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Devisen

Der Dollar-Schock!

Die Stärke des Dollar ist dabei, einen „Dollar-Schock“ auszulösen. Der Grund: die Welt hat sich in nur sechs Jahren mit 60 Billionen Schulden vollgesogen, die auf Dollar lauten. Die gloabaln Eliten aber werden mit extrem Maßnahmen reagieren, um ihren Untergang zu vermeiden!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Bekanntlich ist der Dollar seit der Wahl Donald Trumps nach einem kurzen und sehr heftigen Schwächeanfall extrem stark geworden – der Dollar-Index handelte gestern auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2003. Der Grund für den Dollar-Anstieg ist schlicht, dass die Märkte davon ausgehen, dass die Fed aufgrund der absehbaren inflationären Politik Donald Trumps gezwungen sein wird, die Zinsen schneller anzubehen als sie das eigentlich will und vorhat (so gestern James Bullard, der gestern meinte, dass eine Zinsanhebung reichen dürfte, um die Geldpolitik neutral zu gestalten).

Was aber ist das Problem, wenn der Dollar zu stark wird? Mit einem Wort: es gibt dann Dollar-Mangel, die globale Liquidität trocknet aus! Aber wie ist das möglich, angesichts der Tatsache, dass die Fed zwischen dem Jahr 2008 und dem Jahr 2015 3,4 Billionen (!) neue Dollars gedruckt hat?

Die Antwort lautet: die Welt hat sehr viel mehr auf Dollar lautende Schulden aufgenommen, als die Fed Dollars gedruckt hat! Für jeden Dollar, den die Fed in diesem Zeitraum neu gerduckt hat, hat die Welt 20 Dollar neue Schulden gemacht. Schulden also, die auf US-Dollar lauten und irgendwann in US-Dollar zurück gezahlt werden müssen! Mithin hat also die Fed durch ihr Gelddrucken (auf der Festplatte) die Voraussetzung geschaffen, dass zwischen 2009 und 2015 global 60 Billionen auf Dollar lautende Schulden aufgenommen wurden.

All das war kein Problem, solange das Wachstum in der Welt ok schien – und Dollars weiter aus den USA vor allem in die Emerging Markets flossen. Aber nun – das hat der Crash der Währungen der Emerging Markets in den letzten Tagen klar gezeigt, fließen die Dollars aus den Emerging Markets wieder ab – in Richtung USA. Und die Schulden vor allem der Emerging Markets, die auf Dollar lauten, werden durch die Dollar-Stärke immer drückender, weil in der jeweiligen Landeswährung immer höher. Mithin haben also diejenigen, die Dollar-Schulden aufgenommen haben, zu wenige Dollar, um die Schulden in Dollar zu bezahlen – ihr Einkommen besteht ja in einer Währung, die weniger wert geworden ist im Vergleich zum Dollar!

cash
Foto: Gemeinfrei

Und das ist brandgefährlich! Es gibt nicht genug Dollar, viele Schuldner geraten in große Schwierigkeiten. Schuldner aber, die in Schwierigkeiten sind, machen ihre Kreditgeber nervös. Also wollen die Kreditgeber so schnell wie möglich ihre Kredite zurück gezahlt bekommen – sie wollen ihr Geld zurück, schon aus Unsicherheit darüber, wer welche Risiken hat. Und genau das erinnert an die Finanzkrise ab 2008 – als alle gleichzeitig ihr Geld zurück haben wollten! Eine hausgemachte Liquiditätskrise mit unabsehbaren Folgen.

Das sieht auch die Zentalbank der Zentralbanken, die BIS so:

„When so many borrowers have borrowed so much in dollars (..) dollar appreciation exposes borrowers and lenders to valuation changes and, in turn, impacts their balance sheets (..). If banks react to resurgent volatility by reducing their intermediation activity, as happened during the 2007–09 crisis, the banking sector may become an amplifier of shocks rather than an absorber of shocks.“

Alle, vor allem die Banken, wollen ihre Risiken reduzieren und reduzieren daher ihre Aktivitäten, so die BIS. Und damit werden die Banken dann die Krise noch zusätzlich verschärfen.

