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Der Anti-Mutti-Trade: Vor dem Wochenende Dax und Euro shorten?

Wir nennen es einen möglichen „Anti-Mutti-Trade“. Eigentlich sollte vergangene Nacht die große Grundsatzeinigung in den Sondierungsgesprächen hergestellt werden zwischen der Union, der FDP und den Grünen. Aber es geschah nichts bis heute früh…

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FMW-Redaktion

Wir nennen es einen möglichen „Anti-Mutti-Trade“. Eigentlich sollte vergangene Nacht die große Grundsatzeinigung in den Sondierungsgesprächen hergestellt werden zwischen der Union, der FDP und den Grünen. Aber es geschah nichts bis heute früh um 5 Uhr. Man vertagte sich auf heute Mittag. Daraus kann man nur schlussfolgern, dass es keine Einigung in den Kernthemen wie der Flüchtlingspolitik gab.

Die Grünen verließen heute früh als erste die Verhandlungen. Cem Özdemir ließ die wartenden Reporter wissen, dass es nun vor allem vom „Schiedsrichter“ (Mutti Merkel) abhänge, wie lange die nun anstehende Verlängerung dauern werde. Ab heute Mittag geht es also weiter. Auch am Wochenende? Alles noch offen. Nichts genaues weiß man nicht. Es ist nur offensichtlich, dass vor allem CSU und Grüne inhaltlich so weit auseinander liegen, dass eine Einigung eigentlich nicht möglich ist.

Es gibt wie gesagt nur eine Möglichkeit, dass diese Koalition Wirklichkeit wird. Mutti Merkel muss den kleinen Horst in die Handtasche stecken. Wenn er dann kuscht und JA sagt, kann es was werden. Das würde dann aber eine frostige, verkrampfte und verdammt unglückliche Koalition werden, egal wie Seehofer sich abwatschen lässt. Die einzelnen CSU-Abgeordneten stehen unter dem Druck ihrer Wähler in Bayern. Ob das dauerhaft gut gehen würde, wenn sie im Bundestag grüne Forderungen abnicken?

Nur Mutti gibt Hoffnung. Der wirkliche Grund, warum sich alle zusammenreißen könnten und irgendeine Einigung finden, kann nur folgender sein: Die Angst vor der AfD, und noch weiteren eigenen Verlusten bei Neuwahlen. Bloß keine Neuwahlen. Aber die sind eine noch größer gewordene Möglichkeit. Wenn die Leute hinter Seehofer ihn weiter torpedieren, stehen Neuwahlen vor der Tür, und Merkel wankt gewaltig. Wir hatten es erst gestern thematisiert. Europa und die Welt sehen Angela Merkel als den Anker der Stabilität an.

Bricht der weg, kommt so richtig Unsicherheit auf. Also, überlegen Sie (wenn Sie an der Börse aktiv sind), ob Sie noch vor dem Wochenende Dax und Euro shorten wollen, wenn sie an ein Scheitern der Sondierungsgespräche glauben. Nichts ist sicher, es ist Ihr eigenes Risiko. Aber: Wäre es ein noch viel größeres Risiko übers Wochenende einfach long im Markt zu bleiben? Wir wissen es genau so wenig wie Sie! Dieser Artikel soll lediglich ein Denkanstoß für die nächsten Stunden sein.

Also, die Hausaufgabe für Sie liebe Leser lautet: Die nächsten Stunden genau gucken, ob heute Nachmittag oder am frühen Abend doch noch eine Einigung zustande kommt. Wenn nicht, könnten Sie eventuell überlegen, ob sie kurz vor dem Wochenende vorsichtshalber (oder aus Spekulationsgründen) reagieren wollen. Ihre Entscheidung!


Mutti mir einigen ihrer Parteisoldaten. Foto: Sandro Halank / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    Robert14021984

    17. November 2017 10:08 at 10:08

    Neuwahlen wird es nicht geben. Da sind sich alle einig. Die Grünen gehen raus und SPD kommt rein. Große Koalition.. völliger Schwachsinn aber was soll man machen

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      17. November 2017 10:12 at 10:12

      @Robert, das hat Andrea Nahles vor wenigen Minuten kategorisch ausgeschlossen (SPD kommt rein), aber mal sehen..

