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Der Euro ist der große Verlierer – Machtverschiebung nach China

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Von Markus Fugmann

Die gestern beschlossene Aufnahme des Yuan in den Währungskorb des IWF geht vorwiegend auf Kosten des Euro, dessen Anteil von von 37,4% auf nun 30,9% absackt. Dass die Gemeinschaftswährung so stark verliert, ist kein Zufall: der Euro ist als Reservewährung durch die Zentralbanken dieser Welt zuletzt immer stärker reduziert worden, und die Tendenz geht weiter nach unten: aktuell sind die Bestände der Zentralbanken so niedrig wie seit dem Jahr 2002 nicht mehr. Es ist der IWF selbst, der diese Daten von den Zentralbanken sammelt – und daher genau weiß, wie stark der Abstieg des Euro als bislang zweitwichtigste Währung der Welt tatsächlich ist. Mithin also hat der IWF auf diesen Bedeutungsverlust reagiert, sodass der Euro die Hauptlast für die Aufnahme des Yuan zu tragen hat.

Der Euro hat in diesem Jahr bereits 13% zum US-Dollar verloren, 5% davon im letzten Quartal. Auch das dürfte den IWF dazu bewogen haben, den Anteil des Euro so stark zu reduzieren. Denn der negative Einlagezins, der vermutlich am Donnerstag noch weiter in negatives Territorium abgesenkt wird, macht das Halten von Euro-Reservepositionen für Zentralbanken teuer und damit unattraktiv. Dass der Dollar an Gewichtung kaum verloren hat, liegt nicht an einer Verschwörung des von den USA dominierten IWF, sondern daran, dass der Dollar als Reservewährung für die Zentralbanken wieder wichtiger geworden ist: sie haben ihre Bestände an Dollars, zuungunsten des Euro, zuletzt immer weiter aufgestockt.

 

Was die EZB unter Mario Draghi betreibt, ist eine systematische Weichwährungspolitik, die durch die Fundamentaldaten aus der Eurozone nicht gerechtfertigt ist. Es gibt schlicht keinen wirklich Grund, das QE auszuweiten oder die Einlagezinsen weiter abzusenken, wenn man sich die Wirtschaftsdaten ansieht, die vor allem in den Krisenländern der Euro-Peripherie wieder deutlich nach oben zeigen. Wenn es der EZB nur um einen schwachen Euro geht, so ist der Euro inzwischen doch schwach genug, um den Export zu fördern. Und: mit der Politik des schwachen Euro erhöht die EZB die Ungleichgewichte in der Eurozone noch mehr, da vor allem Deutschland von einer immmer weiter absackenden Gemeinschafstwährung profitiert. Die EZB schürt so ein Mißtrauen in unser Geldsystem und zwingt Firmen und Menschen dazu, Bargeld zu halten, weil alles andere sowieso keine Renditen mehr bringt. Die Rechnung dafür werden wir noch bezahlen müssen.

Und: um die Kontrolle zu behalten angesichts der Gedlflucht, wird die EZB versuchen, das Bargeld abzuschaffen. Nicht zufällig warnten zuletzt immer wieder Vertreter der Bundesbank vor einer solchen Abschaffung, eben weil es Überelegungen dazu in der EZB gibt. Mit der Politik der EZB jedenfalls verliert Europa mittelfristig noch mehr an Bedeutung, als es angesichts der Demografie ohnehin der Fall ist. Der gestrige Schritt des IWF, den Yuan vor allem auf Kosten des Euro in den Währungskorb aufzunehmen, ist der erste Schritt dazu. Das alles wird dauern: als der Euro 1999 in den Währungskorb des IWF aufgenommen wurde, hat es fünf Jahre gedauert, bis die Zentralbanken dann verstärkt Euros als Reservewährung gekauft haben. Das wird ähnlich sein mit dem Yuan, aber kommen wird es. Europa aber wird durch Mario Draghi immer unbedeutender.

2 Kommentare

2 Comments

  1. KK

    1. Dezember 2015 11:15 at 11:15

    Ob Deutschland insgesamt, wie sie oben antönen, dank dem laufend scwächer werdenden Euro tatsächlich profitiert oder diese Folgerung ein Trugschluss ist, da würde ich nicht meine eigene Hand dafür ins Feuer legen …

  2. Chris

    1. Dezember 2015 12:58 at 12:58

    €uropa wird durch Mario Draghi immer unbedeutender!Genau das&nichts Anderes erwarten Uncle Sam und seine „Gottes Werk auf Erden „verrichtenden üblichen Verdächtigen!(GS,BoA,MS,Citigroup,Blackrock etc.)Die,ehemals,aufpassende Bundesbank, ist gleichgeschaltet&den Anderen(€uropäische Parlamente,Regierungen,Kommissionen)kommt es gelegen oder ist es unwichtig!Sie glauben anderes schaffen zu müssen!NO€uro-Volksbefragung jetzt!Es muss endlich Schluss sein mit der Illusion:Der €uro wird so stark wie die D-Mark&die EZB mindestens gleich unabhängig&restriktiv,wie einst die Bundesbank! Brillianter Artikel,wahrscheinlich aber für die Tonne.Die Anzahl derer,welche sich darum kümmern ist gigantisch&nicht gerade zartbeseitet in ihren Methoden!

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EZB-Politik: Mario Draghi mit letztem drastischen Move? Tendenz für Euro eindeutig?

