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Devisen

Euro gegen US-Dollar: Hart bestraft durch die EZB-Entscheidung

Agata Janik

Veröffentlicht

am

Ein 20 Euro Schein

An dem gestrigen Tag haben nicht nur Händler, die den Euro traden, sondern auch die gesamte Finanz- und Wirtschaftswelt auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank mit großer Spannung gewartet. Auch die Pressekonferenz der neuen EZB Präsidentin Christine Lagarde stand im Fokus. Alle warteten gespannt, mit welchen Maßnahmen die Europäische Zentralbank die Wirtschaft vor den negativen Auswirkungen der Corona-Krise schützen will. Was dann die Europas Währungshüter der Welt mitgeteilt haben, war jedoch mehr als enttäuschend. Die EZB hat beschlossen, bis zum Jahresende weitere 120 Milliarden Euro in Anleihekäufe zu stecken. Zusätzlich sollen die Banken besonders günstige Kredite bekommen, die sie dann leichter an die betroffenen Branchen und Unternehmen vergeben können. Das war eine ganz schwache Vorstellung der EZB. Christine Lagarde hat sich nicht bewährt. Wenn das ihr ganzes Repertoire ist, dann gibt es dazu nichts mehr zu sagen.

Die Wertpapiermärkte haben dementsprechend auf die Nachrichten aus Frankfurt reagiert und Christine Lagarde hat ganz schnell das Feedback zu Ihrer Entscheidungen erhalten. Der DAX erfuhr zwischenzeitlich ein heftiges Minus von über 12%! Auch der Euro ist in der gestrigen Handelssitzung um fast 300 Pips gefallen. Eine große Wut, Frust und Verzweiflung waren an den Märkten deutlich zu spüren. Das Coronavirus breitet sich in Europa weiter dynamisch aus und die Lösungen, die von Seiten der EZB kommen, werden so ganz bestimmt die europäische Wirtschaft vor der Rezession nicht retten können.

Aber auch in den USA steigt die Angst vor dem Coronavirus. Da hilft es auch nichts, wenn Donald Trump den Europäer die Schuld für die Pandemie in die Schuhe schieben will. Der Dow Jones schloss gestern ebenfalls mit einem fetten Minus von 10 %. Das Covid-19 ist eine weltweite Pandemie und es kann die Amerikaner noch härter treffen als sie es sich vorstellen können. Ein großer Teil der US-Bevölkerung hat nicht einmal eine Krankenversicherung, also ist es gar nicht möglich, zuverlässige Daten zu sammeln und Tests durchzuführen. Wenn sich das Virus unter die vielen Obdachlosen und Junkies mit schwachem Immunsystem, die auf den Straßen der Großstädte leben, ausbreitet, dann kann es katastrophale Folgen haben. Schauen wir, ob sich dann Donald Trump immer noch als der Superheld und der Retter der Nation sieht. Euro zum US-Dollar notierte gestern im Tief bei 1,1055.

Euro vs US-Dollar vor dem Wochenabschluss

Euro gegen den US-Dollar konnte sich gestern Abend und in der asiatischen Session heute Nacht von seinen schmerzhaften Verlusten wieder etwas erholen. Der Kurs notiert aktuell (Freitagmorgen) bei ca. 1,1205. Es wird heute von großer Bedeutung sein, ob sich der Major über die 1,1200 Marke halten kann. Sollte es gelingen, werden die kurzfristig orientierten Bären vor dem Wochenende ihre Short-Positionen schließen. Der Euro kann dann weiter leicht steigen. Man kann jedoch nicht von einer Euro-Stärke sprechen, es werden mehr die Gewinnmitnahmen der Short-Trader sein. Der erste wichtige Widerstand wartet auf den Euro zum US-Dollar bei 1,1248 (420er Moving Average). Sollte auch diese Marke erobert werden, kann der Kurs bis 1,1281 steigen. Danach wartet schon auf den Major die 1,1300 „big figure“.

Auf der Unterseite befindet sich die signifikante Unterstützung bei 1,1155. Hier kann der Kurs zuerst eine Pause einlegen. Der Daily Pivot Point liegt heute bei 1,1190. Wer heute am Devisenmarkt aktiv werden möchte, sollte sein Money-Management strikt einhalten, denn man muss auch heute mit erhöhter Volatilität, sowohl bei dem Euro zum US-Dollar, als auch bei den anderen Währungspaaren rechnen. Am Nachmittag, um 15 Uhr, wird der Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan veröffentlicht. Diese Nachrichten können ebenfalls für größere Schwankungen bei Euro vs US-Dollar sorgen.