      • Avatar

        philotos

        17. November 2017 11:28 at 11:28

        Vielleicht spekuliert der ein oder andere schon auf eine Koalition aus Union, FDP und AFD… „Dann gibts wirklich auf die Fresse!“

        …kleiner Spaß… ;)

        • Avatar

          Jana

          17. November 2017 11:36 at 11:36

          Gerne eine Koalition aus Union, AfD und FDP….aber ohne Merkel….wir brauchen konservative vernünfige Politik, die sich an Rechtsstaatlichkeit hält. Der ganze Wahnsinn unter Merkel kann doch so nicht weitergehen.

          • Avatar

            philotos

            17. November 2017 12:49 at 12:49

            Wenn Merkel zurücktritt, würde warscheinlich Union mit FDP reichen, da dann einige Prozent der AfD wieder zurück zur Union kommen.
            Allerdings würden dann die restlichen Parteien mit fieser Rhetorik den Bürgern versuchen ins Gewissen reden und zu einer „anti-konservativen“ Protestwählerei mobilisieren.
            Könnte knapp werden.

  2. Avatar

    Wolfgang Koch

    17. November 2017 10:14 at 10:14

    Der Bericht kommt leider ein wenig zu spät.Der Umweg über die Paradiseinseln Jamaica,Cayman,Bermuda etc.,hat wohl etwas zu lange gedauert.Der Begriff „Anti-Mutti-Trade“ist aber Extraklasse!

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    Gerd

    17. November 2017 10:58 at 10:58

    Wieso legt ihr so einen großen Wert auf das Wochenende?
    Das wird selbstverständlich am Wochenende nicht gelöst werden.
    Aber dann reden sie halt weiter, und weiter und weiter.

    Was erwarte ich schon von Menschen, die so zeitverschwenderisch sechs Wochen relativ kompromissfähige Punkte abarbeiten, um zum Schluss erst die allseits als total umstritten bekannten Punkte anzugehen? Nichts.
    Da muss ich erneut erwähnen, dass die umgekehrte Reihenfolge logisch gewesen wäre. Da hätte Mutti schon Anfang November sagen können, wir schaffen das nicht.
    Da ihr solche Sätze aber nicht über die Zunge gehen, reden sie weiter. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann reden sie noch ewig.

    Also von wegen WochenENDE. Das ist noch lange nicht das Ende.
    Wie schon geschrieben, die sind alle scharf auf ihren Dienstwagen und Mutti möchte noch viele Reisen im Kanzler-Airbus machen.
    Ach ja – ich wiederhole mich abermals – sie ist ja auch noch nicht fertig mit der Zerstörung Deutschlands.

    • Avatar

      Michael

      17. November 2017 19:47 at 19:47

      Wenn ich mir den Gold- oder JPY-Kurs eben anschaue, legen die Märkte eher Wert aufs aktuelle Wochenende, als auf die Labersäcke in Berlin, Mutti hin, Mutti her. XAU, ein prall gefülltes frühes Weihnachtssäckchen wurde soeben unerwartet gefüllt und in trockene Tücher gebracht ;)

  4. Avatar

    Sprenzi

    17. November 2017 11:11 at 11:11

    Was heißt denn „Anti-Mutti-Trade?“ Bedeutet das etwa, dass vielleicht Euro und Dax abmerkeln? :-)

  5. Avatar

    Jana

    17. November 2017 11:34 at 11:34

    am liebsten wäre es mir wenn diese Frau am Montag politisch Geschichte wäre…..wie man siich derart an Positionen krallen kann ist mir unbegreiflich…

  6. Avatar

    Marko

    17. November 2017 12:14 at 12:14

    „Nur Mutti gibt Hoffnung. Der wirkliche Grund, warum sich alle zusammenreißen könnten und irgendeine Einigung finden, kann nur folgender sein: Die Angst vor der AfD, und noch weiteren eigenen Verlusten bei Neuwahlen.“

