen Wirtschaftsdaten auf Planziele zu bringen, nicht aber, um nachhaltige Gewinne zu erwirtschaften. Dies macht – mangels Cash-Flow – die Bedienung dieser Kredite immer schwieriger. Die resultierenden Spannungen zeigen sich im chinesischen Interbankenmarkt. Wenn kurzfristige Refinanzierungssätze auf über 10 Prozent klettern wie aktuell, zeugt dies von mangelndem wechselseitigen Vertrauen.

In solchen Gemengelagen ist der Punkt nicht mehr fern, an dem der Markt die PBoC nicht mehr als „Liquiditäts-Feuerwehr“ akzeptiert. Eine Erfahrung, die auch anderen „Geld druckenden“ Notenbanken – von der Fed über die EZB bis zu Bank of Japan – in nicht allzu ferner Zukunft in Haus stehen könnte.

Chovance schreibt dazu weiter:

The PBOC could, and did, halt the immediate liquidity crisis by injecting more cash. But in doing so, it effectively cedes control over monetary policy to the shadow banks. Runaway lending continues, bad debts mount even higher, and the need for more cash to paper over losses becomes that much more acute. Far from solving the problem, pumping in more cash just kicks the can farther down a dead-end street.

Kurz: Gelddrucken führt in eine Sackgasse und löst keine strukturellen Probleme.

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Konjunkturdaten

Aktuell: Öl-Lagerbestände -1,0 Mio Barrels (jetzt 488,1 Mio)

Claudio Kummerfeld

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Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 488,1 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist im Vergleich zur Vorwoche ein Minus von 1,0 Mio Barrels, wobei die Erwartungen zur Vorwoche bei -1,0 lagen.

Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit +1,9 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche bei -1,8.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +0,6 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-1,9 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit -2 Cents auf 40,97 Dollar.


source: tradingeconomics.com

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Konjunkturdaten

Aktuell: US-Immobiliendaten durchwachsen

Redaktion

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am

Von

Die US-Baubeginne (September) sind mit +1,9% und einer Jahresrate von 1,415 Millionen schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war eine Jahresrate von 1,457 Millionen; Vormonat war 1,416 Millionen, nun auf 1,388 Millionen nach unten revidiert).

Die US-Baugenehmigungen (ebenfalls September) sind mit +5,2% und einer Jahresrate von 1,533 Millionen besser ausgefallen als erwartet (Prognose war eine Jahresrate von 1,520 Millionen; Vormonat war 1,476 Millionen).

Der Boom am US-Immobilienmarkt hatte sich gestern auch im Allzeithoch des NAHB Index gezeigt – die amerikanischen Immobilien-Käufer sind derzeit euphorisch wie noch nie..

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Konjunkturdaten

Aktuell: Verbrauchervertrauen Uni Michigan – Sieg von Biden erwartet

Markus Fugmann

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am

Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (1.Veröffentlichung für Oktober) ist mit 81,2 etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose 80,5; Vormonat war 80,4).

Die Einschätzung der aktuellen Lage dagegen schwächer als erwartet, sie liegt bei 84,9  (Vormonat war 87,9)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 78,8  (Vormonat war 73,3)

 

Dazu schreibt Richard Curtin, der die Umfrage verantwortet:

„Slowing employment growth, the resurgence in covid-19 infections, and the absence of additional federal relief payments prompted consumers to become more concerned about the current economic conditions. Those concerns were largely offset by continued small gains in economic prospects for the year ahead. The Current Conditions Index recorded its second small reversal, the first being in June, but even at its best, it has never come close to its December peak, being still down by 26.5%. The Expectations Index, despite the recent gain, is still down by 14.4% from its February peak. How much has the presidential electioneering influenced this twist in consumer sentiment? Consumers were not asked whom they will or had voted for or their preference, but who they expected to win the election to determine the election’s potential influence on economic expectations. Among all consumers, Biden’s advantage in early October grew to 7 from 1 percentage point in the July to September surveys (see the chart). While self-identified Democrats and Republicans heavily favored the candidate from their own party, that proportion grew by 8 points among Democrats and shrunk by 5 percentage points among Republicans. Most elections are decided by those who are non-aligned with either party; the views of Independents remained unchanged and nearly equal, giving Trump a slight advantage of 2 or 3 points. When the difference in the Expectations Index was calculated by party identification, Trump still held an advantage over Biden with some interesting twists: Trump’s advantage on the Expectations Index greatly narrowed among Republicans (from 31.1 in July to September to 13.9 in October) and only a slight narrowing among Democrats (from 4.0 to 1.6), but it widened among Independents (from 20.9 to 24.4).“

 

 

 

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