Die Finanzmärkte gehen derzeit davon aus, dass die Fed die Leitzinsen um mindestens 0,75% senken wird am kommenden Mittwoch, die Konsens-Schätzung liegt aktuell bei 100 Basispunkten (1,0%).

Chartverlauf von Euro vs US-Dollar

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    13. März 2020 11:41 at 11:41

    Das nun der Finanzmarkt mehrheitlich durch unrealistisch orientierte Marktteilnehmer dominiert wird zeigt dieser Artikel sehr schön. Wie kleine Kinder wollen alle, dass die Notenbanker ihnen alle Probleme lösen und dafür sorgen, dass nur noch hohe Gewinne für die Marktteilnehmer üblich sein sollen. Dass der eigentlich Sinn eines Marktes, nämlich über Steuerelemente der Risikodefinitionen in der Wirtschaft für einen adäquaten Ausgleich der Kräfte zu sorgen damit entfallen würde, scheint niemand mehr zu stören. Das bedetet dann, dass die Notenbanker den Marktteilenehmer gleich direkt einen Gewinn ausschütten könnte, statt das Gleiche über indirekte Ausschüttungen und Garantien zu tun. Was wir nun erleben, ist eine Zerstörung bewährter Marktmechanismen und Entwicklung zu einer Art Notenbank-Genossenschafts-Gesellschaft.

  2. Avatar

    Hans

    14. März 2020 14:06 at 14:06

    Der Artikel ist genauso eine ganz schwache Leistung und zeigt nur das Kompetenz derzeit generelle Mangelware unter den Journalisten ist. Wenn man diesen Artikel überhaupt Journalismus nennen kann!? Die BoE hat massiver agiert und was passiert damit? Wenn nicht genügend USD zur Verfügung stehen, weil die federal Reserve zu stark die Bilanz runtergeschraubt hat und damit Dollarengpässe auslöst, was man ja auch im September 2019 genügend gesehen hat und seitdem leider zu langsam reagiert, ist es doch klar, dass die durch Volatilität getrieben Bewegungen zu massiven Reaktionen der Währungspaare sorgen. Dazu mal die Renditen der Staatsanleihen angeschaut Agata? Was für Stimulus wird denn erzeugt wenn ich überteuerte Scheine kaufe, die nix Wert sind? Mal darüber nachgedacht, was in den Kapitalmärkten bei diesem Niveau an Zinsen bei Staatsanleihen passiert? Italien kriegt seit Jahren nix gerissen und ist unfähig Reformen durchzusetzen um den Staatsapparat zu reformieren, was wohl vorallem daran liegt das man gefühlt einmal im Jahr Neuwahlen abhält! Nun von der EZB for Presse anwerfen und die Märkte mit billigem Geld vollzupumpen hat 2015 unter Draghi nicht funktioniert und wird auch unter Lagarde nicht funktionieren. Was sie also macht ist umdenken und das sollten wohl die Finanzjournalisten auch mal, denn Ahnung ist hier Mangelware! Sie können an den Zinsen nicht mehr schrauben und selbst wenn hat auch das keine Wirkung, man sehe nur einmal nach Japan! Es war jahrelang für die Staaten der EU gut die Zinspolitik so zu haben und man hätte genug Schulden abbauen können, wenn man dann die Ambitionen hatte. Damit wäre nun Pulver vorhanden staatlicherseits zu stimulieren und das fordert die EZB nun und das zu Recht! Also einfach mal effektive nachdenken und dann Schreiben, ggf. ist diese Maßnahme besser für Sie!

  3. Avatar

    Forexli

    14. März 2020 17:17 at 17:17

    So schlecht war das gar nicht, immerhin hat sie den Euro geschwächt ohne die Zinsen zu senken.Sie weiss u.hat es auch schon mehrmals gesagt, dass Negativzinsen mehr schaden als nützen. Auch Biancho u.andere Gurus sagen das immer wieder.
    Alle diese Notmassnahmen sind halt wieder Noch- Mehrverschuldung was im Moment ausser Acht gelassen wird. Wurden doch eben Staaten mit „ SCHWARZER NULL“ Wirtschaft noch kritisiert, sieht man dass gerade diese Staaten bei einem unverhofften Ereignis in besserer Position sind.
    Übrigens so schwarz war diese Null gar nie, bei vernünftigen Zinsen wäre die nämlich tiefrot. Nicht vergessen , dank diesen Tiefstzinsen werden später immense Kosten in der Alersvorsorge auf die Staaten zukommen.

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Devisen

Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

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Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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