    Und, wenn man mal ehrlich wäre, die Jamaika-Koalition wäre gerade für die Grünen und die FDP, soo schlecht nicht. Ist doch klar, dass sich verschiedene Parteien diametral gegenüberstehen, aber zu einer Koalition bedarf es zu einer Vernunft. Zum Thema grüne Forderungen:
    Verbot der Verbrennungsmotoren im Jahr 2030 für Neuwagen ? Soviel ich weiß, ist meine Öl-Heizung ein Verbrennungsmotor, wieso nicht gleich ein Verbot für alle ? Heizungen erzeugen nachweislich einen ziemlich hohen NOX-Ausstoß ? Und womit werden die betrieben mit Heizöl/Diesel ?
    Und dann ? Wärmepumpen für alle ? Ökö-Pellet-Heizungen sind doch auch Verbrennungsmotoren ?
    Woher kommt der Strom aus Windkraftanlagen ? Wasserenergie ? Solar ?
    Das würde bedeuten Verbot aller Traktoren, Schiffe, was ist eigentlich mit den Flugzeugen , kein Verbrennungsmotor ??? Zurück in die Steinzeit ?

    • Avatar

      Michael

      17. November 2017 19:36 at 19:36

      @Marko, das alles kling irgendwie skurril, wenig differenziert und vollkommen ahnungslos.
      Eine Ölheizung ist technisch tatsächlich Steinzeit und müsste neben Kohleöfen sofort verboten oder empfindlich bestraft werden. Dann schon lieber erst einmal vorübergehend Erdgas, obwohl auch das ein Nebenprodukt kohlenstoffhaltiger Energieträger ist, die vor Millionen von Jahren entstanden und somit für unsere heutige Umweltbilanz bzw. atmosphärische Zusammensetzung nur nachteilig sein können. Aber chemisch betrachtet: Der Furz brennt wesentlich besser als die Kacke.
      Holz-Pellets dagegen sind relativ umweltneutral, weil sie sie aus Pflanzen gewonnen werden, die im Zeitraum einer oder zwei menschlicher Generationen die entsprechenden Schadstoffe zuvor absorbiert haben. Relativ deshalb, weil natürlich ein minimaler zusätzlicher Energieaufwand nötig ist, um Holzabfallprodukte wie Sägespäne aus Schreinereien und Sägewerken zu Pellets zu pressen. Holz-Pellets können allerdings kein Massenprodukt werden, weil dafür kein Frischholz verwendet werden darf (nur Sägespäne, Winter-Bruchholz usw.)
      Ja, und dann zuletzt: Woher kommt der Strom aus Windkraftanlagen? Von den Windrädern! Aus Wasserenergie? Von den Wasser- und Gezeitenkraftwerken! Solar? Von all den Fotovoltaikanlagen!

