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Dem Jogi Löw sein Problem

Nachdem wir sonst immer über die schönste Nebensache der Welt, die Finanzmärkte, schreiben, nun zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben – also zum Fußball. Und da droht nach dem triumphalen Sieg gegen Brasilien im Endspiel gegen Argentinien nun Ungemach.

Ist Ihnen aufgefallen, dass die sieben Tore gegen Brasilien alle durch die Mitte gefallen sind (eines davon allerdings nach einem Eckball)? Das war möglich, weil die Brasilianer die Räume offen gelassen hatten und sich die Deutschen da recht einfach durchkombinieren konnten. Aber wer das gestrige Spiel der Argentinier gegen Holland gesehen hat, dürfte bemerkt haben, dass die Argentinier die Mitte extrem verriegelt haben, sodass selbst ein Ausnahmekönner wie Robben chancenlos war. Wer Argentinien schlagen will, muss also über die Außen kommen und die Bälle dann hinter die argentinische Abwehr bekommen.

Das Problem aber ist, dass der Jogi mit taktischen Umstellungen nach erfolgreichen Spielen so seine schlechte Erfahrung gemacht hat: im Halbfinale gegen Italien vor zwei Jahren änderte er ein Team, das einen Lauf hatte und passte sich mit seiner Taktik an die Italiener an, statt auf die eigenen Stärken zu setzen. Das hat ihm – zurecht – heftige Kritik eingebracht. Und diese Erfahrung will der Jogi jetzt nicht noch einmal machen, also wird er die gleiche Start-Aufstellung wählen wie beim Brasilien-Spiel. Und diese Aufstellung ist mit dem „Mittelstürmer“ Klose eben sehr mittig ausgerichtet, was gegen Argentinien nicht wirklich erfolgsversprechend ist.

Aus Angst, die negative Erfahrung aus dem Italien-Spiel zu wiederholen, wird Löw nun vermutlich den nächsten Fehler begehen. Deutlich effektiver wäre es, den schnellen und flankenstarken Großkreutz für Höwedes zu bringen, der als Flankengott bislang noch nicht in Erscheinung getreten ist. Dafür wird Khedira etwas defensiver und sichert die Vorstöße von Großkreutz an den Flanken nach hinten ab. Schürrle müsste von Anfang an Klose ersetzen, was das Spiel der Deutschen extrem unberechenbar machen würde.

All das wird aber leider nicht passieren. Und wenn die Argentinier mit 1:0 in Führung gehen sollten, wird es kritisch. Jogi Löw wird also aus der Erfahrung eines Fehlers versuchen, auf Nummer sicher zu gehen, statt die Argentinier da zu packen, wo sie verwundbar sind. Das zeigt: aus Fehlern wird man nicht immer schlau. Alexander Kluge sagte einmal: in Elend und Not, bringt der Mittelweg den Tod..



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2 Kommentare

  1. Sie vergessen allerdings, dass mit Klose ein sehr kopfballstarker Mittelstürmer auf dem Platz steht und Müller bereits öfter nach „missglückten“ Flanken abstauben konnte. Die Spielstärke der Deutschen basiert zwar auf den Kombinationen durch die Mitte, aber wenn’s sein muss, geht’s auch über Standards. Hauptsache sie nehmen die Kombinations- und Abwehrsicherheit aus den vergangenen beiden Spielen mit ins Finale.

  2. Was sind wir, die an den Außenlinien stehen, doch alles für Fußballgötter mit all den vielen klugen unschlagbaren Hinweisen.
    Und vor allen Dingen ist der Fußball ja die wichtigste Sache der Welt. Da gehört es sich dann sogar den Terminkalender selbst einer Kanzlerin anzupassen.
    So kann man dann ja die alltäglichen Problemchen schön beiseite legen.

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