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Die unsichtbare und outgesourcte Bank, wo der Kunde nicht weiß, bei wem er Schulden hat

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Stellen Sie sich vor sie schließen einen Kredit ab, und bekommen nicht mal richtig mit, bei welcher Bank sie den Antrag eigentlich gestellt haben. Das ist heute schon Realität. Denn immer mehr Verbraucher gehen über vermeintlich objektive Kreditvergleichsportale, die pro Kreditvermittlung von der Bank eine Provision kassieren.

Auf der Webseite und im Antrag sehen die Kunden auf den ersten Blick nur die Plattform-Namen wie Verivox, Smava oder Autoscout24. Auf die Webseiten dieser Anbieter sind die Kunden gegangen um einem möglichst günstigen Kredit zu finden. Dass sie letztlich bei der Solaris Bank landen, merken sie kaum. Solaris ist ein sogenanntes Fintech. Schon auf der Webseite der Firma, die eine Vollbank-Lizenz besitzt (man darf also alle Bankgeschäfte anbieten wie beispielsweise die Deutsche Bank auch), sieht man sich eher als hippe Gruppe von Programmierern und Schnittstellen-Entwicklern, also ein junges und dynamisches Startup, wo man den lieben langen Tag rum programmiert und seinen Partnern anbietet „mit Solaris zum Banking-Anbieter“ zu werden.

Es geht darum den Außenvertrieb komplett an Nicht-Banken abzutreten. Aber es geht noch weiter. Solaris ist gar nicht daran interessiert durch immer mehr Geschäftsvolumen seine Bilanz aufzupumpen, wie man aus jüngsten Äußerungen heraushören kann. Denn je größer die Bilanz und je mehr Kredite man ausgegeben hat, desto mehr Geld muss eine Bank an die Einlagensicherung abführen, desto mehr Eigenkapital muss die Bank vorhalten usw.

Aber genau das entspricht ja nicht dem jung dynamischen Image so eines Fintech. Wie also löst man das Problem, wenn man möglichst klein, wendig, schlank und profitabel bleiben möchte, aber gleichzeitig möglichst viel Geschäft durch seine Bücher „durchschleusen“ möchte? Dafür hat die Solaris Bank nun eine Lösung gefunden. Man führt eine standardisierte automatische Verbriefung seiner Kredite ein.

Das bedeutet: Ist ein gewisses Volumen an Kreditvergaben aufgelaufen, bündelt Solaris die Kredite, und verkauft sie über die Kredit-Verbriefungsplattform „Crosslend“ an Investoren weiter. Somit hat der Kunde, der einst beispielsweise über Verivox einen Kredit abschloss, einen Kredit bei vielleicht irgendeinem Finanzinvestor im Ausland, obwohl er das doch gar nicht wollte.

Der Kredit wird bei der Solaris Bank schon vom Zeitpunkt der Vergabe an zu einer vollautomatisch verschiebbaren Ware. Kein Witz! Solaris nennt dieses Konzept „Balance Sheet Light“ – also die Bilanz möglichst klein halten – man betreibt voll automatisch das Outsourcing von Krediten, in dem man sie an Investoren verkauft. Schöne neue Bankenwelt. Ob die Kunden sich bei Kreditabschluss bewusst sind, dass ihr Kredit automatisch weitergereicht wird, an irgendwen, irgendwo? Zitat Solaris Bank von heute:

solarisBank, die erste Banking Plattform mit Vollbanklizenz, und CrossLend, der digitale Marktplatz für europäische Kredite, haben heute den Beginn ihrer strategischen Partnerschaft bekanntgegeben. Gemeinsam werden sie eine digitale und vollautomatisierte Kreditverbriefung anbieten. Die Partnerschaft ermöglicht es der solarisBank, ein sogenanntes „Balance Sheet Light“-Modell zu etablieren. Dabei werden Kredite bereits bei der Generierung so angelegt, dass sie entweder unmittelbar oder mit zeitlichem Verzug an Investoren weitergegeben werden können, ohne langfristig die eigene Bankbilanz zu belasten.

Mit diesem neuen Angebot setzt das Berliner Technologieunternehmen mit Banklizenz seinen Plattformgedanken nun auch konsequent und innovativ im Kreditbereich um. Durch die automatisierte Verbriefung von CrossLend und den Aufbau eines zentralen Data Warehouses mit hoher Datenqualität können die Transparenz der resultierenden Wertpapiere maximiert und die Transaktionskosten gering gehalten werden. Dadurch ist die Kreditverbriefung bereits in Größenklassen zwischen 20 und 100 Millionen Euro statt wie üblich ab Summen um 500 Millionen Euro über europäische Grenzen hinweg möglich. CrossLend folgt hierbei dem Leitmotiv der Europäischen Kapitalmarktunion.

