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Dax, Gold, Bitcoin: US-Sentiment führt zum Ausverkauf

Der DAX ist zum Ende der Handelswoche stark unter Druck gekommen. Ende Juni finden die Aktienmärkte häufig einen Boden. Soll heißen: Die falkenhaften Aussagen von Jay Powell kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem eine kleine Korrektur ohnehin zu erwarten war.

Die Anlegerstimmung ist dennoch leicht auf einen Wert von 2,4 angestiegen. Allerdings gewinnt der Ausverkauf gerade an Dynamik, die vorläufigen Daten könnten sich also im weiteren Verlauf der noch laufenden Umfrage noch ändern. der bislang erfolgte leichte Rücksetzer hat noch keinerlei Auswirkung gezeigt. Mal schauen, ob sich das ändert, wenn der Ausverkauf heute Nachmittag noch stärker wird.

Auch die Selbstzufriedenheit ist zum jetzigen Zeitpunkt mit einem Wert von 2,5 leicht gegenüber der Vorwoche angestiegen. Kein Wunder, der DAX notiert noch immer nahe seiner Allzeithochs und die Investitionsquote der Anleger war bereits in den Vorwochen verhältnismäßig hoch.

Die Erwartung ist jedoch leicht auf 1,1 zurückgegangen. Mit einer kleinen Korrektur scheinen Anleger also tatsächlich zu rechnen.

Ins Auge fällt jedoch die Investitionsbereitschaft, die von +0,9 auf -0,7 zurückgegangen ist. Damit gibt es derzeit kaum mehr Kaufinteresse für Aktien, vielmehr wollen viele Anleger eher noch ihr Depot auslüften.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist wieder auf -5 gerutscht und zeigt eine zunehmende Absicherungsneigung der Anleger an. Put-Absicherungen, die in dieser Woche offensichtlich gekauft wurden, belasten die Kurse, bilden jedoch dann schon bald eine gute Unterstützung, wenn die Absicherungen aufgelöst werden und dadurch eine neue Nachfrage von Aktien nach sich ziehen.

Ganz anders sieht es in den USA aus, denn das Put/Call-Verhältnis an der CBOE ist wieder auf ein extrem niedriges Niveau gefallen und zeigt eine starke Nachfrage nach Call-Optionen an. In den USA geht man also von einer baldigen Fortsetzung der Rallye aus.

Die Investitionsquote der US-Fondsanleger zeigt ein ähnliches Bild: 99% der verfügbaren Mittel sind investiert, das sind 20%punkte mehr als noch vor einer Woche.

Und auch das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatinvestoren zeigt mit einem Wert von 20% einen starken Bullenüberhang an. In den vergangenen Wochen konnten wir an dieser Stelle eine große Gruppe von neutral eingestellten Anleger verzeichnen. Erste sind nun ins Bärenlager abgewandert, so dass das Verhältnis – wenn auch auf hohem Niveau – ein wenig zurückgegangen ist.

Der technisches Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 41% eine neutrale Verfassung des Marktes an.

DAX, Gold, Bitcoin: Interpretation der Stimmung

Na, nun dauerte es am Freitag doch nur wenige Stunden, um das mühsam erklommene Niveau über 15.500 Punkten wieder zu unterschreiten. Damit ist die Rallye vorerst beendet. Die Investitionsbereitschaft unter den Anlegern ist gering, entsprechend ist auch nicht mit einer schnellen Gegenbewegung zu rechnen.

Verursacht wurde der Ausverkauf wohl durch die USA: Dort ist die Stimmung zu gut gewesen, zu unbedarft, so dass zumindest in den USA eine Korrektur aus Sicht der Sentimentanalyse wahrscheinlich geworden ist. In der Regel reichen da nicht ein paar Stunden, um das Sentiment wieder umzukehren, sondern dazu sind mehrere Tage notwendig.

Während in den USA bullische Spekulationen nun aufgelöst werden müssen, könnten die fallenden Kurse in Deutschland Anleger dazu bewegen, ihre seit November erzielten Gewinne zu sichern. Daraus folgt, dass der Ausverkauf in den USA heftiger ausfallen sollte als bei unserem DAX.

