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EZB-Sitzung am Donnerstag: eine Chance für die Bullen!

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Von Markus Fugmann

Vor der letzten EZB-Sitzung am 03.Dezember waren die Erwartungen des Marktes regelrecht in den Himmel geschossen: man erwartete sich Wunderdinge, und bekam karge Hausmannskost durch eine wenig schillernde Verlängerung des QE-Programms der EZB. Die Folge: der Dax stürzte regelrecht ab, der Euro schoß massiv nach oben:

DaxEZB-Sitzung
Absturz von über 500 Punkten beim Dax am 03.Dezember 2015

Fast noch extremer der Euro damals:

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Damals verloren inbesondere große Investoren viel Geld, die sich auf Mario Draghi verlassen hatten, der bis dato immer mehr geliefert als versprochen hatte. Die Wunde ist nach wie vor tief, sie hat eine Art Ernüchterung der zuvor geradezu berauschten Investoren gebracht – und das ist eine von mehreren Ursachen für den Absturz der Märkte seit Jahresbeginn.

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Der Stachel sitzt tief bei Mario Draghi
Foto: World Economic Forum / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Um einen sattsam bekannten Spruch der Bullen zu zitieren: “Diesmal ist alles anders”. Denn die Erwartungen an die EZB-Sitzung am Donnerstag liegen gefühlt bei Null, niemand rechnet mit neuen Maßnahmen. Das wird auch sichtbar am Optionsmarkt, wo das Sentiment für den Euro so optimistisch ist wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Seit dem 03.Dezember ist der Euro zum US-Dollar um knapp 4% gestiegen. Und, was für die EZB ebenso wichtig ist: die Inflationserwartungen, sichtbar in den 5year-5year swaps, liegen auf dem tiefsten Stand seit drei Monaten, sie nähern sich den Tiefs aus dem September 2015. Schuld ist, na klar, einerseits die fortgesetzte Talfahrt des Öpreises, aber eben auch die Enttäuschung des Marktes über die “Untererfüllung” vom 03.Dezember.

Das bedeutet im Klartext: es besteht diesmal so gut wie kein Enttäuschungspotential, vor dem wir noch im Vorfeld der letzten EZB-Sitzung immer wieder gewarnt hatten. Im Gegenteil: wenn die Märkte nichts erwarten, und gleichzeitig der Optimismus für den Euro zunimmt, während die Aktienmärkte schwer unter Druck gekommen sind, liegt die größere Chance (im kurzen Zeitfenster!) auf der Oberseite für die Aktienmärkte, auf der Unterseite für den Euro.

Ein Grund dafür ist Mario Draghi. Offenkundig hatte er sich damals innerhalb der EZB nicht durchsetzen können, er wirkte fahrig, verunsichert, unzufrieden während der Pressekonferenz nach der letzten EZB-Sitzung. Dass er die Hoffnungen und Erwartungen der Märkte so herb enttäuscht hatte, wird an ihm nagen. Und er wird versuchen, eine Art Wiedergutmachung zu betreiben. Aller Wahrscheinlichkeit nicht mit neuen Maßnahmen, sondern mit Rhetorik. Es ist daher damit zu rechnen, dass Draghi in der PK extrem “dovish” sein wird.

Denn eines ist klar: im Vorfeld der letzten EZB-Sitzung gab es eigentlich keinen sachlichen Grund für die EZB, mehr zu tun: die Wirtschaft der Eurozone mit guten Daten, der Euro schwach, die Inflationserwartungen und der Ölpreis höher etc. Nun aber gibt es deutlich bessere Gründe, ein bißchen auf die Pauke zu hauen als damals. Es geht dabei auch – und das darf man nicht außer Acht lassen – um das Ego eines Römers, das bei der letzten Sitzung so spürbar gelitten hatte.

Soll doch keiner sagen, wir bei FMW wären nicht ständig bullisch :)

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Peter

    19. Januar 2016 16:08 at 16:08

    Hehe… Gestern noch lauthals Attacke Richtung Süden reiten und heute so still und leise auf die Seite der Bullen schleichen?
    Das geht aber nicht! ;-)

    • Avatar

      Markus Fugmann

      19. Januar 2016 16:17 at 16:17

      @Peter,

      ja, still und heimlich :)
      Nein, hier geht es um einen intraday-trade, oder vielleicht um ein bis zwei Tage. Das aber ändert nichts an meiner Erwartung, dass die Wahrscheinlichkeit für sehr viel tiefere Kurse in den nächsten Wochen und Monaten sehr hoch ist..

