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Der Anti-Mutti-Trade: Vor dem Wochenende Dax und Euro shorten?

Wir nennen es einen möglichen „Anti-Mutti-Trade“. Eigentlich sollte vergangene Nacht die große Grundsatzeinigung in den Sondierungsgesprächen hergestellt werden zwischen der Union, der FDP und den Grünen. Aber es geschah nichts bis heute früh…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wir nennen es einen möglichen „Anti-Mutti-Trade“. Eigentlich sollte vergangene Nacht die große Grundsatzeinigung in den Sondierungsgesprächen hergestellt werden zwischen der Union, der FDP und den Grünen. Aber es geschah nichts bis heute früh um 5 Uhr. Man vertagte sich auf heute Mittag. Daraus kann man nur schlussfolgern, dass es keine Einigung in den Kernthemen wie der Flüchtlingspolitik gab.

Die Grünen verließen heute früh als erste die Verhandlungen. Cem Özdemir ließ die wartenden Reporter wissen, dass es nun vor allem vom „Schiedsrichter“ (Mutti Merkel) abhänge, wie lange die nun anstehende Verlängerung dauern werde. Ab heute Mittag geht es also weiter. Auch am Wochenende? Alles noch offen. Nichts genaues weiß man nicht. Es ist nur offensichtlich, dass vor allem CSU und Grüne inhaltlich so weit auseinander liegen, dass eine Einigung eigentlich nicht möglich ist.

Es gibt wie gesagt nur eine Möglichkeit, dass diese Koalition Wirklichkeit wird. Mutti Merkel muss den kleinen Horst in die Handtasche stecken. Wenn er dann kuscht und JA sagt, kann es was werden. Das würde dann aber eine frostige, verkrampfte und verdammt unglückliche Koalition werden, egal wie Seehofer sich abwatschen lässt. Die einzelnen CSU-Abgeordneten stehen unter dem Druck ihrer Wähler in Bayern. Ob das dauerhaft gut gehen würde, wenn sie im Bundestag grüne Forderungen abnicken?

Nur Mutti gibt Hoffnung. Der wirkliche Grund, warum sich alle zusammenreißen könnten und irgendeine Einigung finden, kann nur folgender sein: Die Angst vor der AfD, und noch weiteren eigenen Verlusten bei Neuwahlen. Bloß keine Neuwahlen. Aber die sind eine noch größer gewordene Möglichkeit. Wenn die Leute hinter Seehofer ihn weiter torpedieren, stehen Neuwahlen vor der Tür, und Merkel wankt gewaltig. Wir hatten es erst gestern thematisiert. Europa und die Welt sehen Angela Merkel als den Anker der Stabilität an.

Bricht der weg, kommt so richtig Unsicherheit auf. Also, überlegen Sie (wenn Sie an der Börse aktiv sind), ob Sie noch vor dem Wochenende Dax und Euro shorten wollen, wenn sie an ein Scheitern der Sondierungsgespräche glauben. Nichts ist sicher, es ist Ihr eigenes Risiko. Aber: Wäre es ein noch viel größeres Risiko übers Wochenende einfach long im Markt zu bleiben? Wir wissen es genau so wenig wie Sie! Dieser Artikel soll lediglich ein Denkanstoß für die nächsten Stunden sein.

Also, die Hausaufgabe für Sie liebe Leser lautet: Die nächsten Stunden genau gucken, ob heute Nachmittag oder am frühen Abend doch noch eine Einigung zustande kommt. Wenn nicht, könnten Sie eventuell überlegen, ob sie kurz vor dem Wochenende vorsichtshalber (oder aus Spekulationsgründen) reagieren wollen. Ihre Entscheidung!


Mutti mir einigen ihrer Parteisoldaten. Foto: Sandro Halank / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    Robert14021984

    17. November 2017 10:08 at 10:08

    Neuwahlen wird es nicht geben. Da sind sich alle einig. Die Grünen gehen raus und SPD kommt rein. Große Koalition.. völliger Schwachsinn aber was soll man machen

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      17. November 2017 10:12 at 10:12

      @Robert, das hat Andrea Nahles vor wenigen Minuten kategorisch ausgeschlossen (SPD kommt rein), aber mal sehen..

      • Avatar

        philotos

        17. November 2017 11:28 at 11:28

        Vielleicht spekuliert der ein oder andere schon auf eine Koalition aus Union, FDP und AFD… „Dann gibts wirklich auf die Fresse!“

        …kleiner Spaß… ;)

        • Avatar

          Jana

          17. November 2017 11:36 at 11:36

          Gerne eine Koalition aus Union, AfD und FDP….aber ohne Merkel….wir brauchen konservative vernünfige Politik, die sich an Rechtsstaatlichkeit hält. Der ganze Wahnsinn unter Merkel kann doch so nicht weitergehen.

          • Avatar

            philotos

            17. November 2017 12:49 at 12:49

            Wenn Merkel zurücktritt, würde warscheinlich Union mit FDP reichen, da dann einige Prozent der AfD wieder zurück zur Union kommen.
            Allerdings würden dann die restlichen Parteien mit fieser Rhetorik den Bürgern versuchen ins Gewissen reden und zu einer „anti-konservativen“ Protestwählerei mobilisieren.
            Könnte knapp werden.

