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Der Yuan im IWF-Währungskorb РEuro und Pfund verlieren kräftig, der Dollar gar nicht!

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FMW-Redaktion

Der IWF hat entschieden – ab 1. Oktober 2016 ist der chinesische Yuan Teil des IWF-W√§hrungskorbs (Sonderziehungsrechte). Bisher waren in der k√ľnstlichen IWF-W√§hrung US-Dollar, Euro, Pfund und japanische Yen enthalten. Komischerweise verlieren fast nur der Euro und das Pfund einen gro√üen Anteil um Platz f√ľr den Yuan zu schaffen, der Dollar bleibt quasi unver√§ndert. Woran das liegt? Details, Hintergr√ľnde, Zitate und Zukunftsaussichten hier…

IWF-Chefin-Christine-Lagarde nimmt Yuan auf
IWF-Chefin Christine Lagarde. Foto: Marie-Lan Nguyen / Wikipedia (CC BY 3.0)

Die Fakten

Der IWF hat gestern beschlossen den Yuan ab 1. Oktober 2016 in als Basisw√§hrung f√ľr seine Sonderziehungsrechte (W√§hrungskorb) aufzunehmen. Zuk√ľnftig setzt sich dieser Korb anteilig wie folgt zusammen:

US-Dollar 41,73% (bisher 41,9%)
Euro 30,93% (bisher 37,4%)
Yuan 10,92%
Yen 8,33% (bisher 9,4%)
Pfund 8,09% (bisher 11,3%)

Laut gestriger Aussage des IWF hat der Yuan den Standard einer frei nutzbaren Währung erreicht, obwohl er ja immer noch eingeschränkt ist. Auch wolle man als IWF den wirtschaftlichen Reformfortschritten in China Rechnung tragen Рund der Handel des Yuan in zwei von drei Haupt-Zeitzonen signifikant angestiegen.

Mit diesen beiden Tweets hat der IWF klar zum Ausdruck gebracht, dass die Aufnahme des Yuan vor allem ein politisches Symbol ist, dass man der Rolle Chinas Rechnung trägt bzw. China nicht mehr länger aus dem Club der wichtigsten Währungen ausschließen kann. IWF-Chefin Lagarde wird wie folgt zitiert:

‚ÄúThe Executive Board’s decision to include the RMB in the SDR basket is an important milestone in the integration of the Chinese economy into the global financial system. It is also a recognition of the progress that the Chinese authorities have made in the past years in reforming China‚Äôs monetary and financial systems. The continuation and deepening of these efforts will bring about a more robust international monetary and financial system, which in turn will support the growth and stability of China and the global economy.‚ÄĚ

Zur Neugewichtung der IWF im Originaltext:

„In the most recently concluded review (November 2015), the Executive Board decided that, effective October 1, 2016, the Chinese renminbi (RMB) will be included in the SDR basket as a fifth currency, along with the U.S. dollar, euro, Japanese yen and pound sterling.
Specifically, the IMF decided that the RMB meets the existing criteria for SDR basket inclusion (see below). As the world’s third-largest exporter (in the past five years), China met the first inclusion criterion. The IMF also determined, effective October 1, 2016, the RMB to be freely usable, thus meeting the second criterion for basket inclusion. The authorities have taken a broad set of measures to facilitate RMB operations, as a result of which, the IMF, its membership, and other SDR users now have sufficient access to onshore markets to perform Fund-related and reserve management transactions in RMB without substantial impediments. With the RMB’s inclusion in the SDR basket, effective October 1, 2016, the three-month benchmark yield for China Treasury bonds will serve as the RMB-denominated instrument in the SDR interest rate basket.

The IMF also adopted a new formula for determining currency weights in the SDR basket to address long-recognized issues with the formula that had been in place since 1978. The adopted formula is one of the two alternatives presented in the 2010 Review of the Method of Valuation of the SDR. It assigns equal shares to the currency issuer’s exports and a composite financial indicator. The financial indicator comprises, in equal shares, official reserves denominated in the member’s (or monetary union’s) currency that are held by other monetary authorities that are not issuers of the relevant currency, foreign exchange turnover in the currency, and the sum of outstanding international bank liabilities and international debt securities denominated in the currency.

