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Die Vernichtung des Zinses und die Zombifizierung der Wirtschaft

Der gestrige Tag ist eine Wendepunkt: nun ist endgültig klar, dass die westliche Welt sich Zinsen nicht mehr leisten kann..

Markus Fugmann

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am

Die USA waren das letzte Refugium in der westlichen Welt: hier gab es noch Zinsen, konnte man mit dem Kauf von Staatsanleihen Renditen erzielen, die die Dividendenrendite des S&P 500 übertraf und damit eine echte Konkurrenz zu den Aktienmärkten darstellte!

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Renditen und Dollar fallen

Nun ist die 10-jährige US-Staatsanleihe erstmals seit Herbst 2016 unter die Marke von 2% gefallen – die 30-jährige US-Staatsanleihe fällt unter die Marke von 2,5%. Die Aussicht auf einen Zinssenkungszyklus, den einige Fed-Mitglieder in ihren dot plots (Zinserwartung) selbst gegeben haben, dürfte die Renditen weiter unter Druck bringen (damit auch den Dollar).

Im Grunde hat die Fed gestern zugegeben, dass auch die US-Wirtschaft nicht ein anderer Planet ist als die „Restwelt“ – genau das hat die Wall Street mit ihrem „goldilock-Szenario“ ja lange geglaubt, während die Anleihemärkte (Invertierung der Zinskurve) schon früh sich sicher waren, dass die USA sich nicht von der globalen Konjunktur würden entkoppeln können.

Nun haben die Aktienmärkte Unrecht gehabt – und fühlen sich dennoch als Sieger, weil wieder einmal die Fed zur Hilfe eilt. Zinssenkungen sind ja schön und gut – aber sie helfen eben nur wenig, wenn Gewinne und Umsätze der Unternehmen einbrechen in einer Rezession.

Daher ist es zwar durchaus wahrscheinlich, dass die US-Aktienmärkte auf ein neues Allzeithoch klettern (und der S&P 500 dann vielleicht sogar weiter bis 3000 Punkte steigt) – aber die kommende US-Berichtssaison wird dann das zeigen, was viele schon für das 1.Quartal erwartet hatten: dass die Abkühlung der Wirtschaft auch in den Bilanzen der Konzerne sichtbar wird. Und das bei derart hohen Bewertungen aktuell..

 

Die Zins-Vernichtung und die Zombies

Wenn nun auch die Fed die Zinsen senkt, wird auch die letzte Zins-Insel vernichtet – wo soll die Liquidität dann hin? Paradoxerweise wohl weiter auch in die Aktienmärkte, und das bei sich verschlechternden fudamentalen Bedingungen für die Unternehmen. Und natürlich in Gold..

Die Hoffnung der Notenbanken und der Märkte ist ja, dass man nur einfach das wiederholen müsse, was man im Gefolge der Finanzkrise getant hatte. Aber solch extreme Maßnahmen wirken nur eine begrenzte Zeit – die Wirksamkeit nimmt stetig ab, sodass die Rettungsmaßnahmen immer weniger effektiv und damit immer teurer werden. Faktisch sind wir direkt auf dem Weg in eine Deflation – und damit werden dann auch die Vermögenspreise (Aktien, Immobilien) fallen. Dann bleibt als letzte Rettungsmöglichkeit wohl nur noch das Helikoptergeld – mit einer dann folgenden massiven Inflation.

Der gestrige Tag ist eine Wendepunkt: nun ist endgültig klar, dass die westliche Welt sich Zinsen nicht mehr leisten kann. Die Abschaffung des Zinses aber zombifiziert die Wirtschaft weiter – faktisch beschleunigen die Notenbanken also den Abstieg mit ihrem Versuch, eben diesen Abstieg zu verhindern..

Und so lautet das Motto derzeit: Hurra, wir sind dabei zu scheitern – aber vorher machen wir noch Party..

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    remada

    20. Juni 2019 09:23 at 09:23

    Hallo Hr. Fugmann. Morgen ist ja Verfallsstag. Wäre das erfahrungsgemäss für den DAX ein eher bullishes oder eher bearisches Zenario?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      20. Juni 2019 09:27 at 09:27

      @remada, in der Regel verstärkt der Verfall den Trend – geht es nach oben, werden Puts (Absicherungen) aufgelöst, was dann faktisch Käufe sind..also eher bullisch für den Dax nach meiner Auffassung

      • Avatar

        remada

        20. Juni 2019 10:29 at 10:29

        Danke für die rasche Antwort. Servus

  2. Avatar

    Zinsangst

    20. Juni 2019 10:28 at 10:28

    Kompliment Herr Fugmann! Hier im Board wurden ihre klaren Ansagen stets kontrovers diskutiert. Auf jeden Fall ist Ihre Prognosequalität in Sachen Konjunktur- und Zinsentwicklung deutlich besser, als die der Fed, die noch vor einem halben Jahr genau das Gegenteil der jetzigen Entwicklung prognostizierte. Chapeau!