    • Avatar

      leftutti

      17. November 2017 22:00 at 22:00

      @Marko, @Michael, das „Problem“ der sauberen Holzpelletheizungen wird derzeit ebenso sauber eliminiert, wie das „Problem“ Biodiesel vor einigen Jahren.
      Man (Öl-Lobby, Regierung und Verwaltung) hat inzwischen proklamiert, dass ein signifikant messbares umwelttechnisches Problem von sog. Einzelfeuerungsanlagen ausgeht. Damit hat man eigentlich grundsätzlich die Problematik uralter Kohle-, Öl- und auch der in Mode gekommenen Scheitholzöfen (Schwedenöfen) erkannt. Darin steckt somit eine gewisse nachvollziehbare Logik, weil die Technik dieser „Heizanlagen“ der Effizienz eines Lagerfeuers entspricht und längst sanktioniert hätte werden müssen.
      Man (Öl-Lobby, Regierung und Verwaltung) hat aber auch erkannt, dass Holz-Pellets-Heizungen auf saubere Art und Weise einen Prozentsatz von 5 bis 8% des Heiz-Energiebedarfs decken könnten, was einen nicht unerheblichen Fehlanteil am eigenen Gewinn bedeuten würde. Und zudem das öffentliche Bewusstsein an alternativen Energien fördern könnte, was vermutlich noch viel schwerwiegendere Konsequenzen hätte.
      Die realen Erscheinungsformen entsprechen allerdings leider wieder einmal der skurrilen Logik der Lobby nach einer heißen Bespechungsnacht mit der Politik. Sog. „handbefeuerte Einzelheizanlagen“ (also die wahren Dreckschleudern) dürfen weiterhin betrieben werden, wie bisher. Es darf also jeder seinen 60-Jahre alten Ölofen auf „Etagenbasis“ betreiben, Spanplatten, Pappe, Rinde und nasses Holz im Schwedenöfchen verheizen.
      Bei sog. „wassergeführten Öfen“, also modernen Pelletsheizungen, die wie eine Zentralheizung funktionieren, werden neuerdings nun repressive teure Prüfungen mit bewusster und vorsätzlicher Sachbeschädigung legalisiert. Man macht also was für die Umwelt!
      Ein Beispiel von meinem 15 Jahre alten Haus (etwa 30 kWh/(m²·a)): Der Kaminkehrer beschädigt nun plötzlich den Rauchgasabzug innerhalb des Ofens mittels Bohrloch, den Schaden muss ich als Eigentümer reparieren. Dann sitzt er 20 Minuten dumm herum, solange muss der Ofen nämlich laufen, auch wenn dessen Steuerung darauf gar nicht anspringen will. Danach steckt er seine Messsonde für weitere 20 Minuten in das Loch, erklärt die Abgaswerte für sensationell gut und verabschiedet sich dann mit einer Rechnung von etwa 250,- €. Das wiederholt sich, während die problematischen Einzelfeuerungsanlagen weiter pullern und puren, ungefilterten Dreck in die Luft pusten.
      Was folgt in der Zukunft: Ein paar Prüfperioden später entspricht mein Abgasrohr vom Ofen zum Kamin einem Sieb, ist irreparabel. Ein neuer Ofen muss her, weil ich vorsätzlich gegen die Bestimmungen des Herstellers verstoßen habe (beschädigen Sie nicht interne Teile, indem Sie zum Beispiel mit spitzen Gegenständen…). Frage des Verkäufers: Warum haben Sie Ihren Ofen so zerstört, Löcher im Rauchgasabzug sollten Sie nicht bohren.

  7. Avatar

    Lutze

    17. November 2017 15:15 at 15:15

    Bitte schreibt nicht von „Mutti“. Sie ist keine Mutter und hat keine Kinder.
    Eher eine Anti-Mutti, die so kein Kind geschenkt haben möchte.

  8. Avatar

    Gerd

    17. November 2017 16:47 at 16:47

    Ja, sollte man drauf achten. Nach ihr die Sintflut, wäre für sie persönlich halb so schlimm.

  9. Avatar

    Lausi

    17. November 2017 17:46 at 17:46

    Wollt ihr die totale Mutti?! Bitte jetzt ein frenetisches Ja! Übrigens eignen sich Merkel’s Mundwinkel als idealer Sentiment-Indikator für DAX und Euro :-)

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Aktienmärkte und Wirtschaft 2020: Ein Jahr der Extreme

Wer es geschafft hat, die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2020 oder die der Aktienmärkte auch nur ein paar Wochen vorherzusagen, sollte Lotto spielen

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Wer es geschafft hat, die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2020 oder die der Aktienmärkte auch nur ein paar Wochen vorherzusagen, sollte mal Lotto spielen, bei diesem Glück. Denn das Coronajahr wird in die Geschichte eingehen mit all seinen Anomalien, die es gewiss noch nicht allzu häufig in dieser Form gegeben hat. Wirtschaft, Finanzen und Aktienmärkte lieferten (und liefern?) Ausschläge ungeahnten Ausmaßes.

Aktienmärkte: Die saisonalen Muster – Fehlanzeige

Viele Börsianer versuchen aus den statistisch gehäuften, jahreszeitlich bedingten Mustern, Profit zu erzielen. Aber 2020?

