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Giovannie Cicivelli Tradingchancen

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Die unsichtbare und outgesourcte Bank, wo der Kunde nicht weiß, bei wem er Schulden hat

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Stellen Sie sich vor sie schließen einen Kredit ab, und bekommen nicht mal richtig mit, bei welcher Bank sie den Antrag eigentlich gestellt haben. Das ist heute schon Realität. Denn immer mehr Verbraucher gehen über vermeintlich objektive Kreditvergleichsportale, die pro Kreditvermittlung von der Bank eine Provision kassieren.

Auf der Webseite und im Antrag sehen die Kunden auf den ersten Blick nur die Plattform-Namen wie Verivox, Smava oder Autoscout24. Auf die Webseiten dieser Anbieter sind die Kunden gegangen um einem möglichst günstigen Kredit zu finden. Dass sie letztlich bei der Solaris Bank landen, merken sie kaum. Solaris ist ein sogenanntes Fintech. Schon auf der Webseite der Firma, die eine Vollbank-Lizenz besitzt (man darf also alle Bankgeschäfte anbieten wie beispielsweise die Deutsche Bank auch), sieht man sich eher als hippe Gruppe von Programmierern und Schnittstellen-Entwicklern, also ein junges und dynamisches Startup, wo man den lieben langen Tag rum programmiert und seinen Partnern anbietet „mit Solaris zum Banking-Anbieter“ zu werden.

Es geht darum den Außenvertrieb komplett an Nicht-Banken abzutreten. Aber es geht noch weiter. Solaris ist gar nicht daran interessiert durch immer mehr Geschäftsvolumen seine Bilanz aufzupumpen, wie man aus jüngsten Äußerungen heraushören kann. Denn je größer die Bilanz und je mehr Kredite man ausgegeben hat, desto mehr Geld muss eine Bank an die Einlagensicherung abführen, desto mehr Eigenkapital muss die Bank vorhalten usw.

Aber genau das entspricht ja nicht dem jung dynamischen Image so eines Fintech. Wie also löst man das Problem, wenn man möglichst klein, wendig, schlank und profitabel bleiben möchte, aber gleichzeitig möglichst viel Geschäft durch seine Bücher „durchschleusen“ möchte? Dafür hat die Solaris Bank nun eine Lösung gefunden. Man führt eine standardisierte automatische Verbriefung seiner Kredite ein.

Das bedeutet: Ist ein gewisses Volumen an Kreditvergaben aufgelaufen, bündelt Solaris die Kredite, und verkauft sie über die Kredit-Verbriefungsplattform „Crosslend“ an Investoren weiter. Somit hat der Kunde, der einst beispielsweise über Verivox einen Kredit abschloss, einen Kredit bei vielleicht irgendeinem Finanzinvestor im Ausland, obwohl er das doch gar nicht wollte.

Der Kredit wird bei der Solaris Bank schon vom Zeitpunkt der Vergabe an zu einer vollautomatisch verschiebbaren Ware. Kein Witz! Solaris nennt dieses Konzept „Balance Sheet Light“ – also die Bilanz möglichst klein halten – man betreibt voll automatisch das Outsourcing von Krediten, in dem man sie an Investoren verkauft. Schöne neue Bankenwelt. Ob die Kunden sich bei Kreditabschluss bewusst sind, dass ihr Kredit automatisch weitergereicht wird, an irgendwen, irgendwo? Zitat Solaris Bank von heute:

solarisBank, die erste Banking Plattform mit Vollbanklizenz, und CrossLend, der digitale Marktplatz für europäische Kredite, haben heute den Beginn ihrer strategischen Partnerschaft bekanntgegeben. Gemeinsam werden sie eine digitale und vollautomatisierte Kreditverbriefung anbieten. Die Partnerschaft ermöglicht es der solarisBank, ein sogenanntes „Balance Sheet Light“-Modell zu etablieren. Dabei werden Kredite bereits bei der Generierung so angelegt, dass sie entweder unmittelbar oder mit zeitlichem Verzug an Investoren weitergegeben werden können, ohne langfristig die eigene Bankbilanz zu belasten.

Mit diesem neuen Angebot setzt das Berliner Technologieunternehmen mit Banklizenz seinen Plattformgedanken nun auch konsequent und innovativ im Kreditbereich um. Durch die automatisierte Verbriefung von CrossLend und den Aufbau eines zentralen Data Warehouses mit hoher Datenqualität können die Transparenz der resultierenden Wertpapiere maximiert und die Transaktionskosten gering gehalten werden. Dadurch ist die Kreditverbriefung bereits in Größenklassen zwischen 20 und 100 Millionen Euro statt wie üblich ab Summen um 500 Millionen Euro über europäische Grenzen hinweg möglich. CrossLend folgt hierbei dem Leitmotiv der Europäischen Kapitalmarktunion.