Da können also nur noch die Zentralbanken helfen. Aber die Frage, die sich die Märkte stellen werden, ist: können die Zentralbanken noch helfen, nach all dem, was an extremen Maßnahmen in den letzten Jahren schon passiert ist? Eines scheint klar: wenn der Dollar-Schock, der durch Zinsanhebungen durch die Fed noch befeuert würde, kommt, dann werden noch weit radikalere, verzweifeltere Maßnahmen beschlossen als in der Reaktion der Notenbanken auf die Finanzkrise. Den globalen Eliten drohen die Felle weg zu schwimmen – und sie werden sich dann mit aller Kraft gegen ihren Untergang wehren!

19 Kommentare

19 Comments

  1. Avatar

    Feldmaen

    17. November 2016 13:31 at 13:31

    Warum sollte in diesem Zusammenhang die FED dann die Zinsen anheben? Sie ist doch Teil der weltweiten Finanzelite, oder etwa nicht? Und welche noch verzweifeltere Maßnahmen sollen das sein?

    • Avatar

      frank.trg

      17. November 2016 13:44 at 13:44

      gute Frage. Wieso sollte die FED dann die Zinsen anheben? Es wird vermutet dass Trump Jenet Yellen los werden will und er möglicherweise steigende Zinsen haben will. Aber die FED ist vermutlich mächtiger als der US-Präsident. Formal ist die FED eh unabhängig und eigentlich auch real. Wenn die FED nicht mitspielt kann Trump eigentlich nichts machen.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      17. November 2016 14:25 at 14:25

      @Feldmaen, die Fed ist da entweder blauäugig oder schlicht zu ignorant; Fed-Vize Fischer sagte, wenn ich mich recht erinnere war es vorgestern, er sei “reasonably confident” dass es keine negativen Folgewirkungen („spillover effects“) für die Emerging Markets bei einer Zinsanhebung durch die Fed geben werde..

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    frank.trg

    17. November 2016 13:38 at 13:38

    hört sich übel an. Da könnte sich was anbahnen…

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    gerd

    17. November 2016 13:41 at 13:41

    Bald ist es soweit, dass ich sämtliche makroökonomischen Sachverhalte nicht mehr verstehen kann und auch nicht mehr will.

    Auf der einen Seite ist die Welt massiv und gefährlich hoch in Dollar verschuldet. O.k.
    Andererseits wird mir immer wieder vorgetragen, Amerika sei es, welches total überschuldet sei. Und zwar dem Ausland gegenüber.
    Alleine schon China hat sich bis zur Halskrause mit amerikanischen Staatsanleihen vollgestopft.
    Und schließlich finanziert das Ausland schon seit gefühlten hundert Jahren das Außenhandelsdefizit der USA.

    Mir ist das zu hoch. Ich gebs auf, ist mir zu kompliziert.

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      Walter Schmid

      17. November 2016 15:43 at 15:43

      Mir geht das ganz genauso und ich glaube, jedem vernünftig denkenden Menschen geht es so. Aber die allwissenden Börsenprofis können immer alles erklären und natürlich auch dann, wenn es ganz anders kommt.

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    Wolfgang Koch

    17. November 2016 13:50 at 13:50

    Panikmache,Herr Fugmann?All die letzten Jahre in denen ich FMW verfolgt habe,war noch nie vom Untergang der Märkte die Rede.Was soll also nun anders sein?Ich habe mein Leben am ewigen Nullzinsparadies ausgerichtet,das erste Wort,welches mir nach dem Aufwachen in den Sinn kommt,ist ultralockere Geldpolitik,auch heute wieder.Ich habe auch einen INRI in Blickrichtung wenn ich meine Augen aufschlage.Soll ich diesen geldpolitischen Looser abhängen&mir stattdessen einen Draghi aufhängen?(Draghi aufhängen,klingt sehr symphatisch?Helft mir bitte.

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      carsten

      17. November 2016 16:24 at 16:24

      schnitzt Du mir auch einen Draghi zum aufhängen ?
      ….oder gibt es den auch schon in Chinaplaste ?