The current criteria for inclusion were adopted by the Board in 2000. They establish that the SDR basket comprises the currencies that are issued by members or monetary unions whose exports had the largest value over a five-year period, and have been determined by the IMF to be „freely usable“. During the most recent review, which was concluded on November 30, 2015, the Board decided to expand the basket to five currencies. This change will become effective on October 1, 2016.
The export criterion, which acts as a ‚Äúgateway,‚ÄĚ aims to ensure that currencies that qualify for the basket are those issued by members or monetary unions that play a central role in the global economy. This criterion has been part of the SDR methodology since the 1970s.
The requirement for currencies in the SDR basket to be also freely usable is the second criterion and it was incorporated in 2000 to reflect formally the importance of financial transactions for the purposes of valuing the SDR basket.“

Warum verlieren Euro und Pfund, aber nicht der Dollar?

Der US-Dollar verliert fast gar keinen Anteil, der Yen auch nur minimal. Wie man in der Auflistung weiter oben sieht, geht die Yuan-Aufnahme auf Kosten von Euro (verliert 18%) und Pfund (verliert 28%). Aber warum verlieren diese beiden so große Anteile, der Dollar aber gar nicht? Eine Verschwörung der USA als der einzige große Anteilseigener am IWF mit seinen 17,68%?

Hier eine √úbersicht, welches Land wie viel Anteil am IWF hat.

Wer wei√ü. Aber schauen wir uns mal die Fakten an. Der Euro wird seit M√§rz durch die aktuelle Geldschwemme der EZB tendenziell immer schw√§cher, und der Dollar durch die demn√§chst anstehende Zinsanhebung sogar noch st√§rker. Durch nicht vorhandene Zinsen und sogar negative Einlagezinsen bei der EZB, und bald h√∂here Zinsen in den USA verschieben sich die Geldstr√∂me von Euro Richtung Dollar. Warum aber der Dollar de facto gar nichts an den Yuan abtreten muss? Da k√∂nnte man schon ein klein wenig hineindichten. Beim Pfund kann man annehmen, dass er mit Abstand am St√§rksten bluten muss, weil er von allen Volkswirtschaften, die der W√§hrung zugrunde liegen, mit Abstand am Kleinsten ist und durch Chinas Aufnahme nochmal kr√§ftig nach hinten durchgereicht wird. Auch was die Exporte Gro√übritanniens angeht, ist die Bedeutung unter den f√ľnf Volkswirtschaften mit weitem Abstand am Schw√§chsten.

Der IWF schreibt in seiner gestrigen Erl√§uterung selbst, dass die neue Zusammensetzung des W√§hrungskorbs neben der Wichtigkeit des Exportsektors einer Nation entscheidend darauf basiert, welche Volumen einer jeweiligen W√§hrung von Notenbanken anderer L√§nder gehalten werden, und wie gro√ü die Zahlungsstr√∂me, Bankschulden und Anleihevolumen in der jeweiligen W√§hrung sind. So zumindest offiziell kam der IWF zu dem Schluss Euro und Pfund kr√§ftig bei Seite zu schieben f√ľr den Yuan. Merkw√ľrdigerweise wurde der japanische Yen verschont.



Die Folgen

Aber was bedeutet die Aufnahme des Yuan in den IWF-W√§hrungskorb konkret? Hierdurch werden Notenbanken oder IWF-Mitglieder nicht automatisch verpflichtet Dollar- oder Euro-Reserven in Yuan umzuschichten. Seine Aufnahme gilt aber als Legitimation bzw. Startschuss daf√ľr, dass zuk√ľnftig immer mehr Handelspl√§tze, Regierungen, Unternehmen und gro√üe institutionelle Investoren Gelder in Yuan halten und Transaktionen in Yuan vornehmen um ihre Abh√§ngigkeit von den g√§ngigen gro√üen W√§hrungen zu verringern. Gerade Handelspartner von China, die dort Waren einkaufen, k√∂nnten zuk√ľnftig gr√∂√üere Summe im Yuan vorhalten und so W√§hrungsschwankungen minimieren.