Das Jahr begann relativ stabil, am Ende des Januars hatten sich S&P 500 und Dax kaum bewegt, was nach der Statistik auf einen ruhigen Jahresverlauf hindeuten würde. Bis Ende Februar ging es aufwärts, dann kam Corona. Nach der fulminanten Aufholjagd von Ende März und durch den April hinweg hätte man doch erwarten können, dass ein „Sell in May, but remember to come back in September“ funktioniert, nur erreichten die US-Indizes just am 2. September ein Allzeithoch, um praktisch den ganzen Monat hindurch zu korrigieren. Im Wahljahr sollte es einen schwachen Monat Oktober geben, bis zur letzten Woche, in der eine Wahlrally einsetzt. Doch was haben wir in den letzten Tagen erlebt? Einen Einbruch des Dow Jones von 2000 Punkten und beim Dax von über 1000 Zählern. Nun steht nur noch die Jahresendrally im Schlussquartal, als eiegntlich sehr sicheres saisonales Muster der Aktienmärkte, zur Disposition.

Der Konjunkturverlauf – ohne historisches Vorbild

Die Pandemie um Covid-19 führte zu einem bisherigen Konjunkturverlauf, den wohl kein Ökonom auf der Rechnung hatte. Chinas Konjunktur stürzte im ersten Quartal um 6,8 Prozent in die Tiefe und erholte sich in Q2 bereits schon wieder um 4,9 Prozent. Im Westen erwischte es im zweiten Quartal Großbritannien am stärksten mit minus 20,4 Prozent, gefolgt von Spanien mit minus 18,5 Prozent, Deutschland kam mit minus 9,7 Prozent noch relativ glimpflich davon, so wie die USA mit minus 9,5 Prozent auf Quartalsbasis. Auf Jahressicht allerdings mit erschreckenden 31,4 Prozent und gestern kam die erste Schätzung für das dritte Quartal in den Staaten: Plus 33,1 Prozent im Jahresvergleich, was auf den ersten Blick wie nach einer totalen Erholung aussieht, aber es hätten über 45 Prozent Anstieg sein müssen, um diesen Quartalseinbruch zu egalisieren.

Im europäischen Verfahren gerechnet: Nach minus 9,5 Prozent (Q2), jetzt plus 7,4 Prozent.

Auf alle Fälle brachte 2020 bisher die schnellste und tiefste Kurzrezession aller Zeiten, mit einem Wirtschaftseinbruch, der fast überall einem unvollständigen V gleicht, eher einem spiegelverkehrten Wurzelzeichen, das eine Erholung um etwa 90 Prozent anzeigt. Jetzt erleben wir die zweite Coronawelle, die in manchen Ländern vermutlich eine Double-Dip-Recession im vierten Quartal des Jahres zur Folge haben wird. Wie reagiren nun die Aktienmärkte?

Die Entwicklungen der Aktienmärkte

Wenn es bisher eine so genannte V-förmige Erholung geben sollte, dann haben dies die Aktienmärkte vollzogen. Nach einem Absturz der Märkte ab dem 20. Februar, wie man ihn noch nie in einer solchen Geschwindigkeit beobachtet hat – es brauchte nur 16 Tage vom Allzeithoch bis in einen Bärenmarkt – stürzten S&P 500 und Dax innerhalb von nur 34 Tagen um 33,9 beziehungsweise 39,6 Prozent in die Tiefe: Beim US-Leitindex auf 2206 und beim Dax auf 8255 Punkte. Aber es folgte eine ebenso spektakulären Erholung innerhalb nur eines halben Jahres.

Der Dax brauchte nur gut zwei Monate, um bis Anfang Juni um 57 Prozent auf 12913 Punkte zu steigen und nur ein halbes Jahr um mit 13460 Punkten fast sein Allzeithoch von Ende Februar zu erreichen (13788 Punkte).

Was dem US-Leitindex S&P 500 am 2. September mit 3580 Punkten gelungen ist (Februar-ATH 3386 Punkte): Rekorde der Aktienmärkte inmitten des größten Wirtschaftseinbruchs seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie konnte so etwas zustande kommen?