      Viele Grüsse!

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    Peter

    19. Januar 2016 16:47 at 16:47

    Kann sein, dass wir die 9350 noch mal sehen, aber tiefer sehe ich den Dax nicht.
    (Das wären mehr als -1400 Punkte zum Jahresende 2015.)
    Denn,
    das billige Notenbankengeld wird erhalten bleiben,
    die seit Tagen gespielte China-Karte zeigt keine Wirkung mehr (das erinnert mich an letzten Sommer, da sprach dann plötzlich keiner mehr über China),
    das superbillige Öl (= gigantisches Konjunkturprogramm für Ölverbraucher wie z.B. Deutschland) und und und …
    Momentan sehen viele nur halbleere Gläser, ich sehe mind. halbvolle … ;-)
    Grüße zurück!

    • Avatar

      Markus Fugmann

      19. Januar 2016 17:18 at 17:18

      @Peter, das sehe ich anders – aber die Zukunft wird zeigen, wer Recht hat. Der Markt ist gefallen, obwohl das billige Notenbank-Geld erhalten bleibt; und die Märkte in China sind heute gestiegen, weil sie aufgrund der schwachen Daten weitere Stimulusmaßnahmen erwarten Und nicht, weil die China-Karte keine Wirkung mehr zeigt); und das superbillige ÖL ist für viele wichtige Player geradezu ein Killer (Araber, Russland, USA, Brasilien, Nigeria, Junk-Bonds etc. etc.)
      @Peter, Sie sind noch voll im geistigen Modus der Hausse der letzten Jahre – ich halte das für einen gefährlichen und absehbar teuren Fehler. Aber wie gesagt: erst die Zukunft wird zeigen, wer von uns beiden Recht behält..

      Viele Grüsse und viel Glück an Sie!

  3. Avatar

    Peter

    19. Januar 2016 17:48 at 17:48

    Danke und schau’n wir mal …

  4. Avatar

    Sinan

    19. Januar 2016 20:50 at 20:50

    Ja wir können eine Erholung erwarten aber höchstens um 50 Prozent des Rückgangs…

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Geldanlage: Dieser Mix bringt seit 120 Jahren die besten Renditen!

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Geldanlage mit mehr oder weniger Risiko? Der Mix macht´s

Wenn sich eine Schweizer Bank mit Professoren aus London und Cambridge zusammentut, um langfristige Rendite-Entwicklungen verschiedener Anlageklassen über 120 Jahre zu untersuchen, dann sollten Anleger das Ergebnis genau studieren. Denn was 120 Jahre lang gute Renditen abwarf, ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch die richtige Wahl für Ihre Geldanlage. Schauen wir uns also an, was die Credit Suisse herausfand.

Wenig überraschend lautet das Ergebnis, dass Aktien global gesehen vor Anleihen und vor Geldmarktpapieren liegen. Um die Inflation bereinigt, warfen Aktien seit dem Jahr 1900 jährlich eine Rendite von 5,2% ab. Anleihen, in die Versicherungen und Pensionsfonds besonders große Anteile des Anlagevermögens investieren, kamen hingegen nur auf 2%. Die vor allem zum kurzfristigen Parken von Cash-Reserven genutzten Geldmarktpapiere, in dem Fall Schatzwechsel, brachten es als ein Instrument der Geldanlage hingegen nur auf 0,8%.

In Japan liegen Aktien mit Anleihen seit 50 Jahren fast gleichauf bei der Geldanlage

Nun könnten sich alle Aktionäre beruhigt zurücklehnen und darauf hoffen, dass sie mit ihrer Geldanlage in 50 Jahren reich sein werden. Doch so einfach ist es nicht. Denken wir nur an folgendes Szenario: Aktien crashen und laufen dann für Jahrzehnte seitwärts. Dass das kein Szenario aus dem Märchenbuch oder von weitgehend unbekannten Märkten in irgendwelchen Schwellenländern ist, zeigt Japan. Dort ist genau das passiert.