Vor allem kann man die Aufnahme des Yuan als Zeichen des IWF ansehen, dass man China als Global Player nicht l√§nger aus seinem elit√§ren W√§hrungsclub ausschlie√üen kann – h√§tte man das n√§mlich weiterhin getan, w√§re die Bedeutung des IWF und seine Glaubw√ľrdigkeit noch weiter rapide gesunken. Denn man darf nicht vergessen, dass in genau einem Monat die asiatische IWF-Konkurrenz AIIB an den Start geht und, je nachdem wie ernsthaft man an die Sache rangeht, die AIIB mehr als nur ein kleiner unbedeutender Konkurrent f√ľr den IWF werden kann.

Sobald der Yuan im Oktober n√§chsten Jahres aufgenommen ist, fehlt noch die komplette Freigabe der Handelbarkeit und Schwankungsbreite durch die chinesische Notenbank – dann kann der W√§hrungskurs global durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden – diesen letzten Schritt, also den Verlust der Kontrolle, muss die KP in Peking gehen um seiner W√§hrung eine wirkliche Bedeutung von Weltrang einzur√§umen – die Freigabe k√∂nnte schon in 2016 erfolgen. Denn noch werden bisher knapp 3% der globalen Transaktionen in Yuan abgerechnet. In Dollar waren es 45%, Euro 27% und Pfund 8%, aber der Yuan holt schon m√§chtig auf. Man hat den Yen schon in seiner Wichtigkeit √ľberholt.

Die Sonderziehungsrechte sind eine k√ľnstliche Reservew√§hrung des IWF, in der W√§hrungsvorr√§te vorgehalten und irgendwann sp√§ter in die reale W√§hrung zur√ľckgetauscht werden k√∂nnen. So erh√§lt eine W√§hrung wie der Yuan eine gewisse zus√§tzliche Seriosit√§t und Sicherheit, die die Verl√§sslichkeit im weltweiten Devisenhandel verst√§rken wird. Aber wie gesagt: Erst muss die Regierung in Peking die Handelbarkeit des Yuan freigeben, dann k√∂nnte der Anteil des Yuan am weltweiten Devisenhandel deutlich ansteigen. Und dann w√§re der Yuan letztlich neben dem Euro eine zweite gro√üe Konkurrenzw√§hrung f√ľr den Dollar, der ihm vor allem gro√üe Marktanteile und Bedeutung in Asien wegnehmen wird – aber so richtig k√∂nnte das erst ab 2017 losgehen



Quelle: IWF

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„√Ąhnlich wie 1937“

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Sind wir kurz vor einer Weltwirtschaftskrise? Einer der wichtigsten Hedgefondsmanager ist Ray Dalio. Sein Fonds Bridgewater verwaltet 150 Milliarden Dollar, und man h√∂rt ihm zu. So sagt er aktuell, dass man derzeit in einer Phase sei, die dem Jahr 1937 sehr √§hnlich sei. Die Zinsen seien niedrig, die Bewertungen hoch – und die Notenbanken w√ľrden aktuell ihre Geldpolitik zu √§ndern (Zinsen rauf und Gelddrucken zur√ľckfahren).

Daher sehe er Parallelen zu den Zeiten der Gro√üen Rezession gegen Ende der 30er-Jahre, so sagte er es zu „Business Insider“. In zwei Jahren beginne die Zeit, √ľber die er sich jetzt Sorgen mache. Die Fed werde dann erneut die Geldmenge erh√∂hen und mehr Geld drucken um das Defizit der USA zu finanzieren. Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen werde sehr gering sein. Der US-Dollar werde ziemlich schwach sein und gut 30% abwerten.