Notenbankbilanzen und Zinsniveau

Wer geglaubt hatte, dass das Jahr 2019 mit seinen über 100 Zinssenkungen durch die Notenbanken dieser Welt der Höhepunkt gewesen sein müsste, den belehrte spätestens der März 2020 eines Besseren. Die Federal Reserve folgte vielen westlichen Notenbanken und senkte die US-Leitzinsen auf 0 bis 0,25 Prozent. Begleitet von Anleihekäufen, die die Fed-Bilanz innerhalb von wenigen Monaten von vier auf 7,18 Billionen Dollar explodieren ließ. Die Europäische Zentralbank war vor Kurzem bei 6,74 Billionen Euro angelangt, zusammen mit der Bank of Japan erreicht man bereits über 20 Billionen Dollar. Die Bilanzsummen der Notenbanken marschieren in ungeahnte Höhen: In Japan auf 136 Prozent zum BIP, in Europa auf 66 Prozent und in den USA auf 37 Prozent.

Dies hat laut JP Morgan folgendes zur Folge (Stand Mitte Oktober):

Weltweit gibt es 17 Billionen Dollar an Anleihen, die keine oder sogar Minuszinsen abwerfen. Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern. Der Anlagenotstand für Kapitalsammelstellen (wie Staats- und Pensionsfonds) hat im Herbst des Jahres 2020 eine bisher noch nicht gesehene Dimension erreicht – und das erklärt die Kurse der Aktienmärkte.

Jetzt stehen die US-Wahlen an und der Sieger muss aus faktischen Gründen angesichts von über 11 Millionen Arbeitslosen und 50 Millionen Lebensmittelmarkenbeziehern in den USA zwangsläufig ein fünftes Rettungspaket auflegen. Außerdem ergab eine Umfrage im Sommer, dass 40 Prozent der Amerikaner keine 400 Dollar an Reserven besitzen, um sich zum Beispiel ein defektes Haushaltsgerät ersetzen zu können. Man kann sich immer nur wundern, wie die US-Regierung hier das Bild einer gesunden US-Wirtschaft zeichnen kann.

Bei einer weiteren Verschuldung stellt sich irgendwann die Frage: Wann wird sich dies bei den Kapitalmarktzinsen bemerkbar machen? In jeder Volkswirtschaft gibt es das Phänomen des Bruchs mit der Linearität, plötzliche Ausbrüche aus einer stabilen Entwicklung, davor sind auch die Vereinigten Staaten nicht gefeit.

Die Forschung für einen Impfstoff

Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurde mit solcher Intensität an einem Impfstoff gegen ein Virus geforscht – Sars-CoV-2. 160 bis 200 Projekte gibt es derzeit weltweit, einige Vakzine befinden sich bereits in der klinischen Phase 3 und die großen Staaten haben vorsorglich schon drei Milliarden Impfdosen bestellt, ohne zu wissen, welches Mittel sich überhaupt durchsetzen und welchen Effekt es überhaupt haben wird. Die Aktien von Moderna, CureVac oder Biontech explodieren an den Börsen um mehrere 100 Prozent, weil viele Investoren einen Milliardenmarkt wittern. Viele Projekte werden im Sande verkaufen, viele Millionen versickern, weil keiner weiß, was sich durchsetzt – und vor allen Dingen wann?

Die Entwicklung der Pandemie

Viele führende Virologen warnen, dass die Welt noch bis Ende des Jahres 2021 mit dem Virus leben müsse oder vielleicht sogar auf Dauer. Was bedeutet dies konkret? Derzeit gibt es weltweit über 45 Millionen bestätigte Infektionen, was angesichts von 7,6 Milliarden Menschen nur ein gutes halbes Prozent der Weltbevölkerung ausmachen würde. Aber sind das überhaupt realistische Zahlen? Wurden aus bestimmten Metropolen der Welt – New York, Neu-Dehli, Sao Paulo, Mexiko City – nicht schon Antikörpertests ausgewertet, die auf eine 20 bis 50 prozentige Durchseuchung von Teilen der Bevölkerung hinweisen?