  2. Avatar

    Wolfgang Koch

    17. November 2017 10:14 at 10:14

    Der Bericht kommt leider ein wenig zu spät.Der Umweg über die Paradiseinseln Jamaica,Cayman,Bermuda etc.,hat wohl etwas zu lange gedauert.Der Begriff „Anti-Mutti-Trade“ist aber Extraklasse!

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    Gerd

    17. November 2017 10:58 at 10:58

    Wieso legt ihr so einen großen Wert auf das Wochenende?
    Das wird selbstverständlich am Wochenende nicht gelöst werden.
    Aber dann reden sie halt weiter, und weiter und weiter.

    Was erwarte ich schon von Menschen, die so zeitverschwenderisch sechs Wochen relativ kompromissfähige Punkte abarbeiten, um zum Schluss erst die allseits als total umstritten bekannten Punkte anzugehen? Nichts.
    Da muss ich erneut erwähnen, dass die umgekehrte Reihenfolge logisch gewesen wäre. Da hätte Mutti schon Anfang November sagen können, wir schaffen das nicht.
    Da ihr solche Sätze aber nicht über die Zunge gehen, reden sie weiter. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann reden sie noch ewig.

    Also von wegen WochenENDE. Das ist noch lange nicht das Ende.
    Wie schon geschrieben, die sind alle scharf auf ihren Dienstwagen und Mutti möchte noch viele Reisen im Kanzler-Airbus machen.
    Ach ja – ich wiederhole mich abermals – sie ist ja auch noch nicht fertig mit der Zerstörung Deutschlands.

    • Avatar

      Michael

      17. November 2017 19:47 at 19:47

      Wenn ich mir den Gold- oder JPY-Kurs eben anschaue, legen die Märkte eher Wert aufs aktuelle Wochenende, als auf die Labersäcke in Berlin, Mutti hin, Mutti her. XAU, ein prall gefülltes frühes Weihnachtssäckchen wurde soeben unerwartet gefüllt und in trockene Tücher gebracht ;)

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    Sprenzi

    17. November 2017 11:11 at 11:11

    Was heißt denn „Anti-Mutti-Trade?“ Bedeutet das etwa, dass vielleicht Euro und Dax abmerkeln? :-)

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    Jana

    17. November 2017 11:34 at 11:34

    am liebsten wäre es mir wenn diese Frau am Montag politisch Geschichte wäre…..wie man siich derart an Positionen krallen kann ist mir unbegreiflich…

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    Marko

    17. November 2017 12:14 at 12:14

    „Nur Mutti gibt Hoffnung. Der wirkliche Grund, warum sich alle zusammenreißen könnten und irgendeine Einigung finden, kann nur folgender sein: Die Angst vor der AfD, und noch weiteren eigenen Verlusten bei Neuwahlen.“

    Und, wenn man mal ehrlich wäre, die Jamaika-Koalition wäre gerade für die Grünen und die FDP, soo schlecht nicht. Ist doch klar, dass sich verschiedene Parteien diametral gegenüberstehen, aber zu einer Koalition bedarf es zu einer Vernunft. Zum Thema grüne Forderungen:
    Verbot der Verbrennungsmotoren im Jahr 2030 für Neuwagen ? Soviel ich weiß, ist meine Öl-Heizung ein Verbrennungsmotor, wieso nicht gleich ein Verbot für alle ? Heizungen erzeugen nachweislich einen ziemlich hohen NOX-Ausstoß ? Und womit werden die betrieben mit Heizöl/Diesel ?
    Und dann ? Wärmepumpen für alle ? Ökö-Pellet-Heizungen sind doch auch Verbrennungsmotoren ?
    Woher kommt der Strom aus Windkraftanlagen ? Wasserenergie ? Solar ?
    Das würde bedeuten Verbot aller Traktoren, Schiffe, was ist eigentlich mit den Flugzeugen , kein Verbrennungsmotor ??? Zurück in die Steinzeit ?

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      Michael

      17. November 2017 19:36 at 19:36

      @Marko, das alles kling irgendwie skurril, wenig differenziert und vollkommen ahnungslos.
      Eine Ölheizung ist technisch tatsächlich Steinzeit und müsste neben Kohleöfen sofort verboten oder empfindlich bestraft werden. Dann schon lieber erst einmal vorübergehend Erdgas, obwohl auch das ein Nebenprodukt kohlenstoffhaltiger Energieträger ist, die vor Millionen von Jahren entstanden und somit für unsere heutige Umweltbilanz bzw. atmosphärische Zusammensetzung nur nachteilig sein können. Aber chemisch betrachtet: Der Furz brennt wesentlich besser als die Kacke.
      Holz-Pellets dagegen sind relativ umweltneutral, weil sie sie aus Pflanzen gewonnen werden, die im Zeitraum einer oder zwei menschlicher Generationen die entsprechenden Schadstoffe zuvor absorbiert haben. Relativ deshalb, weil natürlich ein minimaler zusätzlicher Energieaufwand nötig ist, um Holzabfallprodukte wie Sägespäne aus Schreinereien und Sägewerken zu Pellets zu pressen. Holz-Pellets können allerdings kein Massenprodukt werden, weil dafür kein Frischholz verwendet werden darf (nur Sägespäne, Winter-Bruchholz usw.)
      Ja, und dann zuletzt: Woher kommt der Strom aus Windkraftanlagen? Von den Windrädern! Aus Wasserenergie? Von den Wasser- und Gezeitenkraftwerken! Solar? Von all den Fotovoltaikanlagen!