Also gibt Dalio den USA noch gut zwei Jahr Zeit. Die neue Krise werde noch schwerwiegender sein als die Finanzkrise im Jahr 2008. Es werde eher eine Dollar-Krise als eine Schulden-Krise sein, so Dalio. Und es werde eine Politik- und Sozial-Krise geben, die zu gr√∂√üeren innenpolitischen Verwerfungen in den USA f√ľhren werde als im Jahr 2008.

Dazu unser kleiner Kommentar: Naja… eher eine Dollar-Krise als Schulden-Krise? Die Amerikaner sind jetzt h√∂her verschuldet als im Jahr 2008. Von daher werden auch die Schulden ein massives Problem werden! Aber so viel zu unserer Meinung. Die Finanzkrise des Jahres 2008 habe laut Dalio bereits die Weltwirtschaftskrise zwischen den Jahren 1929-1932 widergespiegelt. Und jetzt befinden wir uns also im Jahr 1937, und warten auf 1939?

Ray Dalio
Ray Dalio. Foto: Grameen America – https://vimeo.com/247028348 (CC BY 3.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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T√ľrkei: Kein Bankenrettungsfonds, daf√ľr schw√§chere Wachstumsaussichten und sparsames Haushalten

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Ist Berat Albayrak, Pr√§sident Erdogans Schwiegersohn und j√ľngst von ihm neu eingesetzter Finanzminister, f√ľr die T√ľrkei ein kleiner Lichtblick in Sachen Vernunft und Seriosit√§t? Das k√∂nnte man doch glatt annehmen, wenn man seine heutigen Aussagen h√∂rt. Da war n√§mlich nichts zu h√∂ren vom Vertrauen auf Allah, von gro√üen Pl√§nen oder von Verschw√∂rungen des Auslands gegen die T√ľrkei.

Aber zun√§chst einmal die schlechte Nachricht. Anders als in den letzten Tagen vermutet hat Albayrak heute keine staatlich inszenierte Bankenrettung verk√ľndet. Konkrete Ger√ľchte lauteten so, dass der t√ľrkische Staat vorhabe √ľber ein Sondervehikel (Bad Bank?) den einheimischen Banken faule Kredite abzunehmen, um so den Finanzsektor des Landes zu stabilisieren. Dazu hie√ü es heute nur, dass die t√ľrkischen Banken nun einem Stresstest unterzogen werden sollen (‚ÄúHealth Assessment Studies‚ÄĚ), um die Qualit√§t ihrer Verm√∂genswerte (der ausgegebenen Kredite) zu „identifizieren“. Nach diesem Test k√∂nne man als Staat weitere Schritte einleiten, falls notwendig, so die Worte von Albayrak. Also kann die Bad Bank durch den t√ľrkischen Staat immer noch kommen – aber kurzfristig wohl erst mal nicht.

Offenbar will Albayrak eine Strategie der Transparenz fahren und keine hochtrabenden unrealistischen Ziele hinaus posaunen. Nach einem Wirtschaftswachstum von 7,4% in der T√ľrkei im letzten Jahr soll es laut seiner heutigen Aussage f√ľr 2018 nur ein Plus von 3,8% werden – das ist sehr wenig f√ľr die T√ľrkei. 2019 soll es bei 2,3% liegen. Dann w√§re man auf dem geringsten Wachstumswert seit 2010 angekommen. Viel n√ľtzen tut das Wachstum den meisten Menschen nicht, weil die Inflation von knapp 20% alles weg frisst, was an Einkommenszuw√§chsen dank BIP-Anstieg entsteht. Mit seiner aktuellen 3,8%-Prognose geht es drastisch nach unten nach vorigen Prognosen von 5,5% f√ľr 2018. Dass es ganz aktuell in der T√ľrkei drastische Verwerfungen gibt, zeigen auch die Autoverk√§ufe. Die Neuzulassungen im August sind um 53% geringer ausgefallen als im August 2017.