Mal ganz abgesehen von dem kaum schönen Gefühl, das zahlreiche Kunden dabei haben dürften: Verbriefungen waren der Auslöser für die Finanzkrise 2008. Denn in den USA wusste niemand mehr, in wessen Büchern denn überhaupt welche Risiken schlummern. Kaufen nun also in Europa Investoren wie Pensionskassen, Fonds etc beispielsweise über Crosslend Kredite von Privatkunden in Paketen auf, so werden deren Kreditrisiken ebenfalls per Gießkanne überall in der EU verteilt – bis der Überblick verloren geht. Zitat Crosslend von heute:

„Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die europäische Kreditwirtschaft zu rationalisieren und den Kapitalfluss in der EU im Sinne der Schaffung einer Europäischen Kapitalmarktunion zu fördern. Unsere Plattform war von Anfang an darauf ausgelegt, den Kreditmarkt effizienter, transparenter und digitaler zu machen. Gemeinsam mit der solarisBank können wir diese volldigitale Verbriefung als Dienstleistung anbieten. Wir glauben, dass das Balance-Sheet Light Modell zukunftsweisend ist“, sagt Oliver Schimek, CEO von CrossLend.

Tja, was sagt man dazu? Findet die BaFin das besonders toll? Nicht nur, dass der Kunde beim Antrag kaum merkt, bei welcher Bank er einen Kredit aufnimmt. Merkt er es, ist sein Kredit vielleicht schon vollautomatisch an einen Finanzinvestoren in Luxemburg weiterverkauft worden (nur so als Beispiel). Losgehen soll dieses „Balance Sheet Light-Modell“ der Solaris Bank im ersten Halbjahr 2019. Funktioniert es, könnten andere Banken folgen. Hinter der Bank stehen übrigens als Eigentümer Investoren wie die Großbank BBVA aus Spanien, dazu noch Lakestar, ABN Amros Digital Impact Fund, Arvato Financial Solutions, SBI Group, Finleap.

Solaris Bank Manager
Das erweiterte Management-Team der Solaris Bank. Foto: ©MaxThrelfall / Solaris Bank

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. joah

    22. August 2018 17:26 at 17:26

    Das wahre Problem der Herausführung von deutschen (Immobilien-)Krediten in andere Rechtsräume ist noch gar nicht angesprochen worden: verlässt ein Immobilienkredit den deutschen Rechtsraum, wird die Kreditsumme bei der Bank und die Schuld im Grundbucheintrag meines Wissens nach getrennt behandelt (obwohl diese nach deutschem Recht beide ein und dasselbe repräsentieren). Diese verdoppelt sich dann de facto automatisch.

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EU will Handelsabkommen mit USA auf wichtigstes Minimum beschränken

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Umweltschutz, Arbeitsschutz, Landwirtschaft, Arbeitnehmerrecht? Bla, bla, bla. Braucht kein Mensch, passt nicht, interessiert Donald Trump sowieso nicht? Denkt so die EU-Kommission? Simplifikation, vereinfachen, damit man bei Trump einfacher durchkommt, mit einem schlichten und einfach verständlichen Handelsabkommen?

Handelsabkommen ohne viel Schnick Schnack

Will die EU endlich Ruhe haben in Sachen drohende Autozölle? Denn die will sie wie auch die anderen vorhin genannten Punkte in neuen Handelsgesprächen mit der US-Regierung komplett ausklammern. Die EU-Kommission will sich von den Mitgliedsstaaten nun das Mandat für neue Gespräche über ein Handelsabkommen mit den USA holen, in denen es nur noch um eine klassische Abschaffung von Industriezöllen und um die Vereinheitlichung von Industrienormen geht. Also eine einfache, klassische Handelsvereinbarung, welche vor allem Industrie und Außenhandelsfirmen das Leben leichter machen soll. Dieser Ansatz der Kommission mag vielleicht kritikwürdig sein. Aber bei einem Gegenüber wie Donald Trump geht es wohl darum etwas zu machen, was auch machbar ist! Formal klingt der Kernsatz der aktuellen Veröffentlichung der Kommission so, Zitat:

Mit den Verhandlungsrichtlinien, die die Kommission dem Rat vorgelegt hat, wird die Gemeinsame Erklärung vom 25. Juli umgesetzt. Sie erfassen zwei mögliche Abkommen mit den Vereinigten Staaten:

– ein lediglich auf die Abschaffung von Zöllen auf Industriegüter konzentriertes Handelsabkommen, von dem landwirtschaftliche Erzeugnisse ausgenommen wären, und
– ein zweites Abkommen über Konformitätsbewertung, welches dazu beitragen würde, das Ziel der Beseitigung nichttarifärer Handelshemmnisse zu erreichen, indem es Unternehmen den Nachweis erleichtern würde, dass ihre Produkte die technischen Anforderungen auf beiden Seiten des Atlantiks erfüllen.