  3. Avatar

    Marcus

    20. Juni 2019 11:48 at 11:48

    Wie sagte doch einst ein gewisser Chuck Prince: „as long as the music is playing, you’ve got to get up and dance.“ Genau das erleben wir seit Jahren denn ohne die Notenbanken und deren massiven Einsatz wären wir längst in einer ganz anderen Situation. Und wie Sie richtig schreiben, die Welt kann sich keine Zinsen mehr leisten, weil einfach die Verschuldung so dermaßen hoch ist das ein kleiner Zinsanstieg oder gar ein dauerhafter Anstieg hier einige Kartenhäuser sofort zum Einsturz bringen würde.

  4. Avatar

    GN

    20. Juni 2019 12:25 at 12:25

    Lieber Markus Fugmann,

    ich schicke euch mal, über „den kleinen Dienstweg“, dieses sehr interessante Video, was mehr Beachtung verdient.

    Ein kontroverses Gespräch zwischen den Ökonomen Prof. Heinz-Josef Bontrup und Dr. Markus Krall…

    https://deutsch.rt.com/programme/der-fehlende-part/89213-prof-bontrup-versus-dr-krall/

    (jaaaa, das gaanz pöööse RT-Deutsch….nun ja, so etwas gibt es halt im Zwagsbeitrags-TV nicht, da bekommt man eher ein weiteres Schmierentheater von Altlantikbrrücken-Jpurnalist Claus Kleber…)

    Liebe Grüße

    GN

  5. Avatar

    Marko

    20. Juni 2019 12:39 at 12:39

    Markus,

    „Wenn nun auch die Fed die Zinsen senkt, wird auch die letzte Zins-Insel vernichtet – wo soll die Liquidität dann hin? Paradoxerweise wohl weiter auch in die Aktienmärkte, und das bei sich verschlechternden fudamentalen Bedingungen für die Unternehmen. Und natürlich in Gold..“

    Aber, das ist doch Punkt, die Anleihe- wie die Aktienmärkte müssen sich seid Lehman angleichen, d.h. die EZB muss endlich aus ihrem „Dornröschenschlaf“ aufwachen und endlich mal „Schwung in die bringen“, geht aber nicht wegen den „Brexit-Freunden“. Eine eventuelle Zinssenkung seitens der FED macht keinen Sinn ! Keinen !

    Was wir hier sehen ist immer noch Lehman ! Ist das so schwer zu verstehen ?

  6. Avatar

    Therapeut

    20. Juni 2019 13:08 at 13:08

    @ Marko, die weltweit grösste Notenbank , die EZB muss weiter dovish sein weil die kleine FED auch dovish ist ?? Frage, ist das Lehmann Syndrom heilbar ?

  7. Avatar

    Marko

    20. Juni 2019 13:42 at 13:42

    Und genau das da, der Bufu bei 172 Punkten, sagt mir einiges…

    https://www.onvista.de/futures/snapshot/FGBLC1

    Da sieht man doch, wie der Markt „Europa“ vertraut… und das obwohl die allerbeste, schönste und tollste und natürlich „mächtigste“ Notenbank der Welt, die FED, einen „Zinsvorsprung hat, gegenüber der EZB ?

    Irendwie seltsam ?

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Aktienmärkte: Das Jahr der Anormalien 2020

