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Europa

Eurozone: „Nur“ 7,4 Prozent Arbeitslosigkeit – so wird diese Zahl geschönt

Claudio Kummerfeld

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Wow, einfach toll. „Nur“ 7,4 Prozent Arbeitslosigkeit  gibt es in der Eurozone im Mai,  schon der April als der schlimmste Corona-Monat war mit ebenfalls nur 7,3 Prozent sehr niedrig, und März mit 7,1 Prozent Arbeitslosenquote. Also, in Euroland herrscht Eitel Sonnenschein? Nein, dem ist nicht so! Der hier gezeigte Chart stammt aus der heutigen Veröffentlichung von Eurostat, der europäischen Statistikbehörde, wo solche Jubelmeldungen wie von heute produziert werden. Man sieht, dass die Arbeitslosigkeit in der Eurozone jüngst nur minimal angestiegen ist. Kaum der Rede wert?

Dieser Chart zeigt die Arbeitslosigkeit im Verlauf der letzten Jahre

So wird die Arbeitslosigkeit runter gerechnet

Da gibt es mehrere Methoden, wie die Arbeitslosigkeit in der Eurozone künstlich aufgebessert wird. Die Arbeitslosenzahlen, die Eurostat veröffentlicht, werden nach einem Verfahren der Internationalen Arbeitsagentur (ILO) berechnet. Entscheidend hierbei ist: Hat sich ein tatsächlich Arbeitsloser aus Sicht der Behörden in den letzten Wochen nicht aktiv um Arbeit bemüht, wird er nicht als arbeitslos im Sinne der Statistik gezählt – obwohl er arbeitslos ist und in seinem Heimatland auch Sozialleistungen als Arbeitsloser bezieht. Deswegen sieht man in der heutigen Statistik für den Monat Mai auch für Deutschland eine Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent, obwohl sie im Mai laut deutscher Arbeitsagentur bei 6,1 Prozent lag. Dementsprechend darf man auch davon ausgehen, dass die Quoten in den anderen Ländern grundsätzlich deutlich höher sind als von Eurostat dargestellt.

Aber wie kann es sein, dass die Arbeitslosigkeit dennoch so extrem niedrig bleibt? Ein Wunder ist das nicht, sondern eher ein Statistik-Wunder! Gut, es gibt das Instrument der Kurzarbeit, aber dennoch nur 7,4 Prozent Quote in dieser Horror-Rezession? Eurostat erwähnt es sogar anhand von Beispielen, wie das möglich ist. Man muss in der aktuellen Veröffentlichung von Eurostat lediglich im Kleingedruckten nachlesen. Zitat Eurostat:

Frau Z war arbeitslos und suchte bis zum COVID-19-Ausbruch aktiv nach einem Arbeitsplatz. Anschließend unterbrach sie ihre Arbeitssuche, um sich um ihre Kinder zu kümmern, bis die Schule wieder aufgenommen wird und sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Frau Z wird im Mai als Nichterwerbstätige und nicht als arbeitslos gezählt.

Herr X war bis März als Techniker im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt, arbeitete jedoch im April aufgrund der COVID-19-Einschränkungsmaßnahmen nicht. Sein Arbeitsvertrag bleibt bestehen und ihm wurde von seinem Arbeitgeber versichert, dass er innerhalb von 3 Monaten wieder arbeiten kann. Herr X behält daher eine Bindung an seinen Arbeitsplatz im Sinne der AKE bei und wird daher nicht als arbeitslos eingestuft.

Noch deutlicher kann man es hier nachlesen, Zitat Eurostat:

Die im April 2020 eingeführten COVID-19-Einschränkungsmaßnahmen haben zu einem starken Anstieg der Zahl der Anträge auf Arbeitslosenunterstützung in der gesamten EU geführt. Gleichzeitig suchte ein erheblicher Teil derjenigen, die sich bei Arbeitsämtern angemeldet hatten, nicht mehr aktiv nach einem Arbeitsplatz, etwa aufgrund der Einschränkungsmaßnahmen oder wegen Nichtmehrverfügbarkeit, zum Beispiel, wenn sie während des Lockdowns ihre Kinder betreuen. Dies führt zu Abweichungen bei der Zahl der registrierten Arbeitslosen und derjenigen, die gemäß der Definition der ILO als arbeitslos eingestuft werden.