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    Emm wie Meikel

    17. November 2016 14:20 at 14:20

    Je länger der USD an der 100 Punkte Marke herumkraxelt, umso mehr Druck baut sich im Kessel auf. Der wird sich irgendwann nach oben oder unten hin entladen. Schließt der Index deutlich über 100, bin ich gezwungen, meine Dollarposition wieder auf Long zu drehen. Ich bin mal gespannt.

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      gerd

      17. November 2016 14:36 at 14:36

      Mal angenommen ab 101 würde richtig Fahrt aufgenommen.

      Was könnte dann, ganz unverbindlich, ein eventuelles Kursziel sein?

      • Avatar

        Emm wie Meikel

        17. November 2016 15:26 at 15:26

        Die 100 Punkte sind eine hart umkämpfte Marke, die auf Monatsbasis schon 5 mal erfolglos angetestet wurde (siehe auch http://finviz.com/futures_charts.ashx?t=DX&p=m1). Wir erleben gerade den 6. Versuch.

        Gelingt der Ausbruch, kann kann (es meiner Einschätzung nach) mittelfristig (konkret: auf Sicht von mehreren Monaten) durchaus in Richtung 105 gehen. Bei einem sehr aggressiven Anstieg sogar in Richtung 110. Gelingt er nicht, sind wir wieder in der 2 jährigen Seitwärtsrange zwischen 92 und 100 Punkten gefangen.

        Währungseffekte interessieren mich nur sekundär (ist nicht mein Brot und Butter Geschäft), trotzdem kann ich sie nicht ignorieren. Meine Positionen notieren überwiegend in USD, von daher hedge ich sie, von Zeit zu Zeit.

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          gerd

          17. November 2016 15:45 at 15:45

          In der Tat, das verlinkte Chartbild ist schon beeindruckend.
          Wenn denn, dann aber womöglich wirklich kräftig.
          Könnte evtl. ab 4.12. nach dem Italien-Referendum sein.

          Andererseits kann aber auch sein, dass die Fedsitzung noch erst abgewartet wird. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Amerika daran gelegen ist, wenn der Dollar gegenüber dem Währungskorb weiter 5% oder sogar bis zu 10% aufwertet. Das würde ja die Trumpschen Konjunkturmaßnahmen ins Leere laufen lassen.
          So gesehen, dürfte es dann allerhöchstens eine minimale Zinsmaßnahme geben, auf dass der Dollar unten bleibt. …… aber, warten wir es ab, was der Chart spricht.

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            Emm wie Meikel

            17. November 2016 15:51 at 15:51

            So ist es. Abwarten und Tee trinken, wir haben alle keine Glaskugel. Unverhofft kommt oft :-)

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    Bernd

    17. November 2016 14:32 at 14:32

    Wenn aus 3,4 Billionen neuen FED-Dollar 60 Billionen Schulden wurden, müssen ja 56,6 Billionen Cash-Vermögens-Dollar geflossen sein. Wenn nun ein Großteil des Schulden-Geldes wieder in die USA strebt, gibt es doch dort wieder ein Dollar-Überangebot und sein Wert würde wieder fallen. Und welche verzweifelten, radikalen Maßnahmen könnten die Finanz-Eliten denn überhaupt ergreifen ?

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      gerd

      17. November 2016 14:47 at 14:47

      Ich schrieb ja oben schon, dass mir alles immer rätselhafter wird.
      Insofern nur mal lesen, drüber nachdenken aber nicht als die Wahrheit betrachten:

      „Wenn nun ein Großteil des Schulden-Geldes wieder in die USA strebt…(dann würde der) ..Wert (des Dollars)… wieder fallen“
      Damit meinen Sie, dass Dollar-Kredite in den USA vom Ausland wieder zurückgezahlt werden?
      Dann müsste m.M. nach der Dollar tendenziell s t e i g e n , weil das Ausland sich Dollar besorgen muss, um tilgen zu können.

