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Konjunkturdaten

Coronakrise: Ein Vergleich mit der Großen Depression von 1929

Die große Depression baute sich bis zum Höhepunkt der Arbeitslosigkeit „langsam“ auf, in der Coronakrise ging alles ganz schnell..

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Macht es Sinn, die Coronakrise und die Große Depression ab 1929 zu vergleichen? Viele Menschen (darunter ich selbst) freuen sich, wenn diese Pandemie und die damit verbundene Coronakrise zu einem Ende kommt. Denn bei blauem Himmel wirkt die aktuelle Situation surreal. Ich wache morgens auf und denke, alles ist nur geträumt. Die Hoffnung bei den sinkenden Neuinfizierten dem Ende der Pandemie näher zu kommen, führt zu einer gewissen mentalen Entlastung. Vor diesem Hintergrund irritieren die Warnungen der Bundeskanzlerin und des Gesundheitsministers eher.

Die Bullen an der Börse scheinen die Warnungen aktuell wenig zu beeindrucken. Diese stürmt seit dem Tief im März nach oben, unterstützt
durch eine potentielle heilsame Wirkung von Remdisivir und, dass das „Plateau“ (Coronavirus und Coronakrise) bald erreicht ist.

Coronakrise und Große Deperssion

Der bekannte amerikanischer Ökonom, Irving Fisher, hatte (unglücklicherweise) in einem anderen Kontext ebenfalls von einem Plateau
gesprochen. Er teilte 1929 kurz vor dem Crash der Aktien an der Wallstreet mit, dass die Aktien ein „ … looks like a permanently high plateau“  erreicht hätten. Der folgende Kurssturz, ähnlich dem im März 2020, ist historisch.

Große Depression und Coronaise im Chartvergleich

(Chart: Projekt 30)

Allein aufgrund dieses Charts ist der Anreiz nach Vergleichen zwischen Großer Depression und Coronakrise groß. Dies ist nicht so einfach, da die damalige Ökonomie (Zwischenkriegszeit, Goldstandart, USA der Gläubiger der Welt, Produktivitätszuwächse in den USA von 30% p.a.) sich anders darstellte als heute. Aber es ist wichtig zu erwähnen, dass die Massenarbeitslosigkeit nicht mit einem „Bang“ da war – die große Depression hatte vielmehr verschiedene Phasen. Dies erklärt der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten in seinen Memoiren sehr anschaulich (siehe „Band I The Memoirs of Herbert Hoover – The Great Depression 1929 – 1941“).

Die Arbeitslosenquote in der Großen Depression

Was in dieser Grafik ersichtlich ist, ist dass die Arbeitslosenquote in den USA gegen Ende des Jahres 1929 bis in die Mitte von 1930 auf niedrigem Niveau verharrte und im Anschluss mit Pausen steil stieg. Wenn wir auf diese Grafik schauen, dann schießt mir durch den Kopf, dass die 25% Arbeitslosenquote in den USA durch die Coronakrise bald oder schon erreicht ist…

Die große Depression baute sich bis zum Höhepunkt der Arbeitslosigkeit „langsam“ auf, wobei immer wieder Katalysatoren dazu kamen (z.B.
Bankenpleite der größten Bank von Österreich – Creditanstalt  11.05.1931, Bankenpleite der zweitgrößten Bank Deutschlands – Danat-Bank 13.07.1931, England verlässt den Goldstandart 19.09.1931, Zahlungsmoratorien).

Aus damaliger Sicht und bis vor ein paar Monaten wurde der wirtschaftliche Zusammenbruch der 30er Jahre alles andere als „langsam“ beschrieben. Da gab es auch noch keinen Covid-19. Mit den aktuellen desaströsen Wirtschaftsindikatoren ist die Welt durch die Coronakrise non-Stopp in eine brutale ökonomische Malaise katapultiert worden. Während die Große Depression ein „mehr mal weniger“ abbremsen (Finanzkrise und ökonomischer Teufelskreislauf) über einen Zeitraum darstellte, gleicht die aktuelle Situation eher einem Frontalzusammenstoß mit einer Betonwand, bei dem der Teufelskreis erst startet und die Erholungskräfte der Wirtschaft erst dann volle Wirkung entfalten können, wenn der Virus beseitigt ist oder behandelbar.