In Ländern wie den USA, Brasilien, Spanien, Belgien u.a. werden offiziell Infektionsraten von 2,5 bis 3 Prozent der Bevölkerung gemeldet, aber der Chef der US-Seuchenbehörde CDC der USA, Redfield, hat sich in diesem Jahr geäußert, dass man mit einer Dunkelziffer von Faktor 10 bei den Infektionen rechnen könne. Die USA haben bereits über neun Millionen Coronainfizierte bei einer Bevölkerung von gut 330 Millionen. Wie viele Menschen werden bis Ende 2021 schon mit dem Virus infiziert worden sein? Selbst der deutsche Virologe, Professor Streeck, rechnet mit einer gewaltigen Durchseuchung bis dahin. Es sei auch bis jetzt nicht klar, welche Immunität ein Impfstoff zur Folge haben wird? Wie viele Menschen werden sich überhaupt impfen lassen (müssen)? Fragen über Fragen.

Aber bei Fortführung der Gedankengänge über die Infektion der Menschheit mit Covid-19 schleicht sich ein unangenehmes Gefühl ein: Deutschland hat im Vergleich zur Bevölkerungszahl eine sehr niedrige Infektionsrate (0.59 Prozent), auch wenn man eine Dunkelziffer mit einbezieht, die aber aufgrund unserer Maßnahmen nicht allzu hoch sein dürfte. Was aber nicht anderes heißt, dass für unser Land noch ein weiter Weg in Sachen Corona bevorsteht – außer der Impfstoff kommt rechtzeitig und mit hoher Wirksamkeit.

Ausblick

Doch zurück zur Wirtschaft und zur Börse. Was bedeutet die aktuelle Gemengelage für das Jahresende der Aktienmärkte? Der Ausgang der Wahlen, die Börsenentwicklung, die Pandemie? In Summa „not predictable“. Doch wird auf eines Verlass sein: Das Gelddrucken geht weiter – so hat Madame Lagarde erst gestern die weiteren Notenbankkäufe der EZB bestätigt: bis mindestens Mitte 2021 wolle man alles tun und den ganzen Instrumentenkasten nutzen, um die Erholung der Wirtschaft zu fördern.

Auch die Bundesregierung hat eine große Summe an Ausfallszahlungen für den Monat des Lockdowns, November, angekündigt, um die wirtschaftlichen Folgen des verordneten Stillstands (Lockdown light) abzumildern.

Die Geldflut wird nicht verebben. Und wenn man den Chart zwischen Notenbankbilanz und Entwicklung der Aktienmärkte (S&P 500) betrachtet, so könnte man eigentlich auf eine bestimmte Jahresendprognose kommen.

Und was die Pandemie und die mögliche Wirkung der gerade angekündigten Lockdown-Maßnahmen betrifft, so empfiehlt sich ein Blick auf Israels Infektionszahlen, dem Land, welches bereits vor einigen Wochen solche verhängt hat..

Aktienmärkte und Wirtschaft im Coronajahr 2020

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Aktien

Dax mit Crash? Mögliche Ausweitung der EZB-Maßnahmen, Ideen zu SAP und Allianz

Redaktion

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Gibt es im Dax einen neuen Crash? Diese Frage bespricht Manuel Koch im folgenden Video mit einer Expertin. Auch Thema seines Videos sind die ganz frisch verkündeten neuen Rettungsgelder für die Wirtschaft, damit der anstehende kleine Lockdown im November verkraftet werden kann. Wichtig ist auch die heute angedeutete Ausweitung der EZB-Maßnahmen im Dezember.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Die Aktien der Allianz seien eine Short-Chance per Stop-Sell-Order. Die Aktien von SAP seien ein Kauf per Stop-Buy-Order. Beide Ideen werden ausführlich begründet.

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Corona-Hilfen: Ausfallzahlungen im November, und eine ganz wichtige Änderung!