    • Avatar

      leftutti

      17. November 2017 22:00 at 22:00

      @Marko, @Michael, das „Problem“ der sauberen Holzpelletheizungen wird derzeit ebenso sauber eliminiert, wie das „Problem“ Biodiesel vor einigen Jahren.
      Man (Öl-Lobby, Regierung und Verwaltung) hat inzwischen proklamiert, dass ein signifikant messbares umwelttechnisches Problem von sog. Einzelfeuerungsanlagen ausgeht. Damit hat man eigentlich grundsätzlich die Problematik uralter Kohle-, Öl- und auch der in Mode gekommenen Scheitholzöfen (Schwedenöfen) erkannt. Darin steckt somit eine gewisse nachvollziehbare Logik, weil die Technik dieser „Heizanlagen“ der Effizienz eines Lagerfeuers entspricht und längst sanktioniert hätte werden müssen.
      Man (Öl-Lobby, Regierung und Verwaltung) hat aber auch erkannt, dass Holz-Pellets-Heizungen auf saubere Art und Weise einen Prozentsatz von 5 bis 8% des Heiz-Energiebedarfs decken könnten, was einen nicht unerheblichen Fehlanteil am eigenen Gewinn bedeuten würde. Und zudem das öffentliche Bewusstsein an alternativen Energien fördern könnte, was vermutlich noch viel schwerwiegendere Konsequenzen hätte.
      Die realen Erscheinungsformen entsprechen allerdings leider wieder einmal der skurrilen Logik der Lobby nach einer heißen Bespechungsnacht mit der Politik. Sog. „handbefeuerte Einzelheizanlagen“ (also die wahren Dreckschleudern) dürfen weiterhin betrieben werden, wie bisher. Es darf also jeder seinen 60-Jahre alten Ölofen auf „Etagenbasis“ betreiben, Spanplatten, Pappe, Rinde und nasses Holz im Schwedenöfchen verheizen.
      Bei sog. „wassergeführten Öfen“, also modernen Pelletsheizungen, die wie eine Zentralheizung funktionieren, werden neuerdings nun repressive teure Prüfungen mit bewusster und vorsätzlicher Sachbeschädigung legalisiert. Man macht also was für die Umwelt!
      Ein Beispiel von meinem 15 Jahre alten Haus (etwa 30 kWh/(m²·a)): Der Kaminkehrer beschädigt nun plötzlich den Rauchgasabzug innerhalb des Ofens mittels Bohrloch, den Schaden muss ich als Eigentümer reparieren. Dann sitzt er 20 Minuten dumm herum, solange muss der Ofen nämlich laufen, auch wenn dessen Steuerung darauf gar nicht anspringen will. Danach steckt er seine Messsonde für weitere 20 Minuten in das Loch, erklärt die Abgaswerte für sensationell gut und verabschiedet sich dann mit einer Rechnung von etwa 250,- €. Das wiederholt sich, während die problematischen Einzelfeuerungsanlagen weiter pullern und puren, ungefilterten Dreck in die Luft pusten.
      Was folgt in der Zukunft: Ein paar Prüfperioden später entspricht mein Abgasrohr vom Ofen zum Kamin einem Sieb, ist irreparabel. Ein neuer Ofen muss her, weil ich vorsätzlich gegen die Bestimmungen des Herstellers verstoßen habe (beschädigen Sie nicht interne Teile, indem Sie zum Beispiel mit spitzen Gegenständen…). Frage des Verkäufers: Warum haben Sie Ihren Ofen so zerstört, Löcher im Rauchgasabzug sollten Sie nicht bohren.

  7. Avatar

    Lutze

    17. November 2017 15:15 at 15:15

    Bitte schreibt nicht von „Mutti“. Sie ist keine Mutter und hat keine Kinder.
    Eher eine Anti-Mutti, die so kein Kind geschenkt haben möchte.

  8. Avatar

    Gerd

    17. November 2017 16:47 at 16:47

    Ja, sollte man drauf achten. Nach ihr die Sintflut, wäre für sie persönlich halb so schlimm.

  9. Avatar

    Lausi

    17. November 2017 17:46 at 17:46

    Wollt ihr die totale Mutti?! Bitte jetzt ein frenetisches Ja! Übrigens eignen sich Merkel’s Mundwinkel als idealer Sentiment-Indikator für DAX und Euro :-)

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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