„Schöne Welt“ machen für Donald Trump

Will die EU-Kommission erst einmal „Schöne Welt“ machen für Donald Trump in Sachen Zölle und Normen? Denn bislang bestand man darauf, dass erst neu verhandelt wird, wenn die US-Regierung ihre Stahlzölle zurücknimmt. Davon ist heute keine Rede seitens der EU-Kommission. Also hofft man darauf, dass durch die neuen Verhandlungen ohne langweiligen Ballast solche Probleme im Nachhinein einfach so erledigt werden? Auch mögliche Autozölle gegen die EU schweben ja noch im Raum herum. Geschickt versucht man heute offensichtlich erneut der Gegenseite zu schmeicheln mit Aussagen wie Zitat:

Die EU hat bereits mehrere Aspekte der Gemeinsamen Erklärung vom Juli umgesetzt. So stiegen insbesondere die Einfuhren von Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten in die Europäische Union im Zeitraum Juli bis Dezember 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 112 %.

Dabei hatten wir unlängst aufgezeigt, dass diese Steigerungen bei Soja-Importen zu allergrößten Teilen wohl schon vor dem Gespräch Juncker-Trump im letzten Sommer zustande kamen. Die EU-Mitgliedstaaten müssen nun grünes Licht zu den Vorschlägen der Kommission geben, bevor die Verhandlungen beginnen können. Wir meinen: Mit so einer Konzentration auf zwei Kerngebiete könnten die Chancen auf eine Einigung steigen, denn somit werden die Verhandlungen kürzer und einfacher gestaltet. Ob Trump dann im Nachhinein auf Stahl- und Autozölle gegen die EU verzichtet? Unklar.

Juncker bei Trump - EU will einfaches Handelsabkommen mit USA
Jean-Claude Juncker bei Donald Trump am 25. Juli 2018. Foto: © European Union, 2018 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Etienne Ansotte

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China will angeblich Weg einschlagen, um Handelsbilanzdefizit der USA zu eliminieren- nächste Fake News?

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Und das nächste schöne Gerücht: China will laut bisher nicht bekannter Quelle einen Weg vorschlagen, wie das massive Handelsbilanzdefizit der USA zu China eliminiert werden könne. Dazu wolle China in den nächsten 6 Jahren die Importe aus den USA um eine Billionen Dollar steigern..

Wer das jetzt nicht glaubt, kommt auch nicht in den Himmel!

Fake News Teil2? Da will jemand scheinbar mit aller Kraft die Märkte nach oben bringen!

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Immobilienblase in der EU? Wer genau hinschaut, kann sie entdecken

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Haben wir nun eine Immobilienblase in Europa oder nicht? Vor allem Notenbanker von EZB bis Bundesbank sprechen seit geraumer Zeit von zwar steigenden Preisen, aber dennoch gesunden Märkten. Von einer Blase sei man weit entfernt. Und auf den ersten Blick zeigt die folgende Grafik auch keine explodierenden Preise.

Man sieht hier seit 2006 die jährlichen Wachstumsraten bei den Hauspreisen in EU und Eurozone. Im Großen und Ganzen verlaufen die Steigerungsraten in beiden Zonen parallel. Wie heutige Daten der Statistiker zeigen, sind die Hauspreise bei beiden im 3. Quartal 2018 im Jahresvergleich um 4,3% gestiegen. Ja, das ist ein deutlicher Anstieg – aber eine Blase, eine Preisexplosion?

In Deutschland immerhin liegt die Wachstumsrate schon bei 5,4%. Und siehe da… wo wütete die Immobilienblase mit Abstand am Schlimmsten in Europa, bis ihr Zerplatzen die Volkswirtschaften ab 2008 zusammenbrechen ließ? Ja, das waren Irland und Spanien! Und siehe da, aktuell steigen die Hauspreise in diesen beiden Ländern um 9,1% und 7,2%. Da kann man schon eher von einer Blase sprechen!

Von 2016 auf 2017 lagen die Steigerungsraten in Irland bei 11,8%, und in Spanien bei immerhin 7,2%. Also, genau dort, wo absurde Auswüchse bei Immobilien die Volkswirtschaften zum Einbruch brachten, explodieren auch jetzt die Immobilienpreise. In Osteuropa tut sich auch was. Aktuell sind Länder wie Tschechien, Ungarn und Slowenien auch „gut dabei“ mit Preissteigerungen bei Häusern von 8,7%, 7,0% und 15,1%. In Schweden ist ein langer Aufwärtstrend wohl gerade dabei zu Platzen, denn dort fallen die Preise gerade um 2,1%. Zusammen mit Italien (-0,8%) sind das die beiden einzigen Länder mit rückläufigen Hauspreisen in Europa.

By the way… Griechenland liefert an die EU-Statistiker offenbar gar keine Preise zum Auswerten, oder sie sind derart unglaubwürdig, dass Eurostat sie einfach nicht veröffentlicht.

Immobilienblase in der EU? Hauspreise seit 2006

Immobilienblase Spanien Irland

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