Der Rohstoffsektor hat den Ausverkauf eingeleitet, nun folgen die Aktien. Der Auslöser des Ausverkaufs waren die Bemerkungen des US-Notenbankchefs Jay Powell, der ein Ende der ultralockeren Geldpolitik in Aussicht stellte, sofern die Inflation stärker ausfällt und nachhaltiger ist als bislang erwartet. Haupttreiber von Inflation sind stets Rohstoffpreise und Lohnkosten. Wir haben es derzeit mit Rohstoffpreisen (aufgrund hoher Logistikkosten) zu tun und mit der Korrektur im Rohstoffmarkt ist diese Gefahr bereits wieder zum Teil zurückgeführt.

Ich fürchte also nicht, dass der begonnene Ausverkauf beim DAX an Dynamik zulegt und die Aktienmarktrallye, die wir seit dem Frühjahr 2020 erleben, beendet.

Zwischen steigender Inflation und galoppierender Inflation ist ein großer Unterschied. Die Rohstoffpreise sind bereits seit über zwei Jahren, kurz unterbrochen durch die Corona-Krise, stark angestiegen. Der aktuelle Rücksetzer ist da nur eine kleine Korrektur. Deflation werden wir in diesem Umfeld wohl vorerst nicht zu fürchten haben, eher Inflationszahlen, die deutlich über dem Ziel von 2% liegen. Doch wenn dies so kommt, ist nicht zu befürchten, dass die Notenbanken kräftig auf die Bremse treten. Das Zinsniveau wird auch im Falle einer leichten Inflation niedrig bleiben.

Entsprechend bleiben die Zinsen am Anleihemarkt niedrig, die Umlaufrendite steht wieder bei -0,28%. Im Umkehrschluss ist also der Kurs des Bund Future, aus dem die Umlaufrendite berechnet wird, angestiegen. Nachdem vor wenigen Wochen die 170 unterschritten wurden und der Bruch einer Jahrzehnte alten Unterstützung drohte, machte der Bund-Future kehrt und notiert nun wieder bei 172,68.

Anleger wurden von dieser Entwicklung überrascht, nicht jedoch die Leser unseres Sentiments: vor drei Wochen habe ich darauf hingewiesen, dass die Stimmung am Anleihemarkt extrem negativ ist, gleichzeitig war auch die Erwartung am Boden. Weitere Verkäufe von Anleihen waren vor dem Hintergrund dieser großen Niedergeschlagenheit nicht zu fürchten und so kommt die Gegenbewegung nicht überraschend.

Die Situation heute sieht nicht viel anders aus, wenngleich die Extremwerte nicht mehr zu sehen sind. Doch Extremwerte erfordern stets eine ordentliche Gegenbewegung, um zu einer Normalisierung zu kommen. Die haben wir noch nicht gesehen, daher gehe ich davon aus, dass das niedrige Zinsniveau bis auf weiteres bestehen bleibt.

Interessant ist auch die Situation am Goldmarkt, nachdem diese Woche Gold, wie alle anderen Rohstoffe, kräftig unter die Räder kam: Die Stimmung ist quasi über Nacht auf extreme Niedergeschlagenheit umgeschwungen. Ein Hauch von Panik ist zu erkennen. Auch die positive Erwartungshaltung der vergangenen Wochen hat Kratzer bekommen. Gerade die Zukunftserwartung für Gold war in den vergangenen Wochen zu optimistisch, als dass die Rallye hätte unvermindert fortgesetzt werden können. So betrachtet ist der Rückschlag durchaus gesund.

Stimmung und Zukunftserwartung bezüglich des Bitcoins sind am Boden. Mehrere Erholungsversuche des digitalen Goldes wurden vereitelt, immer wieder wurde eine einsetzende Rallye durch neue Meldungen abgebrochen und die Kurse tauchten wieder ab. Panik haben wir noch nicht gesehen, so dass ich in diesem jungen und unregulierten Markt derzeit noch keinen tragfähigen Boden sehen kann. Ich würde hier sagen: Bereit halten zum Kaufen, aber Geduld bewahren.

Bei aktiver Beteiligung an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos. Die regelmäßige Teilnahme an der animusX Investoren Umfrage ist unter https://www.animusx.de/ möglich.



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