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  • die tiefste Rezession seit Menschengedenken, die die US-Wirtschaft im zweiten Quartal auf Jahresbasis über 30 Prozent in die Tiefe führte, auf Quartalsbasis so wie in Deutschland knapp unter 10 Prozent
  • ein noch nie dagewesener Lockdown, der zeitweise 4 Milliarden werktätige Menschen weltweit in Quarantäne brachte
  • die schnellste, zwar noch unvollständige Wirtschaftserholung, die bei einem Gros der Märkte bis über 90 Prozent an ihr Winterniveau geführt hat
  • absurde Steigerungen bei Frühindikatoren und einzelnen Kennziffern, verursacht durch den angeordneten Stillstand: Ich habe bereits im Mai darauf hingewiesen, dass es aus finanzmathematischen Gründen sonderbare Zahlen geben muss – wenn etwas 90 Prozent gefallen ist, muss es bis zum Status quo 900 Prozent steigen
  • die tiefsten Zinsen seit vielen Generationen, die größten Rettungspakete von Staaten und Spritzen von Notenbanken
  • allein die Federal Reserve, die EZB und die Bank of Japan haben eine Bilanzsumme von 20 Billionen Dollar aufgebaut, bei einem Volumen der Weltwirtschaft von 86 Billionen Dollar
  • kein Saisonalität der Aktienmärkteg, kein Sell in May, kein Sommerloch, eine harmlose Septemberkorrektur, die selbst beim teuren Nasdaq mit 78 Prozent plus seit März nur eine 13-Prozent-Korrektur brachte
  • eine ewig lange Periode der Aktienmärkte, in der selbst blutige Anfänger mit ihrer Performance (Stichwort RobinHood) erfahrene Hedgefonds- und Investmentfondsmanager alt aussehen ließen.

Und jetzt reagiert man an der Wall Street nicht einmal auf die Aussicht eines Wahldebakels, welches wochenlang kein Ergebnis bringen könnte, mit all den hypothetischen Extremszenarios. Sicherlich bleibt eine Grundvolatilität erhalten, allein schon durch die großen Hebeleinsätze, immer wieder auftretender kleiner Short Squeezes und dem Zwang zu agieren. Allein schon durch die permanente Spekulation um das fünfte Konjunkturpaket, um den Impfstoff, um die Infektionszahlen – ruhig dürfte der Monat nicht verlaufen.

Aber ein großer Einbruch der Aktienmärkte, woher soll dieser jetzt kommen?

Es liegen unglaubliche fünf Billionen Dollar auf Cashkonten – wohin mit dem Geld? Man kann keine Kundengelder lange auf Konten mit Strafzinsen bunkern.

Schlussfolgerung

Es gibt aus meiner Sicht zwei überragende Faktoren, die alle anderen, auch berechtigten Negativfaktoren vom Tisch wischen.

Weltweit gibt es bereits über 20 Billionen Dollar an Anleihen im Bereich der negativen Realverzinsung (nicht nominal) – und nicht zu vergessen Billionen Dollar/Euro/Yen an Sparanlagen auf unverzinslichen Konten. Es herrscht ein noch nie dagegewesener Anlagenotstand für Pensionsfonds, Versicherungen, Kapitalsammelstellen jedweder Art und von vorsorgenden Kleinanlegern.
Die Regierungen dieser Welt haben Rettungsprogramme aufgelegt, versorgen Arbeitnehmer mit Kurzarbeitergeld und verhindern im großen Stile Unternehmensinsolvenzen.
Kurzum: Es werden Stimuli in gigantischen Dosen verabreicht, die aus besagten Gründen immer wieder auf den Kapitalmärkten landen. Die Aktienmärkte sind süchtig nach weiteren Geldspritzen. Und um auf die US-Wahl 2020 zu sprechen zu kommen: Egal wer im November gewählt wird, er wird weder etwas an den Zinsen ändern, noch das Stimulusprogramm beenden. Bei Joe Biden und seinen Demokraten könnte es sogar noch ausgeweitet werden.

Wie soll so etwas enden? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich das viele Geld nicht irgendwann seinen Weg in die Gütermärkte macht und damit Inflation erzeugt, gefolg von einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen – und dann wäre es vorbei mit der Hausse der Aktienmärkte..

Das Jahr 2020 ist in jeder Hinsicht aussergewöhnlich für die Aktienmärkte

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Die Aktienmärkte in den USA gestern mit Gewinnen aufgrund neuer Stimulus-Hoffnungen und neuem Konjunkturoptimsimus – aber ist diese Zuversicht begründet? Ab heute beginnt nach der finanziellen Betäubung durch Notenbanken und Staaten erst der ökonomische Schmerz der Coronakrise: in Deutschland müssen ab 01.Oktober Unternehmen, die zahlungsunfähig sind, Insolvenz anmelden. Und in den USA laufen die staatlichen Mittel aus, die Unternehmen unterstützen, damit sie keine Mitarbeiter entlassen. Genau das aber passiert nun massenhaft bzw. wird angekündigt – was wiederum neue Stimulus-Programme auch für die Aktienmärkte so wichtig macht. Das wird nun ein heißer Oktober, zumal die Unsicherheit der US-Wahl nicht kleiner wird..

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