Auch hat Albayrak heute die staatliche Ausgabensituation angesprochen. Man plane keine weiteren Ausgabensch√ľbe, sondern wolle die staatlichen Ausgaben beschr√§nken. Damit will man wohl auch die √∂konomischen W√ľnsche ausl√§ndischer Beobachter befriedigen, wo man ausufernde Staatsschulden nat√ľrlich nicht gerne sieht. So will Albayrak noch nicht begonnene Leuchtturmprojekte nicht mehr realisieren. Sie galten in den letzten Jahren als gro√üe Wachstumstreiber der t√ľrkischen Binnenwirtschaft, wie der gigantische neue Gro√üflughafen in Istanbul.

Das Inflationsziel der T√ľrkei f√ľr das Gesamtjahr 2018 sei nun bei 20,8% (aktuell knapp unter 20%), und f√ľr 2019 sehe man sie bei 15,9%. Das klingt doch alles schon mal realistischer und seri√∂ser als beim gro√üen Vater Erdogan. Die T√ľrkische Lira (im Chart Euro vs Lira seit 10. September) zeigt sich seit Tagen uneinheitlich. Der kleine positive Impuls f√ľr die Lira durch die Zinsanhebung vom 13. September war bereits verpufft. Jetzt ist wichtig, dass Erdogan mal eine lange Zeit gar nichts sagt, damit Ruhe einkehren kann.

Euro vs Lira

Berat Albayrak - T√ľrkei Finanzminister
Berat Albayrak. Foto: President.az / Wikipedia (CC BY 4.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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Sojabohnen-Importe der EU aus den USA explodieren – genialer PR-Gag von Juncker?

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Ist Jean-Claude Juncker ein genialer PR-Stratege? Aber von Anfang an. Wie die EU-Kommission heute vermeldet, sind die Sojabohnen-Importe der EU aus den USA regelrecht explodiert. Diese Meldung d√ľrfte Donald Trump br√ľhwarm gegen√ľber seiner l√§ndlichen W√§hler-Klientel promoten. Sie verliert dank des Handelskriegs gro√üvolumig Absatzm√§rkte in China, und ist somit heilfroh, dass ihr Pr√§sident als Ausgleich die EU als zunehmenden Absatzmarkt herbeigezaubert hat.

So hatten es Jean-Claude Juncker und Donald Trump am 25. Juli diesen Jahres medienwirksam gro√ü angek√ľndigt. Die EU werde die Sojabohnen-Importe aus den USA massiv ausweiten, um den USA in Sachen Ungleichgewicht im Au√üenhandel entgegenzukommen. F√ľr Trump war das gegen√ľber den US-Landwirten wie ein Sechser im Lotto. Und jetzt kann er in der Tat liefern. Vergleicht man die Sojabohnen-Importe der EU von Juli-September 2018 mit Juli-September 2017, dann haben sie um 133% zugenommen. Ein Wahnsinn, was der Donald da f√ľr seine W√§hler erreicht hat, nicht wahr?

Falsch! Diese Info ist n√§mlich nur eine optische T√§uschung. Auch wenn die Zahlen selbst stimmen m√∂gen – der Anstieg der Importe begann ja schon lange vor dem Treffen zwischen Juncker und Trump. Juncker wird sich die Importzahlen der EU aus den USA vor dem Treffen angesehen haben. Dort wird er die eh schon vorhandene gigantische Steigerung gesehen haben. So konnte er Trump enorme Zuw√§chse versprechen, die aber schon l√§ngst von der Privatwirtschaft in Europa selbst herbeigef√ľhrt worden waren!

Der Vergleichswert der heutigen Jubelmeldung der Kommission liegt im Jahr 2017, also lange vor dem Juncker-Trump-Treffen. Es ist also statistisch v√∂llig sinnfrei, wenn man diese aktuelle tolle Steigerung als Erfolg des Treffens der beiden verkauften will. Aber die Meldung der Kommission macht doch stark den Eindruck, als wolle man Trump damit schmeicheln nach dem Motto „schau her Donald, wir haben Wort gehalten“.