Mal ganz abgesehen von dem kaum schönen Gefühl, das zahlreiche Kunden dabei haben dürften: Verbriefungen waren der Auslöser für die Finanzkrise 2008. Denn in den USA wusste niemand mehr, in wessen Büchern denn überhaupt welche Risiken schlummern. Kaufen nun also in Europa Investoren wie Pensionskassen, Fonds etc beispielsweise über Crosslend Kredite von Privatkunden in Paketen auf, so werden deren Kreditrisiken ebenfalls per Gießkanne überall in der EU verteilt – bis der Überblick verloren geht. Zitat Crosslend von heute:

„Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die europäische Kreditwirtschaft zu rationalisieren und den Kapitalfluss in der EU im Sinne der Schaffung einer Europäischen Kapitalmarktunion zu fördern. Unsere Plattform war von Anfang an darauf ausgelegt, den Kreditmarkt effizienter, transparenter und digitaler zu machen. Gemeinsam mit der solarisBank können wir diese volldigitale Verbriefung als Dienstleistung anbieten. Wir glauben, dass das Balance-Sheet Light Modell zukunftsweisend ist“, sagt Oliver Schimek, CEO von CrossLend.

Tja, was sagt man dazu? Findet die BaFin das besonders toll? Nicht nur, dass der Kunde beim Antrag kaum merkt, bei welcher Bank er einen Kredit aufnimmt. Merkt er es, ist sein Kredit vielleicht schon vollautomatisch an einen Finanzinvestoren in Luxemburg weiterverkauft worden (nur so als Beispiel). Losgehen soll dieses „Balance Sheet Light-Modell“ der Solaris Bank im ersten Halbjahr 2019. Funktioniert es, könnten andere Banken folgen. Hinter der Bank stehen übrigens als Eigentümer Investoren wie die Großbank BBVA aus Spanien, dazu noch Lakestar, ABN Amros Digital Impact Fund, Arvato Financial Solutions, SBI Group, Finleap.

Solaris Bank Manager
Das erweiterte Management-Team der Solaris Bank. Foto: ©MaxThrelfall / Solaris Bank

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. joah

    22. August 2018 17:26 at 17:26

    Das wahre Problem der Herausführung von deutschen (Immobilien-)Krediten in andere Rechtsräume ist noch gar nicht angesprochen worden: verlässt ein Immobilienkredit den deutschen Rechtsraum, wird die Kreditsumme bei der Bank und die Schuld im Grundbucheintrag meines Wissens nach getrennt behandelt (obwohl diese nach deutschem Recht beide ein und dasselbe repräsentieren). Diese verdoppelt sich dann de facto automatisch.

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Das „Peter (Altmaier) Prinzip“ – wenn unfähige Politiker befördert werden

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Kürzlich ist etwas sehr Ungewöhnliches passiert: Vertreter des deutschen Mittelstands und der deutschen Industrie haben sich negativ über Wirtschaftsminister Peter Altmaier geäussert – ein echter Affront!

Woran liegt das? Marc Friedrich meint: am sogenannten „Peter-Prinzip“ der negativen Auslese in der Politik. Was das ist, erklärt Marc Friedrich in diesem Video:

 

 

 

Von Olaf Kosinsky – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53950919

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Martin Sonneborn im EU-Parlament über Julian Asange

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Bekanntlich ist der Whistleblower Julian Asange kürzlich in London verhaftet worden – ihm droht die Auslieferung in die USA. Martin Sonneborn bringt den Skandal im EU-Parlament zur Sprache – vor einer unglaublich prall gefüllten Kulisse und mit rhetorischen Ungeheuerlichkeiten..

Sehr sehenswert:


Sonneborn in Stauffenberg-Verkleidung mit Parteikollege Nico Wehnemann auf der Frankfurter Buchmesse 2018
Von Ptolusque – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73580794

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Politischer Tauschhandel mit der Post? 10% höhere Preise für 5000 Jobs

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Die Deutsche Post hat im Jahr 2018 insgesamt 2,2 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet, nach Steuern! 2017 waren es noch 2,9 Milliarden Euro Gewinn. Aber immerhin, 2,2 Milliarden Euro sind auch noch ein nettes Plus (hier nachzulesen). So schlecht kann es dem ehemaligen Staatskonzern also wohl kaum gehen, stimmt´s? Oder brauch man doch ganz dringend mehr Geld?