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    frank.trg

    17. November 2016 15:29 at 15:29

    Wenn ich es richtig verstehe sind die 60 Billionen USD private Schulden und haben nichts mit der US-Staatsverschuldung zu tun. Einfaches Beispiel – ein Mexikaner leiht sich von einer Bank USD und kauft damit ein Haus in Mexiko. Ziel ist das niedrige US-Zinsniveau auszunutzen. Das ist klassische Geldschöpfung. Das Geld wird „erzeugt“ sobald der Kredit nachgefragt wird. Wenn der Kredit wieder zurückgezahlt wird wird dieses Geld wieder „vernichtet“. Außer der Zinsen bleibt nichts übrig und somit verstehe das Probelm nicht so ganz. Die 60 Billionen USD sind ja in vermutlich in Realwerte geflossen, beispielsweise in Immobilien, Rohstoffe etc. Ein Problem würde nur entstehen wenn diese Realwerte an Wert verlieren und die Schuldner zahlungsunfähig werden.

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      gerd

      17. November 2016 16:03 at 16:03

      Ich glaube, dass FMW das Problem darin erkennt, dass der Mexikaner fortan durch die Währungsumrechnung eine höhere monatliche Rate aufzubringen hat.

      Demgegenüber stehen demnach die Ausländer, die wie Sie schreiben, dem USA-Staat das Geld geliehen haben.
      Die hätten dann einen Währungsgewinn, der aber dann dem Mexikaner auf der anderen Seite auch nicht hilft.

  8. Avatar

    DummundDümmer

    17. November 2016 15:30 at 15:30

    Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.
    John Connally, US-Finanzminister unter Richard Nixon, 1971

    Wir stehen am Rande einer weltweiten Umbildung. Alles was wir brauchen ist die richtige,allumfassende Krise und die Nationen werden in die Neue Weltordnung einwilligen.

    (David Rockefeller im Juni 1991 auf der Bilderberger-Konferenz in Baden-Baden)

    …alles läuft nach Plan

  9. Avatar

    GN

    19. November 2016 20:54 at 20:54

    Liebe FMW-Redaktion, das müßt ihr mir mal bitte erklären, wie man in einem Schuldgeldsystem mehr Schulden als Geld haben kann. In einem Schuldgeldsystem steht für jede Einheit einer Währung auch eine Einheit Schulden gegenüber…..

    Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, dann erzeugt sie das Geld in dem Moment der Kreditaufnahme neu aus dem Nichts.Auch, daß die Zentralbanken für das Geldmengenwachstum verantwortlich seien, ist blanker Unsinn. Das sind seit 1971 zu über 90% die privaten Geschäftsbanken….

    Viele Grüße

    GN

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Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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Devisen

Türkische Lira verliert spürbar – warum das kein gutes Zeichen ist

Redaktion

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Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira verliert heute spürbar gegenüber US-Dollar und Euro. US-Dollar vs Lira steigt gegenüber Freitag Abend von 7,62 auf 7,78. Euro vs Lira steigt von 9,02 auf 9,24. Das entscheidende bei diesen Kursbewegungen ist: Die Kursgewinne für die türkische Lira, die seit letztem Donnerstag entstanden, sind jetzt wieder verpufft. Denn wir erinnern uns: Am letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank den Leitzins um gigantische 4,75 Prozentpunkte auf 15 Prozent angehoben, um endlich die Inflation in der Türkei einzudämmen. Gut, genau diese Höhe der Zinsanhebung war erwartet worden – aber sie war durch die steigende türkische Lira in den beiden Wochen vorher schon gut eingepreist worden. Dennoch dürfte es aktuell für die Lira-Bullen am Devisenmarkt deprimierend sein, dass diese drastische Zinsanhebung nicht in einer schnell weiter aufwertenden Lira mündet.

Im folgenden Chart sehen wir den Kursverlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen. Die aktuelle Lira-Abwertung ist derzeit auch deswegen so auffällig, weil gerade heute der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) im Chartverlauf ganz klar verliert, und ein Tief aus den letzten Tagen nach unten durchbrochen hat. Also: Der US-Dollar ist heute ganz eindeutig der Verlierer, kann aber gegen die türkische Lira klar gewinnen. Daran sieht man, dass es sich wohl um eine eigenständige Schwäche der Lira handelt!

Türkische Lira immer noch unter Druck durch physische Verkäufe im Inland?