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Es wirkt so als wolle Mario Draghi in „seinem großen Finale“ kurz vor dem Ende seiner Amtszeit nochmal die Mega-Bazooka rausholen. Die EZB-Politik soll (so meinen wir) stärker gelockert werden als bislang von vielen Beobachtern angenommen. Offenbar gibt es hier eine Politik der kleinen Hinweise für den Markt, damit es nicht auf einen Schlag zu große Überraschungen geben wird am 12. September? An dem Tag findet nämlich die Zinsentscheidung der EZB statt.

EZB-Politik in mehreren Bereichen lockern?

Bevor wir zur Gegenwart kommen, ein kurzer Blick zurück. Am 13. August schrieben wir bereits über einen Schock, aufgrund dessen Mario Draghi unbedingt handeln solle. Denn die deutschen Großhandelspreise wurden an dem Tag sogar im deflationären Bereich veröffentlicht. Dies deutet auf weiter fallende Verbraucherpreise (Inflation) hin. Und am 25. Juli hatte Mario Draghi bereits erklärt, dass er die augenblicklich niedrige Inflation in der Eurozone nicht akzeptieren könne. Hier der Chart der EZB. Derzeit liegt die nach EZB-Maßstäben berechnete Inflation bei 1,0%.

Inflation springt nicht an - EZB-Politik wird wohl stark gelockert werden

Dann kam am 15. August der nicht gerade in der ersten Reihe stehende EZB-Offizielle Olli Rehn. Er fand deutliche Worte und forderte, die EZB müsse besser deutlich zu viel machen als zu wenig. Also kräftig Zinsen senken und Anleihen neu kaufen? Und gestern dann folgte das stets trockene und staubig langweilige EZB-Sitzungsprotokoll (hier ganzer Text im Original einsehbar). Es bezog sich auf auf die Sitzung am 25. Juli. Steigt man tief ab in die Details dieses Textes, dann kann man erneut zu dem Schluss kommen, dass man einen großen Schritt plant bezüglich der Lockerung der EZB-Politik für die Verkündung am 12. September.

 

So kann man dem gestern veröffentlichten Protokoll entnehmen, dass die Notenbanker um Mario Draghi dem „Eindruck entgegentreten“ wollen, dass die EZB nicht über die erforderlichen Instrumente verfüge um auf mittlere Sicht den Zielwert des Inflationsziels von 2,0% oder nahe 2,0% zu erreichen. Auch wurde im Protokoll niedergeschrieben, dass man verschiedene Optionen als Teil eines Gesamtpakets an Maßnahmen im Sinn habe. Denn so die EZB „unterschiedliche Instrumente hätten komplementäre und sich gegenseitig verstärkende Effekte“. Daher sei es effektiver verschiedene Instrumente der EZB-Politik zu kombinieren, als nur mit einzelnen Maßnahmen zu agieren.

Wird Mario Draghi zum großen Finale nochmal voll draufhauen?

Also, die EZB-Politik steht vor einem großen Schritt am 12. September. Man darf davon ausgehen, dass Mario Draghi wohl eine Kombination aus weiter sinkenden Zinsen und neuen Anleihekäufen verkünden wird? Da wird es aber brisant. Denn bislang gilt die durch die EZB selbst erstellte Regel, dass man bei Staatsanleihen aus der Eurozone maximal ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Mitgliedslandes aufkauft. Bisher betonte Mario Draghi stets, dass die EZB-Politik in diesem wichtigen Detail eingehalten werde. Aber wie es eben so ist mit Regeln, die man selbst aufstellen kann. Dann wird diese Grenze von 33% vielleicht durch die EZB angehoben? Vielleicht auf 40%? Man wird sehen. Die EZB versucht natürlich den Anschein zu vermeiden sie würde verbotene Staatsfinanzierung betreiben. Deswegen diese selbst auferlegte Begrenzung der Käufe. Aber wo ist hier eine sinnvolle Maximalgrenze? Das liegt wohl im Auge des Betrachters?

Tendenz für Euro eindeutig?

Im folgenden Chart sieht man den Verlauf von Euro vs US-Dollar in den letzten 12 Monaten. Er fiel von 1,18 auf 1,1055. Die Tendenz sollte weiter abwärts gerichtet sein. Denn je schwächer die Geldpolitik, desto schwächer die Währung. Natürlich gilt: Lockern ausländische Notenbanken noch stärker, wird die gegenüberliegende Währung im betrachteten Währungspaar noch schwächer, und der Euro steigt wieder. Aber im Fall der USA sieht man ja, dass die US-Konjunktur deutlich besser läuft als Europa. Also kann die Fed gar nicht so kräftig lockern, wie es die EZB im September wohl tun wird. In gewissem Umfang hat der Devisenmarkt die bevorstehende Lockerung der EZB-Politik schon im Euro verarbeitet. Aber es ist gut möglich, dass der Euro sich noch weiter abschwächt, weil die Erwartungen des Markets an den Umfang der Lockerungen noch zu gering sind. Niemand kann sagen, was die EZB genau tun wird. Man kann nur Vermutungen anstellen, und aufgrund der öffentlich einsehbaren Äußerungen Tendenzen erkennen. Und nach unserer Meinung steht eine deutliche Lockerung bevor. Also, Euro shorten? Puhhhhh. Bitt entscheiden Sie das selbst. Wir geben hier keinerlei Handelsempfehlungen!

Euro vs USD seit September 2018

EZB-Politik vor erneuter Lockerung - kreative Grafik mit EZB-Logo
Grafik: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0

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