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Das Problem namens BaFin

Redaktion

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Was nützt eine Finanzmarktaufsicht, die verwaltet statt zu prüfen? Die nur Aktenablage ist statt bissiger Wachhund, der Betrüger jagt? Nach übereinstimmenden Berichten (siehe beispielsweise hier) hat der Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin Felix Hufeld gestern beim Finanzausschuss des Bundestages in Sachen Wirecard-Debakel ein ziemlich schlechtes Bild abgegeben. Das Bild eines Mannes entstand, der hofft möglichst gut wegzukommen, und nach Möglichkeit einfach nicht zuständig gewesen zu sein.

Die BaFin der Papiertiger?

Dabei ist die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) nach der großen Zusammenlegung von drei Behörden nun die absolute Mammut-Behörde in Deutschland, wenn es um die Beaufsichtigung von Banken, Versicherungen und Wertpapiergeschäft geht. Aber immer wieder sieht man: Die Hauptaufgabe der BaFin scheint sie selbst offenkundig darin zu sehen, formale Verstöße zu ahnden, aber nicht auf Inhalte einzugehen. Fast wöchentlich sieht man von der BaFin veröffentlichte Meldungen, wo kleine Ein-Mann-Butzen Anlageberatung machen, ohne Lizenz für die Anlageberatung. Oder wo kleine Gauner Geld entgegennehmen ohne Banklizenz. Klar, es ist gut und richtig, dass diese Kleinganoven umgehend abgewürgt werden. Da scheint die BaFin auch ihren Job zu machen.

Aber bei denjenigen, die sich an die Formalien halten und die entsprechenden Lizenzen haben, prüft die BaFin da auch wirklich die Inhalte der Geschäfte? Oder zieht man sich hier nur darauf zurück, dass die Formalien stimmen? Zum Beispiel den großen Betrug beim Container-Unternehmen P&R sah die BaFin gar nicht kommen, weil man nur die Formalien prüfte, nicht aber die Inhalte dahinter. Das scheint ein zentrales Hauptproblem zu sein. Es ist in der Finanzindustrie allgemein bekannt, aber dem unbedarften Verbraucher, der Anlageprodukte „erwirbt“, ist diese beunruhigende Info wohl völlig unbekannt.

Hauptsache formal stimmt alles?

Die BaFin nimmt beim Verkauf neuer Finanzprodukte von den Emittenten Verkaufsprospekte entgegen, und prüft sie auf formale Vollständigkeit. Also ob Name und Adresse des Emittenten enthalten sind, sowie andre grundsätzliche formale Angaben. Aber ob die produktbezogenen Aussagen im Prospekt überhaupt der Wahrheit entsprechen, das prüft die BaFin nicht. Hat sie überhaupt geschultes Personal, um die Produkte zu verstehen, und dann auch vor Ort bei den Emittenten inhaltlich nachzuprüfen? Und hat sie überhaupt genug Personal? Und ist die Behörde unter Herrn Hufeld überhaupt willens zur prüfen? Oder will man eher lieber Akten verwalten, was natürlich viel bequemer ist?

Dass bei der BaFin wohl der Bürokratiehengst durch die Flure reitet, sieht man auch an folgendem Umstand. Zur Wirecard-Affäre gab es von der BaFin seit Wochen und Monaten keine einzige offizielle Verlautbarung. Auch nicht jetzt nach der Insolvenz-Anmeldung am 25. Juni. Offenbar formal nicht notwendig? Aber: Nachdem BaFin-Chef Hufeld gestern im Bundestags-Finanzausschuss aussagte, schien der BaFin ein winziges Detail so wichtig zu sein, dass man dazu noch gestern spät Abends eine offizielle Erklärung abgeben musste. Zitat:

Verschiedene Medien berichten unter Berufung auf unbekannte Quellen über Aussagen von Herrn Hufeld in der heutigen Sitzung des Finanzausschusses im Deutschen Bundestag. Die BaFin stellt dazu klar: Herr Hufeld hat zu keinem Zeitpunkt in der Sitzung des Finanzausschusses im Deutschen Bundestag vorgetragen, dass die Einstufung von Wirecard als Finanzholding an der Europäischen Zentralbank (EZB) gescheitert sei. Er hat im Gegenteil betont, dass alle bisherigen Entscheidungen in vollständigem Konsens mit den beteiligten Institutionen Deutsche Bundesbank und EZB getroffen worden sind. Die Wirecard AG sei bislang nach Einschätzung aller beteiligten Institutionen nicht als Finanzholding einzustufen gewesen.

Wir meinen: Na dann… Hauptsache die Formalitäten stimmen!

BaFin Chef Felix Hufeld
BaFin-Chef Felix Hufeld. Foto: © Bernd Roselieb / BaFin

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Paper la Papp

    2. Juli 2020 14:37 at 14:37

    Wie das Foto eindeutig nachweist, ein vollgefressener selbstherrlich grinsender Sesselfurzer ( Beamter ) Schon als beim crash 2000 jede Menge Infos über die krummen Toruen des Betrügers Bäcker Frick der Bafin mitgeteilt wurden, sah man sich nur im Büroschlaf gestört. Mehr kam nicht.
    Dieser Moloch von Faulenzern ist flüssiger als flüssig:

    Ü B E R F L Ü S S I G

  2. Avatar

    asisi1

    2. Juli 2020 15:29 at 15:29

    In einem ordentlichen Rechtsstaat, würden die ganzen Bankenlumpen schon einsitzen!

  3. Avatar

    Miguel Calatayud

    2. Juli 2020 16:42 at 16:42

    2018: Financial Times deckt Ungereimtheiten und Betrug bei Wirecard auf.
    Bafin: Ne passt alles, überprüfen wollen wir gerade nicht, aber wir verklagen erstmal die Financial Times, weil die so gemeine Dinge behaupten.

  4. Avatar

    Rolf Siegen

    10. Juli 2020 13:21 at 13:21

    Das Problem namens BaFin

    Die BaFin verwaltet nicht einmal – sie verschleiert – auf Anweisung von ganz oben. Bloß keine Skandale!

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Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

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Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

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Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

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Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

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Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

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