Aktien

Die Continental-Story: Paul kauft Emma

Von Kilian Kimmmel

Der Automobilzulieferer Continental aus Hannover war der Highflyer im DAX des letzten Jahres. Grund genug, um sich zu fragen, was uns diese Aktie „sagen will“.
Das fränkische Wälzlagerunternehmen Schaeffler hatte sich vor Jahren bei dem Unfriendly Takeover des viel grösseren Continental-Konzerns schwer verschuldet und übernommen. Deckname dieser Aktion war „Paul kauft Emma“. Auf dem Schaeffler-Verbund lasteten danach Verbindlichkeiten von 12 Milliarden Euro. Seit dieser Aktion heisst die oberste Maxime bei Schaeffler: Entschuldung.
Im September 2012 machte Schaeffler zum ersten Mal Kasse. Schaeffler verkaufte 20 Millionen Aktien und erlöste dadurch einen Betrag von 1,7 Milliarden Euro. Der Anteil an Conti sank damit von ursprünglich 60 Prozent auf 49,9 Prozent. Das ist optisch nicht mehr die Mehrheit, aber um die Geschicke bei Conti lenken zu können sind lediglich 30 Prozent notwendig.
Im September 2013 machte Schaeffler erneut Kasse. Diesmal wurden 8 Millionen Aktien für ca. 1 Milliarde Euro verkauft. Der Anteil sank auf 46 Prozent. Mitgeteilt wurde, das dieses Aktienpaket einem mit Goldman Sachs verbundenen Unternehmen angeboten wurde – und dass in den nächsten 6 Monaten keine weiteren Conti-Aktien verkauft werden.
Bereits kurz vor der Conti-Hauptversammlung im April 2013 kam heraus, das Schaeffler die Investorenvereinbarung mit Continental gekündigt hatte, was insofern für Schaeffler eine Befreiung war, da sie nunmehr beim Verkauf von Anteilen keinen verbindlichen anderen Investor mehr vorschlagen muss.
Diese Freiheit wird wirksam am 13. Mai 2014. Genau ein Termin, der nach der angekündigten 6-Monats-Sperre liegt. Es ist also damit zu rechnen, das Schaeffler in den nächsten Wochen wieder Kasse machen wird, um die Entschuldung voranzutreiben. Ein Totalausstieg bei Conti scheint eher unwahrscheinlich, weil man Conti als strategisches Engagement bezeichnet und sich deshalb die Sperrminorität sichern will.
Dennoch: Strategisches Investment hin, Strategisches Investment her, bei dem aktuellen Conti-Aktienkurs wäre auch ein Totalausstieg eine sinnvolle Option für Schaeffler. Das würde aber den Aktienkurs zumindest kurzfristig einen kräftigen Schlag versetzen.
Wie auch immer: ein neuerlicher Verkauf wird den Anlegern mit Sicherheit nicht schmecken.



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