Und in der Tat, die Meldung k√∂nnte die gew√ľnschte Wirkung erzielen. Trump k√∂nnte in seiner einfachen Art die +133% als gro√üe Zahl in die Kameras verk√ľnden, und als seinen Erfolg verkaufen – obwohl die Steigerung bereits vor dem Treffen der beiden erzielt wurde. Sollte Juncker im vollen Wissen dieser schon vorhandenen enormen Steigerung das Versprechen an Trump gemacht haben am 25. Juli, dann w√§re er aus jetziger Sicht ein verdammt guter PR-Mann!

√úbrigens: Der US-Anteil an Sojabohnen-Importen in den EU ist gegen√ľber 2017 von 25% auf 52% gestiegen. Den Preis bezahlen vor allem zwei Exporteure, n√§mlich Brasilien und Paraguay. Sie haben massiv Marktanteile in der EU verloren. Aber keine Angst – jetzt kommt der Lacher an der Geschichte. Die Chinesen springen als Ersatz-K√§ufer in S√ľdamerika ein – denn die Regierung in Peking hat ja US-Sojabohnen mit Strafz√∂llen unrentabel gemacht, womit die s√ľdamerikanischen Sojabohnen erst interessant wurden f√ľr die Chinesen. So haben sich lediglich die globalen Liefer-Str√∂me verschoben. Hier mehr Detailinfos von der EU-Kommission im Wortlaut:

Landwirtschaftskommissar Phil Hogan erkl√§rte dazu: ‚ÄěIch begr√ľ√üe die j√ľngsten Handelszahlen, die zeigen, dass den Versprechen der Pr√§sidenten Juncker und Trump, den Handel zu intensivieren, Taten folgen, insbesondere in Bezug auf Sojabohnen. Dieses Ergebnis wurde m√∂glich durch unsere langj√§hrigen Handelsbeziehungen und zeigt, dass durch eine diese Beziehungen ausbauende Zusammenarbeit sehr viel erreicht werden kann.‚Äú

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Einfuhren von Sojabohnen aus den USA in die EU in den vergangenen Wochen kontinuierlich zugenommen haben:

Im Vergleich zu den ersten 12 Wochen des Wirtschaftsjahres 2017 (Juli bis Mitte September) stiegen die EU-Einfuhren von Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten um 133 % auf 1 473 749 Tonnen.Zum Zeitpunkt der ersten Meldung am 1. August 2018, die sich auf die ersten f√ľnf Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres erstreckte, beliefen sich die Einfuhren auf 360 000 Tonnen, was einer Steigerung gegen√ľber dem Vorjahr um 280 % entspricht.

Der Anteil der USA an den Gesamteinfuhren von Sojabohnen in die EU betr√§gt heute 52 %, gegen√ľber 25 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit liegen die USA an erster Stelle vor Brasilien (40 %), dem zweiten Hauptlieferanten der EU, Kanada (2,3 %), Paraguay (2,3 %) und Uruguay (1,7 %).
Hintergrund

Die EU f√ľhrt derzeit j√§hrlich rund 14 Millionen Tonnen Sojabohnen als Proteinquelle f√ľr Tiere (H√ľhner, Schweine und Rinder) sowie f√ľr die Sojamilcherzeugung ein. Sojabohnen aus den USA sind dank ihrer konkurrenzf√§higen Preise f√ľr europ√§ische Importeure und Verwender sehr attraktiv f√ľr den Einsatz als Tierfutter.

Die Daten des heute ver√∂ffentlichten Berichts zu Sojabohnen stammen von der Beobachtungsstelle f√ľr Ackerkulturen, die die Europ√§ische Kommission im Juli 2017 ins Leben gerufen hat, um im Interesse der Transparenz Marktdaten und kurzfristige Analysen zu verbreiten.

Sojabohnen-Importe der EU

Die folgende Grafik zeigt, dass der Anstieg der US-Ausfuhren von Sojabohnen Richtung EU stetig gesteigert wurde von 2017 bis 2018, und nicht sprunghaft ab dem 25. Juli 2018.

Sojabohnen

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