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Die Continental-Story: Ein jedes Ding hat seine Zeit

Von Kilian Kimmel

Schaeffler und Conti stehen für eine industrielle Substanz, die es so weltweit nicht noch einmal gebe, sagte einst die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler, in Unternehmenskreisen auch gerne mal liebevoll als die „Schaefflerin“ bezeichnet. Und weiter: Eine Störung der Produktion hätte für die Autoindustrie weltweit schwerwiegende Auswirkungen. Und noch einen: Die Bedeutung von Schaeffler für die Industrie ist vergleichbar mit der Bedeutung von Lehman Brothers für die Bankenwelt.
Mit diesen Aussagen hat sich der Mittelständler Schaeffler das Prädikat „Too Big To Fail“ wahrhaft verdient und sich einen Platz gesichert in der Hall Of Fame für rettungsschirmrelevante Unternehmen.
Nun gut, wie sieht derzeit die Lage aus:
In 2013 erwirtschaftete Schaeffler einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 865 Millionen Euro. Davon sind 801 Millionen Euro Gewinne von Conti (614) und Gewinne, die aus dem Verkauf von Conti-Anteilen enstanden (187). Bleibt unter dem Strich grade mal ein Gewinn von 64 Millionen Euro. Desweiteren beläuft sich der Schuldenberg aus der Übernahme von Conti vor 5 Jahren immer noch auf ca. 6 Milliarden Euro. Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf ca. 9 Milliarden Euro.
Die EU-Komission hat wegen illegaler Preisabsprachen ein Milliarden-Bußgeld verhängt, wobei 370 Millionen Euro auf Schaeffler entfallen, die laut Finanzvorstand Rosenberg im zweiten Quartal 2014 überwiesen werden sollen. Unwägbarkeiten drohen aus USA und Kanada durch eine Sammelklage wegen defekter Zündschlösser. Das Risiko hierfür kann noch nicht beziffert werden. Ebenfalls im Risiko steht das Russlandinvestment mit einem grösseren zweistelligen Millionenbetrag hinsichtlich evtl. Sanktionen im Zusammenhang mit der Ukrainekrise.
Angesichts dieser Sonderbelastungen sind für 2014 laut Finanzvorstand Rosenfeld keine grösseren Entschuldungsschritte zu erwarten. Die Lasten sollen Schritt für Schritt reduziert werden – eine Politik der Trippelschritte, hier mal eine Anleihe, dort mal eine Umschuldung.
Fazit: Kapital muss her! Eine Kapitalspritze durch einen chinesischen Investor kam nicht zum Zuge, Schaeffler wurde misstrauisch, Grund unbekannt.
Dem früheren BMW-Vorstand, jetziger Linde-Chef und Conti-Chefaufseher Wolfgang Reitzle traut man indes einen grossen Coup zu: Ein Reverse-Takeover: Der Conti-Kurs mit rund 170 Euro ist derzeit so hoch, das man einen grossen Teil davon leicht in Aktien bezahlen könnte.
Das sind aber bis jetzt nur inoffizielle Gerüchte…….gut Ding will Weile haben.



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