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Evergrande: Banken konfiszieren Sicherheiten – Chinas Immobilienpreise sinken weiter

Evergrande und Immobilienkrise in China

Es ist eine schlechte Woche für Evergrande: am Montag wurden die Aktien des Unternehmens vom Handel an der Hongkonger Börse ausgesetzt. Tags darauf wurde bekannt, dass Evergrande seinen Jahresabschluss nicht bis zum Ende des Monats präsentiere könne. Gleiches gilt für Evergrande New Energy Vehicle Group und Evergrande Property Service. Nun hat Evergrande, so wörtlich, „entdeckt“, dass Banken Sicherheiten im Wert von 13,4 Mrd. Yuan (umgerechnet 1,9 Milliarden Euro) konfisziert haben.

Andere Immobilienentwickler haben ebenfalls Probleme. Der drittgrößte chinesische Immobilienkonzern Sunac versucht, eine mit vier Milliarden Yuan (571 Millionen Euro) dotierte Anleihe, die am 1. April fällig werden würde, um zwei Jahre zu verlängern. Soho China bietet derweil 32.000 Quadratmeter an Geschäfts- und Wohngebäuden in Shanghai und Beijing mit einem Abschlag von 30% an. Das Geld würde benötigt, um Schulden umzubauen, so Soho China.

Evergrande und fallende Immobilienpreise in China

In den ersten beiden Monaten im Jahr 2022 wurden nach Angaben des National Bureau of Statistics of China (NBC) 22,1% weniger Apartments verkauft als ein Jahr zuvor. Dabei hat auch die Größe der verkauften Apartments abgenommen. Es wurden 134,6 Millionen Quadratmeter verkauft, 13,8% weniger als im vorhergehenden Jahr. Die Preise sanken im Vergleich zu dem Vormonat nur leicht um 0,1%.

Damit scheinen die zahlreichen Stützungsmaßnahmen seitens der Lokal-Regierungen wenig zu helfen. Zahlreiche Städte in China versuchen den Hauserwerb zu erleichtern, in dem sie z.B. erlauben, dass Hauseigentümer, die ihre Hypothek für ihr erstes Apartment vollständig abbezahlt haben, eine Hypothek für einen weiteren Kauf zu den gleichen Konditionen bekommen wie zuvor. Bisher waren die Konditionen für eine Hypothek für einen Zweitkauf signifikant schlechter.

In Folge der sinkenden Nachfrage an Apartments sinken auch die Landverkäufe der lokalen Regierungen um 42,3%. Da die Landverkäufe für die Städte die Haupteinnahmequelle darstellen, sie aber gleichzeitig mehr investieren müssen, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren, wachsen die Schulden.

Die Immobilienkrise trifft zwei der wichtigsten Gesellschaftsgruppen in China. Neben der Mittelschicht auch die mittlere und obere Beamtenschaft, die zwar einkommensschwach ist, aber viele Assets, vornehmlich Immobilien, besitzt. Beide sind auf eine Wertsteigerung ihrer Immobilien angewiesen sind, um ihren Lebensstil beizubehalten und für das Alter vorzusorgen.

Daher sind die Turbulenzen um Evergrande ein schlechtes Omen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in China und den Konsum im Reich der Mitte!



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4 Kommentare

  1. Das Problem sind gar nicht mal zu viele Wohnungen, denn der Flächenbedarf ist in China generell gegeben und die Kaufbereitschaft auch da. Das Problem ist das die Objekte als reine Spekulationsobjekte örtlich und funktional am tatsächlichen Bedarf vorbeigebaut wurden (auch staatlich befeuert, um die Einnahmen der Kommunen zu sichern und um Bestechungsgelder abzuzweigen). Es ist also zu einer gigantischen Fehlallokation von Kapital gekommen.
    Und eine Fehlallokation von Kapital ist nichts anderes als „sinnfreier Konsum“, muss also volkswirtschaftlich abgeschrieben werden.

    Und nun läuft wieder mal die Reise nach Jerusalem, bei dem die Rechnung demjenigen ohne Stuhl überreicht wird. Und im Gegensatz zum „Westen“ steht in China noch keineswegs final fest wer das sein wird. Es bleibt spannend.

    1. Na ja, wenn die Immobilienpreise sinken, die Darlehen nicht, dann werden weniger Luxusartikel gekauft. Auch die Baumaschinen Branche wird es spüren usw.

  2. Wird es spannend für uns? Wird es irgendwelche (vorhersehbare?) Folgen haben für unsere Banken/Wirtschaft/Immobilienpreise/noch wer? Der einzelne Otto?
    Das finde ich spannend aber kenne keine Antworten. In 2 Jahre rückblickend werden die Folgen logisch erklärt.
    Wer weiß es jetzt schon?

  3. Was werden Wohnungen in Hochhäusern in China nach dem Lockdown zb. in Schanghai noch wert sein wenn dort Menschen monatelang gefangen und sicher nicht nur in wenigen Einzelfällen verhungert sind ?
    Man macht sich keine Vorstellungen davon was in diesen Wohnungen im Moment los ist, was die Menschen dort für ein Leid erleben.

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