Die Einzelauswertung für Japan zeigt, dass Aktien als Geldanlage über 120 Jahre gesehen dann immer noch eine üppige Rendite abwerfen. Doch 120 Jahre werden nur die wenigsten Anleger alt. Auf Sicht von 50 Jahren liegen in Japan bereits die Anleihen vorn, wenn auch knapp mit 3,8% zu 3,6% Rendite. Auf Sicht von 20 Jahren ist die mit Anleihen erzielte Rendite in Japan jedoch den Aktien meilenweit voraus. Während Aktienbesitzer nur eine Realrendite von 1,5% erzielen konnten, spielten Anleihen 3,7% pro Jahr ein. Geldmarktpapiere sind im Japan-Szenario in allen Zeithorizonten Kapitalvernichter gewesen. In 120 Jahren verloren Geldmarkt-Anleger 1,8% Realrendite pro Jahr. In 20 Jahren immerhin noch 0,1%. Nur auf Sicht von 50 Jahren konnte eine Mini-Rendite von 0,2% eingefahren werden.

Weltweit brachten Anleihen in 20 Jahren kaum noch Mehr-Rendite

OK, nun mag Japan ein besonderer Fall sein, oder nicht? Nein, weltweit haben Anleihen bei der Geldanlage Aktien in den vergangenen 20 Jahren geschlagen. Global gesehen konnten Anleger seit dem Jahr 2000 mit Anleihen 4,8% verdienen, mit Aktien jedoch nur 3,1%. Auch auf Sicht von 50 Jahren ist der Rendite-Vorsprung von Aktien nicht mehr so üppig, wie man glauben könnte. 5,5% für Aktien vs. 4,8% für Anleihen dürften den einen oder anderen Anleger zum Nachdenken bringen. Lohnt sich das höhere Risiko von Aktien wirklich, wenn auf Sicht von 50 Jahren nur ein Renditevorsprung von 0,7 Prozentpunkten pro Jahr dabei herausspringt?

Von allen untersuchten Märkten schaffte es nur einer, auch in den vergangenen 20 Jahren mit Aktien eine deutliche Mehr-Rendite gegenüber Anleihen zu erzielen: China. 9,6% Real-Rendite mit Aktien stehen nur 3,1% Real-Rendite mit Anleihen gegenüber. Doch Chinas Markt gleicht inzwischen weitgehend dem Japans, Westeuropas oder dem der USA: Die Unternehmen zeigen nur noch mageres Gewinnwachstum, die Wirtschaft wächst kaum noch, doch die Schulden steigen unaufhörlich. Das hat auch Folgen für die Geldanlage!

Geldanlage-Strategie für China: Anleihen kaufen!

Auch bei den Zinsen geht China bereits den westlichen und japanischen Weg. Der Leitzins sank von 5,1% im Mai 2015 auf 3,85% im Mai 2020 und erwartet wird eine weitere Absenkung auf 3,7% bis zum Quartalsende. Sinkende Zinsen bedeuten gleichzeitig auch steigende Preise für bereits früher herausgegebene Anleihen. Je länger die Restlaufzeit der Anleihen ist und je stärker die Zinsen sinken, umso größere Kurszuwächse kann ein Anleger mit diesen Papieren erzielen.

Eine aussichtsreiche Anlage-Strategie kann also darin bestehen, jetzt auf chinesische Anleihen zu setzen und sinkende Zinsen sowie damit einhergehend steigende Anleihe-Preise zu erwarten! Insgesamt erwarten die Studien-Autoren weltweit sinkende Real-Renditen in allen Anlage-Klassen. Je niedriger die Realzinsen sind, also die gezahlten Zinsen abzüglich Inflation, umso geringer würden auch die Real-Renditen der verschiedenen Anlageklassen ausfallen. Die Bäume wachsen bei der Geldanlage inzwischen nicht mehr in den Himmel. Zu erwarten sind künftig wohl eher bodennahe Sträucher.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – “Warten auf Trump”

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Ja, wie zutreffend ist die Headline zu seinem aktuellen Video! Der ganze Markt wartet aktuell auf die Trump-PK zu den erwarteten Reaktionen auf Chinas Sicherheitsgesetz.

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