Claudio Kummerfeld

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Neue Corona-Hilfen vom Bund

Aufgepasst liebe Selbständige und Unternehmer, es tut sich was bei den Corona-Hilfen des Bundes. Es ist ja inzwischen bekannt, dass die Bundesregierung betroffene Unternehmer mit bis zu 75 Prozent der Umsätze aus November 2019 entschädigen will, wenn sie jetzt im November 2020 durch Betriebsschließungen Umsatzeinbußen erleiden. Dies soll für Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern gelten. Für Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern gibt es gestaffelt Erstattungen von 70 Prozent und weniger. Vor allem die Gastronomie wird wohl profitieren, aber auch Freizeiteinrichtungen, und womöglich deren Zulieferbetriebe. Details werden gerade noch geklärt. Diese Corona-Hilfen sind sehr wichtig. Sonst hätte dieser neue kleine Lockdown, der ab Montag startet, wohl endgültig viele Unternehmen finanziell ruiniert.

Die genauen Details der neuen Hilfen sollen laut Olaf Scholz noch veröffentlicht werden auf https://www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de . Noch ist die Seite nicht auf aktuellem Stand, aber aus den ganz frischen Aussagen der beiden Minister hört man, dass die beiden Ministerien genau in diesem Minuten die Details ausarbeiten. Also sollte man morgen oder am Wochenende diese Seite mehrmals besuchen und nach neuesten Infos Ausschau halten. Anträge sollen schnell bearbeitet werden. Wir empfehlen die nächsten Tage auch immer einen Blick zu werfen auf die Webseiten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesfinanzministeriums.

Corona-Hilfen mit kleinem, aber sehr wichtigem Detail

Aber ein wichtiges Detail bei den Corona-Hilfen wird für viele Unternehmer eine große Erleichterung darstellen, um jetzt weiter durchhalten zu können. Denn bisher galt die ziemlich unsinnige und unfaire Regelung, dass die KfW-Schnellkredite in der Coronakrise nur für Unternehmen zugänglich waren, die mindestens 10 Mitarbeiter haben. Jetzt liest man im offiziellen Infotext des Bundeswirtschaftsministeriums (siehe hier), dass der KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten zugänglich gemacht werden soll. Diese winzige Änderung bei den Corona-Hilfen kann für viele kleine Unternehmer die Rettung bedeuten, zumindest in Sachen Liquiditätshilfe. Hier weitere Details im Wortlaut vom Ministerium:

Es hat sich als unvermeidlich erwiesen, für die Dauer der nächsten vier Wochen auch viele Unternehmen zu schließen, um auf diese Weise Kontakte im erforderlichen Umfang zu reduzieren. Das betrifft unter anderem Gastronomiebetriebe, Bars, Clubs und Diskotheken, aber auch Dienstleistungsbetriebe, Messen, Kinos, Freizeitparks oder Fitness-Studios. Viele von ihnen haben Vorbildliches bei der Umsetzung von Hygiene- und Abstandskonzepten geleistet und seit Ausbruch der Pandemie schwere Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

Die Bundesregierung wird diese Betriebe umfassend unterstützen, um ihnen den Fortbestand in dieser schweren Zeit zu erleichtern:

Wir gewähren den von temporären Schließungen erfassten Unternehmen eine außerordentliche Wirtschaftshilfe, die bis zu 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats erfasst;

Wir werden die Leistungen der Überbrückungshilfe verlängern und für die hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche wesentlich verbessern;

Wir öffnen den KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten;

Die Regelungen gelten unter anderem für Unternehmen, Selbständige und Soloselbständige. Insbesondere auch in der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft.

Die beschlossenen Maßnahmen zeigen, dass wir unsere Unternehmen nicht allein lassen, sondern zielgerichtet unterstützen. Hierzu stellen wir Mittel bis zu einer Höhe von 10 Milliarden Euro bereit.

Hier weitere aktuelle Aussagen aus der vorhin gelaufenen PK von Olaf Scholz und Peter Altmaier, in Kurzform zusammengefasst:

Der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft will man auch über den November hinaus eine Perspektive aufzeigen. Und auch der Gastronomie will man helfen die anstehende harte Zeit zu überstehen. An Einzelheiten arbeite man jedoch noch. Auch will man eine Verlängerung der „Überbrückungshilfe III“ bis ins nächste Jahr hinein erreichen. Und bis zu 300.000 Euro sollen auch über Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitgestellt werden können.

Hier die PK im Video:

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