Der Teufelskreislauf von sinkender Nachfrage mit dadurch folgenden Umsatzrückgängen bei Unternehmen mit der Folge von Entlassungen etc. sind bekannt. Es gibt aber noch einen Teufelskreislauf – und diesen konnten wir, befeuert von den Notenbanken, über viele Jahre bewundern:

Zitat Irving Fisher:“… the counterpart of the vicious spiral downward. As reflation (Vermögenseffekt des Geldes) lightens the real burden of the debt, the debtors, including new and weaker borrowers, are lured into further extending their enterprises, and, for that purpose, into incurring more debts, which further dilute the real dollar and so further lighten the real debt-burden, and so still further tempt the business world (including new and weaker borrowers) to incur still more debts, and so on and on until again, after the number of dollars of debt grows faster thaneach dollar grows smaller, there comes an awakening to the fact that there is an over-indebtedness which must be corrected. Then borrowing diminishes and liquiditation sets in; and once more we are headed for depression.“ (Quelle: Booms & Depressions 1932, Irving Fisher, Seite 58)

Jetzt muss mit Depression nicht unbedingt eine „große Depression“ sein, aber die Notenbanken verhinderten vor der Coronakrise mit Ihrer Zentralbankpolitik ziemlich erfolgreich eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten. Covid-19 setzte dieser langen Kontinuität ein jähes Ende. Das Üble ist, dass Covid-19 – ähnlich wie beim Menschen Vorerkrankungen, wenn auch noch nicht bekannt – offenlegt. So ist unser bald 76-jähriges Finanzsystem mit einigen bekannten (z.B. Nord-/Südgefälle Eurozone, hohe Verschuldung bei Unternehmen sowie Staaten) und unbekannten Vorerkrankungen belastet. Für uns alle wäre es gut, wenn die ökonomische und medizinische Situation schnell stabilisiert wird, sonst droht uns auf ökonomischer Ebene die dauernde künstliche Beatmung mit Helikoptergeld und einem möglichen akuten Ausbruch der Vorerkrankungen.

Der Geschäftspartner von Warren Buffet, Charlie Munger hat vor kurzem folgende Aussage zur Coronakrise getroffen: „I would say basically we’re like the captain of a ship when the worst typhoon that’s ever happened comes. We just want to get through the typhoon, and we’d rather come out of it with a whole lot of liquidity. We’re not playing ‘oh goody, goody, everything’s going to hell, let’s plunge 100% of the reserves [into buying businesses]”.

Die Überlebensfähigkeit seines Vermögens zu maximieren, insbesondere wenn Schulden bestehen, erscheint mir derzeit als beste Strategie. Bis wir das Licht am Ende des Tunnels (hoffentlich bald) bei der Coronakrise  sehen, können Sie Märkte beobachten, die sich verhalten wie: „like a loose cannon on the deck of the world…“ (siehe „Band I The Memoirs of Herbert Hoover – The Great Depression 1929 – 1941“).

Hinweis der Reaktion: Der Autor dieses Textes ist Banker und möchte anonym bleiben. Er schreibt unter dem Pseudonym “Grafschaft”

 

Coronakrise und Große Depression - ein Vergleich

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Lausi

    21. April 2020 19:55 at 19:55

    Wie wär’s mit dieser Variante: Das wird wie 1929 nur im Zeitraffer. Die erste Erholung an den Aktienmärkten könnte gelaufen sein (Fibonacci xy ist erreicht), und jetzt auf zu neuen Tiefs! Nach der Großen Depression kommt jetzt die Sehr große Depression mit letalen Tendenzen! Der Vergleich passt perfekt: Für das Corona-Virus ist die Wirtschaft und der Finanzmarkt wie ein alter Mensch mit etlichen Vorerkrankungen. Wie das ausgehen kann, weiß man ja inzwischen.

  2. Pingback: Meldungen vom 21.04.2020 – Teil 3 | das-bewegt-die-welt.de

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Konjunkturdaten

Aktuell: US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe besser als befürchtet

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Die US-Erstanträge (jobless claims) auf Arbeitslosenhilfe (für die letzte Woche) steigen um 1,186 Millionen (offizielle Prognose war 1,415 Millionen, Vorwoche war 1,434 Millionen, nun aber auf 1,435 Millionen leicht nach oben revidiert).

Die fortgesetzen Anträge (continuing claimes) liegen mit 16,107 Millionen unter der Erwartung (Prognose war 16,72 Millionen; Vorwoche war 17,018 Millionen, nun auf 1, Millionen nach revidiert).

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Europa

Kurzarbeit geht in Deutschland weiter zurück – aber es gibt Unterschiede

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Wer sich die aktuellen Zahlen zur Kurzarbeit in Deutschland ansieht, bekommt einen guten Überblick über die Lage verschiedener Branchen: wer ist nach wie vor stark von der Coronakrise betroffen – und in welchen Branchen geht es schneller bergauf als in anderen? Und wie sieht es mit der “viel besungenen” V-Erholung der deutschen Wirtschaft aus?

Sehen wir uns einmal die aktuellen Daten des ifo Instituts an, die heute veröffentlicht worden sind. Hier ist eine klare Tendenz zu erkennen: in den Bereichen, die zuvor am stärksten von der Coronakrise betroffen waren, geht die Kurzarbeit derzeit am stärksten zurück – also im Dienstleistungssektor und im Handel. Kaum Rückgänge dagegen verzeichnet die Industrie.