Das andere schlechte Zeichen für die türkische Währung ist, dass türkische Bürger und Unternehmen die Lira-Stärke der letzten Tage offenbar dafür nutzen um ihre Bestände in US-Dollar und Euro weiter aufzubauen, wofür natürlich die türkische Lira verkauft werden muss. Denn nur mit Markttechnik und Gewinnmitnahmen aus den letzten Tagen ist diese aktuelle Lira-Abwertung nur schwerlich zu erklären. Laut aktuellen Berichten bestehen jetzt 57 Prozent aller Bankguthaben in der Türkei aus Fremdwährungen – im Juli seien es noch 50 Prozent gewesen. Und die türkischen Sparer würden immer noch relativ geringe Zinserträge in Lira erhalten in Relation zur hohen Inflation.

Das würde natürlich erklären, dass man die Flucht in Fremdwährungen weiter bevorzugt. Die Umsätze in der Lira am internationalen Devisenmarkt waren heute Vormittag eher dünn. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass Bürger und Unternehmen in der Türkei eben diese Lira-Stärke seit letztem Donnerstag nutzten um auch heute am Montag türkische Lira gegen US-Dollar und Euro zu tauschen. Ist kaum großes Volumen am internationalen Devisenmarkt in der Lira vorhanden, kann so ein physischer Kaufdrang den Kurs spürbar beeinflussen. Es ist gut möglich, dass die Lira deswegen heute diese Abwertung vollzieht.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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Allgemein

Brexit-Einigung? Wie das Pfund letztlich auch auf den Goldpreis abstrahlen kann

Claudio Kummerfeld

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Das Brexit-Wort über dem Union Jack

Auch wenn die Brexit-Verhandlungen jüngst wegen einem Corona-Fall in der EU-Delegation unterbrochen wurden, so legt ein ganz aktueller Artikel im „The Guardian“ nahe, dass der Brexit-Deal zwischen Großbritannien und der EU doch noch ein Erfolg werden könnte. Über die wichtigsten Punkte gäbe es bereits Einigungen. Also, nehmen wir jetzt mal an, dass wirklich dieses kleine Wunder geschieht, und man sich in den nächsten Tagen wirklich noch auf einen Brexit-Deal einigt.

Brexit-Deal bringt Pfund spürbar nach oben?

Dann, da ist sich die Analystengemeinde relativ einig, sollte dies für das britische Pfund eine spürbare Aufwertung gegenüber US-Dollar und Euro bedeuten. Denn bei einem geregelten und relativ zollfreien Handel mit dem Kontinent wäre das ein kräftiger Pluspunkt für die britische Wirtschaft! Aber kommen wir zu den möglichen Folgewirkungen, die sich bis zum Goldpreis erstrecken können.

Der Dollar-Index ist ein Währungskorb des US-Dollar gegenüber anderen weltweit wichtigen Währungen wie dem Euro, Pfund, Schweizer Franken, Yen usw. Der Euro stellt in diesem Korb gegenüber dem US-Dollar das Schwergewicht dar mit 57,6 Prozent Gewichtung. Das britische Pfund ist in diesem Korb mit 11,9 Prozent Anteil vertreten. Dennoch: Sollte das Pfund dank Brexit-Einigung plötzlich kräftig aufwerten, könnte dies den Dollar-Index spürbar runterziehen.

Fallender US-Dollar bringt Goldpreis zum Steigen

Und ein fallender US-Dollar bedeutet grundsätzlich eine Aufwertung für alle Assets, die global hauptsächlich in US-Dollar gehandelt werden, wie der Ölpreis und auch der Goldpreis. Letzterer ist seit Monaten äußerst sensibel in Bezug auf Bewegungen im US-Dollar. So kann eine kräftige Aufwertung im britischen Pfund daher über einen schwächeren US-Dollar zu einem steigenden Goldpreis führen. Soweit das Szenario. Ob es so kommt, und ob das mit dem Brexit-Deal überhaupt etwas wird… das kann Stand jetzt wohl nicht mal die beste Glaskugel sagen. Im Chart sehen wir den Verlauf des Pfund gegen den US-Dollar seit Mitte 2017.

Chart zeigt Pfund gegen US-Dollar seit dem Jahr 2017

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