Die Partei… ähhh die Statistik, die hat immer recht

Im Klartext (unser Beitrag zur Jubelmeldung): Die Statistiker suchen sich eine Definitionsmethode, mit der sie die Arbeitslosigkeit (zumindest die optische) schön tief halten können. Jede Menge Arbeitslose, die auch Leistungen vom Amt beziehen. Aber wenn sie aufgrund der Corona-Sonderlage nicht Arbeit suchen können, dann sind sie per Definition nicht arbeitslos. Obwohl sie arbeitslos sind! Was für ein Schwachsinn. Aber hey, die Statistik, die hat immer recht… also, wo liegt die tatsächliche Arbeitslosigkeit in Euroland? Bei 10, 11 oder 12 Prozent statt offiziell 7,4 Prozent? Man kann es nur grob in diesen Regionen vermuten.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Hesterbär

    2. Juli 2020 13:20 at 13:20

    Kurzfristig hat es einen positiven Effekt, die Wahrheiten mit geschönten Statistiken zu verschleiern. Dumm nur, dass solche Methoden langfristig nicht helfen und sogar kontraproduktiv sind, weil sie den Unmut in der Bevölkerung erhöhen, der sich durch zunehmenden Vertrauensverlust zwangsläufig einstellt.

  2. Pingback: Meldungen vom 2. Juli 2020 | das-bewegt-die-welt.de

  3. Avatar

    Tino Gruchmann

    28. Juli 2020 12:29 at 12:29

    Ich gebe mal einen Tipp ab. Wir stehen eher bei 12-20% Arbeitslosigkeit auf EU Ebene wenn wir alle Kurzarbeiter mit ein berechnen. Vor allem im Süden sieht es sehr dunkel aus da hier der Servicebereich am größten ist und aufgrund der Einschränkungen und ausbleibender Touris alles einbricht.

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Europa

Auftragseingänge der Industrie: Juhu, die Krise ist vorbei

Claudio Kummerfeld

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Verschiedene Metallerzeugnisse

Heute früh hat das Statistische Bundesamt die Auftragseingänge der Industrie (genauer gesagt für das Verarbeitende Gewerbe) für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Vergleich zu September steigen sie um 2,9 Prozent. Wichtiger: Im Jahresvergleich zu Oktober 2019 steigen sie um 1,8 Prozent. Noch wichtiger: Gegenüber Februar 2020, dem letzten Monat vor Ausbruch der Coronakrise, lagen die Auftragseingänge der Industrie um 0,8 Prozent höher.

Also kann man basierend auf diesen Zahlen sagen, dass zumindest für die Auftragseingänge der Industrie die Coronakrise vorbei ist. Der Chart, der bis zum Jahr 2012 zurückreicht, zeigt eine abgeschlossene V-förmige Erholung. Klar erkennbar ist, dass die Aufträge aus dem Ausland (wohl vor allem aus China) den Schnitt nach oben ziehen.

Chart zeigt den Verlauf der Auftragseingänge der Industrie seit 2012

Hier Detailaussagen der Statistiker im Wortlaut:

In der größten Branche des Verarbeitenden Gewerbes, der Automobilindustrie, stieg der Auftragseingang im Oktober 2020 weiter an (+1,0 % zum Vormonat) und lag damit 6,0 % über dem Vorkrisenniveau im Februar 2020.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Aufträge aus dem Inland im Oktober 2020 um 2,4 %, die Auslandsaufträge erhöhten sich um 3,2 %. Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Eurozone um 0,5 % zu. Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland stiegen um 4,8 %.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang im Oktober 2020 um 2,3 % über dem Vormonatsniveau. Bei den Herstellern von Investitionsgütern gab es einen Anstieg um 3,8 % und im Bereich der Konsumgüter fielen die Aufträge um 2,2 %.

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Allgemein

Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone November: Deflation den vierten Monat in Folge!

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse wird zusammengepresst

Soeben hat Eurostat als Vorabschätzung die Verbraucherpreise der Eurozone für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich ist es ein Wert von -0,3 Prozent nach ebenfalls -0,3 Prozent im Oktober. Erwartet für heute wurde eine Veränderung von -0,2 Prozent. Damit erlebt die Eurozone (basierend auf dem Modell des Harmonisierten Verbraucherpreisindex) den vierten Monat in Folge Deflation! Dies hängt natürlich auch mit der seit Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zusammen, welche in vier Wochen wieder rückgängig gemacht wird.

Man sieht: Die Preissteigerung bei Lebensmitteln bleibt relativ konstant mit +1,9 Prozent. Ebenfalls ändern sich die Verbraucherpreise im Negativen auch relativ konstant. Die Energiepreise sinken um 8,4 Prozent – das sind ähnlich hohe negative Werte wie in den Vormonaten. Wie gesagt, ab Januar könnte der Gesamtschnitt wieder Richtung Null-Linie tendieren mit den steigenden deutschen Mehrwertsteuersätzen.

Datenblatt zeigt aktuelle Verbraucherpreise in der Eurozone

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