Hier die Aussagen des ifo im Wortlaut:

“Die Zahl der Kurzarbeiter in Deutschland ist im Juli auf 5,6 Millionen Menschen gesunken. Im Juni waren es 6,7 Millionen, im Mai 7,3 Millionen. Das haben exklusive Berechnungen und Schätzungen des ifo Instituts auf Basis seiner Konjunkturumfrage ergeben. Der Anteil an den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten schrumpfte damit von 20 auf 17 Prozent. „Der Rückgang hat sich zwar insgesamt beschleunigt, aber in einigen Branchen nimmt die Kurzarbeit sogar noch zu“, sagt ifo-Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link.

Nach der ifo-Schätzung sank die Zahl der Kurzarbeiter in der Industrie nur leicht von 2,3 auf 2,1 Millionen Menschen, also von 33 auf 30 Prozent der Beschäftigten. Zum Beispiel waren in der Metallindustrie im Juli noch schätzungsweise 509.000 Menschen auf Kurzarbeit, nach 542.000 im Juni. Der Anteil schrumpfte von 48 auf 45 Prozent der Beschäftigten. In der Autobranche sank die Zahl von 516.000 auf 423.000, der Anteil von 46 auf 38 Prozent. Im Gegensatz hierzu hat die Zahl der Kurzarbeiter im Maschinenbau weiter von 354.000 auf 378.000 zugenommen. Der Anteil wuchs von 33 auf 35 Prozent. In der Elektrobranche sind nun 271.000 Personen in Kurzarbeit nach 260.000 im Juni. Der Anteil an der Beschäftigung betrug im Juli 34 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als im Juni.

Wesentlich stärker ging die Kurzarbeit bei den Dienstleistern zurück. Im Gastgewerbe sank die Zahl der Kurzarbeiter weiter von 672.000 auf 465.000 Menschen, was noch 42 Prozent sind. Im Juni waren es 61 Prozent und im Mai 72 Prozent. In Verkehr und Lagerei sank sie von 308.000 auf 256.000, also von 17 auf 14 Prozent. Bei sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen gab es einen Rückgang von 672.000 auf 603.000, also von 29 auf 26 Prozent der Beschäftigten.

Auch im Handel ist die Zahl der Kurzarbeiter weiter kräftig zurückgegangen, von 963.000 auf 637.000. Im Einzelhandel sank die Zahl von 417.000 auf 240.000 Mitarbeiter, was einem Rückgang von 17 auf 10 Prozent entspricht. Im Großhandel schrumpfte die Zahl von 331.000 auf 257.000 Menschen, also von 24 Prozent auf 18 Prozent. Im Autohandel waren im Juli 140.000 Menschen in Kurzarbeit, nach 215.000 im Juni. Das ist ein Rückgang von 32 auf 21 Prozent.”

 

Die Kurzarbeit nach Branchen

Kurzarbeit im Dienstleistungssektor

Kurzarbeit in anderen Sektoren

 

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Europa

Auftragseingänge der Industrie: Neue Daten – Erholung in V-Form?

Claudio Kummerfeld

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Fliegende Funken in der Industrie

Das Statistische Bundesamt hat heute früh die Auftragseingänge der Industrie (Verarbeitendes Gewerbe) für den Monat Juni veröffentlicht. Liegt hier eine Erholung in V-Form vor? Auf die Idee könnte man kommen bei Betrachtung des Charts, der die Daten als Indexwert seit dem Jahr 2012 anzeigt. Erst der große Absturz der Aufträge in der Coronakrise, und jetzt die Erholung. Im Monatsvergleich von Mai auf Juni steigen die Auftragseingänge schon wieder kräftig an, nämlich um 27,9 Prozent. Im Jahresvergleich zu Juni 2019 gibt es immer noch ein Minus von 11,3 Prozent.

Verlauf der Auftragseingänge seit dem Jahr 2012

Hier einige Detailaussagen der Statistiker im Wortlaut:

Die Corona-Krise prägt seit einigen Monaten die Entwicklungen im Verarbeitenden Gewerbe. Im Vergleich zu Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, war der Auftragseingang im Juni 2020 saison- und kalenderbereinigt um 11,3 % niedriger.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Aufträge aus dem Inland im Juni 2020 um 35,3 %, die Auslandsaufträge erhöhten sich um 22,0 %. Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Eurozone um 22,3 % zu. Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland stiegen um 21,7 % gegenüber Mai 2020.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang im Juni 2020 mit 10,6 % über dem Vormonat. Bei den Herstellern von Investitionsgütern gab es einen Anstieg um 45,7 %. Im Bereich der Konsumgüter stiegen die Aufträge um 1,1 %.

In der Automobilindustrie ist der Auftragseingang im Juni 2020 wieder deutlich angestiegen (+66,5 % zum Vormonat). Er liegt aber noch um 12,2 % niedriger als im Februar 2020.

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