Obacht! Ähnlich wie Lufthansa oder Deutsche Börse ist auch die Deutsche Post in ihrem Segment der einzig große Konzern in Deutschland, der im Ausland als bedeutender Global Player mitspielen kann (Monopolist oder beinahe Monopolist). Und genau diese Art von Unternehmen will unser aller Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier massiv stützen, schützen und fördern, wie er es in den letzten Wochen klar zum Ausdruck brachte (Nationale Champions schaffen).

Im Januar hatte die zuständige Bundesnetzagentur vorgeschlagen, dass man der Deutschen Post ein Preiserhöhungspotenzial von bis zu 4,8% zugestehen solle. Das fand die Post aber nicht so schön, und drohte indirekt mit der Entlassung von Mitarbeitern. Und was machte Peter Altmaier? Er tat, was zu tun war… die Bundesnetzagentur wurde angewiesen doch bitte ihren Berechnungsschlüssel (richtige Formulierung?) „anzupassen“.

Und ohhh Wunder, heute verkündet die Bundesnetzagentur, dass man der Deutschen Post einen Preiserhöhungsspielraum von bis zu 10,6% zugestehe. Mal eben mehr als verdoppelt, das ist doch was! Und nochmal ohhh Wunder. Die Agentur erwähnt in ihrer Veröffentlichung gleich zwei mal, dass die Deutsche Post versprochen habe im Gegenzug 5.000 neue Stellen zu schaffen. Dazu sagt die Agentur im Wortlaut:

Wir berücksichtigen die Ankündigung der Post, neue Zusteller einzustellen. Die Ankündigungen der Post werden wir überwachen.

Die Bundesnetzagentur wird kontrollieren, dass die angekündigten Neueinstellungen auch tatsächlich erfolgen.

Also, im Klartext: Es gibt einen nicht ausgesprochenen, aber mehr als offensichtlichen politischen Deal. Ihr schafft neue Jobs, dafür dürft ihr so richtig kräftig die Preise raufsetzen. Na da freut sich der Post-Kunde. Das ist doch mal so richtig „Freie Marktwirtschaft“. Gedankenspiel: Die Deutsche Post wird bei ihrer Job-Zusage wohl schon mal genau kalkuliert haben, ob sich die Mehrkosten fürs Personal rechnen bei einer zehnprozentigen Portoerhöhung. Und wollen wir mal wetten, es wird sich rechnen. Und es werden in der Rechnung wohl noch ein paar Taler Gewinn übrig bleiben.

Die +10,6% ist ein Gesamtrahmen. Wie stark zum Beispiel das klassische Briefporto steigt, wird im Mai festgelegt. Aber man darf ruhig von einem Sprung von 70 auf 90 Cent ausgehen. Danke Herr Altmaier. Bauen Sie mal schön weiter ihre „Nationalen Champions“. Die Post-Aktionäre dürften sich freuen. Hier einige weitere aktuelle Originalaussagen der Bundesnetzagentur:

Die Bundesnetzagentur hat für den Zeitraum bis 31. Dezember 2021 einen Preiserhöhungsspielraum von 8,86 Prozent ermittelt, der sich aus einer Produktivitätsrate von minus 5,41 Prozent und einem Inflationsausgleich von 3,45 Prozent zusammensetzt. Weil die Deutsche Post AG Preisanhebungen nicht bereits zum 1. Januar 2019 vornehmen konnte, wird die Preisänderungsrate zusätzlich um rund 0,3 Prozentpunkte pro Monat korrigiert. Die Deutsche Post könnte bei geplantem Inkrafttreten neuer Briefentgelte zum 1. Juli 2019 damit von einem Preiserhöhungspotential von 10,63 Prozent Gebrauch machen.

Neben dem höheren Gewinnsatz berücksichtigt die Entscheidung auch die Auswirkungen der von der Deutschen Post Mitte 2018 angekündigten Umstrukturierungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen. Die Deutsche Post hat damit höhere Kosten unter anderem dafür geltend gemacht, dass ca. 5.000 zusätzliche Mitarbeiter in der Zustellung eingesetzt werden sollen.

Deutsche Post Tower Bonn
Post Tower in Bonn. Foto: Sir James CC BY-SA 3.0

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